RC Wert für Achromate grafisch dargestellt.

    • RC Wert für Achromate grafisch dargestellt.

      Hallo zusammen,


      ich hatte ja schon mehrfach die Berechnung des RC Wertes auf Basis des sekundären Spektrums der Glaspaarung und der wellenoptischen Schärfentiefe gezeigt.
      Ich fand bisher eigentlich eine einfache Sache.
      In einer Diskussion wurde mir da gesagt das es zumindest für Anfänger doch noch zu kompliziert sei.


      Nun gut ich habe daher die klassische Berechnung wie schon mehrfach von mir gezeigt vereinfacht in dem ich mit einem festen Faktor arbeite der für ein sekundäres Spektrum der Glaspaarung von f/1800 und die Wellenlängen FCe gilt.
      Die wellenoptische Schärfentiefe basiert auf e also 546nm.


      Der Farblängsfehler ist ja neben gerade genannten Parametern noch abhängig von Öffnung und Öffnungsverhältnis bzw. Öffnungszahl
      Wenn man oben genannte Parameter in einem festen Faktor zusammenfasst ergibt sich folgende Formel.


      RC = 1/(N/D) * 0,508

      D…. Durchmesser der Öffnung in mm
      N….Öffnungszahl (f/D)


      Diese lässt sich natürlich noch umstellen so das man auch rechnen kann.


      RC = F * D * 0,508


      D…. Durchmesser der Öffnung in mm
      F…..Öffnungsverhältnis (D/f)


      oder auch


      RC = D^2 * 0,508 / f


      D…. Durchmesser der Öffnung in mm
      f…..Brennweite in mm


      Wenn man mit der Brennweite rechnen möchte.
      Nun war man in besagter Diskussion immer noch der Meinung das auch die vereinfachte Berechnung zu unverständlich sei und man daher eine Tabelle die auf einem altmodischen und in Europa unüblichen N/D Verhältnis in Zoll basiert welche man schon seit Jahren verwendet hatte bevorzugt.
      In besagter Tabelle sind unterschiedliche Grade der Farbkorrektur farblich wie folgt gekennzeichnet
      Grün bis zum FH Kriterium
      Gelb wird als filterbar eingestuft und Rot ist dann unzureichend.


      cityastronomy.com/CA-ratio-chart-achro.jpg


      Ich habe mir mal die Arbeit gemacht das Ganze in den moderneren und Europa doch üblicheren RC Wert umzustellen und von der unübersichtlichen Tabellenform in eine verständlichere Grafik zu bringen.
      Die Farbcodierung aus der Tabelle habe ich übernommen und um der fließenden Entwicklung in der Farbkorrektur Rechnung zu tragen habe ich für die Übergänge einen Farbverlauf verwendet.
      Das ist doch etwas differenzierter und ein Vorteil gegenüber der schwarz /weiß Malerei wie wir sie in der Tabellenform vorfinden Darüber hinaus habe ich noch die Bereiche halb APO und APO ergänzt um deutlich
      zu machen das es auch im „grünen“ Bereich noch Unterschiede gibt.
      Herausgekommen ist dann folgende Grafik.





      Zur Interpretation habe ich hier noch was geschrieben.


      forum.astronomie.de/phpapps/ub…bfehler_bei_f#Post1272554


      Ein weiterer erwähnenswerter Punkt wäre der zur Beurteilung des subjektiv wahrgenommenen Farbfehlers bei größerer AP als 1mm gedachte RC effektiv.
      Er errechnet sich aus.

      RC effektiv = RC / AP


      Diese Rechnung wurde von Lichtenknecker eingeführt und beruht auf der Annahme das bei einer AP von 1mm das volle Auflösungsvermögen der Öffnung vom Beobachter genutzt werden kann.
      Bei größerer AP ist das dann natürlich nicht mehr der Fall und so kann auch der Farbfehler vom Beobachter dementsprechend schlechter aufgelöst werden was dann zur Folge hat das er ihm entsprechend kleiner erscheint.


