Beobachtungsvorschläge für Mai

    • Beobachtungsvorschläge für Mai

      Bonjour,

      Mit etwas Verspätung die Mai-Ausgabe der Beobachtungsvorschläge.

      Ich bin inzwischen, bedingt durch den Umstand, daß ich in den letzten Monaten schon sehr viele Sternbilderabgedeckt habe, und Neues vorstellen will, sehr weit in Richtung Osthorizont abgerutscht. (Es liegt sicher auch daran, daß diese Richtung bei mir zuhause, im lothringischen Ruhrgebiet, die einzige ist, wo ich noch einigermaßen was sehe; der Rest ist totale Lichtverschmutzung).

      ... Aber das ist nicht weiter schlimm. Wenn man meine Vorschläge benutzen will (ich mache die übrigens - jedenfalls soweit ich die Objekte noch nicht gesehen habe - auch für mich selbst), kann man durchaus 3 Monate zurückgehen. Auf dem Champ du Feu, letztes Wochenende stand z.B. Coma Berencies, die ich im Februar behandelt habe, um 10.30 Uhr abends sehr hoch.


      0. Übersicht





      Norden ist wie immer links, Osten unten (wir betrachten die Karte ja hochkant, wenn wir nach Süden schauen).

      Zum Runterladen (aller Karten) bitte zuerst voll reinzoomen (nach Klicken auf das Bild, weiter auf den Pfeil nach rechts oben unten rechts klicken, dann mit der + Lupe vergrößern und schließlich Rechts-Klick und „Save as“), sonst kommt eine schlechte Qualität herunter.

      Die behandelten Sternbilder sind diesmal:

      (1) Die Eidechse, tief im Nordosten,
      (2) die Leier, die jetzt aufgeht,
      (3) der Ophiuchus und
      (4) der Skorpion, die erst im Sommer richtig hoch stehen.

      Allerdings ist es dannauch sehr hell nachts (sogenannte „weiße Nächte“, die Sonne kommt nicht unter 18° unter dem Horizont, es herrscht also die ganze Nacht durch „astronomische Dämmerung“).


      1. Der Himmel aus der Perspektive der Eidechse



      Die Eidechse ist ein ziemlich unscheinbares Sternbild. Wenn man von Ihr ausgeht,kommt man aber auch in die „Ecken“ von Kepheus, Kassiopeia, Schwan, Perseus und Andromeda, die man sonst, weil man die - eher zentralen - Hauptobjekte dieser großen Sternbilder beobachtet, vielleicht links liegen lässt.

      Lacerta enthält hauptsächlich offene Sternhaufen, sowie einen - schwer zu findenden - planetarischen Nebel (IC 5217), der sehr klein ist und nur 12,6 mag hat. Wegen der bei Guide eingezeichneten Nebel-Umrisse, habe ich eine Karte aus Guide 9 in fchart übertragen. (Keine Ahnung, warum der Hintergrund leicht grün geworden ist ;( ).

      Für eine Liste der Helligkeiten der eingezeichneten Objekte, erlaube ich mir mal auf diese - sehr schön gemachte und komplette - Seite zu verweisen:

      astrosurf.com/agerard/observ.html

      Wenn man (innerhalb der Sternbilder) runterscrollt, findet man, nach den - nach Doppelsternen und Deepsky - unterteilten, Objektlisten mit detaillierten Angaben, auch noch eine Beobachtungs-Beschreibung der Objekte, sowie Angaben zu dem / den benutzten Fernrohren / Feldstechern („J“ = „jumelles“; „T“ = „téléscope“).

      Sh (= Sharpless) 2-132 cs.astronomy.com/asy/m/nebulae/490250.aspx, der „Löwennebel“ wird allgemein dem Kepheus zugeordnet, gehört aber, zu einem guten Teil, auch zur Eidechse. Er ist visuell aber ehr schwierig. Siehe einerseits hier: freunde-der-nacht.net/beobacht…ernassoziationen/cep-ob1/ und andererseits hier (zweitletzte Zeichnung): astromerk.de/logbuch/2012/142-…438-jones-1-sh-2-132.html

      Dafür gibt es aber noch zwei sehr interessante multiple Doppelsterne am Schwanz der Eidechse: die Sterne 8 Lac und Roe 47 (den Doppelstern-Katalog des Herrn Edward Drake Roe kannte ich auch noch nicht). Sie sind auf der Karte rot umrandet.

