Equipmenteinschätzung/Beratung

  • Hallo erstmal alle zusammen,



    mein Name ist Pierre und ich komme aus Mittelhessen.
    Ich beschäftige mich erst seit kurzem etwas mit der Astronomie und
    habe sozusagen die ersten großen Fehler schon gemacht!
    Da ich nicht so große Ambitionen besitze wie andere hier, wird es wahrscheinlich noch im erträglichen Rahmen bleiben, dennoch würde ich
    gerne etwas von den Profis zu der Einsetzbarkeit meines Equipments wissen.
    Ich schaue vom Rand eines Urbanen Gebietes aus und habe daher mit etwas Lichtbeeinflussung zu kämpfen. Nur 10 % meiner Beobachtungen führe ich von akzeptabelen Stellen.


    Zu den Geräten:
    Ein 50/600 Refraktor als Zielfernrohr (Leitrohr?) bei Usb-linsenbetrieb
    Ein 60/700 Refraktor für Planeten und Mond


    150/750 EQ 3 (Omegon) Newton für den DSO Bereich


    Eine Orion Planetencam II


    Ich hab inzwischen schon meine ersten Erfahrungen mit dem Newton gemacht und bin relativ zufrieden. Die beiden anderen benutze ich hin und wieder schon seit Jahren, so dass ich die ersten Vergleiche ziehen kann, so ziehe ich die Refraktoren bei Beobachtungen in unserem System meist vor.


    Doch nun zu meinen Problemen:


    Bis zu welchem Bereich lohnt sich dieses Teleskop (o.g.150er Newton), da ich das Gefühl habe, nicht alle Messierobjekte damit aufsuchen (befriedigend betrachten) zu können. Kugelsterne und offene Sternhaufen sowie Galaxien habe schon einige gefunden doch tue ich mir sehr schwer mit Galaktischen und Planetarischen Nebeln. Nun habe ich schon gemerkt, dass es auf die Ausrüstung ankommt, heisst was an einem Objekt gut wirkt, funktioniert an einem anderen überhaupt nicht.


    1. Was muss ich bei den Nebel beachten (ausser natürlich die beste Sicht)
    um mit meinem Equipment gute Ergebnisse zu erzielen, welche Filter könnten
    wofür sinnvoll sein.


    2. Hat jemand das gleiche Teleskop getestet und eigene Erfahrung damit?


    3. Zu welchem Teleskop (150-200 Newton/dann aber EQ5) würde man mir in der Zukunft raten?


    4. Meine Cam ist schwer zu bedienen, hat jemand Erfahrungen mit dieser ?


    5. Welche Nebel sind "Einsteigergerecht", also wie etwa Andromeda (bzw.M33) mir geholfen haben, das Auge für Galaxien zu schärfen.


    Ich suche noch in diesem Monat ein Treffen in der Region (Mittelhessen)auf um mich einmal umzuschauen, vielleicht treffe ich ja dort auf den einen oder anderen.


    Auf jeden Fall besten Dank im voraus und ich hoffe nicht zuviel auf einmal gefragt zu haben


    Pierre

  • Hi Pierre,

    mit einem 6" Netwon kannst man garantiert alle Messiers *erkennen*.
    Das geht auch schon mit kleinerer Oeffnung.

    1.Bei Emissionsneblen und 6" Oeffnung waere ein UHC Filter zur
    Kontrastsverstaerkung das passende. Bei Objekten wie Reflektionsnebeln
    und Galaxien die im gesamten Spektralbereich Licht aussenden hilft er
    nicht.

    4.Falls es die Bedienung der Software ist die dir Schwierigkeiten
    macht kannst du moeglicherweise auch andere Programme zum Aufnehmen
    verwenden. Eine unvollstaendige Auswahl waeren: Giotto, wxAstroCapture,
    VirtualDub , vb-webcam - gibt noch viele weitere.
    Zumindest am Mond sollten CMOS Chips funktionieren. Wie du an
    Planeten mit der Lichtempfindlichkeit der Orion Planetencam
    hinkommst ist zu versuchen. Du musst sozusagen das Histogramm
    gleich bei der Belichtung moeglichst optimal im Kasten haben, und
    das moeglichst Rausch und Artefaktfrei. Die Belichtungszeit so kurz
    wie moeglich um gute Seeingmomente auch zu erwischen und die
    Fokussierung so exakt wie moeglich um auch das Aufloesungsvermoegen
    voll auszunutzen. Und das bei etwa f/20, also einer 3..4 Barlow
    bei deinem f/5 Newton.
    Die Bildverarbeitung macht auch einen grossen Teil der erzielten
    Bildqualitaet aus. Das faengt beim Stacken und Flatfielddivision
    an und endet bei Wavelet- und Deconvolution Schaerfungsalgorithmen.

