Die Optik-Konferenz Zeiss_B Objektiv

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      Die Optik-Konferenz oder das Zeiss_B Objektiv

      Unter der Schirmherrschaft trafen sich - höchst selten einmal - in Ahrensburg die Astro-Optiker, bzw. Experten
      für Refraktor-Objektive. Sehr viel öfter steht die kleine Gruppe seit über 30 Jahren via Telefon und Email in
      Kontakt. Das Zeiss_B Objektives 110/1620, das ein Sternfreund zur Optimierung zu Wolfgang Busch,
      Ahrensburg, geschickte hatte, lieferte einen willkommenen Anlaß, die unterschiedlichen Experten innerhalb
      der Gruppe zusammen zu bringen: Ein Optikrechner, der selbst einen Apochromaten entwickelt und hergestellt
      hat, einen Astrofotographen, Wolfgang Busch, Designer und Hersteller des HAB-Objektiv-Bausatzes, das
      ein interessierter Sternfreund selbst herstellen kann, und schließlich mich selbst, der sich auf die interfrome-
      trische Vermessung derartiger Objektive verlegt hat.
      Ohne Zweifel ist dieser Objektiv-Typ das farbreinste, was ein Voll-Apochromat von Zeiss überhaupt zu bieten
      hat. Die Gruppe hat dieses Objektiv sowohl mit den alten Glassorten aber auch heutigen Gläsern mit einer
      Perfektion nachvollzogen, die erahnen läßt, welche hohe Perfektion von den Zeiss-Ingenieuren und Fein-
      optikern damals ohne Computer bereits vorhanden war. Überhaupt ist die Gruppe in engem Kontakt mit der
      Sternwarte in Hamburg-Bergedorf, die u.a. durch das Wirken von Bernhard Schmidt und seine Schmidt-Kamera
      weltweit bekannt worden ist. (Darüber wird in einem eigenen Beitrag zu berichten sein)

      Wolfgang Busch, bereits 80 Jahre jung, scheint fit wie ein Turnschuh, wenn er sich hoch konzentriert mit einem der
      Zeiss_B Optiken befaßt. Bereits unlängst hatte er ein 200/3000 in Arbeit, nachdem es über Jahrzehnte ungenutzt in
      Süddeutschland dahinschlummerte.



      Über die lange Brennweite von 1620 mm bei 110 mm Öffnung ergibt sich für Grün eine Schärfentiefe von 0.2369 mm.
      Die Schärfentiefe entsteht dadurch, daß das Airy-Scheibchen die kleineste Einschnürung des Lichtkegels darstellt und
      über die Geometrie ein Bereich auf der Achse entsteht, innerhalb dessen man ein FokalBild nicht schärfer stellen kann.
      Mit dieser Schärfentiefe wird die Schnittweitendifferenz der Farben Blau und Rot (bezw. das arithm. Mittel zur Hauptfarbe
      Grün) ins Verhältnis gesetzt, sodaß man zu einer Restchromasie-Indexzahl kommt, und damit eine Skalierung für alle
      Refraktoren hat. Ein wunderbar quantifizierbares Verfahren, wenn man dazu einen Bath-Interferometer benutzt.

      Das Zeiss_B Objektiv kam in einem bedauernswerten Zustand bei Wolfgang Busch an, nachdem sich bereits einige hoch-
      karätige Optiker an diesem Zeiss-Produkt die Zähne ausgebissen hatten.



      Ein hochwertiger Planspiegel dient zur Autokollimation . . .



      . . . wobei die exakte Kollimation vor diesem Planspiegel ebenfalls sehr exakt sein muß und ein hohes Maß an Konzen-
      tration verlangt. Macht Wolfgang Busch am liebsten alleine und ungestört.



      In der Hamburger Gegend scheint es viele derartige Objektive zu geben. Einer aus der Gruppe - im Zivilberuf Augenarzt -
      hat sein eigenes Zeiss_B Objektiv ebenfalls bereits zerlegt und mit Erfolg gut zentriert wieder zusammengefügt.



      Zum Beweis noch der Okularauszug, wie er damals von Zeiss in edlem Messing gebaut wurde.



      Hier der stolze Besitzer dieser Optik, wie sie in den 30-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gefertigt worden sind.



      Das Zeiss_B Objektiv wurde offenbar von T.S. Tayler entwickelt, von Horst Köhler aufgegriffen und verfeinert zu einem
      Dreilinser mit Luftlinsen und äußerst zentrier-empfindlichen aber auch äußerst farbreinen Voll-Apochromaten. Horst
      Köhler ist über das Standard-Werk "Die Fernrohre und Entfernungsmesser" im Springer Verlag. Berlin-Göttingen-Heidelberg
      1959 erschienen. Nur noch antiquarisch erhältlich, aber ein vielzitiertes Standard-Werk.

