Linse und Silikonkleber

  • Guten Morgen


    Wie ich vor einem Jahr in einem anderen thread geschrieben habe, 'leidet' mein Sky90 bei Temperaturen unter 10 Grad an Verspannungen, die sich in Form von sechseckigen Sternen zeigen.


    Auf Anregung von roadi, der seinen Sky90 diesbezüglich optimiert hat, habe ich nun auch mein Objektiv zerlegt.


    Ich muß nun wieder die Einzelinsen druck- und spannungsfrei mit einigen Klebepunkten in den Metallfassungen befestigen.


    Kann ich dazu Silikonkleber auf Azetatbasis verwenden oder greifen die Dünste beim Aushärten die Vergütung an?


    Zur Verfügung steht mir schwarzer Silikonkleber für Aquarien von Marina oder auch UHU MS POLYMER transparent.


    Tommy Nawratil hat vor Jahren auf Astronomie.de gepostet, er habe einen Fangspiegel mit UHU MS Polymer eingeklebt.


    Viele Grüße aus Graz,
    Johann

  • Ich möchte noch was nachtragen,


    die Frontlinse ist eine bikonvexe CaF2-Linse von knapp 94mm Durchmesser mit einer Randdicke von 4mm und sitzt in einem Aluminiumring.
    Die Hinterlinse ist eine plankonkave (eventuell leicht konvexkonkave) Flint-Linse von etwa 86,8mm Durchmesser, einer Randdicke von 13mm und sitzt in einem etwas stärkeren Aluring.


    Die Fixierung der Linsen war nicht deckungsgleich, die sechseckige Störung der Abbildung wurde aber hauptsächlich durch eine Linse hervorgerufen.


    Ich habe die Durchmesser der Aluringe bei Temperaturen von +17° und -18° gemessen und die Schrumpfung betrug etwa 0,1mm.


    Da also die Schrumpfung der Aluringe bei beiden ziemlich gleich war, habe ich jetzt eine Frage:


    Reagiert eine konvexe Linse mit dünnem Rand stärker auf punktförmige radiale Drücke als eine konkave mit dickem Rand?


    Das würde meiner Meinung nach bedeuten, daß das Problem nur an der Fixierung der Frontlinse lag.


    Kann mir bitte wer dazu was sagen?


    Viele Grüße,
    Johann

  • Hallo Johann,

    ich bin mir nicht mal sicher, ob Deine Fragen ein erfahrener Feinoptiker beantworten kann.
    Ich würde es auf jedem Fall mit dem Silikon-Kleber versuchen, aber mit kleinen Klebe-Punkten,
    die man zur Not wieder mit einem Cutter entfernen kann. Das Zentrieren dürfte das größere
    Problem sein. Glas reagiert auf Druck höchst empfindlich, egal ob es eine Konvex- oder Konkav-
    Linse ist. Es verhält sich wie Gummi.

    So wie sich Dein Text liest, sind weder Abstands-Plättchen noch Zentrierschrauben im Spiel,
    allerdings scheint jede Linse einen getrennten Alu-Ring zu haben, stimmt das denn? Und falls
    das so ist, wären beide Alu-Ringe in einem gemeinsamen Zylinder eingeschoben. Soll heißen,
    die Lagerung der Linsen bräuchte ich noch etwas ausführlicher.

    Bei Vermessen der vermutlich dünnen Ringe wäre auch noch aufs "Zusammen-Quetschen" des
    Ringes selbst zu achten, weshalb ich eine Dreipunkt-Messung mit einer Meßuhr vorziehen würde.

  • Hallo Wolfgang.


    Beide Linsen haben einen eigenen Aluring der einen etwa 0,1mm größeren Innendurchmesser hat.
    Darin liegen die Linsen auf einem Bund auf und sollen dann halbwegs zentriert fixiert werden.


    Der urprünglich vorhandene Kleber war relativ fest (es gab beim Herauskratzen Brösel) und jeweils an 6 Punkten in einer Breite von etwa 1cm vorhanden.
    Ob dieser Kleber auch in den kleinen Spalt zwischen Linse und Aluring gedrungen ist, ließ sich nicht feststellen, ich nehme es aber nicht an.


    Die Aluringe mit den montierten Linsen werden in die Objektivfassung eingeschoben.
    Der Linsenabstand ist fix durch die Dimensionierung der Ringe vorgegeben die einfach aneinander aufliegen.
    Die Hinterlinse sitzt bündig am Ende der Objektivfassung auf.
    Vor der Frontlinse sitzt noch ein schwarzer (Kork?)ring und dann kommt die Verschraubung mit der die Linsen axial fixiert werden.


    Die Aluringe haben in der Objektivfassung ca. 0,3mm Luft und die Zentrierung und Kollimierung erfolgt jetzt durch die in der Objektivfassung vorhandenen neun Inbus-Madenschrauben (M3), wobei die Hinterlinse mit 6 und die Frontlinse mit 3 Schrauben justiert wird.


    Die Aluringe sind keine dünnen Blechringe sondern gedrehtes Alu mit Wandstärken von 1 bis 6-8mm, verbiegen sich also nicht, lassen sich aber natürlich durch zu festes Anziehen der Madenschrauben beim Kollimieren deformieren, was man vermeiden muß.


