Die Orion Zwillinge - dem Barry gewidmet

    • Die Orion Zwillinge - dem Barry gewidmet

      astro-foren.de/viewtopic.php?p=539#539
      stoffie.board.dk3.com/2/viewtopic.php?p=925#925

      Der Titel läßt eher einen astronomischen Schreibfehler vermuten, nachdem jeder schon etwas
      vom Trapez im großen Orion Nebel M42, M43 gehört hat, und der Verfasser gerade diesen
      Teleskop-Qualitäts-Prüfer im Winter als willkommenes Testobjekt verwendet, eben das Trapez
      im Orion Nebel.

      In diesem Falle handelt es sich jedoch um zwei Newton-Spiegel, die aus der Produktion des
      gleichnamigen englischen Herstellers Orion Optics UK stammen, orionoptics.co.uk ,
      dessen Inhaber Barry Pemberton in über 60-jähriger Familien-Tradition die Feinheiten der

      Spiegelschleifkunst gepflegt und entwickelt hat. Barry wiederum ist willkommener User
      dieses Astronomie-, Fotografie- und Optik-Forums, weshalb ihm dieser Bericht gewidmet sein
      soll. Sein Deutscher Partner ist der uns gut bekannte Teleskop Service, München, mit der

      Adresse: teleskop-service.de

      Nun hatte ich bereits oft Gelegenheit, als überzeugter Newton-Teleskop-Liebhaber, hochwertige
      Newton-Spiegel in meinem Optik-Labor den unterschiedlichsten Tests auszuliefern: Hier wäre
      mein eigener Vergleichs-Spiegel ver-ewigt rohr.aiax.de/dobson.htm, hier könnte man sich
      über die eben genannten Testverfahren allgemein informieren: rohr.aiax.de/fernrohr.htm

      Die beiden Orion Zwillinge, zwei 300/1600 Spiegel aus der Fertigung von März 2004 erreichten
      mich vergangene Woche und beeindrucken als ausgesprochen dünne Pyrex-Spiegel mit nur
      28 mm Randdicke mit einer Hilux-Beschichtung, die eine so hohe Reflexion hat, daß mein
      Laserstrahl-Bündel auf der Spiegel-Oberfläche nur noch ganz schwer zu erkennen ist. Beide
      Spiegel haben eine derart hohe Qualität, daß sie in die Qualität von Lomo-Spiegeln und die
      meines eigenen Spiegels von ICS, der mir den Hersteller nicht verriet, ebenbürtig sind. Davon
      also handelt diese Bericht, den Barry Pemberton ebenfalls auf diesem Board natürlich in
      Englisch kommentieren mag.



      Dieses Bild zeigt die bei so dünnen Spiegeln wichtige Lagerung im Gleichgewicht, damit der
      nur 28 mm dicke Spiegel nicht mit Astigmatismus reagiert. Für die Temperatur-Anpassung ist
      ein solch dünner Pyrex-Spiegel eine ideale Angelegenheit, weshalb die Nachfrage nach diesen
      Spiegeln außerordentlich hoch ist.



      Der "Star-Testing-Suiter" wirft lange Schatten auch in mein Labor. Also durchläuft ein solcher
      Spiegel nach Einrichtung der Autokollimations-Testanordnung, siehe nächstes Bild, zuallererst
      den extra- und dann intrafokalen Sterntest mit einem 15 mm Ww Spektros Okular. Neben der
      doppelten Genauigkeit dieser Testanordnung läßt sich sehr gut überprüfen, ob die Sternscheib-
      chen intra- bzw. extrafokal gleiches Aussehen haben. Außer einigen Artefakten, die auf den
      Okluar-Flächen zu suchen sind, lassen die Sternscheibchen bereits in der Übersicht erkennen,
      daß es sich bei beiden Spiegeln um eine hohe Qualität handeln muß.



      Die bereits genannte Test-Anordnung in Autokollimation, die zweimal genauer ist, wie am

      Himmel.



      Bei diesem Test würde man erkennen:
      - eine abgesunkene Kante oder einer Über- bzw. Unter-Korrektur
      - Zonenfehler
      - irreguläre Flächenfehler bis zur Flächenrauhheit
      Lediglich die genaue Zuordnung und quantitative Bestimmung ist mit diesem Augen-Sterntest
      nicht möglich. In der Weiterentwicklung jedoch als Roddier-Test über fotografischem Wege
      möglich. Siehe bei: astrosurf.com/tests/roddier/roddier.htm



      Bei einer Gitterkonstante von 13 lp/mm bei nur vier Linien erhält man bereits eine sehr gute
      Übersicht, was eine Optik später am Himmel leisten wird: Der Öffnungsfehler wird intrafokal
      über die möglichst schnur-geraden und parallelen Linien dargestellt. Bauchige Verformung
      der Linien zeigt eine Überkorrektur an, garbenfärmige dagegen eine Unterkorrektur. Zonen und
      abfallender Rand sind ebenfalls gut zu taxieren, wenn vorhanden. Wenn die Beugungslinien
      klar zu erkennen sind und möglichst ohne Störung verlaufen, hat man es mit einer besonders
      glatten Oberfläche zu tun. Bei diesen beiden Spiegel kann man zu Recht von Hochleistungs-
      Spiegeln sprechen.



      Weil aber auch der Foucault- oder Messerschneide-Test besonders in Autokollimation ein
      äußerst empfindlicher Test ist, lassen sich damit natürlich trotzdem hauchzarte Feinstrukturen
      darstellen. Wobei der Spiegel Nr. 383 eine flache Erhebung bei 50% des Durchmessers erkennen
      läßt, deswegen nur 0.94 Strehl, während man bei Nr. 384 eine leichte Wolkenbildung erkennt und
      so ein Strehl von 0.97 ermittelt werden kann.



