Winroddier zum Optiktest brauchbar?

    • Hallo Wolfgang,

      ich zitiere Dich:

      "Über den Strehlwert kann also N I C H T die Obstruktion gegen-gerechnet werden, wie es in der Szene einige glauben machen wollen !"


      Aber wenn man die Obstruktion über und unter dem Bruch abzieht, dann IST der Idealwert des Strehls ja wieder 1 (obwohl da 0,81 steht), weil der konkrete Wert der geprüften Optik ja - anteilig - um denselben Wert reduziert ist und damit wieder ein korrekter Prozentsatz vom idealen Strehl von 1 ist !

      D.h. es findet bei Winroddier gerade KEINE Gegenrechnung der Obstruktion statt, sondern der Strehl wird unverändert, aber für eine kleinere Fläche gerechnet.

      Sorry, dass ich insistiere.

      Lieben Gruss
      Rudi
      ----
      "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"
      (Berthold Brecht)
    • Äpfel mit Birnen

      Bevor nicht völlig eindeutig ist, wie sich der Begriff "Strehl" herleitet, ist die Diskussion über die Brauchbarkeit
      von WinRoddier_3.0 ohne Basis.

      Der Strehlwert wird über ein Interferogramm ermittelt, das als die Höhen-Linien einer Topografie aufgefaßt wird
      und demzufolge über die Zernike Koeffizienten errechnet wird. Dabei entsteht zunächst der PV-Wert (Peak to Valley)
      ebenfalls ein Begriff aus der Topografie und schließlich der gemittelte RMS-Wert, der sich ebenfalls auf die Topografie
      bezieht. Beide Begriffe sind mit der Geometrischen Optik verbunden und eben nicht mit der Wellenoptik, die den
      Effekt der Beugung und im Weiteren der Obstruktion kennt. So ist es logisch, daß in der Umrechnungs-Formel für den
      Strehlwert nur der RMS-Wert benutzt wird: rohr.aiax.de/Strehl_K.JPG

      Wendet man diesen Blickwinkel prinzipiell auf das WinRoddier_3.0 Programm an, dann sind dessen sog. "Strehl"-Ergebnisse
      N I C H T vergleichbar mit denen aus einem Interferogramm gewonnenen Bilder: Im einfachsten Fall entstehen diese
      Interferogramm, indem man zwei Glasflächen aufeinanderlegt und die monochromatische Lichtwelle erzeugt Interferenzen.
      Über die Abweichung dieser Interferenzlinien schließt man tatsächlich zurück auf die Glasfläche selbst. Man hat es also
      immer mit einem Flächen-Vergleich zu tun und nicht mit Beugungs-Effekten (auch aus der Obstruktion). Natürlich ist
      Licht bekanntermaßen auch eine Welle, was der Poisson-Punkt eindeutig demonstriert.

      Nun sind die am Himmel fotografierten defokussierten Sternbilder aber leider keine reinen Wellenfront-Bilder, sondern eine
      Mischung zwischen der Wellenfront-Topografie auf der einen und zugleich den Effekten der Beugung. Beide stecken also anteilig im
      Bild und damit stellt sich die Frage, ob man das überhaupt rechnerisch trennen kann? Ein aus dem WinRoddier gewonnener
      Strehlwert kann somit nicht verglichen werden mit einem Strehl-Wert, wie er aus einem Interferogramm gewonnen wurde.

      Solange nicht eindeutig geklärt, auf welcher Basis der Strehl-Begriff beruht und daraus gerechnet wird,
      solange läßt sich ein Roddier-Strehlwert nicht mit dem ursprünglichen Strehl-Begriff vergleichen, weil der Beugungs-Effekt,
      der gewissermaßen integriert ist, "stört".

