TS Triplet APO - fast perfekt

  • TS Triplet APO - fast perfekt

    Wenn der Linsenabstand korrigiert wird, hat man ohne Koma- und Astigmatismus-Restfehler eine
    0.98 Strehl-Optik vor sich. So zumindest stellt sich die Situation bei 486.1 (Blau bzw. F-Linie) dar,
    wo die systembedingte Überkorrektur die tendentielle Unterkorrektur nahezu kompensiert. Über
    die Veränderung der Linsenabstände sollte sich diese Situation auf die Hauptfarbe Grün verschieben
    lassen und dann wäre dieser APO perfekt.

    Die interferometrische Schnittweiten-Bestimmung der Spektralfarben, läßt sich am besten vermessen, wenn
    wenigstens innerhalb der Hauptfarbe die Streifen möglichst gerade sind, da man über die Durchbiegung der
    Streifen bei Veränderung der Fokuslage bis auf Mikron genau die Abstände bestimmen kann. Im vorliegenden
    Fall waren die Streifen bei Blau, aus Kompensations-Gründen ziemlich linear, und erst über ein Foto, das die
    Situation der Farbschnittweiten dieser auf Blau fixierten Fokuslage zeigt, konnte die Reihenfolge der Farb-
    schnittpunkte und damit der Farblängsfehler ermittelt werden. Jedenfalls fällt Blau am kürzesten und sorgt
    beim Sterntest intrafokal für den leicht bläulichen Saum. Extrfokal dann die Summe der übrigen Farben. Da
    Blau in diesem Fall den besten Strehl-Wert erzielt, müßte man lediglich den Abstand (vermutlich) der ersten
    Linse verändern, sodaß das Optimum in Richtung Grün verschoben wird.

    Nimmt man jedoch das schlechteste Schnittweiten-Ergebnis, bei dem Blau mit 26µ vor den anderen Farben
    liegt, selbst dann hätte man eine RC_INdexzahl von nur 0.2678, und das wäre, nur unter dem Blickwinkel
    der Farbreinheit betrachtet, schon ein außerordentlich guter Wert. Und weil bei dieser Betrachtung sowohl
    Coma wie Astigmatismus vermeidbare bis Setup-abhängige Werte sind, habe ich sie bei der Untersuchung
    abgezogen.



    Diese tendentielle derzeitige Unterkorrektur drückt sich auch in folgendem Bild aus, das man mit diesen
    Bildern meines artificial Sky vergleichen mag. Über die Unterkorrektur verschiebt sich bei hohen Vergrößerungen
    und Pinholes von 3-5µ gut sichtbar ein Teil der Lichtenergie in den ersten Beugungsring. Fotografisch kaum festzustellen
    aber visuell erkennbar, wie das Testbild zeigt.



    Die Ähnlichkeit dürfte erkennbar sein: Intrafokal der Blau-Saum, weil Blau die kürzeste Schnittweite hat.
    Extrafokal dann die anderen Farben in der Summe.



    Gemessen am Flächenanteil dürfte maximal 20% der Fläche unterkorrigiert reagieren, nämlich der innere
    Bereich ab 0.4*Durchmesser. Sehr gut als flacher Kegel beim Foucault-Test im nächsten Bild erkennbar.
    Beide Tests verraten aber auch die hohe Farbreinheit des Systems. Die Farbverteilung beim Foucault-
    Bild ist eine Folge des Gaußfehlers.



    Vermutlich liegt das Optimum sogar im violetten Spektrum, jedenfalls orientierte ich mich an der Berührung
    des Streifens in der Mitte zur Kontroll-Linie, und somit ist erkennbar, daß zum längeren Spektrum hin die
    Streifen-Enden nach unten "ziehen": Gleichzeitig ein Indiz für Gaußfehler und Schnittweite.



    Bis zu einem Bilddurchmesser von ca. 10.5 mm ergibt sich die Situation der Spotdiagramme (Quelle TS-Webseite)
    Gemessen am Airy-Scheibchen sollte man bei der Fotografie deshalb ohne Field-Flattner auskommen.
    Interessieren würden mich deshalb Astro-Aufnahmen mit diesem APO - die es mit Sicherheit gibt.



    Hier das Referenz-Igramm (F-Linie = 486.1 nm wave) im doppelten Durchgang.



    Die 3-D-Wellenfront-Deformation, der man a) die Unterkorrektur, b)einen leichten Astigmatismus und c) etwas Coma
    ansehen kann. Bei Grün wäre die Darstellung etwas ausgeprägter, aber prinzipiell ähnlich.



