Herschelprisma, Astrosolarfolie und Glasfilter

  • Hallo Spechtler,


    gestern haben Freunde aus der Sternwarte und ich mal eine kleine Sonnenbeobachtung nebst Grillabend durchgeführt. Dabei kam es dann zu einem Vergleichstest von Herschelkeil, Astrosolarfolie und Glasfilter. Der Herschelkeil war von Baader und lag in der fotografischen Variante vor, die Astrosolarfolie natürlich auch von Baader lag als visuelle ND5 vor und der Glassonnenfilter war ein älterer Astrocom-Filter. Als Teleskope standen ein Skywatcher Startravel 120/600, ein TS Individual 102/1100 und ein edler Takahashi TSA 102/816 zur Verfügung. Da der Sonnenfilter aus Folie aber nur auf den Indi 102 passte, bleibt der objektive Vergleich leider auch nur auf dieses Gerät beschränkt. Als Okulare kamen ein 13,4mm Speers Waler und ein 13mm Nagler zum Einsatz. Nun aber los.


    Nach dem Aufbau der Teleskope haben wir natürlich erstmal jeder durch jedes Gerät geschaut, aber interessanter Mittelpunkt war natürlich der 4" Takahashi mit dem Herschelprisma. Hier konnte ich durch das 13er Nagler auch erstmal eine sehr schöne Granulation der Sonne nebst sehr scharfen Sonnenfleckengruppen beobachten. Zeitgleich hatte ich mein 13,4er SW in meinem Indi 102 und konnte dort ebenfalls sehr scharf aber etwas dunkler (kleinere AP) die gleichen Details ausmachen. Die Vermutung, dass das Herschelprisma einen Zacken besser abbildet sollte kurz darauf geprüft werden. Hierzu nahm ich das Herschelprisma und setzte es an meinen 4" Indi. Im Vergleich zur Astrosolar, die ebenfalls eine sehr gute Schärfe zeigte, kam hier die Granulation einen zacken knackiger/deutlicher rüber. Die Sonnenflecken kamen in beiden gleichgut und zeichneten sehr fein - die kleine Insel von Minifleckchen machte den gleichen feinzeichnenden Eindruck in beiden Varianten.


    Ich habe dann noch das 13,4er SW gegen das 13er Nagler antreten lassen und konnte hier nicht wirklich einen Unterschied feststellen - beide Okulare bilden auf sehr hohem Schärfeniveau ab. Manchmal kam mir das Nagler einen kleinen Tick kontrastreicher vor - zu sehen an kleinen Fleckengruppen mit deutlichen kleinen Flecken, die sich im Nagler eine Spur dunkler abhoben. Zusätzlich zu diesem Vergleich konnte ich dann noch durch ein orthoskopisches Okular von Baader schauen und muss sagen, dass dieses eine noch etwas bessere Schärfe aufwies als das Nagler. Die Granulation kam beim Ortho noch eine Nummer deutlicher rüber und das deutlich kleinere Bildfeld störte in diesem Beobachtungsfall nicht wirklich - wozu gibt es schließlich Nachführungen.


    Nun noch was zum Glassonnenfilter von Astrocom. Dieser hat eine freie Öffnung von 110mm und ist aus dem Jahre 1996. Er passte nicht so wirklich auf die taukappe des 102er Indi und hing da gefährlich locker rum. Da mir und den Anderen unser Augenlicht aber zu wichtig ist, haben wir nur kurz prüfend durchgeschaut - einer stand immer am Objektiv und überwachte den Filter auf Sitz. Man konnte im Glasfilter eine nett gelblich anmutende Sonne sehen. Der Schärfegrad war nicht ganz der der Folie oder des Prismas, aber das Bild wirkte angenehm. Sonnenflecken und Granulatione wurden ebenfalls gezeigt, aber die Granulation nicht ganz so deutlich. das bild war ein Nummer dunkler als mit der Astrosolarfolie, obwohl der Glasfilter ND5 hat. Dies könnte seinen Grung aber auch in der gelblichen Sonne haben.


    Nun noch was zum 120/600er. Hier ergab sich leider ein Problem mit der Fokuslage bei Verwendung des Herschelprismas. Mir fehlten da schätzungsweise ein knapper Zentimeter Fokuswegg nach innen, so dass ich leider auch nicht durch Herausziehen des Okulares korrigieren konnte. Dieser Zentimeter entstand schon beim 13er Nagler, bei meinem 13,4er SW sah es noch schlimmer aus, dieses Okular eine besonders hohe Fokuslage hat - hier ist wohl noch ein Umbau meinerseits erforderlich, denn ich werde mir definitiv (was auch immer das jetzt heißen soll) das Herschelprisma kaufen.