      Ich habe diese Berechnung und eine kleines Beispiel ebenfalls in meine Grafik aufgenommen und will so deutlich machen das auch Optiken die vom RC Wert her schon im roten Bereich sind bei kleineren Vergrößerungen also
      größerer AP durchaus auch je nach AP in den gelben oder grünen Bereich kommen können und damit sehr schöne Großfeldbeobachtungen gemacht werden können.

      Ich hoffe ich konnte die RC Wert Problematik doch so einfach und anschaulich wie möglich rüberbringen.


      Grüße Gerd
    • A018 * Index-Vergleichstabelle; Bild_P1, Bild_P2, Bild_P3, Bild_P4;

      Hallo Gerd,

      von Dr. Pudenz, Zeiss, gibt es einen oberen Text, der immer dann hilfreich ist, wenn man, wie in Deinem Beitrag oben,
      die Glas-Daten zur Verfügung hat. Für einen Designer kein Problem, weil er damit ganz wesentlich zu tun hat.
      Wenn man aber ein wildfremdes Teleskop untersuchen will, von dem weder Glas-Paarung noch sonst irgendwelche
      Brechnungs-Indizes verfügbar sind, weil sie der Händler nicht hat und der Hersteller nicht raus-rückt, dann kann man
      sich nur auf das Vermessen der Farbschnittweiten verlegen und diese Differenz ins Verhältnis zur wellen-optische Abbildungs-
      Tiefe (Schärfentiefe) setzen. Verglichen mit der oberen Tafel der Vergleichstabelle und verglichen mit den Zahlen, wie
      sie weiland Dieter Lichtenknecker ermittelt hatte, kamen immer ähnliche Ergebnisse heraus, die von Teleskop zu Teleskop
      individuell variieren können, weil hier nicht das Design sondern die aktuelle Fertigung dominiert.

      Bei der Betrachtung der RC-Indexzahl spielt es eine Rolle, ob aus Vergleichsgründen die Situation bei der Nacht- bzw. Tag-
      Beobachtung gemeint ist, dann die Differenzierung der Art der Objekte, und was man noch differenzieren will. Alles in allem
      neige ich dazu, den gesamten Sachverhalt an der Beobachtungs-Praxis zu orientieren, wenn man nun schon akribisch ver-
      gleichen will. (Im übrigen ist es sicher nicht unsere Absicht, verkaufsfördernde Argumente zu finden, sondern möglichst
      gut zu informieren.)
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Rohr ()

    • Hallo Wolfgang,

      oben genannte Formeln mit dem Faktor 0,508 sowie die Grafik gelten wie ja auch dabeisteht für Achromate.
      Achromate sind definitionsgemäß Refraktoren bei denen ausschließlich Standartgläser zum Einsatz kommen.
      Hier gilt grundsätzlich immer für die Wellenlängen FCe ein sekundäres Spektrum der Glaspaarung von f/1800.
      Dabei spielt es keine Rolle welche Standartgläser nun konkret verwendet wurden.
      Man benötiget also demzufolge auch keine Angaben zur Glaspaarung wenn man weiß das es sich um einen Achromaten handelt.

      Wenn du also weist das es sich um einen Achromaten handelt weist du das das sekundäre Spektrum der Glaspaarung f/1800 beträgt und musst da nichts messen.
      Dann kann man um den RC Wert zu bilden eine der oben gezeigten vereinfachten Formeln verwenden oder den RC Wert für die Eckdaten des betreffenden Refraktors ganz einfach aus meiner Grafik entnehmen.
      Rechnen wir das zb. mal für den C 63 / 840 von Zeiss für den Dr. Pudenz einen RC von 2,4 angibt mit allen 3 von mir genannten Formeln

      RC = 1/ (13,334/63) * 0,508 = 2,4
      oder
      RC = 0,075 * 63 * 0,508 = 2,4
      oder
      RC = 63^2 * 0,508 / 840 = 2,4