    Dadurch verschiebt sich ein Teil der Lichtenergie in die Beugungs-Ringe, wie man auf dem 2. Bild oben gut erkennen
    konnte. Wie gesagt - nur visuell feststellbar.



    Diesen Strehl hätte man bei 546.1 nm (grün), wenn man an den Linsen-Abständen noch etwas "dreht"
    Ob das allerdings als Aufforderung aufgefaßt werden sollte? Ich weiß nicht . . . :whistling



    Jedenfalls ein Objektiv, das den Namen Aprochomat zu Recht verdient und vermutlich sehr, sehr farbrein ist.

  • Hallo Wolfgang,
    vielen Dank für die ausführliche Prüfung.
    Wenn man mal so einige Forenbeiträge verfolgt, kann einem manchmal bei Neuanschaffungen angst und bange werden.
    Nun bin ich aber gespannt, wann es das Wetter zulässt, dass dieses Gerät sein First Light bekommt.
    Viele Grüße
    Jürgen

  • Bis dahin, lieber Jürgen, sollte ich hier schon einige Fotos haben, die damit gemacht worden sind. Visuell
    konnte ich einen engen Doppelstern mit 5 µ Abstand trennen, wie er auf meinem künstlichen Sternhimmel
    drauf ist. Und aus dem Inv Tangens ergäbe sich somit eine Auflösung von 1"72 arcsec und besser, wie man
    im zweiten Bild/kleiner weißer Kasten sehen kann. Mich interessiert dann vor allem, wie sich dieser APO
    bei hohen Vergrößerungen benimmt. Ich bitte Dich also um Rückmeldung hier, wenn es soweit ist.

  • Hallo Wolfgang,


    habe den großen Bruder vom 90iger den 105mm, in Europa erst seit Neujahr auf den Markt.
    Hab den Kerl schon ein wenig früher bekommen und konnte mit meiner 300D unmod. diese Woche die ersten Aufnahmen machen. Visuell nicht mehr zu topen!


    Einziger Manko, der dunkle Tubus aber dafür gibts ja Farbe, hab in Umlackiert!


    Das Teil geb ich im Leben nicht mehr her!


    http://www.astrotreff-deep-sky…3a0d188f6a33bf45f8118e40f

  • Thema Zenit-Spiegel-Überprüfung
    siehe auch diesen Link: http://www.astro-foren.de/showpost.php?p=42781&postcount=4
    Mit dem Zenit-Spiegel wäre irgendetwas nicht in Ordnung, sagte mir der Sternfreund. Nun könnte das zwei Ursachen haben:

    - der Spiegel ist optisch unbrauchbar, was aber wegen der relativ kleinen tatsächlichen benutzten Fläche eher unwahrscheinlich ist.
    - der Spiegel muß im Strahlengang verkippt sein, eher wahrscheinlich

    Also zunächst den APO vor den Planspiegel und mit dem Cheshire-Okular genau auf Achse gebracht. Diese Justage darf nicht mehr verändert werden. Nun wird der Zenit-Spiegel aufgesteckt (der Tubus um 80 mm nach innen geschoben) und überprüft, ob die Justage immer noch stimmt.
    In diesem Fall war das Bild nach unter verkippt, was soviel bedeutet, daß der kleine Planspiegel dagegen gekippt werden muß. Auf eine Länge von 75 mm war das ein Betrag von 0.85 mm in Winkelgrad wären das 0° 38' 57"57 .

    Also schraube ich das Teil auf, bzw. die Haltplatte: Der rechteckige 55 x 75 mm große Planspiegel liegt auf einem Rahmen auf, der lediglich gegossen ist, aber nicht nachgearbeitet. Also bleibt nichts anderes übrig, als durch eine weiche Unterlage die eingebaute Verkippung auszugleichen.

    Nun stimmt - im Wechsel - die Kollimation sowohl mit Zenit-Spiegel und ohne.

    Wenn also ein Zenitspiegel nicht exakt im Strahlengang steht und damit die opt. Achse verkippt, dann bekommt man die Abbildung der Optik im Feld. Und die ist in der Regel etwas schlechter, wobei die Verkippung auch die Fokussierung stört.

    Ob die Schlitz-Äuglein mit dem Begriff "Waren-Endkontrolle" etwas anfangen können?

  • Quote

    Ob die Schlitz-Äuglein mit dem Begriff "Waren-Endkontrolle" etwas anfangen können?



