Preisgünstige Schmidt-Cassegrain

  • Preisgünstige Schmidt-Cassegrain

    Man bekommt diese handlichen Teleskope derzeit zu einem Spott-Preis, wenn man sich erinnert, was man für diese Systeme noch vor einigen Jahren
    "hinzublättern" hatte - unabhängig von der opt. Qualität, die tatsächlich ein wenig besser geworden ist. Da man aber für ein Meade ACF 12" LX 200
    nurmehr 2000.- zu bezahlen hat, und auch C11 und C 9.25 noch günstiger zu haben sind, wachsen die Begehrlichkeiten und so landen bei mir häufig
    solche Systeme zur Begutachtung.

    Das Ziel aller Wünsche wäre ein möglichst hoher Strehl . Das geht aber nicht, weil speziell bei SC-Systemen die Streuung beachtlich ist, und bei einigen
    Teleskopen ihrer Art nur Zit: "Licht durchgeht", wie einer, der das täglich untersucht, einmal treffend bemerkte. Astigmatismus und sphärische Aberration
    ziehen sehr schnell den Strehl nach unten, und über Schmidtplatte und Fangspiegel-Retouche wird eine Menge Streulicht eingeführt, was man bei
    hoher Vergrößerung gut erkennen kann.

    Und da jeder nur das Beste haben möchte, möglichst zum absoluten Tiefstpreis, stelle ich dann öfter die Frage, ob man eine solche Optik, wenn sie
    denn in Deutschland gefertigt würde, überhaupt bezahlt werden könne, und ob das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht übererfüllt sei, wenn man
    Preis und Qualität in Beziehung setzt. Meistens stoße ich dabei eher auf taube Ohren.

    Oft steckt auch eine falsche Erwartung hinter dem Kauf solcher Systeme: Während viele der beieindruckenden Himmels- und Planetenaufnahmen
    genaugenommen im Computer generiert werden, und für die Fotografie die SC-Systeme selbst bei schlechter opt. Qualität noch beachtliche Ergebnisse
    erzeugen, sollte man nur im allergünstigsten Fall solche Systeme für die visuelle Beobachtung benutzen. Da wären Maksutovs die eindeutig bessere
    Wahl. Weil aber die "Dinger" derzeit so preisgünstig sind, landen eigentlich schon die besseren Exemplare bei mir.

    Der schnellste Eingangs-Test in diesem Zusammenhang bleibt weiterhin der "Artificial Sky Test", der in einer typischen Ansammlung von Pinholes
    besteht zwischen 1µ und 5µ auf einem Gesamtdurchmesser von gerade mal 2 mm. Es ist ein fehlerhaft beschichteter kleiner Planspiegel, der von der
    Rückseite her beleuchtet wird und deswegen einen künstlichen Sternhimmel darstellt mit Sternschnuppen, Doppeltsternen usw. Betrachtet man
    diesen "Sternhimmel" mit einem 2 mm Okular, dann tauchen besonders über die Beugungs-Ringe alle Fehler in einer Zusammenschau auf:

    - Bei Astigmatismus wird der erste Beugungsring in ein "Kreuz" verwandelt, also an 4 Stellen unterbrochen
    - bei Koma (Zentrierfehler) liegt der Beugungring nicht rotations-symmetrisch um den Lichtkern (Maximum).
    - bei Unter- meist aber Überkorrektur wird der ohnehin deutliche Beugungsring (wegen der Obstruktion) noch stärker hervorgehoben. Bei deutlicher
    Obstruktion (z.B. RC-Systeme) lassen sich sehr viele Beugungsringe erkennen, wie das drittletzte Bild zeigt. Strehlwert und Obstruktion

    Bei der Fotografie, oder bei kleinen Vergrößerungen - (bei einem 12" Meade ACF merkt man bis 300-fache Vergrößerung erst einmal nichts) -
    spielt das eine kaum wahrnehmbare Rolle. Nur bei der Strehl-Ermittlung geht dieser über die Restfehler gnadenlos in den Keller und verfinstert
    jedes Mal die erwartungsfrohen Mienen ihrer Besitzer.

