Clear Sky unter italienischem Himmel in Ferrara

  • CeravoloIMeter: http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=5659
    AtmosFringe....: http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=5607
    Bündelabstand.: http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=4819
    Bath/Twyman..: http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=5707
    MicheleHP ......: http://www.columbiaoptics.com/
    HistorieFerrara.: http://de.wikipedia.org/wiki/Ferrara
    Italienisch.......: http://cms.haefft.de/upload/ha…-_KW34_-_reisevokital.pdf
    Grundkurs:.....: http://italienisch.programmladen.de/
    Clear Sky unter italienischem Himmel in Ferrara
     
    Bon giorno. Ferrara unweit von Venedig zwischen Padua und Bologna gelegen,
    spielte nicht nur im Mittelalter (d'Este)und der Renaissance wegen vieler berühmter
    Bauwerken wegen eine herausragende Rolle. So z.B. die gotische Kathedrale,
    die Renaissance-Altstadt,
     

     
    http://www.elisabettagulino.it/de/FuehrungenInFerrara.html
    http://www.archeobo.arti.beniculturali.it/Ferrara/
    http://www.archeobo.arti.beniculturali.it/Ferrara/realta.htm
    mit einem typischen Pflaster aus großen Kieselsteinen, dem wohl größten Etrus-
    kermuseum, das leider nur bis 14:00 Uhr geöffnet war und einer beeindrucken-
    den Historie, aus der u.a. viele Päpste und bekannte italienischen Herrscher
    hervorgingen. Der Weg dorthin führt über München, Insbruck, Bozen, Verona,
    Padua bis Ferrara, insgesamt ca. 875 km von Haßfurt und eine 12 stündige
    Tagesfahrt, mit entsprechenden Pausen. Der Besuch galt in erster Linie unserem
    Forenmitglied Massimo Ricardi und sowohl der Interferometrie wie der Auswer-
    tung von Streifenbildern mit dem Programm AtmosFringe, das Massimo vor ca.
    einem halben Jahr fertiggestellt hatte, siehe Link. Unversehens traf ich auch
    auf eine aktive astronomische Gruppierung genannt: "Gruppo Astrofili Columbia
    Ferrara", und damit auf Michele di Bonadiman, eines der umtriebigsten Mitglieder
    der Vereinigung und Firmeninhaber von Columbia Optics, Ferrara. Jedenfalls
    sprühte er von Unternehmungsgeist, eine Eigenschaft, die in Old Germany eher
    selten geworden ist - leider !
     
    Astrofili : http://www.ferrara.com/columbia/
    MicheleHP : http://www.columbiaoptics.com/
     

     
     
    Mein Besuch galt zunächst Massimo Ricardi, dem Autor des umfassenden Streifen-
    Auswert-Programmes AtmosFringe und Verfasser des optical Design Programmes
    Atmos, das u.a. von Astro Physics, USA, angeboten wird. Dieses Streifenauswert-
    programm, das sehr viel professioneller arbeitet als das als Shareware kursie-
    rende FringeXP, das in der deutschen Szene seit Ende 2003 dazu benutzt wird,
    nicht immer sachliche Diskussionen einschlägiger Kreise und deren Argumente
    scheinbar abzusichern. Mit Massimo Ricardi verbindet mich eine längere Zusammen-
    arbeit hinsichtlich der korrekten Auswertung von Interferogrammen, sowie der
    Bau und die Verwendung unterschiedlicher Interferometer. Im Tausch baute ich
    Massimo einen Bath-Interferometer incl. Bündelaufweitung für 532 nm wave, mit
     
    MassimoIMEter: http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=5607
     
    dessen Funktion wir uns an diversen Optiken beschäftigten im Vergleich zum
    Ceravolo und Twyman-Green Interferometer. Insbesondere interessiert uns die
    beim Industrie-ZYGO scheinbar übliche CoC-Auswertung aus dem Krümmungsmittel-
    punkt z.B. einer Parabel.
     

     
    Und weil in Ferrara, wie überhaupt in Italien eine uns offenbar eher unbekan-
    nte, aber dennoch hochinteressante Astronomie-Szene existiert, war ich sehr
    bald mit Michele di Bonadiman im Gespräch und konnte einen Blick auf sein
    1 Meter Newton f/5 Projekt werfen, bei dem unter Low-cost-Gesichtspunkten
    gerade der sphärische Hauptspiegel fertig geworden ist, der auf 27 Punkten
    gelagert ist ...
     

     
    und dessen Schleifmaschine eigens für diesen Zweck gebaut wurde. Die Führung
    der beiden unabhängigen Excenter ist stufenlos regelbar, sodaß auch die Parabel
    für eine derartige Maschine gelingen sollte.
     