    ....aber natürlich :whistling. Im Herstellungsverfahren steht dann ausdrücklich, daß die Flächen NICHT bearbeitet werden (wofür denn auch....lach) und genau so haben die diesen ZS dann auch geliefert :jerry:


    Gruß

  • Hallo Robert,
    nun fühle ich mich als Käufer von Astro Artikeln aber etwas verunsichert.
    Soll das heisen, das man als Händler schon im voraus weis, dass bereits im Vorfeld mit nicht ganz einwandfreier gehandelt wird. Nach dem Motto: der Kunde wird es schon nicht merken?
    Wenn ich das Gefühl hätte, dass dies bei Allen so ist, würde ich das Hobby ganz schnell aufgeben.
    Viele Grüße
    Jürgen

  • Hallo Jürgen

    meine Anmerkung bezieht sich auf die Aussage von Wolfgang, auf dessen Befund, daß dieser ZS eben nicht bearbeitet ist (und war und ist eigentlich als Spaß zu betrachten).
    Wenn Du nun wieder alle Astroprodukte über einen Kamm scheren möchtest und für Dich dieses so glauben willst, was soll ich dazu sagen??

    Wir alle wissen, daß die chinesiche Ware eben ist wie sie ist. Wer als Händler, glaubst Du, wird jeden ZS öffnen und überprüfen? Wer soll das bezahlen? Wer hat die Zeit das zu tun?
    Bezahlst Du dann einen ZS, der vom Händler überprüft wurde und dieser 35 Euro (einfach mal pauschal gesagt) teurer ist?

    Ich kenne da ein Beispiel eines Binokulars.
    Da gab es einen Anbieter, der bot diese justiert an, zum Preis von 99,- Euro. Irgendwann kam ein anderer Anbieter der die gleichen Binokulare anbot, allerdings etwas günstiger. Was meinst Du ist schlussendlich aus den justierten Binos geworden? ... richtig!!! Sie wurden nicht mehr angeboten, weil keiner mehr die 99 Euro bezahlen wollte, obwohl die Differenz zu den unjustierten nicht sonderlich groß war. Soviel dazu.

    Nun darfst Du Dir Deine Frage selbst beantworten, ganz nach eingenem Geschmack.

    Gruß

  • Hallo Robert,
    um keine weitere (unnütze) Diskussion anzufangen.
    1. Ich schere (wieder) keine Astroprodukte über einen Kamm - habe ich noch nie getan, da dies meine erste Reaktion auf eine derartige Antwort war.
    2. Ich habe das auch als Spass aufgefasst - jedoch auf Kosten eines Käufers (bei welcher Firma auch immer).
    3. Wenn ich optische Teile nach dem Kauf zum Prüfen gebe, trage ich selbstverständlich auch anfallende Zusatzkosten.
    4. Wenn ich für einen ZS 170,--€ ausgebe möchte ich mehr erwarten als bei Einem für
    35,--€.
    Nun hoffe ich, dass wir uns wieder mit unserem eigentlichen Hobby beschäftigen können.
    Viele Grüße
    Jürgen

  • Hallo Jürgen

    Du siehst, Astroartikel können da ganz schön "heisse" Diskussionen auslösen.

    Ich stimme zu, daß bei einem ZS von 170,- Euro die Qualität stimmen muss. Als Kunde aber, sollte man, wenn man so ein Teil erwischt hat, reklamieren und umtauschen. Denn eine hiesige Qualitätskontrolle wird aus Zeit- und Kostengründen bei diesen Teilen nicht durchgeführt werden können. Zumal der Kunde ja auch eine verschlossene Verpackung erwartet, oder zumindest daß die dort beinhaltende Ware unangetatscht sein soll.
    Das mit den 35,- Euro meinte ich aber so, daß wenn der ZS schon 170,- Euro kostet, der Kunde ganz bestimmt keine 35,- Euro mehr ausgeben würde, um einen kontrollierten zu erhalten (siehe mein Beispiel mit dem Binokular).

    Schönen Gruß

  • Hallo Jürgen,

    Quote

    Soll das heisen, das man als Händler schon im voraus weis, dass bereits im Vorfeld mit nicht ganz einwandfreier gehandelt wird. Nach dem Motto: der Kunde wird es schon nicht merken?
    Wenn ich das Gefühl hätte, dass dies bei Allen so ist, würde ich das Hobby ganz schnell aufgeben.



