Skywatcher Newton 200/1000 - Firstlight

  • Hallo Leute,


    ich hab nun Jahre später das getan, was ursprünglich statt des Skywatcher Newton 150/750 angedacht war. Ich habe mir den Skywatcher Newton 200/1000 zugelegt. Das Ganze ging als Austausch mit Wertausgleich gegen meinen 254/1200 Flextube über die Bühne. Nicht dass ich die größere Öffnung des 10" Dobson nicht zu schätzen wüsste, aber bei meiner unmotorisierten Lebensweise und dem doch recht hellen Stadthimmel hatte ich sein Potential zu wenig ausgenutzt - Fotografieren ging damit außerdem auch nicht wirklich.


    Nun gut, also musste der 8" f/5 her und auf meine EQ5 drauf. Als dies geschehen war, kamen natürlich auch gleich gratis ein paar REGENTAGE ins Haus geflattert - also hieß es noch ein wenig abwarten und Tee trinken und alles wird ja bekanntlich gut.


    Am 05.07.2011 war es dann endlich soweit, der mächtige 8" f/5 Newton tronte auf der EQ5 und erwartete schon ab 18 Uhr den spätabendlichen Sternenhimmel. Bis dahin wurde erstmal neugierig der gerademal 5 Tage alte Mond beäugt. Trotz Tageslicht waren auch hier schon ein paar nette Andeutungen bzgl. Kraterbildung zu sehen, aber mehr eben noch nicht.


    Da der Mond am Tage nicht allzuviel hergibt, machte ich mich nochmal an die Prüfung der Kollimation. Mit Photodose und Justierlaser wurde der Fangspiegel nochmal gründlichst auf Position gebracht und auch der Hauptspiegel wurde auf die optische Achse des OAZ eingewiesen. Als dann alles soweit fertig war, suchte ich die Handsteuerbox für die Erdachse, fand diese aber nicht - nagut, dann musste ich eben warten bis es aus ganz natürlichen Gründen dunkel wurde.


    Gegen 23 Uhr war es dann endlich soweit - man konnte einzelne helle Sterne erkennen. So peilte ich erst einmal das Sternbild Herkules an - ist zwar nicht das hellste, aber irgendwie fand ich's. Hier findet sich ja bekanntlich der sehr helle Kugelsternhaufen M13, welcher gleich das erste Aufsuchobjekt im Deepsky werden sollte - wie passend für den 8" f/5. um Aufsuchen kam als Okular vorerst das 17mm Hyperion zum Einsatz. Der Kugelsternhaufen offenbarte sich darin dann zwar nicht als großes, aber dafür als sehr kontrastreiches Objekt, bestehend aus vielen kleinen Pünktchen. Nach kurzer Beschau probierte ich aus heiterer Expermentierfreude und wohl wissend, dass dies ein wenig zuviel des Guten sein könnte das 3,5mm Hyperion aus.
    Hier zeigte sich bei noch nicht ganz dunklem Himmel zwar ein sehr aufgelöster M13, der aber auch noch deutlich an Kontrast vermissen ließ. Aus letzterem grunde kam nun das 5-8mm SW Zoom zum Einsatz. Hier war ich erstaunt, dass das Bild im 3,5mm Hyp besser aussah, was aber wohl auf die weniger abgedunkelte Himmelshelligkeit im SW zurückzuführen ist. Dies ist wiederrum bedingt durch die etwas geringere Vergrößerung. Bei dunklem Himmel wäre das SW Zoom vermutlich perfekt gewesen, zeigte es doch schon in der Vergangenheit seine Stärken an derartigen DS-Objektigen am 150/750 und am 254/1200.
    Aus mangelnden Beobachtungsgründen aus meiner Hinterhofposition heraus und der derzeitigen Planetenarmut in der Dunkelheit blieb ich vorerst noch an M13 kleben. Hier genoß ich regelrecht das seit längerer Zeit vermisste Gefühl des ruhigen Beobachtens dank Nachführung. Es reichte deshalb auch das wGF des 3,5mm Hyperion vollends aus, um den Kugelsternhaufen bildfeldfüllend zu präsentieren. Inzwischen war es dunkel genug und ich konnte den Anblick wirklich genießen - an das 5-8mm SW Zoom dachte ich wohl deshalb garnicht mehr und es kam deshalb nicht mehr zum Zuge.
    Der prickelnden Auflösung wegen und ebenfalls der scheinbar gut gelungenen Nivellierung und Einnordung wegen kam mir der Gedanke an die Fotografie des Kugelsternhaufens - wo ich doch schon mal da war. Hierzu kam jetzt die DMK21 zum Einsatz und sie wurde an den originalen f/5 des newton betrieben. Ich machte ca. acht Filme zu je 20 Bildern und variierte nur die Belichtungszeit. Die bisher besten Ergebnisse kamen mit 2,4 Sekunden Belichtungszeit und Gain 1023 bzw mit 5,7 Sekunden bei gain 900 heraus.
    Als das Akku des Netbooks auf Grund von mittlerweile einigen Tausend Ladevorgängen ans Ende seiner stark verminderten Laufzeit kam, ging ich vorübergehend zur Beobachtung von M57 über.
    Hier kam erst wieder das 17er Hyperion zum Zuge und darin zeigte sich der Ringnebel recht kontrastreich in seiner typischen Zigarrenkringelform. Ich genoß das eine gewisse Zeit, holte dann aber das inzwischen auf 46% nachgeladene Netbook raus(ja, soweit runter ist das Akku nun leider schon) und wendete mich wieder der Fotografie zu. Hier machte ich zwei Aufnahmen - eine mit nur einer Sek. Belichtungszeit und eine mit ca. 4 Sekunden bei Gain 1023. Als die zweite serie im Kasten war, ging prompt die Ladung meiner Akkus der Nachführung zu Ende - Glück gehabt, dass das nicht früher passierte.
    Was will man da machen außer noch ein bißchen M57 zu spechteln. Also probierte ich auch hier mal mutig das 3,5mm Hyperion aus - es war etwas grenzwertig. Der Ringnebel ließ sich zwar scharfstellen Dank 1:10 Untersetzung, die bildhelligkeit war aber etwas zu gering für meinen Geschmack - war bei 0,7mm AP auch nicht anders zu erwarten. Ich denke, dass hier das 5-8mm SW Zoom die ideale Besetzung wird und freue mich schon auf die nächste klare Nacht. Ich packte dann nach ein paar Minuten des Ringnebelbeäugens zusammen und beehrte das Kopfkissen. Die Restnacht wurde sowieso kurz, da ich schon um 5:45 MESZ wieder raus musste - aber es hat sich gelohnt und ich bin angefüttert für eine etwas ausführlichere Spechtelnacht mit deutlich mehr Objekten.