      Jetzt würde mich schon eine exakte Herleitung des ursprünglichen Strehl-Begriffes interessieren.
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/
    • Rudi schrieb:

      Aber wenn man die Obstruktion über und unter dem Bruch abzieht, dann IST der Idealwert des Strehls ja wieder 1 (obwohl da 0,81 steht), weil der konkrete Wert der geprüften Optik ja - anteilig - um denselben Wert reduziert ist und damit wieder ein korrekter Prozentsatz vom idealen Strehl von 1 ist !

      D.h. es findet bei Winroddier gerade KEINE Gegenrechnung der Obstruktion statt, sondern der Strehl wird unverändert, aber für eine kleinere Fläche gerechnet.
      Obstruktion kann man nicht von einem Strehlwert abziehen. Wäre das so, dann müßte man den Strehlwert um den Betrag
      der Obstruktion prozentual herunterrechnen, und damit verliert der Strehlbegriff als IST/SOLL Flächen-Vergleich an Gültigkeit.
      Auch im Falle der Obstruktion wird eine obstruierte IST-Fläche mit einer obstruierten SOLL-Fläche verglichen.

      Die Bilder, auf die sich WinRoddier stützt, haben die Obstruktion als Beugungs-Effekt integriert. Nun sag mal, wie man
      die Beugung herausrechnet?

      Wir kommen um eine exakte Definition des Strehl-Begriffes nicht herum.

      Auf dem schwarzen "Experten-Forum" tummelt sich wie üblich, die schmale Truppe der Optik-Exegeten, ohne irgendeine
      stichhaltige Begründung der gebetsmühlenhaft vorgetragenen Glaubens-Überzeugungen:
      forum.astronomie.de/phpapps/ub…ics/1276978/Re:_Optiktest
      - im Bereich der Test-Reports für Optiken gibt es keine standardisierten Vorschriften
      - der dortige Strehl-Begriff wird nur sprachlich abgeleitet, wie er fachlich entsteht, interessiert Kurt offenbar nicht

      Für mich interessant ist der Umstand, wie sorgfältig dieser Kurt meine Beiträge auf meinem Weblog liest, grad so
      als wäre er mit Don Quixote de la Mancha verwandt. Es muß ihm schon gewaltig stinken, auf A.de zu versauern.

      siehe auch hier: r2.astro-foren.com/index.php/d…freunde-vom-anderen-stern
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Rohr ()

    • Zitat:

      "Die Bilder, auf die sich WinRoddier stützt, haben die Obstruktion als Beugungs-Effekt integriert. Nun sag mal, wie man die Beugung herausrechnet?"

      Lieber Wolfgang,

      ich habe wirklich nicht die leiseste Ahnung <X ! Ich verstehe vom Unterschied geometrische Optik / Wellenoptik nur das Grundprinzip.

      Ausserdem bin ich erst Ostern wieder zuhause und kann deshalb im Moment nicht selber mit dem Programm Winroddier arbeiten. Ich habe somit, um
      (1) zu lernen und
      (2) mir die Zeit zu vertreiben,
      weiter recherchiert.

      Man liest auf sehr vielen Beiträgen verschiedener Foren, dass WinRoddier die Wellenfront aus den Fotos « rekonstruiert ». Was das genau bedeutet, habe ich (noch) nicht verstanden, aber hier mal ein paar Hinweise und Links :

      (A) Auf der Home- Seite von WinRoddier findet man neben dem Programm WinRoddier 3.0, GETRENNT, unter Punkt 5, auch eine Hilfe-Date (= Documentation 3.0) : astrosurf.com/tests/roddier/projet.html

      Wie die installiert wird, wird bei der Hilfedatei der Vorgängerversion WinRoddier 2.2 erklärt :

      « Pour installer l'aide, décompactez l'archive Aide WinRoddier2.2.rar dans un répertoire de votre choix (utiliser WinRar ou WinZip), puis indiquez le chemin du fichier sommaire.htm de ce répertoire dans les préférences de WinRoddier (Menu Fichier puis Préférences, onglet Fichiers). Voir la figure 3. L'aide sera complétée au fur et à mesure des mises à jour ».

