Parabel Version 1.0 !

  • Hallo zusammen,


    inzwischen kann ich meinen 27-cm-Rohling schon Spiegel nennen :)
    Die Politur ist fast fertig, auch am äußersten Rand sind nur noch ganz vereinzelt Pits zu sehen.
    Die Pechhaut hatte sich während der Arbeit verändert, und zwar haben sich die Rillen im inneren Bereich schneller verengt als außen. Daher wird auch der Spiegel innen mehr angegriffen, so dass ich mir eine Vertiefung hineinpolierte.


    Daher habe ich mit großem Überhang ToT weiter poliert indem ich den Mittelpunkt des Tools über dem Rand des Speigels kreisen ließ. Alle 20 Minuten erfolgte eine Kontrolle per Foucault, denn diese Methode begünstigt die gefürchtete abgesunkene Kante.


    Das Zwischenrgebnis sieht einer Parabel sehr ähnlich: Die Donut-Form erscheint und der scheinbare Wulst wandert nach innen oder außen, je nach Position der Messerschneide.
    In diesem Zustand ist der Spiegel noch erheblich überkorrigiert: Ich habe die Schnittweiten der Randzone und Mitte verglichen und fand eine Differenz von gut 2,5 mm. Erlaubt wären ca. 1,6 mm (bei Spiegeldurchmesser 270 mm, Brennweite 2180 mm; habe ich das richtig berechnet?)


    Durch Polieren ToT mit 1/3-Strichen kann die Parabel langsam abgeflacht werden, wie ich nach zwei Arbeitsgängen von je 20 Minuten feststellte. Daher werde ich nach derzeitigem Stand so weitermachen, bis die Schnittweitendifferenz passt.


    Dies ist meine erste Parabolisierung. Ich benutze keine Kamera außer in diesem Fall für die Dokumentation mit einer kompakten Digitalkamera und keine Software für die Darstellung des Höhenprofils. Alle quantitativen Messungen mache ich "zu Fuß" mit dem Foucault-Tester.


    Grüße
    Walther

  • Moin Walther,


    man Du ziehst ja durch. Bin gerade froh wg. des frisch beendeten Grobschliffes und Du kommst schon mit der Parabel.
    Respekt ;-)


    Gruss Hannes

    Es ist das Wesen der Primitivität, aus viel wenig zu machen - es ist die Kunst des Geistes, aus wenig viel zu machen

  • Hallo Hannes,


    danke, aber in diesem Fall fiel mir die Parabel fast von selbst in den Schoß. Immerhin weiß ich jetzt wie es geht.
    Nach nochmal 20 min. ist die Schnittweitendifferenz bei etwa 2 mm angekommen und nun plagen mich Sorgen wegen der Ungenauigkeit des Testes. Zwar komme ich dem richtigen Wert in großen Schritten näher, aber die Werte können nur auf 1/4mm genau bestimmt werden, und auch das nur bedingt reproduzierbar. Wenn ich etwas unterkorrigiert bleiben will, dann muss ich bei unter 1,5mm Differenz Schluss machen.


    Die Oberflächenqualität gefällt mir schon sehr gut. Unterm Mikroskop finde ich große Bereiche des äußersten Randes schon ganz auspoliert (Stathis-Skala 10, der Rest 9).
    Vorausgesetzt, das bisherige Verfahren bewährt sich bis zum Schluss, verbleibt weniger als eine Stunde Restzeit zum Parabolisieren. Hat ja auch genug Mühe gemacht: Habe dreimal den Feinschliff machen müssen, weil die Krümel den Spiegel verkratzten und ebenso viele Pechhäute gebaut, von denen keine wirklich perfekt war.


    Danach fehlt noch ein professioneller Test mit Messmethoden die wir nicht können.


    Grüße
    Walther


    Edit: Jetzt habe ich nochmal nachgerechnet und kam auf 2,08mm Schnittweitendifferenz. Nach weiteren 20 Minuten in zwei Etapen, getrennt durch eine Stunde "Ruhezeit" zum Entspannen des Spiegels habe ich jetzt knapp 2mm gemessen. Bevor ich die Korken knallen lasse wird morgen noch ein paar mal nahcgemessen.
    Und diesmal ohne Kratzer! 8)

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  • Hi Walter,
    Pechtools sind keine Schleifschalen. Mit großen Überhängen zu arbeiten verbietet sich nach meinem Kentnisstand. Schließlich arbeitet Pech, "mag Punktbelastungen gar nicht und weicht aus" und deswegen nimmt man es ja auch.


    Besser ist es die Rillen in der Mitte des Tools freizulegen, so dass der Kontakt gleichmäßig ist. Schließlich hat das Tool am Rand eine Rille mehr, die nie zudem zuläuft, nämlich den Rand.


    Versuche zunächst die Sphäre wieder zu erreichen. Bei der Gelegenheit erledigen sich dann auch die Pits am Rand.


    Bei Deiner langen Brennweite ist die Parabel in wenigen Minuten mit dem Volltool MoT später möglich.


    Bei so langsamen Öffnungsverhältnissen sind die Schattenübergänge zwischen den Zonen im Foucaulttest recht weich. 0,1mm Schnittweitengenauigkeit nur per Mittelung der Messserien zu erreichen. Auf jeden Fall einen Blicktunnel bauen, denn über 4 Meter KR lässt die Luft gut wabern. Und so ein Tunnel verdunkelt gleichzeitig.


    Gruß

  • Hallo,

    besorge Dir, wenn Du es noch nicht hast, ein Ronchi-Gitter 10 lp/mm chrombeschichtet. Dann schau Dir Dein Ergebnis am Polarstern an. Wenn die Streifen intrafokal alle schnurgerade nebeneinander stehen - etwa 4 Linien auf der ganzen Fläche, dann wäre Dein Spiegel perfekt.

    Deutung von Ronchi-GRammen
    Ronchi-Nulltest am Stern