    5."Einsteigergerecht" ist sicher der Orionnebel, der Ringnebel in der
    Leier oder auch der Hantelnebel. Galaxien kommen nur so richtig gut
    auf langbelichteten Aufnahmen rueber - oder mit einer wirklich grossen
    Oeffnung unter wirklich dunklem Himmel. Mit 6" Oeffnung ist zum Teil
    indirektes sehen notwendig um eine Aufhellung zu erkennen, Strukturen
    zeigen sich eher selten.

    Ein Teleskoptreffen mit Durchschauen ist fuer 2. und 3. natuerlich
    optimal. Mit 6" kann man schon bereits einiges sehen, bei 8" - 10"
    Oeffnung wirst du allerdings eine deutliche visuelle Steigerung an
    Deep Sky Objekten erkennen. Danach werden die notwendigen
    Oeffnungsspruenge groesser als 2" um deutlich "mehr" zu sehen.

    Gruesse,
    argus

  • Hallo Pierre,

    auch mit dem f/5 Newton müßtest Du viel Freude an Mond und den Planeten haben. Vorausgesetzt, der Newton ist exakt zentrier bzw. justiert. Bei einem 10 mm Okular hättest Du eine Vergrößerung von 75-fach, da kannst Du mit Hilfe von Google Moon die LandePlätze der Apollo-Missionen studieren bzw. in welcher Gegend die Freunde herumspaziert sind. Auch Jupiter dürfte in der Nacht gut zu sehen sein. Bei den Deep Sky Objekten sollte man die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Bei einem Bildfeld-Durchmesser von ca. 20 mm ( OkularBrennweite 20 mm, Vergrößerung ca. 40-fach) hättest Du ein Bildfeld von 1°30'. Da ist nicht sicher, ob alle Deep Sky hineinpassen. Es gibt aber über Google Bilder die Möglichkeit, sich Fotos davon anzuschauen. Anschließend aber nicht traurig sein, wenn visuell nur ein matter Abglanz zu sehen ist. Erst aber SpiegelDurchmesser 80 - 100 cm wird die Sache farbiger. Fazit: Nutze auch die vielen Hilfen, die Dir das Web mittlerweile bietet.

  • Hallo Pierre,


    Quote

    Ein 50/600 Refraktor als Zielfernrohr (Leitrohr?) bei Usb-linsenbetrieb


    Mhh, wenns da noch genügend Licht durchkommt für eine Webcam? Fotografisch bin ich linkshänder, ich beobachte lieber live.


    Quote

    Ein 60/700 Refraktor für Planeten und Mond


    So ein Ding hatte ich auch mal. Klar, niedriges Öffnungsverhältnis für (hoch)vergrößerte Mond und Planeten, so das landläufige Paradigma zu der Geschichte. Öffnung bringt aber erst Details mit, so meine Meinung.


    Quote


    Bis zu welchem Bereich lohnt sich dieses Teleskop (o.g.150er Newton), da ich das Gefühl habe, nicht alle Messierobjekte damit aufsuchen (befriedigend betrachten) zu können.


    Was heisst 'Bereich'? Die visuelle Grenzgröße liegt mit 150mm Öffnung bei etwa 13,4mag (natürlich nur unter grünstigsten Bedingungen und wenn Du kein Licht mit zu großer Austrittspupille verschenkst)


    Die Messierobjekte bewegen sich zwischen 3-12mag, wobei nur etwa 25% größer 10mag haben (je höher die Magnutude, desto dunkler).
    Du kannst also grundsätzlich alle Messierobjekte mit dem 150/750 sehen, aber


    Negativfaktoren:
    Urbane Aufhellung in Horizontnähe, ganz 'schlimm' im Bereich des Schützen, denn gerade da lauern ein paar sehr tolle Prachtexemplare an Deepskyobjekten.