      Übersetzung :

      « Um die Hilfedatei zu installieren, bitte die Datei WinRoddier2.2.rar in einen frei zu wählenden Ordner extrahieren (WinRar oder WinZip benutzen), dann den Pfad zur Datei « sommaire.htm » dieses Ordners in den « préférences » von WinRoddier angeben (Menu « Fichier », dann « Préférences, Reiter « Fichiers »). Siehe Bild 3. Die Hilfedatei wird jeweils zusammen mit den « updates » des Programms erweitert. »

      In der Hilfedatei befindet sich eine Rubrik « Formulaire ». Dort werden einige mathematische « Basics » erklärt.



      (B) Sämtliche 261 Publikationen (meistens in Englisch) von Claude und François Roddier (den inzwischen pensionnierten Astrophysikern, die vorallem adaptive Optiken getestet haben, u.a. die des Hawaïan Teleskop) findet man hier :

      Publikationen François Roddier


      (C) Um an die Artikel zu kommen, muss man sich aber registrieren ; deshalb hier Direktlinks zu den beiden wohl wichtigsten Artikeln über die benutzte (iterative ?) Methode:

      soft.belastro.net/files/tmp/Wa…ed_optical_telescopes.pdf

      und

      hubbleoptics.com/files/80BC3D7…0DF0B62E326376C_60960.pdf


      (D) Die letzten beiden Links sind aus diesem, sehr informativen Thread von 2013 auf Cloudy Nights, bei dem es hauptsächlich um einen Vergleich interferometrischer Test vs WinRoddier geht :

      cloudynights.com/topic/442539-…interferogram-comparison/

      Ich muss das alles auch noch lesen !

      Edit: Übrigens, "S" (max) bedeutet offenbar "Signal".

      Lieben Gruss
      Rudi
      ----
      "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"
      (Berthold Brecht)

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von AstroRudi ()

    • Dann fangen wir mal an: Ich habe mich erst einmal gefreut über Deinen Beitrag !!!

      r2.astro-foren.com/index.php/d…e-und-bath-interferogramm

      Der Link oben stellt eine Art Protokll dar, wie sich unsere Bemühung entwickeln über eine "Strehl"-Auswertung mit dem Programm WinRoddier V3.0
      Die dafür notwenigen *.tif Dateien lassen sich hier aber auch dort nicht anzeigen. Die Links lassen sich mit dem IE öffnen und wenn nötig umwandeln.

      Mit dem Internet Explorer lassen sich diese Bilder öffnen:
      rohr.aiax.de/WinRodd_Intra.tif
      rohr.aiax.de/WinRodd_extra.tif
      rohr.aiax.de/WinRodd-Null.tif

      Der Bereich Geometrische Optik (oder auch Strahlenoptik) läßt sich so vom Bereich Wellenoptik (oder auch physikalische Optik) so unterscheiden:

      der "Lichtstrahl" ist ein Merkmal für die geometrische Optik, die keine Beugungs-Effekte kennt.
      die "elektromagnetische Welle" ist ein Merkmal für die Wellenoptik. Der Poisson-Punkt war schließlich das ausschlaggebende Argument, daß Licht
      nicht nur Teilchen, sondern eben auch Welle ist. Bei SC-Systemen bekomme ich immer einen Poisson Punkt in Autokollimation.


      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/

      Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von Rohr ()

    • Hallo Wolfgang,

      der "weisse" Punkt hinter der Lötzinnkugel, ist das ein Fokus ? Ich verstehe die Beugung so, dass an jeder Kante, auf die das Licht trifft, eine neue Welle(nfront) entsteht. Wie wenn man einen Stein in's Wasser wirft, und die dadurch ausgelösten Wellenberg und -tal -Ringe z.B. auf einen Felsen oder Baum im Wasser treffen: an der Stelle entsteht eine neue Wellenfront.