      Nur für den AS 63/840 der ja klein Achromat sondern ein halb APO mit einem Sonderglas und damit einem kleineren sekundären Spektrum der Glaspaarung ist kann man die vereinfachten Formeln die ja mit Faktor 0,508 nur für Achromate gelten natürlich nicht anwenden.
      Hier benötigt man für die vereinfachten Formeln den passenden Faktor oder rechnet klassisch wie von mir an anderer Stelle schon mehrfach angegeben.
      Also über die Gläser das sekundäre Spektrum der Glaspaarung ermitteln daraus dann die Schnittweite bestimmen und zum Schluss das Verhältnis dieser Schnittweiten zur wellenoptischen Schärfentiefe bilden.

      Grüße Gerd
    • Lieber Gerd,

      meine Botschaft lautet immer noch:

      Was für einen Optik-Designer einfach ist, weil er über die opt. Daten verfügt, gilt für einen Meßtechniker nicht.
      Bei einem X-beliebigen Teleskop hat er weder die Glas-Paarung noch die Brechungs-Indizes der Gläser. Auch
      ist es ein großer Unterschied, ob wir ein Design diskutieren, oder ein individuell gefertigtes Teleskop.
      (Gefangen im Elfenbeinturm)

      Also wieder einmal meiner Botschaft ausgewichen.
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/
    • Hallo Gerd und Wolfgang!

      In einer sich rasant verändernden Welt sind eure Dispute ein Beweis dafür daß einiges noch immer wie früher ist.
      Ich wünsche euch rege Diskussionen.

      Detlev
      "Wir sind aus Sternenstaub gemacht." - Carl Sagan

      Bresser 10x50
      150/750 Dobson
      70/700 Skylux Refraktor
      Frisch reingekommen: Meade ETX-70
      Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel, Zollstöcke, Brettchen und wenig Zeit...
    • Hallo Wolfgang und Gerd,

      ich habe keine Sorgen daß euch die Themen ausgehen.
      Erinnerst ihr euch noch an Hauser und Kienzle ? Vielleicht schreibt ihr zusammen mal ein Buch - beginnend mit je einem halben Vorwort, danach optische Themen je von zwei Seiten beleuchtet?

      sonntägliche Grüße
      Detlev
      "Wir sind aus Sternenstaub gemacht." - Carl Sagan

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      Frisch reingekommen: Meade ETX-70
      Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel, Zollstöcke, Brettchen und wenig Zeit...
    • Wenn ich Dich, lieber Detlev, beim Wort nehmen darf, dann wäre für die Theorie der Gerd,
      und für die Praxis der Wolfgang zuständig. Und jeder Leser könnte sich selbst heraussuchen,
      auf welche Seite er sich schlagen möchte. Ein verspätetes Helau . . .