    Falsche Erwartung, mangelnde Erfahrung
    Tolle Bilder gibts am Himmel natürlich nicht zu sehen. Deshalb, Wolfgangs Tip mit den Bildvergleche m Internet natürlich immer relativ nehmen. Am besten täten sich Vergleich von Bildern mit Objekten, die Du schonmal gesehen hast, damit Du eine Einschätzung bekommst, wieviele Details du gefühltermaßen beim realen Bild 'abziehen' musst.


    Quote

    Kugelsterne und offene Sternhaufen sowie Galaxien habe schon einige gefunden doch tue ich mir sehr schwer mit Galaktischen und Planetarischen Nebeln. Nun habe ich schon gemerkt, dass es auf die Ausrüstung ankommt, heisst was an einem Objekt gut wirkt, funktioniert an einem anderen überhaupt nicht.


    1. Was muss ich bei den Nebel beachten (ausser natürlich die beste Sicht)
    um mit meinem Equipment gute Ergebnisse zu erzielen, welche Filter könnten
    wofür sinnvoll sein.


    Bei PN's wärst Du mit einem moderaten UHC-Filter gut bedient. Filter heisst ja immer, etwas wegnehmen. Bei 150mm sollte das nicht zu stark ausfallen, also lieber etwas moderater. Filter ist da nicht gleich Filter, von Hersteller zu Hersteller gibts da durchaus große Unterschiede bei UHC und OIII-Filtern (letzterer würde ich Dir nicht empfehlen oder nur unter sehr dunklem Himmel).


    Fange mit leichten, hellen PN's an, M57, M27.
    Viele PN's sind klein, im Übersichtsokular kannst Du sie leicht mit Sternen verwechseln, da sie kaum verwaschen aussehen. Wenn Du glaubst im richtigen Areal am Himmel zu sein, laß dein Auge langsam kreisen und erforsche das Bildfeld so mit indirektem sehen. Bei dieser Technik fallen selbst kleine PN's leichter auf. Diesen Effekt kannst Du üben, am Himmel gibt es denn blinkenden Planetarischen Nebel, der zudem im Moment schön hoch im Schwan steht.


    Quote

    2. Hat jemand das gleiche Teleskop getestet und eigene Erfahrung damit?


    Ja, ich habe es nicht nur getestet, sondern immer noch gelegentlich im Einsatz. Eine schönes Deep-Sky Gerät. Ich beobachte damit am liebsten offene Sternhaufen, es sind aber auch viele Galaxien damit möglich. Meine Most Wanted sind die M81/M82 und die Whirlpoolgalaxie M51.


    Quote

    3. Zu welchem Teleskop (150-200 Newton/dann aber EQ5) würde man mir in der Zukunft raten?


    Also, der 200mm (oder 8") Newton auf der EQ5 geht gar ned, da wirst Du wenig Freude mit haben. Wenn parallaktisch, dann gehört der 8"er auf eine EQ6.


    Aber, Du hast ja nun bereits 6" Öffnung. den Sprung auf 8" würdest Du wenig bemerken, der nächste merkliche Schritt wäre dann 10".


    10" oder 12" schaut aber dann mehr nach Dobson aus, denn eine parallaktische Montierung für derlei Gerät bewegt sich schnell aus dem Bauch heraus jenseits der 5000 Euro Grenze. Der Dobson hätte aber den Vorteil, daß er mit Dir zusammen höchst mobil ist. Von Mittelhessen aus müsstest Du gute Möglichkeiten haben, schnell in dunklere Gefielde ausweichen zu können.


    Quote

    5. Welche Nebel sind "Einsteigergerecht", also wie etwa Andromeda (bzw.M33) mir geholfen haben, das Auge für Galaxien zu schärfen.


    M3, M5, M10, M12, M13(!!!), M27, M51, M57(!!!), M81/82(!!!), h&chi im Perseus (genau zwischen Perseus und Cassiopeia, man kanns schon mt blossem Auge erahnen).
    kuck doch einfach mal nach M-Objekten mit nicht mehr als 8-9mag.
    [Edit]: Im Karkoschka Himmelsatlas gibts zu den M's auch noch eine Reihe von NGC's bis 9mag, insgesamt 250 Objekte.


    Quote

    Ich suche noch in diesem Monat ein Treffen in der Region (Mittelhessen)auf um mich einmal umzuschauen, vielleicht treffe ich ja dort auf den einen oder anderen.