    Die folgenden Beispiele sind nur ein Ausschnitt aus den Teleskopen, die bei mir im letzten Jahr aufgetaucht sind. Sie sind in keiner Weise
    repräsentativ für eine Firma oder Serie und markieren immer nur das aktuelle Teleskop.

    Das folgende C11 zählt zu den besseren Exemplaren, leider zieht ein 3-eckiger Astigmatismus den Strehl etwas herunter.



    Das Gegenbeispiel wäre ein bei Grün überkorrigiertes C14, ebenfalls mit einem 3-eckigen Astigmatismus, von dem man bei der eingeblendeten
    Aufnahme eigentlich nichts sieht. Bei Rot wäre der Strehlwert am höchsten, bei 532 nm wave wären wir bei Strehl = 0.651. Der Gaußfehler
    ist auch bei SC-Systemen zum Teil deutlich ausgeprägt.



    Bei hoher Vergrößerung läßt sich ein Restastigmatismus ebenso feststellen, wie eine leichte Überkorrektur, weshalb der Strehlwert bei Grün nur noch
    0.903 beträgt. Dieses C 9.25 wäre aber trotzdem die erste Wahl.



    Nicht umsonst haben die INTES-Maksutovs eine eindeutig bessere Qualität, auch wenn sie vom Durchmesser begrenzt sind wegen der Meniskus-Eingangs-Linse.
    Und weil bei diesem System nur sphärische Flächen im Spiel sind, ist die Abbildung und der Kontrast eindeutig besser. Der Preis entsprechend höher, man hat also
    die Wahl.



    Ein weiteres Beispiel für eine hervorragende Abbildung und einen hohen Strehl, die Definition der Dreiergruppe ist sehr gut zu sehen.



    Ein drittes Beispiel zur Dokumentation der hohen Qualität. Allein die Interferogramme dieser Maksutovs unterscheiden sich deutlich von den üblichen SC-Systemen.



    Auch Meade SC-Systeme haben eine breite Streuung. Hier zieht ein Astigmatismus von mindestens L/4 PV und schlechter, den Strehl gnadenlos nach unten. Die Fotografie
    merkt davon nicht. Visuell natürlich schon.



    Dieses Gerät ging beispielsweise zum Händler zurück, der weitere "Lebensweg" blieb mir allerdings verschlossen.



    Als Nachfolger des vormaligen Teleskops erreichte uns dann dieses Beispiel, und das dürfte die Erste Wahl sein unter den SC-Systemen. Nur wieviel Prozent
    diese Qualität haben, wird selbst der Importeur nicht wissen oder wissen wollen.



    Auch dieses Beispiel wäre für die Fotografie ein wunderbares Teleskop. Weil aber der Käufer unbedingt ein Planeten-Teleskop auch zur visuellen Beobachtung haben möchte,
    störte er sich am Restfehler von PV L/3.4 bei 532 nm wave, den er bei 300-facher Vergrößerung noch nicht, und erst bei 660-facher Vergrößerung als kleines
    Kreuz erkannte. Bei tausend-facher Vergrößerung "verwandelt" sich jedoch der erste Beugungsring in ein schönes Kreuz.



    Die Energie-Verteilung, PSF genannt, stellt sich dann so dar, aber immer nur bei hoher Vergrößerung, wie sie nur auf der opt. Bank möglich sind.







    Man kann sich dieses aktuelle Teleskop ohne den PV L/3.4 Astigmatismus darstellen lassen, und da dürfte die Energie-Verteilung (PSF) und die Kontrast-Übertragung (MTF)
    interessant sein. Der über die Obstruktion verursachte 1. Beugungsring läßt sich nicht wegdiskutieren. Das Maximum jedoch ist ohne Astigmatismus etwas höher und
    schlanker, weshalb ab 0.6 Spatial Frequency die Auflösung besser dargestellt wird. Ob sich das in der Praxis bemerkbar macht, muß ein Beobachter entscheiden.