      Hier, damit Du auch noch was anderes zu lesen kriegst. Vielleicht hängst Du dort auch einen Kommentar dran.
      r2.astro-foren.com/index.php/d…ch-kugelspiegel#Kommentar
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/
    • Hallo Gerd,
      das Diagramm zeigt ja m.E. nur rein mathematisch die RC Werte für verschiedene FH´s die aber alle das Kriterium f/1800 erfüllen.
      Mein "Elite" 127/1200 FH ( auf Montierung, siehe Bild ) hat nach o.g. Formel einen RC-Wert von 6,8 - liegt damit ausserhalb des
      grünen FH Feldes - ist aber korrigierbar. ( ist das nun noch ein FH ? ) Auffällig ist ein extrem starker Blausaum ( Venus ) der allerdings
      mit dem entsprechenden Filter erträglich wird. (Fringe Killer, APO Booster)
      Auffällig ist aber auch, dass alle anderen Farben im Fokus ein ordentliches Bild ergeben so dass Venus, in einer Art blauem Tüll zwar,
      knackscharf ihre Form preisgibt. DS ist visuell auch ohne Filter zufriedenstellend, offensichtlich befördert durch die geringere Farbempfindung
      des Auges in diesem Fall. Ich habe die Farblängsabweichung nachgemessen und der visuelle Eindruck hat sich bestätigt - hier die
      Abweichungen zum Fokus GRÜN : Fokus GELB -0,15 mm, Fokus ROT +0,15 mm, Fokus BLau +1,8 mm, gegen Planspiegel gemessen,
      Foucault Tester mit entspr. IF , Schneide und Lichtquelle bewegen sich zusammen auf x-y- Support mit 1/100 Messspindeln. Da
      im Doppelpass gemessen wurde sind die Werte noch zu halbieren. Es ergibt sich daraus nun hinsichtlich f/1800 eine Längsabweichung
      von (1,8 + 0,15) / 2 = 0,97 mm was ja f/1300 entspricht - das Objektiv erfüllt diese Forderung also nicht - kann demzufolge auch nicht
      einen RC-Wert von 6,8 haben.
      Korrektur: das Transmissions - Maximum meines IFs für Blau liegt bei 450 nm - entspricht also nicht dem Standard und führt gegenüber
      der F-Linie zu einer grösseren Farblängsabweichung. (0,9mm gemessen bei 450 nm)
      Der Gaussfehler ist nicht berücksichtig, bläht aber im visuellen Best Fokus das Sternbildchen auf ca 0,02 mm auf, was ja zumindest
      an der Beugungsgrenze kratzt aber diese nicht erfüllt. (Airy 0,013 mm)
      Praktisch ist daher aus meiner Sicht die Darstellung im obigen Diagramm nur bedingt ( als Spezifikation ) verwendbar. In meinem Fall,
      wenn man die Unschärfe im Blauen wegfiltert, ist der Gaussfehler entscheidender als die Farblängsabweichung - zumindest ergeben das
      meine Betrachtungen.
      Beste Grüße, Joachim

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von alderamin ()

    • Lieber Detlev,

      im zarten Alter von 72 Jahren muß man sich ja nix mehr beweisen . Es gibt natürlich auch andere Charaktere, die sich
      hier produzieren müssen: r2.astro-foren.com/index.php/d…ch-kugelspiegel#Kommentar

      Man hat es also mit freundlichen und umgänglichen Menschen zu tun, denen man auch gerne schreibt, weil's nicht anstrengend ist.
      In manchen Fällen jedoch treten Beiträge regelrecht auf der Stelle, immer die gleiche Scheuklappen-Sicht, möglichst kein Dialog, weil
      es halt auch andere Erfahrungen und damit Standpunkte gibt.

      Und wenn man derart immer wieder stapaziert werden soll, die eigene Position möglichst zu verleugnen, damit der Gegenüber
      umso besser strahlen soll, dann wird es irgendwann sinnlos, weil ein Dialog ist das nicht, sondern nur das Putzen des eigenen
      Federkleides nach dem Motto: Bin ich nicht der Schönste ????

      Der in meinem Link ist so einer. Der hätte es liebend gerne, daß ich jedesmal sage, daß er der Größte und Schönste und Tüchtigste ist,
      wo er doch sogar noch ca. 5 Jahre älter ist - und die Restlaufzeit gar nicht mehr so lange, In memoriam Martin Birkmeier, den ich
      schon sehr vermisse.
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/
    • Hallo Zusammen,

      Die Abbe-Zahlen heute verfügbarer Gläser, variieren beispielsweise von 20 - ca.28 für dichtes Flintglas und ca. 55 - 72 für Kronglas und ca.78 - 87 für Fluorkronglas, und bei moderneren Sondergläsern sicher auch!

      Keiner kann da sagen, dass alles noch nach den im vorigen Jahrhundert festgelegten Kriterien, bei einer Wellenlängen FCe ein sekundäres Spektrum der Glaspaarung noch genau f/1800 rauskommt!
      Wenn das aber alles vernachlässigbar wäre, ist jegliche Diskussion über Qualität einer Optik absolut hinfällig!
      Keiner kann und wird die nötigen genauen Daten jeder Glasschmelze offenlegen oder jeweils messen, man wird auch da nur theoretische Mixturwerte bekommen ohne jegliche +/- Bandbreiten Angaben!