    Treffen in Mittelhessen.... das ATB?

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    CN&CS
    Toni


    Astronomen können Glühbirnen auch im Dunkeln wechseln

    Edited once, last by raziel28 ().

  • Hallo


    Herzlichen dank für die schnellen Antworten, sie haben mir schon sehr weitergeholfen.


    ich selber kann jedoch erst morgen näher darauf eingehen, danke


    Pierre




    P.S.: Ja das ATB im Wohratal (Hertingshausen glaub ich )

  • Hallo alle zusammen, danke nochmal für die schnellen und guten Antworten.


    Die letzte Nacht, war in unserer Region jedoch so gut, dass ich statt zu antworten, lieber gucken gegangen bin. Derzeit lautet meine Faustregel:


    "Wenn die Milchstrasse gut ausgeprägt ist, findet ihr mich Nachts hinterm Haus"


    Leider kann ich auch dieses Forum noch nicht perfekt bedienen und antworte daher etwas ungewöhnlich.



    Zu Argus:



    Erkennen ist das richtige Wort. Dank der Tips habe ich letzte Nacht eine halbe Stunde lang den Ringnebel betrachten und bestaunen können! :)
    Es musste jedoch erstmal das erkennen erfolgen um mit dem betrachten und dem direkten (ging zuerst nicht) bestaunen weiterzugehen.


    Die gesame Steuerung der Cam wurde von mir unterschätzt, in unserer Gesellschaft bin ich es irgendwie schon gewohnt, dass alles Narrensicher
    geschaffen ist. In der Tat ist es so, dass ich sie nicht eingestellt habe, wenn ich ein Objekt fokusiere, d.h in der ersten Nacht habe ich nur geknippst, habe mit dem Mond begonnen, habe Jupiter und Venus und die Pleiaden fotografiert, wenn ich mich aber nicht von hell nach dunkel herab arbeite, bekomme ich den Fokus erst gar nicht eingestellt, wie es in den folgenden Nächten der Fall war. Die Auflösung der Cam hört irgendwo bei Mag 3 definitiv auf , dh. den letzten Hauptstern der Cassiopeia bekomme ich nur noch sehr schwach herein. Planeten und die 20 hellsten Sterne sind gar kein Problem. Das ist jedoch nur eine grobe Einschätzung eines Anfängers, der nicht allzu große (optische) Erwartungen in dieses Gerät gesteckt hat.


    Ich habe mir ein Buch zukommen lassen, in dem mir Iris, Giotto und weitere Programme erläutert werden und versuche auch diese demnächst einmal aus.
    Ich denke in ein paar Wochen sieht es dann schon etwas besser aus.
    Nachbessern tue ich übrigens meine Fotos nur, wenn ich mir einen Desktop daraus bastel( Dann aber richtig mit Photoshop), ansonsten empfinde ich es als nicht richtig.


    oben genannte Objekte sind z.T. sehr klein ausgefallen, da ich keine Barlowlinse benutze. Wenn ich dies tue, sieht die Mondoberfläche aus, als hätte der Chandriaan dort Öl verloren. (farbschlieren)
    Ich will demnächst einmal die Qualität meiner Barlow mit der anderer Linsen vergleichen um weitere Aussagen dazu tätigen zu können.


    Ich werde diese Nebel als Einsteigerobjekte betrachten und mich vorerst auf sie konzentrieren, wie gesagt den Ringnebel habe ich letzte Nacht dank der anregungen entdeckt und fand ihn Klasse. Manchmal hab ich sogar das Loch in Mitter sehen können, meist wirkte er jedoch wie ein graues Schlauchboot.


    Nach dem Treffen habe ich mich erkundigt, ob ich jedoch (wie lange) dort sein kann, liegt noch in der Gunst meines Arbeitgebers, wenn nicht dieses, dann das nächste, ich will auf jeden Fall mal ein paar Leute aus der Region kennenlernen und experience sammeln.



    grüße an Argus



    Zu Herrn Rohr:


    Bisher war keines meiner Fundstücke enttäuschend oder ähnliches. Ich erfreue mich zudem auch sehr an dem Auffinden der Objekte an sich, zumal
    ich regelmäßig mit einem Fruend zusammen (über meine Ausrüstung) beobachte liegt der Spaßfaktor hier noch sehr hoch. Schmerzlich ist es jedoch, nach einer halben Stunde den letzten Blick auf das Objekt zu werfen und zum nächsten Versuch überzugehen.
    Enttäuscht bin ich von den M Objekten bisher nicht geworden.
    Da meine Fotos meist von Spitzer, Hubble und Co geschossen wurden, bin ich mir bewusst viele Abstriche machen zu müssen und war bei einigen doch sehr erstaunt (vor allem Andromeda, sie sieht doch meistens aus wie auf den Fotos, bzw. die Pleiaden ebenso)

    Jedoch hab ich die Auffindbarkeit/meine Fähigkeiten etwas überschätzt.


