Neue Linsenhalterung für 90/910 Refraktor. Tipps gesucht.

    • Neue Linsenhalterung für 90/910 Refraktor. Tipps gesucht.

      Hallo,


      ich habe mir einen Skywatcher 90/910 FH Refraktor als Bastel- und Lernobjekt gekauft und mein Ziel ist es aus dem völlig desjutierten Teil ein vernünftiges Teleskop zu machen.

      Ich habe schon einiges ohne größen Aufwand verbessern können:

      • Festsitzende Taukappe lösen und mit Velours auskleiden.
      • Festsitzenden Objektivring lösen und Objektiv mit Velours beklebt.
      • Tubus teilweise mit Velours beblebt.
      • OAZ justiert. Der Laser war 2cm neben dem Zentrum der Linsen.
      Vorher war der Jupiter nur ein ockerfarbener Ball ohne Details, jetzt sind die Bänder gut sichtbar und der GRF ist auch zu erkennen. Am Saturn kann man bei gutem Seeing die Cassini-Teilung gut erkennen. Auch der Sterntest sieht ganz gut aus, solange es warm ist.

      Aber jetzt stehe ich vor dem Problem, dass sich bereis ab 15°C Astigmatismus durch das Schrumpfen vom Plastik des Objektivs zeigt. Ich würde gerne aus Aluminium eine neue Halterung drehen lassen, welche am besten auch noch grundlegend justierbar ist.


      Ich weiß, das es sich nicht lohnt aber es geht mir da mehr ums basteln. Könnt ihr mir Tipps gehen wie ich das am besten anstelle bzw. was ich dabei beachten sollte.


      MfG


      Matthias
    • Hallo Matthias,

      herzlich willkommen !

      Schau mal hier, Seite 2, Beitrag Nr. 35 zum Thema Linsenfassung: Justierprobleme ?

      ... und - sehr schön - auch noch hier: stern-freund.de/index.php?id=69

      Ich meine nicht, daß es bei einem Zweilinser (Fraunhofer-Achromat) notwendig ist, die Linsen einzeln justierbar zu machen (3 kleine Madenschräubchen pro Linse in der Fassung), ... wenn der seitliche Abstand zur Fassung so gering ist, daß eine Verkippung kaum möglich ist ("ein Papier geht noch dazwischen"). Das ist eher für APOs.

      Zum Material (Ausdehnungskoeffizient) kann ich - mangels Erfahrung - nichts sagen.

      Dafür sollte aber die Fassung gegenüber dem Tubus justierbar sein ("Zug und Druck", siehe an dem Alu-Teil links mitte / unten in Bild 3 des letzten Links).

      Falls bei Dir, anstatt Abstandsplättchen, so ein schwarzer Plastik-Ring als Abstandshalter zwischen den Linsen liegen sollte, mit einer FühlerSchieblehre (ab 5 Euro bei Amazon) messen wie dick der Ring ist und ob er überall gleich dick ist. ... Falls nicht solltest Du darüber nachdenken, auf Abstandsplättchen (Alufolie) umzurüsten; siehe dazu auf Seite 1 des ersten Links oben, sowie ungefähr in der Mitte des letzten Absatzes im zweiten = "Sternfreund"-Links (Koma durch Plaste-Ring).


      Gruß und viel Spaß

      (alte Fernrohre - besonders Refraktoren - vor dem Schrottplatz "zu bewahren" und zu optimieren ist ein sehr interessanter Ansatz, um etwas (m. E. SEHR VIEL !) über Optik zu Lernen, ... man kann auch nicht viel kaputtmachen. Ich habe - mit Refraktoren (Spiegel hatte ich schon lange) - so angefangen: astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=84716 ;) :) )
      Rudi
      ----
      "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"
      (Berthold Brecht)

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von AstroRudi () aus folgendem Grund: Absatz über Plastik-Ring ergänzt

    • Hallo,

      danke für die Infos. Den Artikel über den 70/700 habe ich schon gefunden. Leider habe ich nicht die Ausrüstung um den korrekten Abstand zu ermitteln. Ich gehe einfach mal davon aus, dass die Plättchen so passen wie sie verbaut wurden. Markiert ist an den Linsen allerdings nicht, daher muss ich vielleicht irgendwann noch die erste Linse noch soweit drehen bis es am Sterntest passt.