      Kein heute gefertigter FH liegt da sicher genau bei f/1800, aber welche Streuung ist da zulässig bevor sie sich nachteilig auswirkt!
      Nur eine genauer Vermessung kann für ein Objektiv nachweisen ob, die theoretische Vorgabe getroffen, oder um wieviel sie verfehlt wurde und wo die beste Korrektur nun wirklich liegt, oder überhaupt nicht mehr durch veränderte Anordnung erreichbar ist!

      Von fast jedem Hersteller sind Optiken bekannt, die sich nicht weiter korrigieren lassen und die Vorgaben um längen verfehlt haben, weil andere Fertigungsfehler der Linsen es nicht mehr zuließen!

      Hier ist dann mit keinem Theoretischem Formelwerk Abhilfe zu schaffen, noch kann damit erkannt werden was mit der Optik nun eigentlich los ist!

      Sicher ist es vielleicht möglich, diese Streuung der Abbe-Zahlen / Brechungsindizes usw. für eine Glaspaarung durch entsprechende Kurvengebung der Beteiligten Linsen, eine brauchbare Optik zusammen zustellen, macht aber keiner wehrend einer Großserie!

      Daher ist es vollkommen unsinnig, das Eine mit dem Anderen ersetzen zu wollen, Theorie für Design auf einer Seite und Messung zur Kontrolle auf der Anderen, sind durch nichts zu ersetzen! Wenn Beide die Ihnen gebotenen Richtlinien einhalten!

      Dauernde Versuche, dass zu ändern, können nur scheitern und sind auf die Dauer im höchsten Masse unredlich!

      Vereinzelte OT Kommentare, die da aus unverstandener Verlegenheit hineingrätschen, sollte man sich in Fachforen möglichst verkneifen!


      Gruß Günter
      g2-astronomie.de

      GSO 12" Dobson, C8-Orange, C8-Schmidtkamera, Comet-Catcher, LW125/1300, MTO100/1000 MAK, Skywatcher ED 80 PRO, Skywatcher 8" Dobson, Skywatcher Maksutov SKM 127 / 1500
    • Hallo Wolfgang,
      hallo Günter,
      hallo Alle,

      Also irgendwie verstehe ich jetzt da etwas nicht !

      (Ich bitte um Voraus um Entschuldigung für die philosophische Natur meines Beitrags, ... sowas scheint gerade nicht "in" zu sein).

      Mein Verständnisproblem hängt mit "Datensammlungen" zusammen.

      Wolfgang, Du hast doch Dein ganzes Leben lang Daten über Optiken gesammelt. ... Warum ? ... Natürlich, um etwas herauszufinden.

      Aristoteles (und jetzt wird es philosophisch) hat zum ersten Mal vor 2500 Jahren - theoretisch (den "Praktikern war das natürlich längst bekannt) die Unterscheidung zwischen "Analyse" (Demontage) und "Synthese" (Wieder-Zusammenbau) schriftlich niedergelegt und begründet. Weil es, soweit ersichtlich, das erste Mal war, dass jemand diese Unterscheidung (in Buchform) in die Diskussion eingebracht hat, wird er als der "Erfinder" diese Unterscheidung angesehen.

      Natürlich "lernt" jedes Kind zunächst durch "Auseinander-Bauen" und dann wieder "Zusammen-Bauen". Und die Methoden der "Kopierer" (z.B. Japaner in der Optik vor 50 Jahren) unterscheiden sich von denen der lernenden Kinder höchstens dadurch, dass bei der Demontage weniger brachiale Gewalt angewandt wird.