    Schlußwort: Man sollte sich schon genau überlegen, ob ein Schmidt-Cassegrain-System für visuelle Beobachtung wirklich die richtige Wahl ist,
    da wäre beispielsweise ein Newton sehr viel sinnvoller, leider nicht ganz so handlich und vermutlich auch nicht ganz so preiswert.

  • Lieber Wolfgang, liebe Beobachter,
    die umfassende Darstellung von guten und grottigen Beispielen verschiedener Cassegrainvariante ins sehr anschaulich.
    Von meiner Beobachtungspraxis her und komme ich zu einem anderen Schluss als Wolfgang.
    Ursprünglich war ich auch kein Anhänger dieser Teleskopgattung, was sich heute für mich zur Sympathie zu den Geräten entwickelt hat.
    Großen Anteil hat der gestiegene Kontrast durch bessere Spiegelbeschichtungen und auch die komafreie Abbildung moderner SC Typen.


    Von meiner Händlertätigkeit kann ich sagen, dass ich in 6 Jahren nicht einen Kunden hatte, der mit optischen Qualität der Geräte nicht zufrieden war. Das muss kein absoluter Maßstab sein, aber zeigt doch dass der Anspruch an die Geräte erfüllt wird.
    Höchst anspruchsvolle Kunden, die es sich leisten können, werden zu anderen Geräten tendieren, aber das ist die Minderheit.


    Einen 12" ACF zu 2000,--€ wie Wolfgang schreibt, kann ich leider nicht anbieten. Trotzdem sind SC´s vergleichsweise erschwinglich. Die Tuben sind leicht gebaut und begnügen sich mit weniger Montierung als lang bauende Varianten.
    Der 10"/11" hat sich als größte transportable Optik bewiesen. Mit dieser Öffnung konnte ich erstaunliche DeepSky Beobachtungen machen und auch an Planeten befriedigende Eindrücke gewinnen. Größere Modelle sind stationär sinnvoller aufzustellen oder aber von 2 Personen zu bewegen.
    14" SC stehen in vielen Sternwarten und waren lange Zeit eine Obergrenze von Preis und Verfügbarkeit. Heute natürlich nicht mehr der Maßstab, aber immerhin mit max. 16" recht eindrucksvoll und zudem sehr leichte Tuben.


    Mit visueller Beobachtung kann nicht nur Planetenbeobachtung, Doppelsterne und die Bewunderung der Beugungserscheinung an Sternen gemeint sein.


    Visuelle Beobachtung bedeutet für mich auch bequemes Einblicken von "Hinten" und genügend Öffnung um Kugelsternhaufen auflösen zu können, Farben an PN erkennen oder Form und teils Spiralarme an Galaxien erkennen. Das leisten die Geräte sehr ordentlich.


    In den meist kleinen Privatsternwarten passt ein 14" SC mit kleinem Refraktor ganz passabel hinein, ein 14" Newton setzt vom Platz und Montierungsanspruch schnell Grenzen.
    Wegen Platz, Einblick und Preis ist ein SC oft die einzig mögliche Wahl.


    Ich beobachte mit einem klasse 16" ACF und habe schon viele begeisterte Beobachter durchsehen lassen. Auch wenn der SC nicht die bestmögliche Abbildung an Planeten liefern kann, so machen die Beobachtung derselben in dieser Disziplin durchaus Spaß. Das Seeing muss allerdings schon gut sein um das Gerät nutzen zu können.


    Auch bei Deep Sky braucht es gutes Seeing besonders mit Öffnungen ab12“ um vollen Genuss zu erreichen.
    Bei 100x bis140x am 16“ bleiben die Sterne nadelfein, fast wie in einem Refraktor, was bei den Sternhaufen zu Gute kommt.
    Kugelsternhaufen wie M 13, 15 oder M92 sind damit wunderbar aufgelöst und auch bei 300x sind die schwachen Sterne schlicht scharf.


    Meine beste Jupiterbeobachtung überhaupt hatte ich mit einem 16“ ACF im SaharaSky Hotel im Nov. 2010.


