aller Anfang ist schwer

  • Hallo,


    ich bin ein absoluter Nobody was Teleskope betrifft. Vor 25 Jahre habe ich als Kind das erste mal durch ein Teleskop geschaut :blink: und die Saturnringe mit eigenen Augen gesehen. Wow ich war begeistert. :)


    Nun 25 Jahre später möchte ich meine anfängliche Begeisterung neu Aufleben lassen.
    Meine Anforderungen an das Tele:


    - insgesamt nicht mehr als 1500 -1800 €
    - Transportabel
    - für Planeten und Deep-Sky
    - für Beobachtung + Fotografie


    Nach lange Recherche im Netz bin ich auf das SkyWatcher Equinox 120/900 gestoßen welches ja wie beschrieben eine "eierlegende Wollmilchsau" sein soll. Jetzt kommt meine Frage:
    Muß es unbedingt das 120er für 1500 € sein oder reicht das 100er für 1000€ auch aus. Sind die Unterschiede so groß das ein 50% höherer Preis dieses rechtfertigt? Wie schon gesagt ich bin neu hier und kenne die Unterschiede nicht, da auch nirgends im Web ein Test zum 100er steht.
    Bilder welches den Unterschied zwischen 100er /120er zeigen gibt es auch keine.
    Oder gibt es ähnliches für den o.g. Preis, was auch gut ist?


    Lacht mich bitte nicht deswegen aus. Jeder Anfang ist schwer.
    Über Ratschläge und Antworten wäre ich überaus dankbar



    Vielen Dank


    Doena

  • Hallo Doena,


    zuerst einmal ein herzliches Willkommen hier "bei uns".


    Nun zu Deiner Frage: mit beiden Geräten kann man bereits eine Menge am Himmel sehen. Grund des Preises bei den Geräten ist die Objektivöffnung (120mm zu 100mm). Einfach gesagt, je mehr Öffnung, desto mehr kann ich am Himmel sehen.
    Die Oprik ansich:
    Man unterscheidet ganz grob zwischen Refraktoren, das sind Linsensysteme und Reflektoren, das sind Spiegelsysteme.
    Bis 100mm Öffnung sind Linsensysteme unübertroffen und sinnvoll, größer als 100mm werden sie sehr teuer (siehe Dein eigenes Beispiel). Ab 150mm Öffnung greift man normalerweise zum Spiegelsystem, meist zum Newton. Dieses Gerät, das mit parallaktischer Montierung (zur Sternennachführung) und mit Dobsonmontierung (Nachführung von Hand) angeboten wird.


    Ich würde Dir empfehlen, Dich darüber erst einmal schlau zu machen, es gibt viele Threads dazu in den verschiedenen Foren.


    Vorteile/Nachteile:
    Refraktor: das, was sich der Laie so unter einem "Fernrohr" eben vorstellt, es ist das älteste gebräuchliche Gerät. Durch die Linsen aber entstehen bei den preiswerten Geräten Farbfehler, die umso größer werden, je kürzer die Brennweite und je größer die Öffnung ist. 900mm halte ich schon für relativ kurz. Um damit Planeten beobachten zu können, muß man stark vergrößern, was den Farbfehler der Optik verstärkt.
    Reflektor: ein Newtonsystem, gleich ob parallaktisch montiert oder als "Dobson", besitzt einen parabolischen Hauptspiegel und einen extrem planen Fangspiegel, der das Licht am oberen Ende des Teleskops auslenkt und dem Okular zuführt. Ein Spiegelsystem hat keine Farbfehler und läßt sich bei einem Öffnungsverhältnis (Lichtstärke) von f:6 recht stark vergrößern.


    Als Einstiegsteleskop haben sich folgende Geräte bewährt:
    Newton mit 6" (150mm Öffnung) und f:6 sowie der Newton 8" (20cm Öffnung) bei f:6. Diese Geräte sind erheblich preiswerter als entsprechende Linsenteleskope (Refraktore) und wären meine Empfehlung.


    Einen Refraktor halte ich sinnvoll als zweites Gerät für Spezialaufgaben. Als Erstgerät würde ich einen Newton/Dobson vorschlagen. Gute Informationen erhältst Du zu den verschiedenen Systemen unter www.intercon-spacetec.de. Einfach mal die Seiten durchblättern, da gibt es gute Vergleiche, was für was einsetzbar ist und wo die Vor- sowie Nachteile liegen. Übrigens auch ein sehr guter und ehrlicher Händler, den ich seit über 20 Jahren kenne.