      Die Feinstruktur einer ankommenden Wellenfront kann mit dem Lyot-, PhasenKontrast- oder
      einfach Rauhheits-Test noch sensibler begutachtet werden. Mit diesem Test lassen sich be-
      sonders herstellertypische Eigenheiten bei der Politur und Retouche ermitteln. So läßt sich
      in manchen Fällen der Ursprung einer Optik mühelos zurückverfolgen. Dieser Test läßt insbe-
      sondere sehr deutliche Rückschlüsse auf die Kontrast-Leistung eines opt. Systems zu, was
      wiederum im folgenden Spalt-Test-Bild im Vergleich dokumentiert werden kann.



      Weil es ein einstellbarer Spalt ist, der ab und zu mit Pressluft gereinigt werden muß, hat er
      manchmal im Micron-Bereich eine vorübergehende Änderung der 0.001 mm Struktur zur folge.



      Ein Optik-Tester hat selbstverständlich so lange gesucht, bis er selbst perfekte Optiken hat.
      Einer dieser Spiegel-Vergleiche kann hier nachgelesen werden: rohr.aiax.de/dobson.htm
      Diese Spalt-Test-Aufnahmen entstehen unter Verwendung eines 2.5 mm Vixen Okulars bei einer
      Effektiv-Vergrößerung von 1280-fach (Orion, ICS) bis 1520-fach (LOMO) Bei dieser hohen Ver-
      größerungen wird bereits geringes Streulicht sichtbar. Leider läßt sich der visuelle Eindruck noch
      nicht in voller Schärfe von der Kamera erfassen. Aber im Vergleich zu den anderen Spiegeln kann
      man die Qualität dieser Orion Spiegel bereits gut abschätzen: In der Praxis wird man keine
      UNterschiede festellen können.



      Interferogramme sind ständig in "Bewegung". Alle Raumschwingungen d.h. auch die eines vor-
      beifahrenden LKW's, oder eine entfernte Waschmaschine machen derartige Messungen fast
      unmöglich. Selbst wenn das Lobor im Keller "eingraben" ist, muß man Luft-Schlieren möglichst
      durch eine Styropor-Einhausung zu unterdrücken versuchen. So ist die Verformung des obersten
      Streifens auf dem rechten Bild einer durchziehenden Luftschliere zuzuordnen. Auffallend bei
      diesem 0.97 Strehl Spiegel ist, wie gerade und parallel die einzelnen "fringes" das IGramm
      darstellen. Auf dem linken IGramm erkennt man die bereits im Ronchi-Test erkennbar Ver-
      tiefung der Mitte von max. lambda/6 der Wellenfront. Der Fehler dürfte sehr viel geringer sein,
      weil sich der PV-Wert auf die Gesamt-Fläche bezieht und nicht nur auf die Abweichung des
      Streifens in der Mitte. Bei Spiegel Nr. 383 lassen sich sowohl äußerst geringe Koma aus dem
      Meßaufbau, sowohl Reste von Astigmatismus aus dem IGramm herauslesen. Alle Aufnahmen
      entstand in Autokollimation bei 650 nm, die den üblichen HeNe Lasern bei 632.8 nm wave sehr
      nahe kommt.



      Damit läßt sich ebenfalls in Autokollimation ein eventuell vorhandener Astigmatismus deutlich
      nachweisen.



      Mit diesen Datenblättern, die man über das allen zugängliche FringeXP von Dave Rowe, USA,
      ermitteln kann, bekommt man schließlich den, von einer bestimmten Spezies immer in Miß-
      kredit geredeten, Strehlwert, der sich natürlich dann relativiert, wenn man es mit besonders
      rauhen Oberflächen zu tun hat.
      In unserem Falle bestätigen diese Werte eine hohe Ober-
      flächenqualität.





      Mit der 3-D-Darstellung läßt sich auch noch die Verformung der Wellenfront zeigen, dämnächst
      hoffe ich, daß noch eine point-spread-function implementiert ist.




      Solche Spiegel, lieber Barry, liebt der deutsche Amateur-Astronom, vor allem, weil sie zu er-
      schwinglichen Preisen bei Teleskop-Service zu haben sind. Nachdem aber hinter solcher
      Qualität sehr viel Entwicklung und Know How stecken, darf man nicht fordern, daß man sie
      zu einem Schleuder- oder Schnäppchen-Preis bekommt. Auf dem deutschen Markt gibt es
      jedenfalls keinen Hersteller, der so günstig anbietet.


      Würden nämlich die Amateur-Spiegelschleifer einen vernünftigen Stundensatz kalkulieren,
      würden sie höchstwahrscheinlich diesen Preisen nicht standhalten können.
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/
    • Hello forum members,

      I have just read Wolfgang Rohr's review of two of our recent mirrors. At Orion Optics we are permanently trying to improve our optical performance. Two of the reasons for this improvement are the introduction of our enhanced reflective coating, 'Hilux' which at the wavelength of a green laser, around 540nm, is up to 97% reflective. The other reason is we have recently bought and had commissioned, a new GPI Zygo capable of incredible measurement accuracies and also the ability to see the smallest, down to 100th wave, errors on the mirrors surface. This facility allows us to local retouch mirrors to very high standards where required.

      If anyone is interested in information about a GPI Zygo, please visit the Zygo web site at:

      zygo.com/gpi/gpifam.htm for a brief specification of the interferometer.

      As far as we know no other mirror maker uses an interferometer of this standard and accuracy in making mirrors for amateur use.

      We take our business that seriously.

      Regards

      Barry Pemberton