    SC freundliche Grüße
    Ralf

  • Hallo Wolfgang, hallo Ralf,


    Vergleichstests und objektive Messungen finde ich sehr gut und war ob der Ergebnisse ebenso überrascht, wie "schlecht" hier die SC´s abschneiden.
    Laut Wolfgangs Messungen und seinem Schlusswort fallen SC´s wie die ACF´s oder Celestron SC´s also mehr oder weniger raus, bei der Auswahl einer hochwertigen Optik für die visuelle Beobachtung, da:


    "ein Newton sehr viel sinnvoller" wäre. Ich sehe das wie Ralf, entgegen der harten Zahlen und Fakten, etwas anders.


    Bei Ralf (16" ACF) und an meinem Gerät (10" ACF) haben wir visuell sehr schöne Beobachtungen an unterschiedlichsten Objekten erlebt. Wir hatten schon zahlreiche Beobachtungsnächte mit aufschlussreichen Aha-Momenten. Selbst im Vergleich mit seinem 200mm Refraktor muss sich sein ACF nicht "ducken". Einzig am Planeten finde ich das Bild im Okular am Refraktor ästhetischer. Unsere Astrokollegen mit gleicher Gerätschaft (wir haben einige mit den ACF Geräten im "Frankenforum") sind durchaus mit den Optiken zufrieden.


    Ich weiß jetzt auch nicht (bin ja kein Optikspezialist), ob diese Hochvergrößerungstest überhaupt relevant sind. Für die Theorie sicherlich...aber in der Praxis??
    Je nach Größe ist ja irgendwann Schluss bzw. übervergrößert und es bringt für den Beobachter keinen Gewinn.


    In unserer Region (die nicht unbedingt die schlechteste ist) habe ich an meinem Zehnzöller die Erfahrung gemacht, dass bei mehr als 300x bzw. an sehr guten Abenden vielleicht mal 400x an den Geräten oft das Ende der Fahnenstange ist. Aber nicht wegen der Optik, sondern wegen der äußeren Bedingungen.


    Bei den diesjährigen Mars und Jupiterbeobachtungen (dokumentiert durch Zeichnungen) habe ich sehr gute Ergebnisse erzielt, die durch Fotos bestätigt werden konnten. Der ACF zeigte hier im Vergrößerungsbereich zwischen 200-350x feinste Details am Planeten. Das Seeing war der begrenzende Faktor, nicht die Optik.


    Bei 10" wird bis ca. 600x als Höchstvergrößerung empfohlen. Was sagt mir also der Test bei meinetwegen 1000fach dann für meine Beobachtungen??


    Gerade auch die kompakte Bauweise und das bessere Schwinungsverhalten (da kürzer) auf leichteren Montierungen kommen mir als mobilen Beobachter entgegen. Auch der Einblick von "Hinten" wie Ralf schreibt ist angenehmer als beim Newton auf einer parallaktischen Montierung.


    Vor einiger Zeit hatten wir einen visuellen Test zwischen einem TAL 250K und meinem ACF. Obwohl der TAL eigentlich die wesentlich bessere Optik haben sollte, war er nicht unbedingt der klare Sieger. Wolfgang, hattest du hier nicht vor ein paar Jahren sogar schon mal den TAL auf der Bank?
    Hier der Bericht von Frank, der als neutraler Beobachter dabei war:


    http://forum-stellarum.de/showthread.php?tid=973


    Also wenn man das Preis - Leistungsverhältnis berücksichtigt, sind die SC´s wirklich nicht schlecht. Es sei denn, man erwischt tatsächlich eine Gurke. RC´s, MN´s, OMC´s mit gleicher Öffnung sprengen da den finanziellen Rahmen für viele Hobbyastronomen. Sie sind deutlich teuerer als die "günstigen SC´s" (10" ca. 2000€).
    Ob sie in der Praxis unter dem Sternenhimmel dann auch diesen finanziellen Unterschied in der Abbildungsleistung gerecht werden ist hier die Frage.


    Ich bin auf alle Fälle auf weitere Tests gespannt.


    Liebe Grüße


    Uwe

  • Hallo Wolfgang, Ralf und Uwe,


    zuerst einmal ein Dankeschön für den mal wieder sauberen und (relativ..) neutralen Bericht.
    Ich gebe beiden Parteien recht.