    Aber dazu werden sich noch andere äußern. Ich habe hier nur versucht, mit einfachen Worten die Unterschiede mal zu erklären.


    Wichtig zu wissen ware:
    - bist Du mobil (Auto, Transport)
    - wie ist Dein Standort (Stadt, stadtnähe, Dorf?), d.h. wie dunkel ist Dein Himmel oder mußt Du raus in die Landschaft, weil es bei Dir zu hell ist?


    Soweit mal von mir.


    Liebe Grüße
    Winfried

    Liebe Grüße
    Winfried


    Wenn filmen so einfach wäre, dann hieße es "RTL"...

  • Hallo Doena,


    willkommen im Forum!


    Bitte vergegenwärtige, dass Du beim 120er für 1500€ nur das Teleskop ohne Montierung erwibst. Auf Letztere wirst Du jedoch nicht verzichten wollen. Und wenn Du tatsächlich fotografieren möchtest, bietet es sich an, für den Einstieg
    - die Brennweite nicht zu lang zu wählen, um Nachführungsprobleme möglichst klein zu halten
    - in eine gute (= fototaugliche) Montierung zu investieren


    Freundliche Grüße: Uwe

  • Danke für die schnellen Antworten.


    Erst mal zuerst: ich wohne in einem Dorf im Stadtrand von Heilbronn. Wenn ich 1-2km weiterfahre (Astra Kombi) stehe ich mitten auf dem Feld wo der sprichwörtliche Hund begraben liegt.


    Zum zweiten ist es schon klar, daß ich mit dem 120er für 1500€ schon über der von mir gesetzten Grenze bin. Aber wenn der Unterschied wirklich so groß zum 100er gewesen wäre, hätte ich auch gerne mehr gezahlt.


    Ich möchte halt gerne ein gutes "Paket" aus Tele,Stativ,Nachführung evtl ToGo für Astrofotogr.+Beobachtung


    Ich weis, das diese Punkte immer noch zu allgemein sind. Aber ich weis nicht wie ich sie noch spezifisieren soll.


    Danke schon mal im Voraus


    Doena

  • Hallo Doena,


    ...Heilbronn...
    Ich wohne in Gerchsheim, zwischen TBB und WÜ, genau an der A81. Von daher erlaube ich mir mal, Dich zu uns einzuladen, sind gerade mal 80 km auf der BAB.


    Ich betreibe mit meiner Frau hier eine kleine aber feine private, halböffentliche Sternwarte und biete auch Führungen an.
    Gerätemäßig habe ich so diese Dinge, die Dir vorschweben. Und da durchschauen immer besser als anschauen ist, wäre es sicherlich sinnvoll, Dir die Geräte mal vor Ort an- und durchzuschauen. Hier gibt es parallaktisch montierte Refraktore sowie Dobsons in verschiedenen Größen, vom leicht transportablen 8" f6 Dobson bis hin zum großen Dobson, der schon eine Leiter zum Beobachten benötigt....
    Und als Planetengerät u.a. auch einen 102/840mm Refraktor. Daß dies nun ein sehr teurer APO ist soll hier mal nicht stören, es geht ja darum, was sehe ich mit welchem Gerät und wie sehe ich es.


    Wenn das Wetter mal wieder besser werden sollte, rufe mich an, schwinge Dich ins Auto und komm einfach mal rüber! Unsere Telefonnummer kann ich Dir per PN rüberschicken, oder Du schaust auf unsere Homepage, dort findest Du unsere tag-Nummer der Firma: www.fzb-ateliers.com


    Liebe Grüße
    Winfried

    Liebe Grüße
    Winfried


    Wenn filmen so einfach wäre, dann hieße es "RTL"...

  • Hi Doena,

    ich wuerde auch Beobachtung/Fotografie zweigleisig fahren und erst
    mit dem visuellen beginnen. Nebenher gut ueber Astrofotografie und
    Montierungen einlesen weil die Montierung samt ihrer Steuerung
    sozusagen der Dreh' und Angelpunkt ist. Vereinfacht ausgedrueckt
    ist Astrofotografie Langzeitbelichtung waehernd der die Rotation
    der Erde um ihre Achse ausgeglichen werden muss damits keine
    unscharfen Bilder gibt. Dabei muss die Genauigkeit dieser
    Rotationskompensation mit zunehmender Vergroesserung (Brennweite)
    zunehmend praeziser (teurer und aufwendiger) werden.
    Stichworte waeren Autoguiding, periodische und nicht periodische
    Schneckenfehler.