    Laß mich mal ganz allgemein aus dem Blickwinkel eines fast 64-jährigen antworten:

    Als ich 1959 meine Lehre als Feinmechaniker begann, war unser oberstes Motto: "Deutsche Wertarbeit" Damals ging es nicht nur um die Funktionalität von Produkten, sondern vor allem auch um die fachlich saubere Ausführung und es war eine Freude, solche Werkstücke anzuschauen. 10 Jahre später wurde die Wegwerfgesellschaft erfunden. Die Großversandhäuser waren daran kräftig beteiligt und ich erinnere mich an mein erstes Scope aus Japan. Die "Wurf-Passung" war dermaßen mit klebrigem Fett zugeschmiert, daß sich der Okularauszug schwergängig bewegen ließ. Auch die Nierentische nebst den weißen Resopal-Schränken aus beschichteten Pressplatten hielten vielleicht einen Umzug aus und qollen bei Wassereinbruch in jedem Fall auf. Auch half mir mein erster Beruf als Feinmechaniker bei der Reparatur dieser Wertgegenstände. Beim Bau unserer Hütte vor 25 Jahren mußte man fürchterlich aufpassen, daß sich der Pfusch in Grenzen hielt. Der war sogar im Preis bereits einkalkuliert: Die Restsumme, die wir bei einzelnen Aufträgen wegen vollständiger Gewährleistung zurückhielten, wurde nie bezahlt, weil keiner der Handwerker sich bequemte, Fenster und Türen in einen funktionalen Zustand zu versetzen. Des Installateurs Maß war sein Daumen, und über den peilte er jeweils die Lage an: Ein bißchen schieben, ein bißchen ziehen - und schon paßt die Sache. Auf diese Weise habe ich selbst den Architekt in eine Arbeit eingebunden, nur weil er notwendige Zwischen-Decken verbaselt hatte: Ersparnis damals 6000.- DM.

    Später - und das ärgerte mich dann allmählich, konnte man kein Produkt mehr kaufen, das auf Anhieb funktioniert hätte. Lampen, die man heute neu kauft, muß man erst einmal reparieren, damit man sie nutzen kann. Schon viele Male so erlebt. Auch findet man eher selten einen Verkäufer, der ein fundiertes Wissen zu den Produkten hat, die er verkauft.

    So kann man also auch innerhalb der Astro-Szene die gleichen Entwicklungen beobachten, wie in vielen anderen Branchen. Und so lange der Preis vor Qualität kommt, hat Qualität immer das Nachsehen bzw. muß erst repariert werden, damit man sie benutzen kann.

    Bei langlebigen Konsum-Gütern pflegen wir hier immer Qualität zu kaufen, weil die auf lange Sicht sehr viel billiger ist und man sich deshalb nicht ärgern muß.

  • Hallo zusammen,
    leider komme ich erst jetzt dazu, etwas über die praktischen Erfahrungen zu schreiben.
    Nur soviel: visuell macht der Kleine unheimlich viel Spaß! Saturn z. B. konnte ich mit 240-facher Vergrößerung ohne Kontrastverlust und ohne irgendwelche Farbsäume betrachten.
    Bei Jupiter hatte ich bisher noch kein brauchbares Seeing.
    Ansonsten (wie immer so schön geworben wird)"nadelfeine Sterne auf samtschwarzem Hintergrund" (wenn der Himmel dunkel genug ist).
    Diese Gerät wird nicht mehr hergegeben!!!
    Wie sich dieser APO forografisch macht bitte ich hier:
    http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=10782
    zu beurteilen.
    Mangelnde Bildbearbeitungskenntnisse bitte berücksichtigen.
    Viele Grüße
    Jürgen

  • Hallo zusammen,


    nochmal zurück zur Qualität und zur Qualitätskontrolle, auch wenn`s von beiden spaßig gemeint war:


    Auf dem ATT in Essen lagen bei einem Händler "der gehobenen Ansprüche" massenweise bekannte Okulare, Zenitspiegel und Zenitprismen herum. Allesamt wohl ausgemustert und als mehr oder weniger "Schrott" angeboten. Ich traute meinen Augen nicht, wieviel von diesem Zeugs da rumlag!


    Manch einer macht wohl doch eine Qualitätskontrolle bzw. es waren Rückläufer aus Reklamationen.
    Immerhin konnte ich einen sehr guten ZS erwerben, der völlig in Ordnung war - die Schräubchen beider Seitenteile der Abdeckung fehlten, ein Pfennigbetrag. Gekauft statt 199 Euro für € 5.-


    Da habe ich halt auch mal ein "Schnäppchen" machen können.


    Ansonsten stimmt es schon: Der Endkunde macht heute die Endkontrolle und, auf Wolfgangs Haus einzugehen: Sagte meine Baufirma damals: "5 cm sind auf dem Bau kein Maß".... Kommentar überflüssig!


    Liebe Grüße
    Winfried

    Liebe Grüße
    Winfried


    Wenn filmen so einfach wäre, dann hieße es "RTL"...