Hilfe für die Unterkorrigierten dieser Welt ...

  • oder Vixen ED130SS, ein (vorläufiger) Abschlussbericht.
    Hi Leute,
    vielleicht hat ja der eine oder andere von Euch diesen http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=11192 kurzen Zwischenbericht über meine Tüte gelesen, sein Name war seit jeher 'Eddy', na von was schon, natürlich von ED. Um das Ende vom Lied vorwegzunehmen, er wurde um getauft in 'Edwin', Spitzname natürlich wieder 'Eddy':wub:
    Jetzt denkt Ihr sicher, der hatse nicht mehr alle, was schreibt uns der hier von irgendwelchen Taufaktionen. Ok, dann mal der Reihe nach ...
    Der Anfang vom Lied war, das ich mir ein Ronchi-Okular kaufte. Ich sag Euch, wollt ihr Euren seelischen Frieden bewahren, lasst die Finger von som Zeug, bringt meist nur Unglück. Und so war es denn auch in meinem Fall. Am Polarstern zeigten sich die ersten, aber ziemlich eindeutigen Zeichen von Unterkorrektur. Im Oktober letzten Jahres bin ich dann zu Wolfgang gefahren, um - wie man im Rheinland sagt - Tacheles zu reden. Ergebnis, wie schon im oben verlinkten Thread geschrieben, Unterkorrektur und zwar eher Lambda/4 als Lambda/5, Strehl entsprechend um die 89% im Grünen.
    Siehe hier:
    astro-foren.de/wcf/index.php?attachment/1143/
    oder hier:
    astro-foren.de/wcf/index.php?attachment/1144/
    Auch schön zu sehen, in der hohen Energie der Beugungsringe:
    astro-foren.de/wcf/index.php?attachment/1145/
    Sehr sehr unangenehm, da nur zu korrigieren, wenn man den Größe des Luftspalts im Doublett verringert und Eddy zeigt eben zudem Newtenringe, was auf einen zumindest sehr kleinen Luftspalt hindeutet. Anfänglich habe ich befürchtet, die Linsen würden sich sogar berühren. Dies konnte ich aber nach einiger Überlegung und ein bißchen experimentieren ausschließen: Liegen zwei optische Flächen auf Press aneinander, bildet sich an der Berührungsstelle eine so genannte 'frustrierte Totalreflexion' aus (passte wunderbar zu meinem damaligen seelischen Zustand :shaun:), was sich darin widerspiegelt, dass sich eben nichts mehr widerspiegelt, will sagen, beleuchtet man diese Stelle mit einer Lichtquelle, so entstehen dort keine Reflexionen, da Glas auf Glas liegt. Nichtsdestotrotz, man kann stark davon ausgehen, dass für die notwendige Abstandsverringerung keine Luft mehr ist, also musste eine andere Lösung her ... und diese ist in dem damaligen Kurzbericht auch schon beschrieben. Hatte mir nämlich für teuer Geld einen Aries Safix zugelegt. Mit dieser Zusatzoptik lässt sich eine sphärische Abweichung in weiten Bereichen herauskorrigieren. Nur, so richtig glücklich war ich damit auch nicht, da dessen freier Durchlass wesentlich geringer ist als für die Ausleuchtung der meisten 1,25"-Okulare nötig wäre. Eine vollständige Ausleuchtung ging nur bis etwa Ortho 10mm, was nicht wirklich viel Feld bedeutet. Zudem ist er mit einer seltsamen goldenen Schicht entspiegelt, die neben Reflexen auch ein sehr kühles Bild produziert.
    Und da kam mir ein eine Warnung in den Sinn, nämlich dass die Baader Glaswegkorrektoren unbedingt in der richtigen Ausrichtung, nämlich mit der konvexen Linse zum Objektiv zeigend verbaut werden müssen. Aber was würde passieren, wenn man dieses Gebot missachtet ? Gut, Bildfehler, aber welche konnten diese sein ? Natürlich nur rotationssymmetrische, wenn der Korrektor ansonsten in Ordnung ist ... und das heisst, natürlich - BINGO - sphärische Aberration, nur welches Vorzeichen, Über- oder Unterkorrektur ? Also am gleichen Abend den dreifarbigen künstlichen Stern, den ich mir inzwischen angeschafft hatte, mit grüner LED in gut 30m Abstand aufgestellt, einen 1,25x-Korrektor 'falschherum' eingebaut, d.h. in die Steckhülse vor den T2-Spiegel. Beim ersten Blick durchs Ronchigitter blieb mir glatt der Mund offen stehen. Die zuvor in der Mitte eingeschnürten Linien waren schnurgerade, jippijeijeh !!!! Natürlich bin ich daraufhin mehrfach hin- und hergesprungen zwischen dem Zustand mit und ohne Korrektor, aber das Ergebnis war eindeutig: Eine sphärische Aberration war im Rahmen der möglichen Genauigkeit (10Linien/mm im einfachen Durchgang) nicht mehr festzustellen ! Puh ! Die weiteren Testtage vergingen mit einer Variation des Abstands des künstlichen Sterns, um auch hier sicher zu gehen. Aber 