    Eine Frage habe ich dann auch gleich zum OAZ. Kann mir da jemand einen tipp geben, welcher denn gut zum 120/600 passt? Ich will dann ja auch mit dem Kurzen mal Sonnenübersichtsbeobachtung spielen mit Herschelprisma - mit Astrosolarfolie macht er sich da jedenfalls gut.


    PS: Habe diesen Beitrag erstmal hier reingestellt, da er im Optiktest wohl nicht so ganz passen würde. Falls sich das Ganze mehr nach Beobachtung liest, kann das hier auch gern entsprechend verschoben werden.



    Sternklare Grüße
    Alko

  • Hallo Alko,


    eine schöne Zusammenfassung hast Du da geschrieben. Vor allem finde ich es gelungen, wenn
    mehrere Optiken, Filter und Astro's sich gemeinsam treffen.


    Ich möchte noch kurz meine Erfahrungen dazu mit einbringen. Die Sonne beobachte ich schon
    länger im Weißlicht. Aus meiner Sicht, ist der Herschelkeil und die Folie bis ca. 60 fache Vergrößerung gleichwertig.
    Erst ab einer höheren Vergrößerung ist der Herschelkeil den besagten Tick besser, was natürlich auch abhängig von der Optik ist.


    Wenn ich zum Beispiel auf meine 10" f/6,3 Newton die Baaderfolie stülpe, brauche ich auf den
    parallel montierten 115/805 TMB den Baaderherschelkeil erst gar nicht montieren.
    ( Hubraum statt Spoiler )
    An das beste Sonnenbild, ausser einer Sofi, fällt mir das Bild ein das ich in Brandenburg auf
    einem Teleskopetreffen gesehen habe:
    Der 1 m Dob von Herrn Hensgen mit voller Öffnung (dürfte der Filter aus der Baaderwerbung sein) mit einem Großfeldbino.
    Ich hatte das Gefühl zwischen den Granulen einzutauchen, einfach irre!!
    Daneben stand ein 140er coronado h-alphafilter der nicht annähernd so begeisterte.
    Das Ganze kurz vor Sonnenuntergang.


    Generell bevorzuge ich die Sonne nach Sonnenaufgang, nur mit Bino und hochwertigen Ortho's / Plössel Okularen.


    Ich hatte mal vor Jahren, mit dem damaligen 105er TMB, die Venus mit einem Zeissprisma
    und einem 12er Nagler angeschaut, welch ein Farbspiel-unglaublich. Nach dem Tausch gegen
    ein Maxbrightzenitspiegel und einem Genuine Ortho war die Venus wieder schneeweiß.


    Ich wünsche Euch noch weitere schöne Beobachtungen nebst Grillfeschdle.
    Gruß und CS,
    Mike

  • Hallo Alko,


    danke für den ausführlichen Bericht.
    Der Herschelkeil wird wohl meine letzte Anschaffung sein (müssen...).


    Zum 120/600 Richfielder:
    Hier habe ich bei TS einen Art Steeltrack bestellt. Der paßt zu 100%, man löst die Schrauben, zieht den alten heraus, steckt den neuen rein, Schrauben rein und fertig ist`s!


    Der hauseigene TS Steeltrack (nicht der Baader) ist meines Erachtens für den billigen Richfielder ausreichend. Der Original war mir für das Gerät zu teuer. Vorteil: ich kann sogar höher vergrößern, da der Auszug nun nicht mehr kippt!
    Nachteil: Die Genauigkeit und Leichtläufigkeit richtet sich nun mal am Preis aus. Will sagen, er ist erheblich besser als der Originale, reicht aber an den Baader nicht heran. Für mich und das entsprechende Gerät aber eine ausreichende und preiswerte Qualität. An den Tak würde ich ihn aber nicht machen...

  • Hallo Mike, Dominique und Winfried,


    freut mich, wenn mein kleiner Bericht was Interessantes für euch zu bieten hatte. Letztes Wochenende hatten wir einen weiteren Grillabend. Diesmal schien aber weder die Sonne, noch leuchteten uns die Sterne - ich denke ihr kennt die derzeitige Ursache nur zu gut selbst. Wir haben uns dann mit ein paar Holzfällersteaks, Rinderfilets, Würstchen und den dazu passenden Bieren erfolgreich darüber hinweggetröstet - dieses Wochende steht allerdings der nächste astronomische Versuch an.


    =>Mike: Ich finde deinen Bericht schön zu lesen kann mir denken wie fasziniert du in den Meterspiegel geschaut hast - hatte so ein Erlebnis allerdings noch nicht. Was deine Erfahrung mit "Newton vs. Linse" an der Sonne angeht, da habe ich leider andere Erfahrungen gemacht. Bei mir zeigte sich immer eine höhere Seeinganfälligkeit im größeren Newton als im kleineren FH. Die höhere Auflösung im Newton will ich schon gerne nutzen, aber irgendwie macht er sich schlechter am Tage bei der Luftunruhe - ich beobachte aber auch um die Mittagszeit, was ein Grund sein wird.