      8 Lacerta ist ein Zehnfach(!)-System, 47 Roe besteht aus 6 Sternen. Alle beteiligten Sterne sind mit kleineren Teleskopen zu sehen (außer vielleicht der Begleiter von 8 Lac mit 13.3 mag).

      Hier (von dort stammen auch die beiden Tabellen) gibt es mehr Details: bestdoubles.wordpress.com/2015…stf-2922a1459-and-roe-47/




      Die Helligkeit von BL Lacertae, dem Namensgeber für eine ganze Reihe von „bizarren“ Objekten im Weltall, schwankt so zwischen 14 und 17 mag ... ... Naja, ich habe es trotzdem mal eingezeichnet.


      2. Unbekanntes in der Leier: einer der rötesten Kohlenstoffsterne des Himmels



      Die Leier braucht man einem Hobby-Astronomen kaum vorzustellen.

      Der doppelte Doppelstern und „Fernrohr-Teststern“ ε Lyr ist genauso bekannt, wie M 57 der Ringnebel.

      Etwas weniger bekannt sind vielleicht der Kugelsternhaufen M 56 (8,3 mag) und - vorallem - der zweite planetarische Nebel in der Leier, NGC 6765 mit 12,0 mag (Filter; mindestens 100 fach vergrösseren), praktisch auf der Linie γ Lyr - β Cyg (Albireo, der wunderschöne organge-blaue Doppelstern, der den Kopf des Schwans darstellt).

      Der offene Sternhaufen NGC 6791 (9,5 mag, = feines Nebelfleckchen, vergrössern !) gehört auch noch zur Leier, während NGC 6819 (7,3 mag) sich schon im Schwan befindet.

      Von den Galaxien in der Leier ist allenfalls NGC 6703 (12.5 mag) in mittleren Teleskopen (6 Zoll) visuell „machbar“.

      Genau „gegenüber“ von ε Lyr , dem doppelten Doppelstern, ("gegenüber" ist bezogen auf die Symmetrieachse: α Lyr (Wega) - ζ Lyr) befindet sich aber noch ein - auch für kleine Teleskope - sehr interessantes Objekt: T Lyr, ein dunkelroter Karbonstern mit 7,7 mag.

      [Für die, denen die Detailauflösung der Leier-Karte oben nicht ausreicht,hier noch eine detaillierte Aufsuchkarte, die ich mir vor einiger Zeit mal angefertigt habe (mit handschriftlichen Hilfslinien): der „Pfeil“ aus Sternen rechts verweist genau auf die Mitte der (gedachten) Linie ζ - κ Lyr. Etwas links davon (Kreis) der Stern T Lyr.





      Man kommt auch noch ungefähr dahin, indem man die Senkrechte auf der o.a. Symmetrieachse bildet und diese Senkrechte über die sich dort befindlichen beiden Sternen hinaus bis zur Kreuzung mit der Linie ζ - κ Lyr weiterverfolgt.]


      Mehr Informationen zu Karbonsternen (darunter T Lyr) gibt es hier: calgary.rasc.ca/redstars.htm


      3. Ophiuchus (Nordteil) und Schlangenschwanz: das Kugelsternhaufen-Paradies



      Der Ophiuchus („Schlangenträger“) ist das Kugelsternhaufen-Doradopar excellence“ unter den Sternbildern. Man kann die numerische Reihenfolge der Messier-Objekte (Herr messier war übrigens ein Lothringer ;) ) verfolgen, M 9, M 10 , (M 11 ist eine offener Sternhaufen im Schild, auch auf der Karte, aber das heben wir uns für ein anderes Mal auf) M 12, M 14, usw: einer schöner als der andere.

      M 16 (ein offener Sternhaufen) gehört auch noch zu Serpens cauda. (Ich habe die Verbindungslinien des (wörtlich übersetzt) Hinterteils der Schlange mal blau eingezeichnet, weil sie sich teilweise mit dedene des Schlangenträger überschneiden)).