    Ich selbst hatte das Meade 12" SC "classic" gurt 10 Jahre in der Sternwarte stehen. Davor das fotografisch gedachte SC 8" f:6,3/1280mm. Letzteres war zur visuellen Beobachtung gelinde gesagt unbrauchbar, fotografisch aber sehr gut. Zumal mit Reducer damals f:4 bei ca. 700mm Brennweite.
    Das 12" classic war visuell erheblich besser, ich war`s zufrieden. - Wer natürlich (bis dahin) nichts anderes kennt IST auch zufrieden.


    Erst als parallel dazu Uwe`s 10" SCF auf der Terrasse stand haben wir beide bemerkt, daß der 10" den älteren 12" mit klarem Abstand hinter sich ließ. - Es hat sich also schon einiges getan und gar zu schlecht sind diese Geräte als allrounder nun wirklich nicht.


    Gut, mein 14" Newton spielt da in einer anderen Liga, allerdings auch zu einem anderen Preis, der den des SC`s günstig erscheinen läßt. Ist eben handmade und nich eine Massenfertigung von der Stange.


    Summa summarum, man kann mit einem ACF gut leben, jedes Teleskop ist ein Kompromiß zwischen gut und machbar sowie bezahlbar. Von dieser Sicht aus sollte man diese Vergleiche sehen.

  • Zunächst mal Danke für Euer Echo: Die Sache ist sehr, sehr vielschichtig und kann unter vielen Blickwinkeln betrachtet werden.

    - bei mir landen eher die auffälligen Geräte, weswegen meine Übersicht gar nicht repräsentativ sein kann, habe ich aber "fett" mit roter Schrift erwähnt im Vorwort.
    - der Preis ist derzeit ausgesprochen günstig
    - die Handlichkeit ist unbestritten
    - es hat in den letzten Jahren eine Qualitäts-Steigerung gegeben.
    - die Qualitäts-Streuung ist deutlich, sowohl hinsichtlich Restfehler und Streulicht-Anteil.
    - der Gaußfehler ist ebenso eindeutig, das Optimum eher selten bei Grün sondern bei Gelb/Rot
    - die Systeme sind zentrieranfällig, was öfter überprüft werden sollte
    - möglichst immer senkrecht auskühlen, wegen Tubus-Seeing
    - über den Artificial-Sky Test läßt sich bereits zu Beginn sehr schnell eine Qualitätsübersicht erstellen, wie mein Bericht zeigt. Mit einiger Erfahrung läßt sich auch die Größe des jeweiligen Fehlers abschätzen.
    - meine Ergebnisse zielen mehr auf die visuelle Benutzung von SC-Systemen und bei niedriger Vergrößerung merkt man zunächst erst einmal nichts. Bei diesem Teleskop habe ich das regelrecht am Besitzer getestet, wie oben nachzulesen. Nur als er das dann wußte, war das Gerät nur noch reklamations-würdig.
    - der Strehlwert spielt bei diesen Systemen eine zu einseitige Rolle, mindestens genauso wichtig ist der unterschiedliche Streulichtanteil, der den Kontrast senkt.
    - die Obstruktion aber auch die sphärische Aberration bläst ebenfalls die Sternscheibchen auf. Strehlwert und Obstruktion

  • Hallo Wolfgang,
    die Beiträge der Beobachter runden Deine Messergebnisse ab und stellen einen Zusammenhang von Messung und Praxis her.
    Der Praktiker wiederum kann anhand Deiner Prüfbilder sehen, was tatsächlich bei einer Messung herauskommen kann und auch was nicht tollerierbar ist.


    Wobei es nicht die geprüften Geräte sind, von denen hier Rückmeldungen kamen und deswegen der Zusammenhang auch nicht belastbar ist.
    Noch eine weitere Erfahrung halte ich für wichtig im Zusammenhang Deiner Messergebnisse:
    Zitiat:


    Oft steckt auch eine falsche Erwartung hinter dem Kauf solcher Systeme: Während viele der beieindruckenden Himmels- und Planetenaufnahmen
    genaugenommen im Computer generiert werden, und für die Fotografie die SC-Systeme selbst bei schlechter opt. Qualität noch beachtliche Ergebnisse
    erzeugen, sollte man nur im allergünstigsten Fall solche Systeme für die visuelle Beobachtung benutzen. Da wären Maksutovs die eindeutig bessere
    Wahl.