      ABER: Darauf will ich gar nicht hinaus. Was mich "irgendwie" stört ist ist die (vielleicht von mir missverstandene, aber) eindeutig logische Konsequenz Eurer letzten Beiträge, welche ich in folgender Frage zum Ausdruck bringen möchte:

      Wollt Ihr denn die Erkenntnisse aus Deiner, Wolfgangs, "Datensammlung" denn NIEMALS in einer 'Synthese" wieder "zusammenbauen". Also ich verstehe den letzten Beitrag von Günter so, dass eine solche Synthese nicht möglich ist, weil die Daten zu verschieden sind.

      Also ich halte die "Datensammelwut" zwar manchmal auch für sinnlos (siehe Datenschutz), aber nicht immer: Wenn man aber Daten sammelt, muss man sie irgendwann (kann natürlich zu früh sein) auch mal zusammenführen, um zu einem Ergebnis zu kommen. ... Und dabei muss man natürlich sehr darauf achten auf welche "Population" man die Daten anwendet (und klar sagen, dass sie für "Grenzgebiete" der "Population" nicht gültig ist. Jede Theorie / mathematische Formel ist in "Grenzgebieten / Extremsituationen" fehlerhaft siehe Relativitätstheorie gegen Quantentheorie: "Gott würfelt nicht").

      Wenn man aber gesammelte Daten NIE in einer Statistik / Grafik zusammenführt (weil man sagt, die Daten sind zu verschieden), ist auch die - vorausgegangene - Sammlung von Daten sinnlos. (... DAS KANN natürlich - manchmal - auch das Ergebnis sein, ABER ... ... wenn das immer öfter so wäre ... ... das wäre dann wirklich das "postfaktische Zeitalter").


      Lieben Gruss
      Rudi
      ----
      "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"
      (Berthold Brecht)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von AstroRudi () aus folgendem Grund: "wenn das immer öfter so wäre" ergänzt

    • Wir sind doch ein kleiner überschaubarer Kreis, lieber Rudi! Ob etwas Zit:"die philosophische Natur meines Beitrags, ... sowas scheint gerade nicht 'in' zu sein" scheint, wäre schon wegen unserer kleinen Truppe eher unbedeutend. Jeder iss halt anders drauf!
      Was mir an Günters Beitrag gefiehl. war die Bodenhaftung seiner Argumente, die sich offenbar stärker an den heutigen Bedingungen, der Optik-Industrie zu orientieren scheint. Mir ist dieser praktische Ansatz lieber, als das angelesene Wissen so mancher Beiträge, besonders wenn es nicht verdaut ist.
      Zit:"Du hast doch Dein ganzes Leben lang Daten über Optiken gesammelt" // Hab' ich, weil es mir Spaß gemacht hat, durch Linsen zu schauen und zu sehen, was damit alles möglich ist. Das Feld ist ungemein groß und mein Horizont könnte noch viel größer sein, wenn ich es beruflich verfolgt hätte - ich bin aber trotzdem damit zufrieden.
      Die Geschichte der Wissenschaft, lese ich gerade bei Carlo Rovelli: "Die Wirklichkeit, die nicht so ist, ...: Eine Reise in die Welt der Quantengravitation" zeichnet sehr schön die Bedingungen der Entwicklung von Theorien nach, und das geht manchmal über Jahrhunderte.

      Zit:"Wollt Ihr denn die Erkenntnisse aus Deiner, Wolfgangs, "Datensammlung" denn NIEMALS in einer 'Synthese" wieder "zusammenbauen". Also ich verstehe den letzten Beitrag von Günter so, dass eine solche Synthese nicht möglich ist, weil die Daten zu verschieden sind. "
      In diesen Kathegorien denke ich nicht. Ich führe hier eine Art Tagebuch: rohr.aiax.de/RammBoecke.jpg U.a. zum Zweck, selbst nachzuschauen, wie das damals bei einem bestimmten Teleskop war, und nur ganz langsam schält sich dann eine Erfahrung und damit Standpunkt heraus, für den dieser Beitrag stehen würde. Es ist also keine Zit"Datensammelwut", sondern zunächst ein persönliches Kompendium, das einfacher durchzuführen bzw. realisieren ist als ein Buch, das eines Tages eingefroren ist und damit veraltet. Man kann also lebenslang daran arbeiten, und wenn es dann auch für andere informativ ist, soll es mir recht sein. Jedenfalls befreit mich dieser Weblog astro-foren.com weitest-gehend von dummen Auseinandersetzungen.