30m sind genug, um eine zusätzliche sphärische Aberration durch den endlichen Abstand nahezu auszuschließen. Übrigens, wen's interessiert, dieser endliche Abstand führt bei Refraktoren im Gegensatz zu Newtons zu einer zusätzlichen Unterkorrektur. Auch den Einfluss des GWK's auf die Schnittweiten hieß es zu natürlich zu untersuchen. Hierbei ist man natürlich mit Hausmitteln sehr eingeschränkt, dennoch diverse Testbeobachtungen unseres Kirchturms bzw. einer rostigen Fernsehantenne unseres Nachbarn zeigten schon, dass die Farbkorrektur kaum bzw. gar nicht gelitten hatten. Aber dies wollte ich dann doch noch etwas genauer wissen, so dass mich mein Weg letzten Freitag ein zweites Mal zu Wolfgang führte und wir den so korrigierten Refraktor nochmals auf die Bank legten. Dabei kam dann dieses
    astro-foren.de/wcf/index.php?attachment/1141/
    sowie dieses
    astro-foren.de/wcf/index.php?attachment/1142/
    heraus und zwar mit einem Mörderstrehl von 98,3% ! Wer genau hinschaut wird dem Igramm einiges an Asti ansehen, den wir aber aus der Auswertung rausgeschmissen haben. Erst im Nachhinein fiel nämlich auf, dass das Objektiv stark mit Asti reagiert, wenn man es auf Berührung mit dem Tubusende verschraubt. Schon unglaublich, wie empfindlich Glas auf leichtesten Druck reagiert. Naja, der berühmte 1/4-Dreh rückwärts hats dann sofort gebracht und die Beugungsscheibchen waren wieder kreisrund. Also der GWK führt keinen nennenswerten Asti ein. Wäre noch die Frage der Farbkorrektur zu klären. Dazu habe ich mich zu Hause in Ruhe hingesetzt und die SWD's zusätzlich mit der Z3-Methode ausgerechnet. Diese stimmen - wie so häufig - innerhalb von 10% mit den von Wolfgang ermittelten SWD's überein. Ergebnis: RC-Wert vor der OP ~ RC-Wert nach der OP und zwar in beiden Fällen < 2 ! Rot wird zwar von den ursprünglichen 150um auf etwa 220um und blau von 45um auf 65um weiter nach hinten rausgeschoben. Dies wird aber von der gestiegenen Tiefenschärfe recht genau wieder kompensiert. Der GWK, dessen optimale Position wir bei dieser Messung auch bestimmt haben, verlängert die Brennweite um etwa 1,15. Die Tiefenschärfe selber hängt von (f/D)^2 ab, was einen Faktor 1.32 ergibt. Der RC-Wert wird im Ergebnis kaum beeinflusst ! Insbesondere liegen die für das Nachtsehen wichtigen Farben blau, grün und gelb innerhalb von 65um beieinander, was - wenn man nur diese drei Farben berücksichtigt - einen RC deutlich kleiner 1 ergibt.
    Also Fazit: Es ist möglich, mit den Baader-Glaswegkorrektoren 1,25x und 1,7x eine Lambda/4-Unterkorrektur herauszukorrigieren und dies bei marginaler Änderung des Farbfehlers. Je nach Stärke der Unterkorrektur findet man einen anderen optimalen Abstand des Korrektors von der Fokalebene. Das muss man nicht interferometrisch ausmessen, es geht auch mit dem Ronchi am echten Stern oder an einem weit genug entfernten künstlichen. In meinem Fall ist der optimale Abstand ca. 90mm vor der Fokalebene, wo der Korrektor ungezwungen in der Steckhülse des T2-Zenitspiegels seinen Platz findet. Natürlich hängt die optimale Position nicht nur von der Stärke der Fehlkorrektur ab, sondern auch von den optischen Daten des Teleskops, muss man halt ausprobieren. Der freie Durchlass erlaubt weiterhin eine vollständige Ausleuchtung von 1,25"-Okularen, sodass man auch im mittleren Vergrößerungsbereich in den Genuss einer sphärisch perfekt korrigierten Optik kommt.
    Zum Abschluss ein weiteres Highlight und zwar für die H-alpha-Beobachter, die sich schon immer fragten, welchen Refraktor sie für 656nm optimalerweise einsezten: Da der Gaußfehler immer in die Richtung geht, dass rot unterkorrigiert wird, kann man die GWK's auch dafür einsetzen, die optimal korrigierte Wellenlänge auf das Rote zu verschieben. D.h., jeder halbwegs gut korrigierte Fraunhofer kann mit einem GWK bestückt und für H-alpha optimiert werden. Auch das haben Wolfgang und ich mit Erfolg getestet. Ich bin schon mal sehr gespannt auf meine ersten H-alpha-Anblicke durch das so korrigierte Rohr, wenn bloß mal die Sonne rauskäme :blink:
    So, jetzt glühen mir die Finger und ich lasses gut sein. Nur noch eins, warum heisst er denn nun 'Edwin', nun ja, er trägt nun auch Brille wie sein großes Vorbild, alles klar ?
    Perfekt korrigierte Grüße aus Bonn !
    Stefan

