Interferogrammproblem

  • Hallo zusammen.


    Ich habe irgendwie ein Verständnisproblem mit einem Interferogramm unseres neuen Teleskops. Das habe ich mal als Anhang angehängt.
    Der Spiegel hat einen Durchmesser von 602mm und eine Brennweite von 1800mm. Es ist nur das Interferogramm des Hauptspiegels des Cassegrain- Teleskops. Der Spiegel stammt von LOMO und das IGramm wurde 335nm aufgenommen. Es steht jedenfalls N335A auf dem Beipackzettel. Wenn ich mir das IGramm allerdings anschaue, dann würde ich sagen, daß es sich um einen Kugelspiegel und nicht um eine Parabel (wie für ein Cassegrain üblich) handelt. Wenn ich die Auswertung mit Openfringe mache, dann bekomme ich nur gescheite Werte, wenn ich die konische Konstante auf 0 setze, also Kugelspiegel. Mache ich da irgendwie einen Denkfehler?

  • Hallo Thomas,

    Quote

    Ich habe irgendwie ein Verständnisproblem mit einem Interferogramm unseres neuen Teleskops. Das habe ich mal als Anhang angehängt.
    Der Spiegel hat einen Durchmesser von 602mm und eine Brennweite von 1800mm. Es ist nur das Interferogramm des Hauptspiegels des
    Cassegrain-Teleskops. Der Spiegel stammt von LOMO und das IGramm wurde 335nm aufgenommen. Es steht jedenfalls N335A auf dem
    Beipackzettel. Wenn ich mir das IGramm allerdings anschaue, dann würde ich sagen, daß es sich um einen Kugelspiegel und nicht um
    eine Parabel (wie für ein Cassegrain üblich) handelt. Wenn ich die Auswertung mit Openfringe mache, dann bekomme ich nur gescheite
    Werte, wenn ich die konische Konstante auf 0 setze, also Kugelspiegel. Mache ich da irgendwie einen Denkfehler?



    Zunächst ein paar Anmerkungen:
    - es kann ein sphärischer Spiegel sein mit Bohrung, aber das würde zu keinem der Cassegrain-Varianten
    passen: http://www.ceravolo.com/astrograph/astrograph_CDK.php, weshalb es äußerst unwahrscheinlich
    ist, daß es sich um das Interferogramm nur des Hauptspiegels handeln würde. Meßtechnisch macht das
    auch wenig Sinn, weil ihr ja die Qualität des GesamtSystems wissen möchtet.

    - es gäbe zwar auch die Möglichkeit, den Hauptspiegel S O L O durch eine Kompensations-Linse getrennt
    zu prüfen, dann bekommt man ein solches Interferogramm, aber worin besteht der Sinn, nur das Ergebnis
    des Hauptspiegels wissen zu wollen, wenn es sich um ein Cassegrain-System handelt. Auch wenn Du den
    Hauptspiegel in Autokollimation prüfst, der wahrscheinlichste Fall, bekommt man ein solches Interfero
    gramm. Ein einfacher Sterntest im Krümmungsmittelpunkt des HS sagt Dir bereits, was Du vor Dir
    hast.

    - Das Interferogramm ist mit Sicherheit nicht bei 335 nm wave aufgenommen, das wäre oberhalb der K-Linie
    mit 393.4 nm wave. Das wäre tief im Violetten und man bräuchte eine Lichtquelle dafür, die mir bisher
    unbekannt ist, also ein LaserModule in diesem Bereich.

    - auch müßte man bei der Beschichtung des Systems auf diesen Sachverhalt Rücksicht nehmen.

    Ich glaube deshalb, Du hast das Interferogramm des Gesamt-Systems vor Dir. Falls das wirklich zutrifft,
    wäre das System OK !

    Fazit: Interferogramme dieser Art entstehen
    - bei Sphäre mit Bohrung - 1-fache Genauigkeit
    - bei Parabel durch KompensationsLinse oder Spiegel - 1-fache Genauigkeit
    - bei Parabel gegen AutokollimationsSpiegel - 2-fache Genauigkeit
    - Cassegrain-GesamtSystem gegen Autokollimations-Spiegel - 2-fache Genauigkeit

  • Quote

    es gäbe zwar auch die Möglichkeit, den Hauptspiegel S O L O durch eine Kompensations-Linse getrennt
    zu prüfen, dann bekommt man ein solches Interferogramm, aber worin besteht der Sinn, nur das Ergebnis
    des Hauptspiegels wissen zu wollen, wenn es sich um ein Cassegrain-System handelt. Auch wenn Du den
    Hauptspiegel in Autokollimation prüfst, der wahrscheinlichste Fall, bekommt man ein solches Interfero
    gramm.


    Vielleicht noch eine Anmerkung. Das System ist vom Philip Keller. Es kann sowohl im Primärfokus mit F/3 (1800mm Gegenspiegel ausgebaut) als auch mit F/8 (4797mm Gegenspiegel drin) benutzt werden. Für den ersten Fall sitzt im Rohr hinter dem Gegenspiegel (der dann fehlt) bei Philips Bauweise ein 3-linsiger Korrektor. Es macht also doch Sinn für uns die Genauigkeit nur des Hauptspiegels zu kennen.


    Da LOMO Interferogramme noch auf Negativfilm liefert, haben wir 2 Filme bekommen. Auf der einen Rolle stand kyrillisch "glawn. serk parabola d602 f1800" was soviel wie Hauptspiegel parabolisch Durchm. 602mm f1800mm heißt. Von dem Film war das Interferogramm.
    Auf der 2. Filmrolle steht "sist. kassegr. d602 f4797" und das sollte das komplette Cassegrain System sein. Ein Interferogramm von dem Film hab ich hier angehängt.


    Zu den N335 muss ich mich korrigieren. Das scheint eine Seriennummer zu sein. :-)


    Nehmen wir mal an, das erste Interferogramm wäre eine Parabel gegen Autokollimationsspiegel - 2-fache Genauigkeit. Wie müsste ich das dann in Openfringe eingeben wenn ich es auswerten wollte?

  • Hallo Thomas,

    Auswertung mit AtmosFringe:

    in Autokollimation bedeutet:

    - HS ist ein Rotations-Paraboloid
    - Streifenabstand = L/2 der Wellenfront und L/4 der Oberfläche (immer Wellenfront)
    .. (wegen doppelter Genauigkeit - der Scale ist deswegen 0.5)
    - Wave vermutlich 632.8 nm
    - Coma wird grundsätzlich abgezogen

    Dann wäre der HS ein sehr guter Parabolspiegel.
    Bei dieser Art Auswertung brauchst Du keine konische Konstante ! ! ! Auch keinen Radius oder Durchmesser,
    weil das nämlich ein Nulltest ist, also keine math. Umrechung auf Null.
    Die Aberration der Parabel im Krümmungsmittelpunkt wird über den Planspiegel kompensiert.
    Funktioniert im http://de.wikipedia.org/wiki/Baptisterium_(Pisa) wunderbar, weil die Kuppel eine
    Parabel und der Fußboden den Flat darstellt. Wenn sich dann in den Fokus ein Sänger stellt,
    dann kommt das Echo laufend zurück und Du kannst mehrstimmig singen, ganz von alleine.

    Quote


    Das Baptisterium hat durch seine zylindrische Bauweise ein besonderes Echoverhalten. Gelegentlich stimmt einer der Wächter mehrere verschiedene Gesangstöne an, die in Kombination miteinander durch das Echo im Gebäude zu einem Klangerlebnis werden.