      Bei höchstvergrößerung von 1620-fach mit einem Nagler-Zoom 2 mm in Autokollimation entstand dieses intrafokale Stern-
      scheibchen, bei dem nur noch der violette Farbsaum darauf hinweist, daß die Schnittweite von violett geringfügig länger
      ist, als Blau = 0, Grün/Rot + 12 Mikron, Gelb + 26 Mikron. Der ausgefranste Rand intrafokal deckt sich mit dem Ronchi-
      Bild, ebenfalls intrafokal, da dieses Ojektiv derzeit noch leicht überkorrigiert reagiert, was eine Frage der Linsenabstände
      darstellt. (Gitterkonstante 13 lp/mm intrafokal) Das linke untere Foucault-Bild entstand über die Einrichtung von Wolfgang
      Busch unter Verwendung eines Grünfilters, während das rechte Foucault-Bilder über meinen Lichtspalt ohne Filter entstand.
      Auch hier die Entsprechung zum darüberliegenden Ronchi-Bild.



      Jeder Refraktor hat nebem dem sekundären/tertiären Spektrum zusätzlich deb farbabhängigen Öffnungsfehler in der Form,
      daß im kurzwelligen Blau die Objektive überkorrigiert reagieren, im langewelligen Rot unterkorrigiert sind, und im grünen
      Spektrum - dort sind unsere Augen am empfindlichsten - sollte es absolut perfekt sein. Bei Zeiss Objektiven wäre das
      dort dann ein Strehl von 0.999. An den Interferogrammen fällt zunächst eine Dezentrierung auf, die ich der Justage vor
      dem Planspiegel zuordnen würde. Der mittlere Interferenzstreifen sollte achssymmetrisch zur Mittensenkrechten sein.
      Deshalb wäre Coma zunächst abzugsfähig. Einen weiterer Fehler bildet die Überkorrektur bei Gelb, was eine Frage des
      Linsenabstandes ist, aber auch eine Frage der Temperatur: Im ca. 3 Grad Celsius wärmeren Wohnzimmer justierte Wolfgang
      Busch dieses Objektiv neu, worauf es auf der Optik-Bank zunächst perfekt erschien, bis es sich erneut an die andere
      um 3 Grad kältere UmgebungsTemperatur angepaßt hatte, da war es dann wieder überkorrigiert. Das beste Interfero-
      gramm zeigt sich derzeit bei Rot = 656.3 nm wave = C-Linie, da sich hier kompensatorisch der Gaußfehler auswirkt und
      Überkorrektur minus Unterkorrektur (Gaußfehler) die Korrektur in diesem Bereich auf Null stellen.




      Über Gelb = 587.6 nm wave ergibt sich folgende Auswertung: Die dünne weiße Linie wäre die Ideal Map. Erneut erkennbar
      sind Rest-Kollimationsfehler und Überkorrektur durch ein ganz flach überlagertes "M" über dem mittleren Streifen.



      Die leicht konische Öffnung der Streifen nach links zeigt einen Restastigmatismus an.



      Auf der Basis des oberen Interferogrammes wiederum der Ideal-Verlauf der Streifen.



      Und nun eine Übersicht, wie sich die einzelnen residualen Fehler auf den Strehl auswirken:
      Wenn alle Fehler bei der Auswertung berücksichtigt werden, dann käme ein Strehl von 0.944 heraus. Da die Optimierung
      noch nicht abeschlossen ist, kann man erwarten, daß das Ergebnis sich über folgende Einflüsse steigern läßt:
      Der Haupt-Restfehler ist die Überkorrektur. Wenn diese behoben ist, dann steigt der Strehl auf 0.972. Ein Zeissianer
      wäre damit aber noch nicht zufrieden. Befreit man sich schließlich noch vom meist fassungsbedingten Astigmatismus,
      dann ist man schlußendlich bei Strehl = 0.995 und der Rest verbleibt als Coma, die sich eigentlich ebenso herauszentrieren
      läßt. Der Optimier-Vorgang ist eine hochkonzentrative und äußerst langwierige Angelegenheit, die außerdem viel Erfahrung
      und Fingerspitzengefühl verlangt. Für Klavierspieler, wie Wolfgang Busch einer ist, ein lebenslanges Training, und lebens-
      erhaltend ohnehin. Letztlich die Motivation für derartige akribische Tätigkeiten.