    Die Maksutovs sind ab 8" Öffnung (russische Geräte) derzeit sehr teuer und wenn Öffnungen von 12" oder 16" angedacht sind, fast unerschwinglich und zudem sehr schwer.
    Das Gewicht und auch die Verformung des Fangspiegels während der Abkühlung machen den Makustovs zu schaffen. Ein klasse Zeiss Meniscas auf der Prüfbank bringt in der nächtlichen Wirklichkeit entweder erst nach Stunden oder praktisch nie die Leistung die in Ihm steckt. Ich kenne die Abbildung von der optischen Bank und auch von 2jähriger Beobachtung damit. Die praktische Erfahrung war ernüchternd, obwohl die Optik wirklich gut war.
    Wenn keine Lüfter und wenig Zeit zum Auskühlen zur Verfügung stehen, kann auch ein sehr guter MAK-Cassegrain in der Nacht schlechter sein als ein schlechteres SC.:stupid:


    Viele Grüße
    Ralf


    www.astro-theke.de

  • Lieber Ralf,

    diese 3D-Darstellung könnte der Grund sein, weshalb man zur Überzeugung kommen kann, daß man erst den 3. oder 4. Beugungsring überhaupt sehen könne. Ich bin mir
    aber ziemlich sicher, daß bei hoher Vergrößerung und sehr kleiner Pinhole (1-5 µ) besonders bei obstruierten Systemen bereits der 1. Beugungsring gut erkennbar und
    fotografierbar ist. Am Himmel ist das vermutlich sehr viel schwieriger.



    Über die mittlere Dreiergruppe läßt sich das direkt berechnen: Abstand Mitte-Links 10µ, Abstand Mitte-Rechts 8µ. AiryDisk = 0.0134 Es muß also der 1. BeugungsRing sein.
    In Analogie zur oberen 3D-Darstellung muß es ebenfalls der 1. Beugungsring sein.

  • Frohe Weihnachten Wolfgang und alle Forenleser,
    um für die Mitleser den Zusammenhang Deines jüngsten Beitrags herzustellen, möchte ich die Fragestellung angeben.
    Das Thema hat nicht so sehr mit den SC´s zu tun, die in dem Thread diskutiert werden, sondern ist eher eine Beugungstheoretische Frage.


    Der erste dicke Beugungsring ist in Wolfgangs Photografien bei guter Optik leicht zu sehen, ebenso in der 3-D Darstellung die folgenden äußeren Beugungsringe.
    Nachts zeigt sich dieser dicke Beugungsring bei guter Luft ebenso, die schwächeren äußereren Ringe fließen in der Regel zu einem Halo zusammen, das als Aufhellung zu sehen ist.


    Ich habe in einem Gespräch aufgeschnappt, dass dieser dicke Beugungsring, der als erster Beugungsring angesehen wird im Grunde gar nicht der erste Beugungsring ist sondern etwa der Dritte. In der Diskussion nahm ich auf, dass der theoretisch erste/zweite Beugungsring so Nahe am Kernbild bzw. darin eingebunden wäre, dass diese praktisch nicht sichtbar sind.
    Die Fragestellung bewegt sich in der theoretischen Physik, weniger in der Praxis. Ich bin hier sehr unsicher und habe die Frage Wolfgang gestellt.


    Weinachtliche Grüße
    Ralf

  • Hallo Ralf, hallo Wolfgang,


    das sind wirklich interessante Einzelheiten, die ihr hier diskutiert. Ich bin in diesen optiktheoretischen Berechnungen ja wirklich noch "unbeleckt". Stimmt es also, dass:


    ... tatsächlich die Obstruktion ein entscheidenter Faktor hinsichtlich des Strehlwertes ist. Dies erscheint mir erstaunlich. Dann hätten auch die Optiken des Tal Kletzsov und alle anderen Optiken mit größerer Abschattung schlechte Karten. Hieße das nicht im Umkehrschluss, je kleiner die Fläche der Optik, desto schlechter die Qualität???