    Ich besitze zwei Widscreen bzw. Panoramaokulare mit denen ich immer wieder einfach nur durch die Milchstrasse "fahre" und den ausblick geniesse.
    (24,5mm über 60 grad / 16mm 60 grad), damit habe ich etwa schon 559 und 654 ngc in der Cassiopeia gleichzeitig bestaunen können.
    Nützen sie etwas bei dem Problem große Objekte (Amerikanebel) betrachten zu können?


    Zum Web: Ich habe in vielen Bereichen, in denen ich mich auskenne viel Schrott im Web gelesen und auch zum Thema Astronomie die wiedersprüchlichsten Sachen gehört, daher bevorzuge ich eher eine mässige Fachliteratur, bzw. hab ich mir ein Forum gesucht, dessen Mitglieder kompetent erscheinen.



    Bisher gelesen, bzw. dabei:


    Himmelsführer mit Erläuterungen zum Auffinden von Sternenbildern (alle die derzeit am Himmel zu finden sind kenne ich nun, Wintersternbilder wie Orion und Co noch nicht)


    Himmelsatlas: Gut eingeteilt und dank visuell nicht allzu anspruchsvoll gestalteter Karten der perfekte Begleiter in der Nacht, auch gut mit Rotlicht lesbar.


    Eine grobe Fernrohreinweisung


    Astronomie + Computer (Komme ich nur langsam Schritt für Schritt mit zurecht, sozusagen "learning by doing")


    Gibt es Literatur zur Okular/Filterwahl, dort liegen (gefühlt) meine größten Lücken, bzw.ebenfalls in den technischen Formeln. Meist gibt es wohl zwei Normen in denen Daten angegeben werden. (Magnitude etwa, Angaben wechseln bis zu 3mag je nach Literatur und ich denke eine Angabe ist "mag mit Instrumenten gestestet" und die andere "mag mit dem auge eingeteilt" bzw zoll und "Bogenzeit")


    Kennen sie Literatur welche dem Laien "relativ" genau in diese Bereiche einweist? Dateneinweisung / Ausrüstungsvergleiche ?


    Ich beobachte vor allem mit dem 60/700 Refraktor die Planeten, damit der 6" Newton für DSO verfügbar bleibt, wie gesagt, meist bin ich nicht allein und das ist auch gut so. Wenn mein Kollege sich ebenfalls ein Teleskop zugelegt hat (er muss noch etwa 2 monate sparen) werde ich auch den Newton längere Zeit auf Planeten ausrichten.


    Auch Ihnen danke ich für die guten und freundlichen antworten, Herr Rohr





    Zu Prometheus:



    Durch das 50er macht schon das Beobachten kaum spass, doch wenn ich den Jupiter z.B. filmen möchte, kann ich das Ausrichten der Achsen an diesem mit 12mm okular bestens überprüfen. (ob er überhaupt noch im bild ist) Manchmal versuche ich eine halbe Stunde lang, das Objekt einzustellen und musste dazu immer wieder dass Okular wechseln, nachführen, wieder das Okular gegen die Cam wechseln, aufpassen das nichts verwackelt etc. Dabei erleichtert mir dieses mit Baumarktequipment (Rohrschellen für Abwasserleitung) montierte Spielzeug (Ich habs mit 11 Jahren bekommen) die Arbeit doch sehr. Durch selbiges auch nur ein Foto zu schiessen, wäre jedoch vergeudete Mühe.



    Das 60/700 ist ebenfalls ein Relikt, aus früheren Zeiten und solange es funktioniert, finde ich Gebrauch dafür und es eignet sich eben doch am besten für Planeten, bzw. größere Ziele, obwohl ich auch die Andromeda
    noch wunderschön sehen kann. Wenn ich am Newton sitze werden Planeten auf einmal relativ uninteressant, d.h. ich will mit diesem dann DSO Objekte finden.