    =>Dominique: Wir hatten folgende Filter vor das Prisma gesetzt: ND3, ND0.9 mit und ohne zusätzlichen SC. Normalerweise wird der ND0.9 ja nicht zusätzlich genommen, aber Michael und mir ist das Bild sonst ein wenig zu grell - wir als Norddeutsche Höhlenbewohner scheinen da ein bißchen empfindlicher zu sein :cool:
    Den besseren Kontrast hatten wir natürlich mit Sc. Aber egal ob mit oder ohne, der HK war der Folie überlegen - der Unterschied war klein aber nicht zu fein. Man sah den Unterschied hierbei weniger in der Schärfe, sondern eher im Kontrast. Wobei HK und Folie dicht beieinander lagen. Beobachtet wurde wie schon gesagt mit Nagler13, SW13.4 und Ortho12.5 am 4" Indi f/11 und 4" Tak f/8.


    =>Winfried: Ist es dieser OAZ hier? http://www.teleskop-express.de…0-Micro-Untersetzung.html
    Falls ja, dann werde ich auch darauf noch ein Weilchen sparen müssen. Es wird aber zu einem Austausch kommen, da ich den mittlerweile von mir mit Klebeband getunten Original-OAZ bei dann anstehender Sonnenbeobachtung nicht wirklich brauchen kann. Es sei denn, man kann statt des schwarzen Endstückes ein kürzer bauendes Klemmstück für ZS/Okulare installieren - abschraubbar ist es jedenfalls.


    Sternklare Grüße
    Alko

  • Hallo Alko,


    nein, es ist dieser hier:
    http://www.teleskop-express.de…her---Anschluss-96mm.html


    Etwas besser und sofort adaptierbar, da der Anschluß genau für den 120/600 passend ist, auch die Bohrungen für die Anschlußschrauben.
    Eine Bemerkung noch: Für das Ethos 13mm etwas zu kurz, man muß das Okular als 1-1/4" etwas harausziehen, mit dem 2" auf 1-1/4" Adapter geht es aber. Der Adapter hat bei mir allerdings kein Filtergewinde.

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    =>Dominique: Wir hatten folgende Filter vor das Prisma gesetzt: ND3, ND0.9 mit und ohne zusätzlichen SC. Normalerweise wird der ND0.9 ja nicht zusätzlich genommen, aber Michael und mir ist das Bild sonst ein wenig zu grell - wir als Norddeutsche Höhlenbewohner scheinen da ein bißchen empfindlicher zu sein :cool:
    Den besseren Kontrast hatten wir natürlich mit Sc. Aber egal ob mit oder ohne, der HK war der Folie überlegen - der Unterschied war klein aber nicht zu fein. Man sah den Unterschied hierbei weniger in der Schärfe, sondern eher im Kontrast. Wobei HK und Folie dicht beieinander lagen. Beobachtet wurde wie schon gesagt mit Nagler13, SW13.4 und Ortho12.5 am 4" Indi f/11 und 4" Tak f/8.


    .........


    Hallö,


    besserer Kontrast bring ansich auch sub. bessere Schärfe mit sich - nach standardoptischen Gesichtspunkten, räusper. Habe das auch gerade aktuell mit 4 Ferngläser die ich getestet habe festgestellt. Leici/Swaro/Viktory/Kowa. Das kontrastreichste hatte auch die beste Schärfe.


    Gut wie auch immer. Einen kleinen aber nicht feinen Unterschied , dass musste mir noch erklären ;)
    meine Erfahrung und das Thema 3 Filter im Baader mal für die Gegenüberstellung.
    Das wichtigste ist aber nach meinen Erfahrungen - das Seeing muss stimmen, dann spielt der HK erst mal seine in ihm steckenden Stärken aus - leider zu wenig, bei dem Wetter.

  • Moin Alko,


    mit weniger Sparen tut es dieser hier:
    http://www.teleskop-express.de…zug-fuer-Refraktoren.html


    Diese habe ich an meinen 120/600 geschraubt. Er ist viel besser als der originale und fürs visuelle Arbeiten völlig ausreichend. Schwere Kameras trägt er aber nicht sauber genug. Als Bonus behältst du die Klemme für den Sucher, alles passt wie vorher.
    Genau genommen sollte Wolfi gleich diesen Auszug dranschrauben. Das Originalteil trägt einen 2-Zoll-Zenitspiegel+ 2 Zoll-Okular überhaupt nicht. Er verkantet und verklemmt, uns schließlich rutscht das Rohr aus der Zahnstnege: Genau das, worüber man im Dunkeln in Begeisterung verfällt.