mein erster (brauchbarer?) Saturn

  • Hallo allerseits,
    nach einigen Fehlschlägen taste ich mich langsam aber sicher an die richtigen Einstellungen für brauchbare Ergebnisse heran :smartass:


    In meiner dritten Saturn-Beobachtungsnacht konnte ich insgesamt 12Gb an Daten sammeln. Die einzelnen Filme habe ich erst Mal einzeln bearbeitet, um den Effekt der verschiedenen Einstellungen zu sehen. Im Anschluss habe ich alle Filme zusammen geworfen. Hier das Summenbild aus 1600 Einzelaufnahmen (0.05s - 0.075s, Gain 95%). Stacking und Postprocessing habe ich mit Giotto gemacht:



    Was mich noch stört sind die "Geisterbilder", bzw. der blau-/grün verschattete Planetenrand...


    Habt Ihr Empfehlungen, wie ich die Bildqualität noch verbessern kann (andere Einstellungen? Bilder selektieren? - wie?)


    Herzliche Grüße, Mario

    --
    Teleskope: Celestron C8 (203/2032mm), TS Triplet APO (115/800mm), TS ED APO (90/500mm). Montierungen: Celestron CGEM, Celestron AS-GT.
    Kameras: Canon EOS 1000Da, ALCCD5T. Nachführung: Lacerta MGEN2.

  • Hi Mario,


    die Aufloesung hast du sehr gut hingekriegt :smartass:, an der Farbgebung
    kannst du noch drehen. Wenn du deine Aufnahme in den R, G und
    B Kanael zerlegst sieht du, dass das Verhaeltnis R:G:B etwa wie
    4:2:1 ist.



    Teilst du R durch 2, belaesst G und multiplizierst B mit 2 erhaeltst du
    die untere Reihe. Neu zusammengesetzt ergibt sich das Bild unten rechts.
    Natuerlich ist das nur eine Notloesung, nicht optimal. Besser
    waere mit Gruen Filter etwa doppelt so lang und mit Blau Filter etwa
    4 mal so lang wie mit Rotfilter zu belichten(Das kannst du natuerlich
    auch exakt berechnen/messen, das ist nur ein geschaetzter Anhaltswert).
    Dabei ergibt sich auch ein guenstigeres Signal/Rausch Verhaeltnis in
    den einzelnen Kanaelen - wodurch sich das Ergebnis wiederum besser
    schaerfen laesst.


    Zur Rotation des Saturns hab ich grad keinen Wert parat, aber wenn
    du zu lange draufhaeltst gibts dadurch weniger Details weil sich die
    Strukturen weiterbewegen und beim Stacken versetzt addiert werden.
    Der Planet hat etwa 20 Winkelsekunden, mit Ring 40 Winkelsekunden.
    Dein 8" Teleskop kann etwa 1/2 Winkelsekunde aufloesen. Alles was
    sich mehr als etwa diese 1/2 Winkelsekunde beim filmen weiterbewegt
    "verschmiert" sozusagen (durch die Bildaddition im Stack).


    Gruesse,
    argus

  • Hi argus, danke für Deine ausführliche Analyse.
    wahrscheinlich habe ich zu sehr an der Farbkorrektur gedreht... mir kam das Bild richtiggehend grünstichig vor. Daher habe ich grün und blau zurück genommen und rot erhöht. Im Moment habe ich keine Ambitionen, mit einer SW-Cam und Filtern zu arbeiten ;-) Darum kommt für mich nur die "faule" Alternative einer Farb-CCD infrage.


    Hast Du eine Idee, warum der untere und rechte Rand so "ausgefressen" wirken? Ist das der Schattenwurf oder liegt es an der Aufsummation?


    LG, Mario

    --
    Teleskope: Celestron C8 (203/2032mm), TS Triplet APO (115/800mm), TS ED APO (90/500mm). Montierungen: Celestron CGEM, Celestron AS-GT.
    Kameras: Canon EOS 1000Da, ALCCD5T. Nachführung: Lacerta MGEN2.