    Mangelnde Erfahrung und Voreiligkeit sind es in meinem Falle. Ich hab nicht annähernd geglaubt auch nur in den Bereich eines "Spitzerteleskopes" zu kommen, auch habe ich mir Vergleichsstudien vor dem Teleskopkauf durchgelesen, auf denen jeweils ein Objekt auf Öffnungen zw. 60mm refraktor - 200mm Reflektor getestet und abgebildet worden sind, daher bin ich meist positiv überrascht wenn ich ein Objekt auffinde.


    Es ist vor allem glaube ich die richtige okularwahl und das richtige "Auge" vonnöten um Objekte zu identifizieren. So musste ich etwa bei einer Galaxie über dem Ursae Major (M81 oder 82) den Fokus etwas verstellen (scharf/ unscharf) und die Reklination verstellen, um zu sehen. Damit habe ich wohl ähnliche Ergebnisse erzielt, wie durch indirektes sehen und versuche die Methoden weiterzuentwickeln und zu kombinieren. durch ein anderes Auflösungsverhalten beim unscharf stellen(wenn ein Vergleichsstern vorhanden ist), lassen sich Glaxien finde ich gut erkennen.
    Den Ringnebel würde ich mit dieser Methode glaube ich jedoch nicht finden.
    Ich hatte ihn gestern 2 minuten im Bild bevor ich ihn gesehen habe. :)




    Eigentlich werde es nicht ich, sondern mein Kollege der nächste sein, welcher sich noch ein Teleskop holt.
    Wenn die Montierung schon so ausgeprägt sein muss, sollte er sich vielleicht doch eher ein gleiches oder ein Konkurenzprodukt in der gleichen Liga kaufen, zumal das Budget für die Basis (Filter und Okulare kann er bei mir mitnutzen so wie er auch meine Teleskope derzeit benutzt) um die 500 Euro liegt.


    Das ich mit meinem keinen absoluten Fehlkauf getätigt habe freut mich,
    ich hätte mich geärgert, wenn ich gehört hätte, dass für einen geringen Aufpreis, ich ein weitaus besseres Instrument (z.B. etwa 150mm/900 Skywatcher ) hätte kaufen können.

    Die dunklen Gebiete sind tatsächlich schon ab 5km erreichbar, sehr gute plätze gibts ab 15 km und hertingshausen liegt 22 km entfernt, das Problem hier liegt an der mangelnden mobilität, daher kann ich nur Vorgeplant ausflüge aus Land unternehmen, spontane Beobachtungen sind an die Wohnung gebunden.


    Ich habe mir schon einmal eine Liste zusammengestellt, welche auch einige der Vorschläge beeinhaltet.


    mag 6-8
    größerer Umfang


    Doch bis letzte Nacht hatte ich eben doch noch keinen eindruck, wie man so etwas genau findet, bzw. worauf man achtet.
    Gernau den von Ihnen angesprochenen Himmelsatlas benutze ich und bin sehr zufrieden damit, bzw hatte mir aus diesem meine eigene Liste zusammengestellt, (ich denke in einem halben Jahr bin ich soweit dass ich mich an fast allem in diesem Atlas versuchen kann.)
    Ihre Liste wurde schon in mein Büchlein (log oder tagebuch) übertragen und
    wird der Reihe nach ausprobiert.


    Kennen sie ähnlich gute Bücher zum Thema Astronomie welche ein "Muss"
    sein sollten ?



    Vielen Dank für Ihre Hilfe Prometheus







    Zuletzt habe ich wieder eine Frage:


    Wieso funktionieren die Reklinationsdaten nicht, bzw. was ist der häufigste Fehler dabei?
    Ich habe nun schon mehrmals Versucht mit den Werten Objekte aufzufinden, was fast unmöglich erscheint.
    An gefundenen Objekten hab ich diese Daten abgeschrieben und mit den Angaben in der Literatur verglichen.
    Die Deklinationsachse stimmte eigentlich fast immer, die minimalsten Abweichungen sind wohl in der Aurichtung des Gerätes zu suchen.
    Meist arbeite ich zusätzlich mit Wasserwaage und Kompass um die Fehlerquote dafür auch gering zu halten.
    Doch die Reklinationsachse hat meist ganz andere Werte.
    Dies erscheint mir auch logisch, stelle ich doch die Abweichungen (Laufbahn) immer wieder an dieser Achse ein und erhalte alleine dadurch in einer Nacht ganz unterschiedliche Werte.
    Doch wie genau kann ich ein Objekt mit diesen Daten bestimmen?
    Gibt es dazu Faustformeln wie etwa Reklinationsachse+ Zeitverschiebung+ derzeitige Uhrzeit von einem angenommenen Punkt null aus. (So könnte ich es mir vorstellen)