      Insgesamt starte ich immer aus der praktischen Ecke. Das hat mit meinem Beruf als Feinmechaniker zu tun. Da hat man ein Werkstück in der Hand und verfolgt den Herstellungsprozeß an der Bohrmaschine, der Drehbank oder der Fräsmaschine . . . Wenn ich z.B. dann von bestimmten Leuten ihre "Werkstücke" vorgeführt bekomme, aus denen sie ihre Theorien ableiten, dann graust es mich erst einmal, weil man sieht, wie gering deren handwerkliches Können wirklich ist.

      Zit:"aber gesammelte Daten NIE in einer Statistik / Grafik zusammenführt" Das ist also nicht meine Arbeitsweise. Ich mache Protokolle, um mir mein eigenes Wissen verfügbar zu machen. Statistik und Grafiken müssen z.B. nicht stimmen und bilden die Wirklichkeit nicht unbedingt richtig ab!!

      Wie gesagt, Theoretiker haben das grundsätzliche Problem, daß ihre Theorie durch harte Beweise erhärtet werden muß.
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/
    • Hallo Liebe Disputierer

      ;)

      Rohr schrieb:

      Wie gesagt, Theoretiker haben das grundsätzliche Problem, daß ihre Theorie durch harte Beweise erhärtet werden muß.

      Und die Praktiker versuchen unentwegt dem theoretisch möglichen nahe zu kommen.
      Ohne es jemals erreichen zu können.

      ^^

      So haben beide Seiten ihre Probleme mit der reinen Lehre.

      Freundliche Grüße
      Mark
      Teleskoppark :) :
      Revue? ______60/910mm Refraktor
      Firstscope ___76/300mm Newton
      Heritage ____130/650mm Newton
      Eigenbau____76/700mm Newton 2" OAZ, In Arbeit
      Bresser _____114/900mm Newton
    • Hallo Wolfgang,

      nur um etwas klarzustellen (den Rest Deines Beitrags muss ich noch "absacken" lassen): das mit der "Datensammelwut" war in keinster Weise gegen Dich gerichtet, ... sondern zum Vergleich (als "Analogie") herangezogen, und ich meinte damit allenfalls (und ich sage das ausdrücklich als Bürger im Verhältnis zum Staat) gewisse Minister / Teile der Regierung.

      Schönen Abend !
      Rudi
      ----
      "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"
      (Berthold Brecht)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von AstroRudi ()

    • Hallo Mark,

      > Und die Praktiker versuchen unentwegt dem theoretisch möglichen nahe zu kommen.
      Ohne es jemals erreichen zu können. <

      Das ist kein Wettrennen, der Theoretiker stellt Eine auf, der Mathematiker, kann sich Dieser mit Simulationsrechnugen, annähern, bestätigen oder verwerfen, der Prüfpraktiker kann das daraus resultierenden mögliche Produkt, durch Vermessung da einordnen wo es hingehört.
      Wird das Theoretische Ziel nicht erreicht, lieg es doch am wenigsten am Prüfpraktiker, wenn Er nur alle Fehler anzeigt und der zugehörigen Relevanz nach für den Benutzer ausweist!

      Darin ist aber nichts an Wert enthalten, was der konkrete Benutzer in einer wie auch immer gearteten Zusammenstellung, über die drei Wege hinweg daraus mehr herauslesen kann, als der Prüfbericht für sein Spezielles Gerät aufzeigt!