      Wenn man jetzt die Linie des grössten Umfangs der Lötzinn-Kugel als "Kante" ansieht, dan entstehen an jeder Stelle des "Kreises" (des grössten Umfangs der Kugel) neue Wellen(fronten).

      Aber warum werden diese Ringe dann an der "Kreiskante" "nach innen" gebrochen (gebeugt) und bilden einen Fokus (heller Poisson-Punkt) hinter dem Kugelschatten ? Müsste dann nicht auch ein Teil des Lichts an der Kreiskante (äusserster Kugelumfang) gespiegelt werden und wieder im Auge des Beobachters fokussiert werden ?

      Und umgekehrt, wenn wir von einem "Torus" ("Innenkante" am runden Loch eines Cassegrain-Spiegels) sprechen, müssten dann dort nicht dieselben Effekte in beiden Richtungen [Fokus "im, aber hinter dem Loch", weil teilweise "Brechung" (Beugung) an der Innenkante des "Lochs" und Fokus in Richtung zum Auge des Betrachters, weil teilweise Spiegelung der Wellen] auftreten ?

      Also kurzum: Ist der Poisson-Punkt ein "Fokus" der gebeugten Wellen ? Und warum gehen die - an der Kreiskante der Kugel neu entstandenen - Wellenkreise nicht "geradeaus" weiter, sondern werden fokussiert ?
      Rudi
      ----
      "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"
      (Berthold Brecht)
    • Ah, ok Interferenz !!!

      (Habe das erst verstanden, nachdem ich meine Frage niedergeschrieben hatte; vorher hatte ich 48 Stunden - nebenbei - hin- und herüberlegt. ... Ich hatte mal einen Professor an der Uni, der hat immer wieder gesagt: man hat eine Materie nur verstanden, wenn man ein Buch darüber geschrieben hat).

      Edit: Könntest Du mir auch noch mit der Fourrier-Transformation helfen, lieber Wolfgang ?

      Lieben Gruss
      Rudi
      ----
      "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"
      (Berthold Brecht)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von AstroRudi ()

    • Hallo Rudi, ich antworte mal so gut ich kann: Siehe auch: de.wikipedia.org/wiki/Beugung_(Physik)

      Beugung: Fällt Licht auf eine Pinhole, dann entsteht hinter der Pinhole eine Kugelwelle. Kann man als Referenz-Welle
      bei einem Point-Diffraktion IMeter benutzen. Für diesen Fall beugt sich das Licht an einer Kante nach außen,
      und erzeugt eine Kugelwelle mit Zentrum in der Pinhole.



      Trifft Licht im umgekehrten Fall auf das Gegenteil einer Pinhole, also auf ein undurchlässiges Kreisscheibchen, dann
      ist wieder eine Kante im Spiel, und das Licht beugt sich fokus-artig nach innen, wobei es eher uninteressant ist, wo genau
      der Fokus dieser gebeugten Licht-"Strahlen" ist. (Nur in Abhängigkeit von der Grundwellenlänge könnte der jeweilige Fokus
      verschieden lang sein.)

      Bei einem obstruierten System muß es also an den Kanten der Obstruktion zu einem Beugungseffekt kommen, und
      dort, wo es eigentlich dunkel sein sollte, ein Lichtfleck entstehen, was auf den Wellencharakter der Lichteilchen
      hinweist - was im übrigen für alle Teilchen im subatomaren Bereich zutrifft. Die QuantenPhysik läßt grüßen. Und weil
      Poisson dies als Beweis für die Wellennatur von Licht gefordert hatte, konnte dies in einem Versuch auch gezeigt werden.


      Thema: Fourier [Furie] Transformation: de.wikipedia.org/wiki/Fourier-Transformation

      Was ich dazu weiß, daß man Interferogramme auch über ein Programm (Fourier-Transformation) auswerten kann. Dazu
      müssen es aber viele Interferenzstreifen sein. Ich habe mit diesem Programm eine Zeitlang gespielt, bin aber immer
      über seltsame Effekte gestolpert, und deshalb zu meiner "alten" Auswert-Form zurückgekehrt.