    Im Vergleich zum ursprünglichen Kleber sind die von mir in Betracht gezogenen Silikonkleber sehr elastisch, wobei der Aquarienkleber noch weicher als der von UHU ist und daher noch weniger Druck vom schrumpfenden Aluring auf die Linse übetragen dürfte.
    Bedenken habe ich hier nur wegen der Ausdünstungen beim Aushärten, ob die Vergütung der Linsen leiden könnte.


    Liebe Grüße und Danke für Dein Interesse,
    Johann

  • Hallo Johann,


    wegen dem Kleber solltest Du sehr vorsichtig sein!


    Wir haben über 100 verschiedene Kleber auf Ausgasung beim härten getestet, und nur sehr wenige Kleber haben keine "Ausblühung"! Die meisten Kleber, auch der Silikonkleber, erzeugen eine Schicht bei der Aushärtung auf den Oberflächen.


    Ein UV-Kleber (wie sie der Zahnarzt verwendet) wäre hier die richtigere Wahl. Wir haben uns, für unsere Justierarbeiten, einen eigenen UV-Kleber entwickeln lassen, der keine Ausdünstung besitzt.


    CS und Grüsse!


    Karl

  • Hallo Karl,


    danke für Deinen Hinweis.


    Es ist für mich aber schwer - so wie Du sagst, habt Ihr über 100 verschiedene Kleber getestet - so einen passenden hochelastischen UV-Kleber zu finden.


    Ich werde wohl einen 08/15-Kleber verwenden müssen.


    Viele Grüße,
    Johann

  • Hallo Johann,
    Du kanst ruhig die silicon kleber brauchen, da passiert nichts mit die linsen, selbstverständlich solste mann klebstoff direkt auf der linsenfläche vermeiden aber solte es passieren kanst du dies mit Acetone reinigen. Die vergütung der linsen sind sehr robust.


    Ich habe jede linse 24 stunden ausgasen gelassen und nachher die linse wieder in der fassung eingebaut.
    Viel erfolg und Grüse
    Rodi

  • Übrigens, ich habe auch bei zwei Newtons die sekundärspiegel mit dieser klebstoff fest an seiner base geklebt und einer selbst gebauter Zenit spiegel auch mit dieser klebstoff das spiegel fest geklebt und funktioniert seit 5 jahre bis heute noch einwandfrei.

  • Hallo Rodi,


    ich habe gestern die Linsen mit dem schwarzen Silikonkleber von MARINA geklebt.
    Dieser Kleber bleibt deutlich elastischer als der von UHU und so hoffe ich, daß sich von den Aluringen keine Spannungen mehr auf die Linsen übertragen werden.


    Ich lasse das Ganze jetzt noch ein paar Tage 'ausdünsten' und baue dann wieder alles zusammen.
    Nach dem Kollimieren werde ich wieder berichten.


    Vielen Dank für Deine Unterstützung,
    Johann

  • Hallo Rodi,


    der Sky90 ist wieder komplett und am künstlichen Stern kollimiert.


    Es schaut gut aus aber getestet bei +16°, da hat's schon früher auch gepaßt.


    Ein Test an Alcaid und Polaris bei +5° war nicht aussagekräftig, das seeing war zu schlecht.


    Viele Grüße,
    Johann

  • Hallo Johann,
    Freuhe mich das es so weit gut gegangen ist. Meiner Sky90 hatte auch bei +5 grad eine sechs eckige difraktions muster gezeicht auch am niedrige vergröserung voher der modifisierung! Freuhe mich für dich und hoffe das deiner Sky90 auch ins minusgrad perfekter sternbild zeigt! :)


    Höhre gerne mehr von deiner erfarung und erlebnis mit deiner modifisierte Sky90


    Viele Grüse
    Rodi

  • Hallo Rodi,


    im Nachhinein betrachtet war das Ganze keine Hexerei nur vorher wußte ich nicht, was mich beim Zerlegen des Objektivs erwartete.


    Ich muß noch testen, ob sich die Linsen in den Aluringen nicht verschieben können, denn der Silikonkleber ist wirklich sehr elastisch.
    Da die Linsen ja durch die Verschraubung achsial fixiert werden, könnte sich eventuell durch die Reibung der Linsenränder an den Andruckflächen beim Kollimieren eine radiale elastische Verschiebung der Linsen in den Aluringen ergeben.


    Falls das der Fall ist, werde ich den Kleber gegen einen weniger elastischen tauschen.


    Beim Zerlegen habe ich die Lage der Linsen zueinander markiert aber nach dem Ausbau konnte ich keine fabrikseitige Markierung finden.
    Und so nehme ich an, daß die Linsen rotationssymmetrisch sind und durch den großen Luftspalt von fast 1cm gar nicht so empfindlich gegen Verdrehen sind.
    Also möchte ich probieren, ob sich ein Verdrehen der Linsen zueinander überhaupt negativ auswirkt.


    Wie gesagt, meine Scheu vom mir zunächst unbekannten Aufbau der Optik ist verschwunden, sodaß ich keine Bedenken habe, solche Versuche zu machen.


    Viele Grüße,
    Johann