    Herzlichen Dank an alle noch einmal




    Pierre

  • Hi Pierre,

    Von einem bekannten Stern kannst du Rektaszension (RA) und Deklination (DEK)
    auf die Montierungsskalen uebertragen. Wenn die Montierung nicht
    motorisiert ist, also die Rektaszensionsachse nicht die Erdrotation
    stetig ausgleicht, simmt die RA halt nur fuer einen kurzen Augenblick
    und aendert sich um etwa 15 grd/Stunde (= 360 grd/24h), die DEK
    bleibt konstant.

    Vielleicht hilft dir dieser Link zu Okularen weiter
    http://www.telescope-optics.net/eyepiece1.htm
    zu Filtern
    http://www.astro-okulare.de/nebelliste.htm

    Gruesse,
    argus

  • Hallo Pierre,


    also zunächst, wir Astro's sind untereinander alle per Du, das erleichtert die Kommunikation und macht die Sache entspannter.


    Quote

    daher bin ich meist positiv überrascht wenn ich ein Objekt auffinde.


    Ich habs Dir ja bereits beschrieben, die Grenzgröße von 150mm erlaubt Dir noch ein paar Jahre "Ahh's und Wow's", da geht schon einiges.


    Quote

    Damit habe ich wohl ähnliche Ergebnisse erzielt, wie durch indirektes sehen und versuche die Methoden weiterzuentwickeln und zu kombinieren.


    Es gehört natürlich noch ein bisserl Erfahrung dazu. Wenn Du die ersten Objekte am Himmel entdeckt hast, entwickelst Du auch ein Gespür dafür, was Du in etwa suchen musst, wie das ganze in etwa im Okular ausschauen müsste. Nicht selten rudert man ja im richtigen Gebiet herum und sieht das Objekt einfach nicht. Mit etwas mehr Trittsicherheit, ich sag mal auch, Selbstvertrauen bei der Trefferquote, gelingts dann auch zunehmend leichter.
    Gut M81/82 sind dieser Tage sogar noch leicht, viereli andere Galaxien aber saufen im Mondlicht einfach nur ab. Gleiches Objekt, gleicher Himmel aber ohne Mond liefert ein völlig anderes Seherlebnis. Nicht selten kucken wir also bei Mond eben nur den Mond, die hellen Standardkerzen oder gar nicht.


    Quote

    durch ein anderes Auflösungsverhalten beim unscharf stellen(wenn ein Vergleichsstern vorhanden ist), lassen sich Glaxien finde ich gut erkennen.


    Mhh, Galaxien finden durch defokussieren? Das hab ich bislang auch noch nicht gehört. Ist es nicht günstiger scharf zu stellen und so punktförmige Sterne besser von verwaschenen Fleckchen zu unterscheiden?


    Quote

    Den Ringnebel würde ich mit dieser Methode glaube ich jedoch nicht finden.
    Ich hatte ihn gestern 2 minuten im Bild bevor ich ihn gesehen habe. :)


    Jaaa, der Ringnebel ist ja auch ein runder PN und im Übersichtsokular leicht mit einem Stern zu verwechselt....bei direktem Blick. Ich sag ja, probier mal den Blinking Planetary... a) der Effekt direktes und indirektes Sehen ist dort sehr deutlich, du siehst entweder den Stern oder den Nebel, jenachdem wie du kuckst. Und wenn Du ihn gefunden hast, fallen Dir PN's viel leichter. Wenn sich also im Blickfeld bei indirektem Blich etwas 'aufbläht' und scheinbar heller wird, ist das sehr verdächtig ;)


    Quote

    mag 6-8
    größerer Umfang


    Gute Idee!! Und von da aus langsam zu den schwereren Objekten vorarbeiten.