    Für mich ergibt das irgendwie keinen Sinn. Wenn der durchbohrte Hauptspiegel als "Lichtsammelfläche" zählt, ist es doch eigentlich egal, wie groß die Obstruktion ist. Hauptsache eine "hervorragende" Spiegelfläche bleibt groß genug. Sie wäre dann zu vergleichen. Letztendlich zählt die "freie" Öffnung, die angerechnet werden kann, um Systeme zu vergleichen.


    Wichtig für mich wäre auch Qualität der Verspiegelung, die letztendlich für den Kontrast zuständig ist.


    ... wir erst den 2. oder 3. Beugungsring überhaupt wahrnehmen können.
    Es sind auch zahlreiche Nächte dabei, da ist man froh, wenn man die Beugungsringe oder den Beugungsring überhaupt wahrnimmt. Mittlerweile ist seit vielen Wochen wieder Durststrecke. Vom Seeing ganz zu schweigen. Wenn da ein Beugungsring im Okular auftaucht, ist doch die Welt schon wieder in Ordnung.


    Meine Frage ist, ob ein Gerät fotografisch und visuell bis zur maximal sinnvollen Vergrößerung sehr gut sein kann und dann aber bei z. B. 1000facher Vergrößerung "in die Knie geht".


    Quasi eine mehr als ordentliche Optik (visuell), aber gleichzeitig ein "Gurke" (auf der optischen Bank bei Höchstvergrößerung)


    Obwohl wir ja selten nur die 1000 oder 900fache Vergrößerung in der freien Natur anwenden können, wäre dann die Optik eventuell schlecht.
    Also...mein 10" ACF, mit dem ich mehr als zufrieden bin und auch visuell und zeichnerisch sehr ordentliche Ergebnisse erziele, könnte auf deiner Bank so schlecht abschneiden, dass ich ihn zurückgeben müsste...???
    Ich würd´s trotzdem nicht tun, da es für mich keinen Grund dafür gibt!!
    Mein 8" Newton mit geringerer Obstruktion ist auch nicht schlecht, aber um Welten schlechter als mein Meade SC.


    Fragende Weihnachtsgrüße (ich hoffe ich nerve nicht mit meiner "Unwissenheit")


    Uwe

  • Hallo Uwe,

    Der Strehl-Ausdruck ist nur eine andere Darstellungsform des RMS-Wertes und der wiederum ein über den Flächenanteil gemittelten PV-Wert. Und weil es immer nur um die opt. wirksame Fläche geht, bzw. die Deformation der Wellenfront, spielt die Obstruktion erst einmal keine Rolle.

    die Obstruktion hat auf den Strehlwert keinen Einfluß: Wohl aber auf die Energie-Verteilung des ankommenden Lichtes, wie mein Versuch mit dem "obstruierten" Kugelspiegel zeigt. Die 3D-Darstellung der Energie-Verteilung, die Kontrast-Übertragungs-Funktion ändern sich mit der Größe der Obstruktion und in einem bestimmten Bereich wäre das sogar besser, als bei nicht obstruierten Systemen. Besonders dieser Versuch mit dem künstlichen Sternhimmel zeigt die Auswirkung von Obstruktion.

    Nun geht es mir im Eingangs-Bericht oben um die Streubreite von SC-Systemen. Dabei bildet der künstliche Sternhimmel mit seinen Pinholes das Licht-Objekt und bei der Abbildung des Objektes durch das zu testende System sieht man sehr deutlich bei hoher Vergrößerung die einzelnen Restfehler. Dabei spielen die Beugungsringe eine wichtige Rolle: Astigmatismus läßt sich bereits auf diese Art bis mindestens PV L/6 eindeutig nachweisen, ebenso Koma, die auf Zentrierfehler zurückzuführen ist. Überkorrektur "verschiebt" ebenfalls Energie in die Beugungs-Ringe, weshalb man bereits über die Beugungs-Ringe erkennt, ob ein System über- oder unterkorrigiert ist.