      Auch den Strehlwert kann man so berechnen: r2.astro-foren.com/index.php/d…3-strehl-begriff-und-info

      Mehr Mathematik habe ich aber derzeit nicht drauf, weil ich sie bisher nicht gebraucht habe.
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/

      Dieser Beitrag wurde bereits 10 mal editiert, zuletzt von Rohr ()

    • Merci beaucoup Wolfgang,

      in einem der Artikel von Claude und François Roddier und in der Anleitung zum Programm ist auch von Fourrier-Transformation die Rede. Ich wollte also ungefähr - ohne zuviel Mathe - verstehen. Und ich glaube, ich habe in den folgenden beiden Links genug "Reiseproviant" gefunden, um mich "durchwurschteln" zu können.

      (1) Hier ist sehr einfach - praktisch ohne Mathe - erklärt, was eine "Transformation" ist (und dabei wird auch noch mal wunderbar erklärt, was eine Funktion ist); das alles ist bei mir 45 Jahre her:

      matheboard.de/archive/522291/thread.html

      (2) Und hier (pdf) kann man sich, nach der Lektüre des ersten Teils der Slides der Präsentation ungefähr vorstellen, was eine "Fourrier-Transformation" ist.

      gm.fh-koeln.de/~hk/lehre/ala/w…Fouriertransformation.pdf

      ***

      Zusammen mit Deinen Ausführungen genügt mir das für's erste, den zweiten Teil der Präsentation mit den ganzen Formeln habe ich nicht verstanden: Aber ich denke, das muss auch nicht sein.

      Nochmals vielen Dank und liebe Grüsse

      Edit: Ich finde das mit dem Poisson-Fleck und den Interferenzen ist auch hier, im Unterpunkt "Entstehung", 1. und 2. Bild, sehr schön grafisch dargestellt.
      Rudi
      ----
      "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"
      (Berthold Brecht)

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von AstroRudi ()

    • Hallo Bengt,

      die herausragenden Physiker der vergangenen 200 Jahre haben wacker um dieses Thema gestritten. Ich kann also nur insofern
      antworten, wie ich mir die Sache vorstelle:

      An einer Kante wird eine Welle (Wasser, Schall, Licht, Teilchen) zur Kante hin gebrochen. Damit entsteht hinter einer Kreis-Scheibe
      eine Art Lichtkegel bei kohärentem Licht (wie es bei einem Testaufbau gegen einen Planspiegel vorhanden ist). Gebrochen wird die
      Welle immer in Richtung der Kante, also nicht weg von ihr. Also ein ähnlicher Vorgang wie beim Übergang in ein anderes Medium,
      wie z.B. bei einem Glasprisma. Die physikalischen Feinheiten müßte man gewissermaßen "nach-googeln".
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/
    • Mal wieder zurück zum eigentlichen Thema: Winroddier zum Optiktest brauchbar?

      Erst das arithmetische Mittel von 0.855 der WinRoddier-Auswertung kommt in die Nähe der Interferogramm-Auswertung. Die Bandbreite von
      {S = 0.72 < Strehlwert < Smax = 0.99} für den Strehlwert ist nicht vermittelbar, da viele Sternfreunde einen Wert bis auf die 3. STelle
      hinter dem Komma haben möchten. Bereits dieser Umstand läßt Winroddier als nicht tauglich für einen Optik-Test erscheinen. Auch wenn der Durchschnittswert in der Nähe des Interferogramm-Ergebnisses liegt, kann man dieses Mittelergebnis nicht rechtfertigen, warum es stimmen soll.
      Die Auswertung eines Ronchi-Bildes am Stern würde vermutlich zu einem exakteren Ergebnis führen.