      Gelernt habe ich jetzt schon einiges, so auch dass die Vergütung echt empfindlich ist und ich schon die ersten Kratzer reingemacht habe. :)

      Mit der Materialauswahl habe ich mich schon soweit befasst. Aluminium ist schonmal ein ganzes Stück besser als ABS (ca 23x10E-6 gegen 60-100x10E-6 von ABS) Besser währe Bronze, was mir aber zu schwer ist (8,7g/cm³ statt ca Al 2,7g/cm³). Platin oder Titan währe optimal, aber natürlich kostenmäßig uninteressant. Es soll ja auch alles im Rahmen bleiben.

      Ich würde zumindest die dünne Flintglas Linse mit 3 Schrauben quer zum Tubus justierbar machen, um zumindest von Zeit zu Zeit das verrutschen der Linse durch Transport und Temperaturschwankungen auszugleichen. Außerdem hat F2 die höhere Wärmeausdehnung und daher bin ich der Meinung die Fassung muss auf die Maße dieser Linse angepasst sein. Korrigiert mich bitte falls ich einen Denkfehler habe.

      Matthias


      Edit:

      Letzten Sonntag habe ich den Refraktor am der fast im Zenit stehenden Vega getestet. Der Sterntest war eigentlich ganz gut. Viele feine Ringe welche zum mittig liegenden Zentrum gleichmäßig verteilt sind. Sowohl intra- wie extrafokal. Der Blausaum war stark ausgeprägt, andere Farben fast nicht zu erkennen, ebenso kein nennenswertes ausfransen.

      Ich habe das mit und ohne einen Zenitspiegel getestet. Es handelt sich da um einen 1/12 Lambda mit 99% und dieelektrischer Vergütung von TS. Für mich gab es dabei keinen sichtbaren Unterschied.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von bastion0078 ()

    • Da es hier seit Tage bewölkt ist, habe ich mich nochmal mit der Justage auseinandergesetzt.

      Hier der komplette Aufbau mit dem ich den Refraktor justiert habe.


      Nach ein bisschen kippen des OAZ und nachdem ich die Bohrungungen zu Langslöchern gefräst habe, konnte ich den Laser genau mittig einstellen. Ein bisschen Spiel ist allerdings durch den OAZ immernoch vorhanden.


      Auf etwa 5 Uhr ist die Reflektion des Laserstrahls zu sehen. Die Optik ist etwas verkippt und das Plastik lässt nicht zu da etwas zu verändern. Den Senkkopfschrauben sei dank. Wie stark wirkt sich denn diese Verkippung eigentlich aus?



      Ich bin grade dabei eine Fassung zu entwerfen. Ein federnder Druckring soll die Linsen halten und dann kommt auf diesen Ring eine Verschraubung, welche mit Madenschrauben gesichert wird.
    • Hallo Matthias,


      so wie diese Wellebblech - Toleranzringe, kann die Zentrierung zur Temperaturanpassung aussehen!
      tretter10216.jpg

      Für mein 1. > 76mm / 1260mm Selbstbaurefraktor hab ich mir so einen Wellenring aus einem Streifen 0,3mm Plaxiglasfolie, ( aus Büroheftern ) durch ziehen durch 2 passende Zahnräder selbst hergestellt, ( enges zickzak knicken mit einer Flachzange geht mit etwas Übung auch ) dann Passend geschnitten und um die Linsen in die Fassung eingelegt!