      Bilder der Kugelsternhaufen (in der Messier-Reihenfolge) gibt es z.B. hier (runterscrollen): constellation-guide.com/conste…/ophiuchus-constellation/

      [Die dort auch abgebildeten Dunkelnebel (es gibt darunter auch ganz interessante) behandle ich auf der nächsten Karte].

      Ja und dann sind da noch:- zwei mit bloßem Auge zu sehende offene Sternhaufen, IC 4665 und NGC 6633 (4,2 bzw. 4,6 mag), die besonders schön im Feldstecher kommen. (Ich habe IC 4665 mit ungefähr 16 Jahren selber auch „entdeckt“, aber der Schweizer Philippe Loys de Chéseau war schneller, denn er hat ihn schon 1745 gesehen ;) ).

      Und schließlich, nicht zu vergessen, der „kleine Geist“-Nebel (Astronomen sind aber keine "Kleingeister", ... oder :D ?), = NGC 6572, ein planetarischer Nebel („türkis“ eingezeichnet), mit 9,0 mag.

      Zu Beobachtungs- Beschreibungen der Objekte im Ophiuchus siehe den schon bei der Eidechse - angegeben Link: astrosurf.com/agerard/observ.html


      4. Skorpion und „Schlangen“-Nebel im „dunklen Pferd“



      Ja, und mit den Kugelsternhaufen geht es im Skorpion genau so weiter, wie im Schlangenträger.

      (Alles was sich „oberhalb des blauen Bandes“ befindet, habe ich diesmal ignoriert, weil es schon auf der vorigen Karte ist).

      Die folgende Liste ist dem oben schon zweimal genannten französischen Link „entlehnt“, wobei die Informationen verkürzt dargestellt sind. Alles was „dunkler“ als 12,5 mag ist, wurde entfernt und das Ganze ist jetzt - in zwei Reihen - nach - fallender - Helligkeit sortiert:



      Wie weit ihr nach Süden kommt, müsst ihr selber sehen. ... Aber der Skorpion steht trotz allem im Sommer ganz schön hoch bei uns, und ich habe in Südfrankreich, auf dem „Causse Noir“ ohne Probleme M 6 gesehen.

      [Die „Causses“ = Halbwüsten westlich von Nimes und südwestlich des „Ardèche“ sind übrigens ein Geheimtipfür den Astro-Urlaub: ich war hier: domaine-de-pradines.com/fr/,. Es gibt dort auch jährlich ein Astro-Treffen. ... Aber es gibt noch mehr solche „Causses“-Halbwüsten“ westlich von Nîmes: den „mythischen“ Larzac, den Caussede Méjean und andere. Der „Causse Noir“ liegt direkt neben den „Cevennen“, einem (Nationalpark-) Gebirge, welches durch mißbräuchliche Abholzung im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert, genauso wie vieleandere europäische Mittelgebirge, seiner Bäume beraubt wurde. Das Gebirge wurde aber durch die enagierte Initiative eines gewissen Georges Fabre,der - anscheinend auch bei den Preussen - Forstwirtschaft gelernt hatte: fr.wikipedia.org/wiki/Georges_Fabre, und trotz Ausschlusses („ohne Gehalt“) aus seiner jahrzehntelangen Beamtenstellung (wegen der wirtschaftlichen Folgen des 1870er Krieges), in einem unglaublichen Kampf,wieder aufgeforstet].

      Ein weiteres, ungewöhnliches, aber sehr interessantes Objekt, noch im Südteil des Ophiuchus, ist der dunke „Schlangennebel(Barnard 72):


      Barnard 72 ist Teil eines riesengroßen Dunkelnebel-Komplexes and der Sternbild-Grenze zwischen Schlangenträger und Skorpion,welcher den Namen „Dark-Horse Nebula“ trägt: https://de.wikipedia.org/wiki/Dark_Horse_Nebula

      Hier gibt es weitere Informationen (runterscrollen): http://www.constellation-guide.com/constellation-list/ophiuchus-constellation/
      bzw.: constellation-guide.com/conste…t/scorpius-constellation/

      Klaren Himmel

      wünscht
      Rudi
      ----
      "Falschheit korrumpiert (auch) die Sachkompetenz" (freies Zitat nach Ulpian: 'fraus omnia corrumpit').

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