     
    Jedenfalls konzentriert sich in Ferrara eine Menge Know How, das zu verfolgen
    in Zukunft noch spannend wird bis zur Fertigstellung eines derartig großen
    Teleskopes sowie die damit erzielbaren Ergebnisse. Wir sind offenbar nicht die
    Einzigen, die sich hochmotiviert mit AstroOptik befassen. Links auf dem Bild
    Michele di Bonadiman und Massimo Ricardi.
     

     
    Michele sorgte aber anschließend für eine weitere Überraschung, als er mir in
    einem ehemaligen Schulgebäude sein ca. 5 Meter großes Planetarium vorstellte,
    dessen Teile man bereits in seiner großen Fabrikations-Halle bewundern konnte:
     

     
    Für einen individuellen Kundenkreis produziert Michele di Bonadiman je nach
    Spezifikation fertige Planetarien bis zu 6 Meter Durchmesser mit derzeit ca.
    2000 Einzelsternen, die er bis auf 3000 ausweiten will einschließlich einer
    bereits fertigen Programm-Steuerung, die er mir bereitwillig vorführte. Auf
    dem folgenden Bild überraschte ihn gerade mein Blitz.
     

     
    Sowohl sein Detailwissen, wie manche verblüffende Lösungen im Zusammenhang mit
    der Verwirklichung des Projektors lassen auf einen creativen und findigen
    Kopf schließen, wie man ihn häufig in der AstroSzene trifft.
     

     
    Einen 1 Meter Spiegel kann man auch am Himmel prüfen, also muß man übergangs-
    weise einen Dobson bauen, dessen Gerüst Michele gerade vorführt.
     
    Sight Seeing
     
    Dicht gepackt schoben wir noch eine kurze Sight Seeing Tour in diesen Ein-Tages-
    Besuch: Hier das Wahrzeichen von Ferrara, die gotische Kathedrale von der Portal-
    seite und
     

     
    die Seitenansicht mit Turm.
     

     
    Hier ein Treppenaufgang, der mir noch aus den Geschichtsbüchern in Erinnerung
    ist.
     

     
    Hier das Castell der Herrscher-Familie d'Este siehe auch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ezzelino_da_Romano
     

     
    In Ferrara als Sohn einer adeligen Familie geboren, studierte Savonarola
    zunächst Philosophie und Medizin. Mit 22 Jahren trat er jedoch in den
    Dominikanerorden von Bologna ein, um "nicht wie ein Tier unter Schweinen,
    sondern als vernünftiger Mensch" zu leben. Seinem ersten Auftreten als
    Bußprediger war zunächst wenig Erfolg beschieden, was sich jedoch schnell
    ändern sollte. Seine flammenden Reden gegen die Verkommenheit der herrschen-
    den Schichten wurden von großen Teilen des Volks bejubelt. Die Massenwirkung,
    die er schließlich in Norditalien erzielte, wird oft mit der des Rätsel
    behafteten Predigers Hans Böhm verglichen, der 1476 in Franken mit sozial-
    revolutionären Thesen ähnliche Anziehungskraft ausübte.
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Girolamo_Savonarola
     

     
    Arrivederci Ferrara!

  • Hi Gevatter Rohr,


    auch ich war Ende Juli in Südtirol/Italien mit ausnahmslos gutem bis sehr tollen Wetter. Habe sogar den "Plonsky" getroffen, einem Astro aus villanders.
    Im Oktober bin ich wieder für ne Woche dort; denn: In Deutschland Urlaub zu machen oder sich auch nur aufzuhalten, grenzt an Masochismus.
    Mir jedenfalls geht dieses Geregne auf die Nerven, ich überlege mir ernsthaft, nach Italien umzusiedeln langfristig, Lehrer brauchen sie auch dort in Südtirol...
    :)
    Klarinetto

  • Danke für die Blumen! Aber wenn ich schon bei den Astrofili in Italy bin, so heißen dort die AmateurAstronomen, dann iss das ja was für unser Forum,
    damit wir deutschen Michels nicht im eigenen Saft kochen, wo doch Italien,
    sozusagen vor der Haustür liegt, wenn man das Bundesland Austria und die
    ca. 100 km von Rosenheim zum Brenner mal nicht berücksichtigt, Pickerl-seitig
    natürlich schon, wenn man nicht gerade Landstraße fahren will. Den Transit
    lassen wir uns natürlich schon was kosten.
     