      Beim Roddier-Test vergleicht man das extrafokale Sterntestbild mit einem intrafokalen Bild unter Angabe der Faktoren:
      Also Durchmesser, Brennweite, Pixelgröße, übrigens auch einfacher Durchgang am Himmel. Aus diesem Bild-Unterschied errechnet
      das Programm WinRoddier.exe offenbar einen Strehlwert, bzw. genauer, in welchem Bereich der Strehlwert "spielt". Ich würde in
      jedem Fall den Ronchi-Gittertest am Himmel, 10 lp/mm, vorziehen, weil dieser Test den Öffnungsfehler eindeutig darstellt,
      und der Sterntest die Koma und den Astigmatismus. Und wenn diese beiden Tests ohne Auffälligkeiten erfolgt sind, dann ist eine
      Optik
      mindestens beugungs-begrenzt und besser!



      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Rohr ()

    • Nochmal zum Fenster Rapport de Strehl:

      in diesem Fenster fasse ich folgende Zahlen so auf:

      - S = 0.7189 sollte eigentlich Strehl = 0.7189 heißen, dann wäre es eindeutig und müßte nicht als Abkrüzung für Strehl interpretiert werden
      - Smax = 0.9898 könnte man für den größt-möglichen Strehlwert halten, dann sollte das erste "S" Smin heißen.

      Beide Zeichen sind also interpretions-fähig und jeder kann rätseln, was sie denn zu bedeuten hätten.

      Die Angabe ganz rechts S/Smax = 0.7263 ist lediglich mathematisch richtig, was damit gerechnet werden soll, sollte erklärt werden.
      Wieder nur unter der Annahme, daß das nun der richtige Strehl sei, fällt es aber um 12/100 Strehlpunkte hinter meinem Ergebnis zurück,
      was auch nicht wahrscheinlich ist, da die Interferogramm-Auswertung prinzipiell nachvollziehbarer ist auf der Basis der Wellenfront-Topografie
      die über die Linien eindeutig festgelegt ist.

      Bevor man sich deshalb in unnütze Interpretationen verliert, wäre es wünschenswert, wenn WinRoddier.exe hinsichtlich seiner
      Begrifflichkeit so eindeutig ist, daß man es a) nachvollziehen und b) mit anderen Auswertverfahren vergleichen könnte. Bis jetzt
      hat mich dieses Programm in keiner Weise überzeugt - obwohl ich den Denkansatz für interessant halten würde, wenn . . .

      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/
    • Ein weiterer Interpretations-Versuch

      Eindeutig in diesem Zusammenhang ist die Angabe des RMS-Wertes, und damit läßt sich dann tatsächlich der Strehlwert rechnen nach der Formel:
      Strehl = e ^-(2*pi*RMS)^2
      Für diesen Fall ähneln sich die Strehlwerte aus dem Ausdruck S/Smax und lassen eine Deutung zu, daß es der tatsächliche Strehlwert sein soll.

      Die Strehlauswertung in der Mitte der unteren Übersicht von 0.72 fällt aber nun um ganze 12/100 Punkte niedriger als mit dem über AtmosFringe gewonnenen Strehlergebnis aus - und das führe ich eher auf die Artefakte im Bild zurück, weil man die auch schlecht trennen kann.

      Da dürfte eine Interferogramm-Auswertung sicherer sein, als defokussierte Stern-Bilder.
      Siehe auch hier: Erste Auswertversuche.




      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/

      Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von Rohr ()

    • Dank der engagierten Unterstützung durch Rudi, ist ein bißchen Klarheit meinerseits in die Programm-Benutzung
      von WinRoddier gekommen, bzw ob es tauglich für eine Strehlauswertung ist.

      Offenbar, so erscheint es mir im Augenblick, nützt dieses Programm nur etwas, wenn man im Fokus eines
      Teleskop-Systems eine CCD-Kamera hat, die Bildformate mit *.fit aufnehmen kann, wobei für diesen Fall
      die Seeing-Probleme nicht auszuschalten sind.