      Die Einordnung in einen wie auch immer geartete Statistik, bringt dem Benutzer nur eine geschwelte Brust, wenn Seins ganz oben liegt, einen angeschwollen Kamm, wenn Seine Erwartung verfehlt wurden.
      Noch kann Er, ohne einen gemessenen Anhaltspunkt dort selbst eine Einordnung, für sein spezielles erworbenes Gerät vornehmen!
      Was aber über die Abbilder von Sterntest,- und Foucaulttest oder Sternabbildung in hoher Vergrößerung, sogar schneller und direkt mit Bezug möglich ist!
      Für all Das, ist der Prüfpraktiker also der Dritte nur der Bote nicht aber die Ursache!

      In beiden Fällen ist das nur in Relation zusetzen, mit dem finanziellen Einsatz den man getätigt oder unterlassen hat!

      Interessante Beobachtungen ermöglichen aber alle Geräte, sollte das für den Anwender neben der oft so akribischen Fehlersuche, auch ein Kriterium sein!

      Gruß Günter

      Ich könnte hier sicher 100 passende Zitate von schlauen Leuten hinschreiben, mir genügt aber die Anregung, die Diese mir seid Jahren durch den schnellen Datenzugriff im Web vermitteln!
      g2-astronomie.de

      GSO 12" Dobson, C8-Orange, C8-Schmidtkamera, Comet-Catcher, LW125/1300, MTO100/1000 MAK, Skywatcher ED 80 PRO, Skywatcher 8" Dobson, Skywatcher Maksutov SKM 127 / 1500
    • Gehen wir es einmal ganz konkret an:
      Ein Maksutov-Cassegrain F/11 soll Strehl-mäßig vermessen werden: Im 1. Beispiel links mit einem Ceravolo-Interferometer,
      auch von ihm "Spherical Wave Interferometer" betitelt. Das Referenz-Element ist die 2. Fläche einer Meniskuslinse. Hier ist
      die Überkorrektur am geringsten, bzw. die Streifen am wenigsten "M"-förmig durchgebogen. Die Gegenkontrolle mit einem
      Bath-Interferometer in gleicher Wellenlänge zeigt, daß es ein Gaußfehler offenbar nicht ist. Eigentlich dürfte bei einem
      f/11 System die sphärische Aberration aus dem Aufbau des Interferometers gering sein. Ich kann mir die Differenz beim
      Öffnungsfehler/Interferometer derzeit nicht erklären.

      Rechts das Interferogramm eines Twyman-Green-Interferometers, ziemlich geringer Kontrast. Das Referenz-Element ist eine
      Sphäre (ein kleiner Kugelspiegel) mit mindestens PV L/10 Genauigkeit, weil ein f/11 Cassegrain. Hier wirkt sich möglicherweise
      ein 15 mm Teilerwürfel auf die Überkorrektur aus, müßte man über ZEMAX nachrechnen. Deshalb ein erheblich geringer
      Strehl.



      Beim Bath-Interferometer ist das Referenz-Element eine kleine Bikonvex-Linse 5.5/10 mm , die sowohl als Referenz-Welle aber auch als
      Informations-Welle benutzt wird. In der Regel kontrastreiche Interferogramme, leider etwas breite Streifen und Artefakte, die die Auswertung
      etwas stören. Hier liegt der Strehl zumindest nahe beieinander, selbst wenn man bei 633 nm wave mißt. Mit dem Bath-IMeter habe ich mindestens
      30 Jahre Erfahrung und benutze ihn ebenso lange. Gemessen an der praktischen Situation sind viele der Strehl-Diskussion schon sehr verwegen, ob
      nun mit oder ohne Diagramm.

      Überträgt man diese Einzelsituation auf die vielen unterschiedlichen "Sachdiskussionen", dann würde ich diese Veranstaltung eher einer
      unterhaltsamen Kommunikation zurechnen, aber weder irgendeiner Theorie noch einer Praxis. Man wird lediglich nachdenklicher, je länger man
      sich mit einem Sachverhalt befaßt.
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/

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