    Visuell kannst du entweder Schwerpunkte auf das Sonnensystem
    oder auf Deep Sky legen - oder einen Kompromiss aus beidem waehlen.
    Je nachdem ergibts sich daraus eine Reihe Empfehlungen, wobei ein guter
    Kompromiss der bereits erwaehnte 8" f/6 Newton mit Dobson Montierung
    ist. Wie auch immer, mit 1800 EUR hast du viele Optionen offen.
    Du koenntest also z.B. auch einen Teil davon fuer ein visuelles Geraet
    verwenden und das Etat fuer eine astrofotografische Ausruestung ueber
    die Zeit je nach Anspruch weiter aufstocken. Oder du holst dir zusaetzlich
    zum visuellen Geraet erstmal eine minimalistische Astrofotografieausreuestung,
    sprich eine einfache (kostenguenstige) nur in RA motorisiserte Montierung,
    und setzt da einen Foto mit sehr kleiner Brennweite fuer erste Versuche drauf.
    Koennte dann spaeter als Reisemontierung Verwendung finden und gibt dir
    aber sofort Einblicke was bei Astrofotografie alles beachtet werden muss.

    Gruesse,
    argus

  • Hallo Argus,


    ...meine Rede, auch wenn ich`s nicht geschrieben habe...
    Zum vorgegebenen Buget bekommt man eine Menge, bzw. so viel müsste man anfangs garnicht ausgeben.


    Aber anschauen sollte sie sich die in Frage kommenden Geräte auf jeden Fall. Wenn man mal neben einem parallaktisch montierten Gerät gestanden hat, dann sieht man gleich, ob man so etwas jede Nacht neu aufbauen möchte.
    Hier einfach mal ein paar Beispiele:


    Parallaktisch mit Maksutov-Newton (Hintergrund) und Dobson (14")
    2 parallaktisch gesteuerte Refraktore
    der kleine Rote ist immerhin ein 8" f6 Dobson (bei ICS am Tag der offenen Türe)
    und mein Richfielder 120/600 auf einer GP-DX von Vixen.


    Kleiner Nachtrag: Der Richfielder ist zum Beobachten größerer Nebel und Himmelsausschnitte, ggf. auch mal zur Fotografie. Als reines Beobachtungsinstrument aber nicht so geeignet, man will ja mehr sehen können als dieses Gerät einem zeigen kann, da es nicht hoch genug vergrößerbar ist. Also ein reines Zweitgerät.


    CS
    Winfried

    Liebe Grüße
    Winfried


    Wenn filmen so einfach wäre, dann hieße es "RTL"...

  • Hallo Doena,


    wenn es nur ein Teleskop für alles sein soll, würde ich zu einem 6" f/6 oder f/5 Newton raten. Dadurch hast du wesentlich größeren finanziellen Spielraum, um eine vernünftige Montierung, Steuerung, Okulare, Fotozubehör. etc. zu erstehen.


    Viele Grüße
    Chris

    Das ganze Universum ist eine Verschwörung - zu unseren Gunsten!

  • Hallo Doena,


    auch von mir, einem Neuling ein freundliches "Willkommen"
    Für mich als ebenfalls Neueinsteiger, war und ist die Bekanntschaft eines objektiven Mentors ganz wichtig. Aber genauso wichtig ist die Arbeit der öffentlichen Sternwarten, die zur Entscheidungsfindung beitragen können.
    Dort kann man wie Winfried auch sagte viele Gerätschaften BESEHEN und BEGREIFEN.


    http://www.sternwarte.org/wir_rundgang.html


    Bis bei mir die Auswahl auf einen bestimmten Gerätetyp feststand, ist so manches passiert. Aber es führte dazu, das bei jeder neuerlichen Auseinandersetzung mit den Thema neue Auswahlkriterien hinzukamen, und die eigenen Vorstellungen von dem Was und Wie immer klarer wurden und immer noch werden.
    Kleines Beispiel, die kleine Schraube für die Befestigung des Okulars, kann bei -15°C im dunklen schon entscheiden ob der Beobachtungsabend ein Erfolg oder eine Enttäuschung wird.


    In verschiedenen Threads werden auch Bücher vorgestellt, wobei ich als ersten Schritt den Besuch in der Bücherei empfehlen könnte.


    Viel Erfolg bei der Auswahl, und noch mehr Spass beim Beobachten.


    CS Stefan


    Meine Ausstattung z.Zt :
    Montierung: HEQ-5 von Skywatcher
    Spiegelteleskop: GSO 150mm Öffnung /900 mm Brennweite, also ein f6