    Wer aber sieht, wie umwölkt das Savanorola-Foto ist, sollte eigentlich über
    meine Überschrift ins Stutzen kommen: Sie, also die Überschrift, war ein
    Hinweis auf Micheles Planetarium, bei dem trotz Bewölkung in der Po-Ebene,
    in Ferrara unter der Planetariums-Kuppel clear sky geboten war. Für mich
    verblüffend, welche Leuchtkraft dabei ein kleines Taschanlampen-Birnchen
    entwickeln kann, aber diesen Effekt erleben wir jeden Tag, wenn man die
    Sonne in der Dämmerung "ausknipst".
     
    Insgesamt tut es uns dtschen AstroFili sicher gut, ein wenig über den
    Tellerrand zu gucken, um nicht der allgemeinen deutschen Lamoyance
    zu verfallen, notfalls kehren wir die italienische Wanderungsbewegung
    aus den 50-er und 60-er Jahren ins Wirtschaftswunderland einfach um.

  • Hallo Wolfgang,


    sehr schönen Bericht hast Du da mitgebracht!
    Kommt da noch Einer über gemeinsame Optikauswertungen nach, denn der würde bestimmt auf sehr großes Interesse stoßen?
    Bei dem 1m Spiegel ist mir was aufgefallen, sieht aus, als wenn der große Spiegel der dort geschliffen wird, aus Dreischichtigem Panzerglas besteht, sieht von der Seite und auch der Farbe so aus! Stimmt das?
    Wenn Ja, dann gäbe es nur noch geringe Beschaffungsproblem für so große Spiegel, denn ich sah schon einige Male bei Glasereien, aus Banken ausgebaute große Scheiben davon auf dem Hof liegen, die dort auf den Altglashändler warteten. Daraus könnte man solche Größen schneiden lassen.
    Wenn ich recht informiert bin kommt dort auch Quarzglas zum Einsatz.



    Ich bin zwar kein Glaswurm "aus der schon geadelten Gilde", aber ich erkenne dort wohl einen Grund weshalb der dünne Spiegel in seiner späteren Fassung geschliffen wird. Ist auch die Beobachtung richtig, dann kannst Du es für die "nur Optiknutzer" kurz erläutern.



    Gruß Günter

  • Richtig, Günter, der Glaskörper besteht tatsächlich aus 3 dicken Glasscheiben, die mit einem UV-aushärtbaren Kleber miteinander verbunden wurden. Der
    Kleber stammt aus der BRD, den Namen müßte ich erst noch erfragen. Meine
    Bedenken hinsichtlich Spannungen habe ich zunächst für mich behalten, das
    wird später die Benutzung ergeben, wobei noch nicht klar ist, wie der Spiegel
    später eingesetzt wird. Auch der Sekundärspiegel ist derzeit in der Entstehung.
    Hinsichtlich der bei uns üblichen Bedenken-Diskussion habe ich mich zurückge-
    halten, weil es immer besser ist, über neue Erfahrungen etwas zu lernen.
    Dokumente zur sphärischen Politur sind derzeit ebenfalls nicht vorhanden, was
    aber nur soviel heißt, daß ich einen solchen Vorgang grundsätzlich mit Doku-
    menten begleitet habe, schon zur eigenen Sicherheit. Bei der Parabel wird das
    aber zwingend erforderlich sein. Der große Spiegel ist also noch nicht im Stadium
    der Parabolisierung und der dafür erforderlichen Messungen.
     
    Den Spiegel in seiner späteren Lagerung zu schleifen, fand ich ebenfalls sehr
    sinnvoll aus genau dem Lagerungs-Verformungs-Problem. Interessant fand ich
    wie stabil diese Lagerung der erheblichen Kraft des Polierers widersteht. Spiegel
    und 27-Punikt-Lagerung bilden eine Einheit, die man herunternehmen und
    ins spätere Teleskop setzen kann. Auch zum Prüfen nimmt man die Einheit
    und sucht sich den Polarstern. Eine seitliche Arretierung ist zwar vorgesehen,
    wurde aber nicht benutzt. Habe nicht gefragt, ober der Spiegel mit seinen
    Auflagepunkten verklebt ist. Im Laufe der Herstellung hoffe ich noch mehr
    über den Werdegang zu erfahren, notfalls muß ich ein weiteres Mal nach
    Ferrara fahren, oder den Massimo Löcher in den Bauch fragen, oder den
    Michele.
     
    Dietmar , in Venedig muß es einen Magnaten geben, der die Sache finanziert
    und in dessen 1000/4800 Newton-System der Spiegel soll. Über dieses
    Projekt bin ich sozusagen ganz nebenbei "gestolpert", aber es ist sehr interessant. Werde weiter recherchieren.