    Mit dem Artificial Sky als Eingangs- und Übersichts-Test geht es also zunächst nicht um den Strehl-Wert selbst. Dieser Test zeigt aber die einzelnen Restfehler so eindeutig, daß man daraus bereits auf die mögliche Größe des Strehlwertes schließen kann. Und das wäre der Grund, warum ich bei einigen der Aufnahmen zugleich den Strehlwert dazugeschrieben habe.

    Ich kann also sofort nach diesem Eingangs-Test erkennen, welche Qualität eine Optik haben muß.



    Auch beim Verkauf von Teleskopen spielen bestimmte Selbstverständlichkeiten eine Rolle:

    Was soll man z.B. von dieser Formulierung in einem Kaufvertrag halten,

    "Das Teleskop ist optisch einwandfrei bzw. in Ordnung."

    Ohne irgendwelche Kriterien ist dieser Satz wertlos.



    Am Beispiel eines C11-Verkaufs läßt sich das demonstrieren:

    Ob ein C11 optisch in Ordnung ist, läßt sich nur bei völlig temperierten Gerät am Himmel feststellen. Hilfsweise nimmt man
    wenigstens ein 10 lp/mm Ronchi-Gitter um festzustellen, ob das Teleskop richtig korrigiert ist. Oft sind Schmidt-Cassegrain-
    Systeme im grünen Spektrum überkorrigiert, während sie hinsichtlich sphärischer Korrektur im roten Spektrum in Ordnung wären.

    Im Normal-Fall vermisst man ein C11 erst dann, wenn es exakt zentriert ist. Das ist umso schwieriger, je mehr z.B. noch
    Astigmatismus eine Rolle spielt. Also kann man mal hilfsweise die Coma (= Zentrierfehler) abziehen und käme nun:
    Überkorrektur + Astigmatismus jeweils als Restfehler, auf einen Strehl von 0.701, und das liegt unter "beugungs-begrenzt"
    von Strehl = 0.80. Diese Aussage gilt aber nur für 532 nm wave, weil Schmidt-Cassegrain-Systeme einen farbabhängigen
    Öffnungsfehler haben, und demzufolge häufig im grünen Spektrum überkorrigiert reagieren. Ob das so gewollt ist, weiß ich
    immer noch nicht, für die visuelle Benutzung jedenfalls ist das eine Einschränkung der Qualität.

    Solange also nicht eindeutige Qualitäts-Kriterien als Kaufvertrags-Bedingungen vorliegen, die den oberen, allgemeinen Satz
    aus einem Kaufvertrag präzisieren, solange lohnt es sich noch nicht einmal, sich vor Gericht um diese Sache zu streiten.
    Man wird den Prozess verlieren.

    Wer also schon mit Kaufvertrag ein Teleskop kauft, bei einem C11 ist ein Certifikat eher unüblich, der sollte zur Sicherheit
    ein belastbares Certifikat verlangen, auf dessen Basis der Kauf vonstatten geht. Und bei dem Begriff "beugungs-begrenzt"
    sollte dann unbedingt die Wellenlänge dabei sein, ebenso bei Strehl-Angaben. Im übrigen wäre ein C11 mit einem Strehl von
    0.90 bei 532 nm wave schon ein ganz hervorragendes Gerät. Ein solches hatte der Sternfreund vorher - bis er es gegen ein
    schlechteres eintauschte.

    In einem anderen Fall gab es exakte technische Spezifikationen u.a. ein Strehl von > 0.95, der nach sorgfäliger Zentrierung
    gerade mal auf 0.50 zusammenschrumpfte, wegen deutlicher Überkorrektur. Der Grund dürfte aber im fehlerhaften Einbau der
    Optik im Tubus zu suchen sein. Als dann beim Transport auch noch der Hauptspiegel sich locker in der Spiegel-Zelle bewegte,
    lehnte ich eine weitere Untersuchung erst einmal ab.

    Es wird schon viel getrixt in der Astro-Branche und vor allem viel behauptet, ohne je einen belastbaren Beweis anzutreten.