      Manche andere APO-Optiken wären mit diesem Ergebnis bereits zufrieden. Nicht so ein Wolfgang Busch mit einem Zeiss_B-
      Objektiv.



      Farbreine Apochromaten werden heute von Zeiss nicht mehr gebaut. Aber allein die Technik von 1930 im Zeitalter der
      damaligen Inflation nachzuvollziehen ist eine hochinteressante Angelegenheit.
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/
    • AW: Die Optik-Konferenz Zeiss_B Objektiv

      Zitat: "Ohne Zweifel ist dieser Objektiv-Typ das farbreinste, was ein Voll-Apochromat von Zeiss überhaupt zu bieten
      hat."


      Glaube ich kaum, denn die APQs dürften da wesentlich besser sein.
      Auch der Sterntest sieht ja fürchterlich bunt aus, wie bei einem China-Böller:twisted:
    • AW: Die Optik-Konferenz Zeiss_B Objektiv

      Viele Dank für Eure Antworten! Zur Farbreinheit möchte ich folgendes erwidern:

      Zitat: "Ohne Zweifel ist dieser Objektiv-Typ das farbreinste, was ein Voll-Apochromat von Zeiss überhaupt zu bieten
      hat."

      Glaube ich kaum, denn die APQs dürften da wesentlich besser sein.
      Auch der Sterntest sieht ja fürchterlich bunt aus, wie bei einem China-Böller:twisted:
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      Der Sterntest ist bei 1620-facher Vergrößerung fotografiert. Da spielen auch Beugungs- und Farbzerlegungs-Effekte
      eine Rolle. Bei einem der so farbreinsten APO's wäre das erheblich bunter. Allerdings liegt Violett etwas weiter hinten,
      und das sieht man, aber mehr auch nicht.



      Nehmen wir deswegen den Foucault-Test, bei dem die Messerschneide etwa in die Mitte des sekundären Spektrums zu stehen kommt.



      Da wäre das Foucault-Bild eines Normalo-APO's wiederum sehr viel bunter:



      Nehmen wir schließlich das arithmetische Mittel aus der Differenz (Blau-Grün) und (Rot-Grün) = 0.012 mm und vergleichen es mit der Tiefenschärfe dieser Optik zu 0.2369, dann bekommen wir eine IndexZahl von 0.05065 heraus, und das ist dem besten TMB-APO um den Faktor 3x besser.

      Es liegt wohl an meinem nicht so ganz augenfälligen Beispiel und der Aufforderung an mich, das mit dem Sterntest an einem Kugelspiegel ebenfalls unter Höchstvergrößerung zu wiederholen.

      :1eye:Jedenfalls ist die Bemerkung von CNN so angelegt, daß man sie als humorigen Beitrag auffassen sollte.:1eye:
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/
    • AW: Die Optik-Konferenz Zeiss_B Objektiv

      vielen Dank für den Hinweis, leider bin ich bereits verplant. Bitte dem Wolfgang Busch ganz herzliche Grüße ausrichten, erst ist mein opt. Ziehvater. Wunderbar wäre, wenn jemand hier einen Bericht von diesem Ereignis abliefert mit Fotos. Klappt ja vielleicht lieber Ralf.
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/
    • AW: Die Optik-Konferenz Zeiss_B Objektiv

      aaaaaaaaaaaalso, lieber Richard,

      Hier findest Du den Bericht eines Zeiss AS 200/3000, nachdem ich es ein wenig aufgepäppt hatte: astro-foren.de/showthread.php?p=30130#post30130
      Dann hatte ich einen Immersions-APO 200/2000 aus der gleichen Ecke mit einer RC-Indexzahl von 0.3159, also so farbrein wie üblicherweise die TMB-Apo's, das Ding war erheblich zentrierempfindlich:shutup:. Darüber durfte ich dann keinen Bericht schreiben:shutup:.

      Dieses Zeiss B-Objektiv jedoch ist immer noch das Edelste, was man auf dem Refraktor-Markt unter den langbrennweitigen APO's kriegen kann. Die Farbreinheit hat aber wesentlich mit dem kleinen Öffnungsverhältnis und damit wesentlich der großen Schärfentiefe zu tun, die bei f/15-Systemen länger ausfällt: T = 2 * Lambda * K^2 [K = Blendenzahl]
      astro-foren.de/showpost.php?p=36584&postcount=3
      Herzlichen Gruß! Wolfgang Rohr---_ email: wolfgang.rohr@t-online.de Tel: 09521 5136 ---------------------------------------------------- r2.astro-foren.com/index.php/de/