      Als untere Linsenauflage kamen plattgedrückte Korkauflagen vom gleichen Stück und oben ein 0,15mm gewellte Telflonscheibe unter dem Andruckring zum Einsatz:
      Das muss bei der Bemassung der Fassung vorab berücksichtigt werden, den später Passende Ein und Unterlagen zu suchen ist schwieriger!
      Der Andruckring brauchte nur mit der Hand bis zur Auflage angedreht werden bis Linse und Teflonring dicht waren, und dann nur noch ca. 1,5° weiter.
      Vorher war ausprobiert worden, wie sich das Andrehen vom ersten Kontakt bis zum Festsitz anfühlt, danach kann man das leicht
      richtig einbauen, wenn man die Gewindedrehung mitgezählt hat!

      An dem Objektiv wurde nie wieder justiert, lediglich der OAZ zeigen durch die Bedienung hin und wieder Justierbedarf!


      Gruß Günter
      g2-astronomie.de

      GSO 12" Dobson, C8-Orange, C8-Schmidtkamera, Comet-Catcher, LW125/1300, MTO100/1000 MAK, Skywatcher ED 80 PRO, Skywatcher 8" Dobson, Skywatcher Maksutov SKM 127 / 1500
    • Hi,

      schöner Justierungs-Aufbau. !

      Ja, ich wollte, wie Günter, auch noch mal auf die 3 unteren und oberen Andruckpunkte hinweisen, die genau unter, bzw. über den Abstandsplättchen liegen müssen (siehe Beitrag Nr. 35 von Wolfgang im Thread Justierprobleme ?, der ursprünglich von Günter ist).

      Zu deinem letzten Bild. Also ich kenne so einen Laser-Cheshire nicht, habe nur einen normalen Cheshire und einen Justierlaser für den Newton. Bei mir im Cheshire sehe ich - beim Durchsehen durch den Cheshire, d.h. auf der Rückseite des Objektivs - drei "Donuts", die nachher übereinanderliegen müssen (siehe 3. Bild hier: stern-freund.de/index.php?id=67 auch auf der "Sternfreund"-Seite); bei meinem Newton-Laser sieht man auch drei Punkte (dort wo der Laser zurückkommt, also bei den Ringen), die am Schluß zusammenliegen müssen.

      Deshalb frage ich mich, - ich kann mich irren, weil ich Dein Justiergerät nicht kenne -, ob auf Deinem letzten Bild nicht - neben dem auf 5 Uhr - auch noch abweichende Punkte bei 2 Uhr (sollte - aus Symmetriegründen - eigentlich 1 Uhr sein) und 9 Uhr sind ???

      Aber wie gesagt, so "Ferndiagnosen" sind immer schwierig und ich kenne Deinen Laser nicht. Hast Du mal mit 'ner Barlow probiert (wenn Du eine hast) ? Die Amerikaner ("Cloudynights") schwören auf den "barlowed laser".

      Gruß
      Rudi
      ----
      "Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"
      (Berthold Brecht)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von AstroRudi () aus folgendem Grund: Präzisierungen

    • Hallo Rudi.

      Es handelt sich bei dem Laser um einen einfachen Justierlaser für Newtons von TS mit einem 45°Einblick. Ein Cheshire habe ich auch und ich kann damit zwei Ringe erkennen. Die Verschiebung ist allerdings die gleiche wie der Laser auf seiner Strichplatte anzeigt. Die hellen Flächen auf 9 und 2(?) Uhr kommen vom Laser selber, da er dort durch die Kunststoffscheibe durchschein d.h. das ist auch zu sehen wenn man ihn einfach nur einschaltet. Nachteil vom Laser ist leider das er eben etwas kippeln kann. Das Cheshire ist da unproblematischer. Aber anscheinend passen also die Linsen zueinander, nur das Objektiv ist etwas verkippt.


      Das mit der Barlow habe ich auch schon getestet, aber dafür ist die Reflektion zu schwach. Außerdem müsste der Spiegel exakt zum Teleskop ausgerichtet sein und ich bräuchte eine Mittenmarkierung. Die Reflektion habe ich wenn nur meine selbst gebastelte Justierscheibe oder die verschlossene Taukappe auf dem Teleskop ist.


      Danke für die Tipps Günter. Ich werde mit das mal ansehen und überlegen wie ich das in meine Idee einbauen kann.