  • Hi Mario,


    keine Filter, verstehe, dann gehts ueber den Weissabgleich der
    Kamera waehrend der Aufnahme. Sollen halt alle 3 Farben gut
    plaziert und weder am oberen noch unteren Rand des Histogramms sein.
    Kann dir die Aufnahmesoftware ein Histogramm der RGB Kanaele anzeigen?
    Damit koenntest du die Sache mit manuellen Schiebereglern in den Griff
    kriegen. Die visuelle Einschaetzung nachts am Bildschirm kann
    manchmal taeuschen.


    Mhmm, das "ausfressen" koennte auch an den Kameraeinstellungen
    liegen - Belichtungszeit, Artefakte durch die Bilduebertragungsrate,
    Gamma, Kontrast, Helligkeit, Gain etc.
    Man kriegt mit der Zeit heraus wie das alles zusammenspielt und
    sich im Endergebnis zeigt - ist bei jeder Kamera etwas anders.
    Das Aufnahmebild muss exakt fokussiert sein, darf aber ruhig
    weiche Uebergaenge haben, beim nachtraeglichen Schaerfen
    des Stacks und korrigieren des Histogramms wird das Bild sozusagen
    erst "fertig entwickelt".


    Gewisse farbige Raender koennen sich aber auch durch die atmosphaerische
    Dispersion ergeben. Nicht tragisch, man kann man die Farbkanaele nachtraeglich
    am Stack problemlos zurechtruecken.
    Die vorherschende Farbe ist auch etwas von der Hoehe abhaengig.
    Tiefstehend haben die Planeten, der Mond und auch die Sonne
    einen hoeheren Rotanteil. Es ist also ein Mix aus vielen Faktoren. Sind
    laengst noch nicht alle angesprochen.


    Gruesse,
    argus

  • Hallo,


    wenn ich Argus`Kommentar so lese, dann weiß ich wieder, warum ich aus der Astrofotografie freiwillig ausgeschieden bin!
    Kann man da eigentlich auch was richtig machen?


    Das erste Ergebnis wäre das, was ich vielleicht gerade noch hinbekommen hätte. Argus` Ausarbeitung zeigt aber mal wieder ganz deutlich, welcher Aufwand und welches Wissen hinter einer guten Aufnahme steht. Schaut mit den gleichen Bildern doch gleich ganz anders aus.


    Ergebnis meines Denkens: ...da schaue ich mir lieber Eure tollen Fotos an, bevor ich mich nochmal an die Kamera setze.


    Weiter so!

  • Hallo Winfried,


    Quote

    Argus` Ausarbeitung zeigt aber mal wieder ganz deutlich, welcher Aufwand und welches Wissen hinter einer guten Aufnahme steht.


    Manchmal ist auch der Weg das Ziel ...

  • > Manchmal ist auch der Weg das Ziel


    Das ist genau mein Kredo für die Astrofotografie :D
    Es ist spannend zu sehen, was man mit seinen Gerätschaften hinbekommt... Und das Basteln und Schrauben macht einfach immer Spaß ;-)


    > Es ist also ein Mix aus vielen Faktoren. Sind laengst noch nicht alle angesprochen.


    Die ALCCD5T ist sicher auch nicht erste Wahl zur Planetenfotografie. Wahrscheinlich hätte ich für ein paar Euro mehr schon etwas Gescheiteres bekommen... Bei der kameraeigenen Software QVideo kann man IMHO auch nur Gain und Belichtungszeit einstellen.
    Ich werde auf jeden Fall weiter herumprobieren. ..


    Herzliche Grüße, Mario

    --
    Teleskope: Celestron C8 (203/2032mm), TS Triplet APO (115/800mm), TS ED APO (90/500mm). Montierungen: Celestron CGEM, Celestron AS-GT.
    Kameras: Canon EOS 1000Da, ALCCD5T. Nachführung: Lacerta MGEN2.