    Quote

    Kennen sie ähnlich gute Bücher zum Thema Astronomie welche ein "Muss"
    sein sollten ?


    Also ich arbeite vornehmlich mit dem Deep Sky Reiseatlas aus dem Oculumverlag, da ich als Sucher einen Telrad-Finder einsetze, die Karten im Atlas haben bereits die gezeigten Kreise des Peilers, man findet so die Objekte wirklich sehr schnell am Himmel.


    An Einsteigerliteratur kannst Du, denke ich nehmen was Du willst, die sind im Grunde immer irgendwo gleich aufgebaut, Teleskope und Grundlagen, Sternenhimmel und Auffindkarten.


    Eine immer gerne genommene Jahreslektüre ist das Kosmos Himmelsjahr, neben aktuellen Ereignissen werden auch immer Themen detaillierter behandelt.


    Für mehr Teleskopgrundlagen und Übersicht, was es alles so gibt habe ich schon einen fast angestaubten Tip, den Katalog von Intercon Spacetec, der auch hier zum Download angeboten wird. Als Mischding aus Produktkatalog und Wissensspeicher gehörte dieser Katalog damals zu meiner Standardlektüre, die ich gerne geschmökert hatte.


    Ansonsten habe ich viel mit dem Buch Erlebnis Sternenhimmel von Carole Stott gearbeitet, den größten Benefit aber erlebte ich erst, als ich zu ein paar Sternfreunden aus der Umgebung Kontakt aufgenommen hatte, daraus ist dann sogar später unsere Gruppe entstanden.


    Gute Lektüre zum Einstieg findet sich auch Online, schau mal unter
    http://www.deepsky-brothers.de/
    http://www.strickling.net/astro.htm
    http://www.svenwienstein.de/HTML/einsteiger-ecke.html
    http://www.binoviewer.at/

    --------------------------------------------------
    CN&CS
    Toni


    Astronomen können Glühbirnen auch im Dunkeln wechseln

    Edited once, last by raziel28 ().

  • Hallo,


    sehr vielen dank für eure Tips.


    Zu Argus:


    Gut ich werde es in der folgenden woche die Abende bzw evtnl. sogar wieder zwei Nächte hindurch, einmal durch regelmäßiges kontrollieren und notieren versuchen zu verinnerlichen.
    Die M33 etwa glaube ich am besten über die Achsendaten zu finden. Sie ist wohl schon beinahe ein persönliches Frustobjekt, da ich kaum optische Referenzpunkte in der Umgebung habe.



    zu Prometheus:


    Aehm, ich meine nicht defokusiert lassen. Es ist die von Dir beschriebene Differenz zwischen der schärfe des Sterns und der verschwommenen Galaxie, welche sich in dem Moment des fokusierens verdeutlicht. (nicht wackeln beim scharfstellen.)


    Ich werde die vorgeschlagene Lektüre mal prüfen.


    Hab in den letzten zwei Nächten jetzt schon öfter an euch gedacht, weil
    wir etwa zwei stunden lang versucht haben o.g. M33 zu finden. Nichts...
    Also mich mit Panoramaokular und 60/700 er Refraktor hingesetzt, grober Blick zwischen Perseus und Andromeda... got ya!
    Kollegen durch das Okular schauen lassen, das 6" neu auf den Herkules ausgerichtet, et voila M13. Innerhalb von nicht mal drei Minuten beide Teleskope auf zwei schöne Objekte ausgerichtet und 15-20 Minuten lang im Wechsel betrachtet.
    Ohne euch wäre solch ein Moment wohl nicht zustande gekommen, zumal alle drei Sternformationen (h+chi perseus und M13) noch nicht von uns aufgesucht worden sind.
    Die Nacht zuvor ähnliches Erlebniss:


    Bevor ich hier den Ringnebel empfohlen bekommen habe hatte ich ihn definitiv als schaffbares Objekt ausgeschlossen (klein und nur schwach leuchtend), doch schon nach 20 Minuten suchen war er da. (Vom Kollegen gefunden)


    Seit euch bewußt, euer Einsatz hier im Forum hat wahrscheinlich schon einige hundert Teleskope vor dem vorzeitigen Staubtod im Keller gerettet bzw. hilft denen, die es bewußt nicht soweit kommen lassen wollen. :)



    Grüße aus Marburg


    Pierre