      Witterungsbedingt habe ich mich auf einen Labor-Testaufbau verlegt mit einem als Objektiv
      verwendeten Kugelspiegel 150R611, ich bin also im Krümmungsmittelpunkt bei einfachen Durchgang wie am Stern,
      allerdings noch mit einem Okular dazwischen, und da beginnt offenbar schon das Problem der Artefakte, die
      über unterschiedliche Okulare eingeführt werden können.

      Wer also Strehlauswertungen über WinRoddier.exe durchführen will, muß sich erst an die spezifischen
      Gegebenheiten der Astrofotografie gewöhnen, sonst wird das offenbar nichts.

      Das Auswert-Verfahren über den Bath-Interferometer hat sich dann doch erfolgreicher verbreitet.
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/
    • Hallo,

      mit großem Interesse hab ich die Diskussion hier jetzt verfolgt. Die ist leider im Strehlsumpf steckengeblieben. Mir war wichtig, rauszufinden, was an der Optik in punkto Koma, Asti und Verkippung nicht stimmt, um darauf zu regieren. Das hat -zumindest bei meinem Refraktor- ziemlich gut funktioniert. Der Strehl war mir dabei ziemlich wurscht.

      Die Werte S und Smax bewerte ich folgendermaßen durch Ausprobieren: Smax ist der für die Optik maximal erreichbare Strehlwert, wenn ALLES passt. S ist der tatsächlich erreichte Strehlwert = der "Istzustand" Man sieht das sehr schön, wenn man das Wellenfrontbild aktiviert und dann die Zernike-Koeffizenten aktiviert oder deaktiviert. So kann man auch rausfinden, welche Justage- oder Lagerungsfehler sich dahinter verbergen. Das war ja mein eigentliches Anliegen. Was an der Optik "krumm" ist und es zu beheben.
      CS vom Christian


    • Hallo Christian,

      an dem "Datenblatt" von WinRoddier bezüglich Strehlwert hab ich aus den Angaben S, Smax und S/Smax
      zunächst auch die falschen Schlüsse gezogen. Da aber dieses Datenblatt auch noch den RMS-Wert angibt,
      kann man daraus sehr einfach den Strehlwert ausrechnen nach der Formel, (weil der RMS-Wert nur eine
      andere Darstellungsform des Strehlwertes ist.)



      Plötzlich kommt dann der daraus errechnete Strehlwert dem Ausdruck S/Smax sehr nahe, sodaß ich diesen
      3. Ausdruck in der "Strehl-Box" als den errechneten Strehlwert betrachte.

      Um allerdings überhaupt zu verwertbaren Bildern zu kommen, braucht man ein astrofotografisches System, also nur
      Objektiv mit Kamera-Sensor im Fokus und eine Meßeinrichtung, um den genauen Abstand intra- / extrafokalen
      Abstand einstellen zu können. Die Kamera sollte *.fit Dateien erzeugen und im Umgang mit WinRoddier sollte man
      geübt sein. Eine Gegenkontrolle, ob die Ergebnisse dieses Verfahrens stimmen können, hat man allerdings nicht. Eine
      Gegenkontrolle wäre ein Ronchigramm mit mindestens 10 lp/mm oder ein Interferogramm im Labor in Autokollimation.

      Für große Systeme wäre das Roddier-Verfahren ein sehr einfaches Verfahren, weil dafür die Geräte alle schon
      vorhanden sind. Für die Foren-Diskussion denkbar ungeeignet, besonders für die Propheten der Wiederholgenauigkeit nicht,
      mit wenig bis gar keiner Praxis-Erfahrung aber explodierendem EGO.

      Deinen Denkansatz unterstütze ich, statt strehl-fixiert sich auch mal die Werte für Astigm, Koma und Spherical anzuschauen,
      um darüber nachzudenken, was sie bewirken. Ab wann werden sie überhaupt bemerkt und dann würde ich unterscheiden
      zwischen Visuell oder astrofotografisch. Das würde so manche hitzige Diskussion ungemein beruhigen.
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/