  • Hallo Wolfgang,
    kannst Du gerne tun, war ja auch recht witzig.
    Grüße
    Stefan
    PS: Die Auswertung des Newtons mit openFringe hab ich schon vor ein paar Tagen an Dich per Email verschickt.

  • Hallo Stefan,

    die Auswertung habe ich bereits studiert, nur war ich gestern außer Haus, und weil meine Kamera ihren Geist aufgibt, arbeite ich mich grad in eine neue ein.

    Aber nun zur Geschichte selbst:

    Ohne Tubus läßt sich manchmal ein Objektiv besser beurteilen - also hatten wir beschlossen, das Objektiv abzuschrauben. Es geht auch sehr leicht und mit Schwung schrauben wir, ich oder Du oder Beide gemeinsam, das Objektiv herunter.

    . . . wäre da nicht so ein schleifendes Geräusch gewesen, was mir mindestens blümerant vorkam, also höchst unüblich. Auf meine Nachfrage erzählst Du mir was von sehr viel Spiel, das die Linsen in der Fassung hätten.

    Irgendwann guckten wir wieder durch das Objektiv und freuten uns nicht gerade über eine deutliche Achskoma, weshalb es um die Frage ging, machst du mir die raus? Der vordere Schraubring sei eingeklebt, war Dein kurzer Kommentar.

    Und tatsächlich, ließ sich dieser Schraubring trotz entsprechendem Werkzeug gar nicht lösen.

    In diesem Moment rotierten meine grauen Zellen, indem ich mich an jenes Schleif-Geräusch zurück-erinnerte mit der Idee, was sich in eine Richtung gedreht hätte, müßte sich bei entsprechender Rück- oder Weiter-Drehung irgendwann wieder im alten Zustand einfinden.

    Zweimal mit Schwung ein erneuter Drehversuch - und die Sache war perfekt, oder wieder perfekt. Reine Intuition - aber es hat funktioniert, wie so oft in der Optik.

  • Hallo Wolfgang,
    danke für die Vervollständigung des Berichts über unseren Messnachmittag. Der Vollständigkeit halber sollte aber bemerkt werden, dass dieses Objektiv nicht dasjenige ist, über das ich oben berichtet habe.
    Viele Grüße
    Stefan