Tadpole, Herkules-Galaxienhaufen und Seyferts-Sextett

  • Hallo zusammen,


    letzten Freitag, 09.07.2010, war es mal wieder soweit. Der Himmel zeigte bereits tagsüber mit stahlblauer Farbe bis in die Nähe des Horizontes, dass gutes Astro-Wetter bevorsteht. Also Teleskop (18-Zoll-Dobs) in's Auto gepackt und ab in die Alpen Nähe Wendelstein (genaue Position per PN) gefahren.


    Als Vorbereitung tagsüber, konnte ich noch eine großflächige Aufnahme des Herkules-Clusters aus der Digitized Sky Survey ausdrucken und beim Copy-Shop laminieren lassen. Damit war dann auch ein Großteil des Beobachtungsprogrammes festgelegt: Kleine, ferne Fuzzies, die man schon immer mal live sehen wollte.


    Nach erfolgtem Aufbau des Teleskops sah man bereits, dass einige Hochbewölkung aus dem Westen von den Bergen und den Wetterverhältnissen gut abgehalten wurde. Nachdem der Himmel um 23:00 Uhr Sommerzeit komplett abgedunkelt war, konnte also das Programm beginnen und zwar gleich mit einer etwas schwereren Übung, der Tadpole-Galaxie UGC 10214. Ausgehend von eta und theta im Drachen beginnt, die Suche über mehrere kleine Sterne bis zu einem Stern achter Größe, von dem aus die Galaxie bei mittlerer Vergrößerung sofort ausgemacht werden konnte. Wie erwartet, konnte der Gezeitenschweif nicht beobachtet werden, aber der Kern zeigte auch direkt etwas Struktur, so dass die eigenartige Gestalt grob in zwei Teilen zumindest erahnt werden konnte. Als Zugabe konnten in direkter Umgebung auch die drei Galaxien PGC 57087, PGC 57108 und PGC 57109 ausgemacht werden.


    Nach unerwartetem Besuch durch ein freundliches und astro-interessiertes Motorradfahrer-Pärchen und damit verbundener Kurzführung mit Standardobjekten wie M13 und M51 konnte die Jagd auf die Fuzzies dann weiter gehen. Den Einstieg in den Herkules-Haufen findet man, ausgehend von den Sternen Kappa- und 5-Herkules (rund 4 mag), relativ leicht, da diese nordöstlich des Schlangenkopfes (Serpens Caput) mit bloßem Auge auszumachen sind. Von dort findet man über zwei weitere Sterne leicht die Hauptgalaxie des Haufens NGC 6040 und fängt damit Licht ein, dass vor 400 Mio. Jahren ausgesendet wurde. Insgesamt konnte man nach einigem Suchen mit der präparierten Karte und guter Adaption der Augen folgende Galaxien sicher ausmachen: NGC 6039, 6040A und B, 6041A, 6044, 6045A, 6047, 6050A und 6056, sowie IC 1170 und IC 1182. Das neu erstandene 13mm Ethos-Okular rundete das Erlebnis durch sauber fokussierte Bilder mit fantastischen, scheinbaren 100° Gesichtsfeld ideal ab.


    Nachdem der Herkules-Haufen mit fortschreitender Nacht mehr und mehr an Höhe im Westen verlor, konnte das Teleskop weiter Richtung Norden bewegt werden, um in relativ sternarmer Gegend noch Seyferts-Sextett (NGC 6027) als knotiges Lichtfleckchen mit drei helleren Komponenten bei 240 facher Vergrößerung auszumachen. Da wesentlich kompakter, als der Herkules-Haufen, war hier ein 9mm Nagler-Okular besser geeignet, als das Ethos. Der neue Beobachter-Atlas von Gerhard Stropek leistete bei diesem Objekt ebenfalls gute Dienste.


    Alles in allem eine sehr intensive und gelungene Beobachtungsnacht. Die visuelle Grenzgröße lag vorsichtig geschätzt bei 6m5, vielleicht auch etwas besser.
    Viele Grüße