    Dies war nun mein Firstlight mit dem 200/1000 Newton von Skywatcher. Um es abzurunden habe ich hier noch ein technische Details zum Gerät selbst.
    Der Newton sollte im Januar laut Vorbesitzer ca. 299,-€ gekostet haben. Er hatte auch keine 1:10 Untersetzung dran und von daher vermute ich, dass es das Modell mit dem 52er FS ist. Ich habe aber mal nachgemessen und der FS hat satte 56mm kleine Achse (die reine Spiegelflächenbreite). Um das fotooptimierte Modell kann es sich aber auch nicht handeln, da dieses mit 58mm FS beworben wird. Ich folgere daraus mal, dass die Aufteilung in Foto-Newton und Planeten-Newton erst nach Januar 2011 passierte. Ich bin auch ganz glücklich darüber, da ich sowieso lieber einen etwas größeren FS bevorzuge - mir ist hier die Ausleuchtung wichtiger als die angeblich bessere Kontrastleistung bei kleinem FS. Ich konnte dies in der Vergangenheit selbst erfahren, da ich meinen alten 150/750 Newton mit einem 50mm FS von Orion UK ausgestattet hatte. Damit hatte ich satte 33% lineare Obstruktion statt der 30% mit dem original FS von 45mm. Ich hatte mit dem neuen FS einwandfreie Fotoergebnisse und auch die visuelle Beobachtung zeigte keine negativen Auswirkungen eines etwas größeren FS.
    Zur Größe des HS ist zu sagen, dass Skywatcher (oder besser Synta) da großzügig ist. Hier bekommt man echte 8", also 203mm statt der beworbenen 200mm geliefert. Das bringt vielleicht nicht viel, aber immerhin ein bißchen mehr Licht in den Fokus. Die Abbildungsqualität kann ich zwar noch nicht genau einschätzen, aber M57 sah im 3,5mm sehr ansprechend aus und M13 zeigte eine sehr beeindruckende Auflösung. Die Lichtsammelleistung liegt logarithmisch betrachtet auch näher beim 254er als beim 150er - mit denen ich diesen 203er mal vergleiche. Ich glaube ich werde mit diesem Gerät noch viele schöne Beobachtungen anstellen.


    Hier sind noch die Aufnahmen, die ich den Abend mit dem Newton gemacht habe.





    Sternklare Grüße
    Alko

  • Hallo Alko,


    Gratulation zum first light und natürlich auch zu den Aufnahmen. Grandios, was man mit dieser Kamera erreichen kann, das schaut ja schon fast professionell aus!. Speziell M13, den habe ich in diesen Kameras schon erheblich schlechter gesehen, bedenkt man, daß die ja eine Planetenkamera ist.


    Mache weiter so, Dein Bericht liest sich sehr interessant und spannend!

  • Moin Alko,


    toller ausführlicher Bericht, vielen Dank dafür und die Ergebnisse finde ich sehr ansprechend. Vor allem das Setup finde ich interessant, da ich ja plane, Schritt für Schritt den steinigen Weg der Astrofotografie zu gehen. Und Deine beiden Fotoergebnisse finde ich richtig gut. Im Moment bin ich noch beim manuellen Guiden mit Fadenkreuz und Kreuzschmerzen, doch der nächste Schritt, Webcam und Notebook sind bereits in der Planung.


    Viele Grüße
    Jo

    Meade 8" ACF
    GSO Newton 150/900
    William Megrez 72 f/6 Doublet APO mit 2" DDG Linear Auszug
    VIXEN VMC 110L
    Skywatcher Refraktor 80/400 FH


    Bino: 2xHR3 2xTSSWM6 2xTSSWM15 2xTSED25 mit Baader Maxbright Bino


    1,25" Okulare: Pentax XW5 XW10 XW20
    2,00" Okulare: Meade QX25mm Baader Hyp31mm Hyp36mm WAE50 Erfle


    Montierung HEQ5 GoTo

  • Hallo Winfried und Jo,


    vielen Dank für eure netten Kommentare. Ist immer schön, wenn's gefällt.


    Die Kamera ist natürlich eher in Richtung Planetenfotografie orientiert. Dafür spricht die recht hohe Bildübertragung von 60 FPS, welche erstens durch den kleinen Chip (640*480) und zweitens durch die Beschränkung auf 8 Bit Helligkeitstiefe bei der Übertragung erreicht wird - intern hat sie 10 Bit. Die Chipgröße reicht hier für Kugelsternhaufen und Galaxien sowie planetarische Nebel noch locker aus, wenn man bei f/5 bleibt und so etwa bis 8 oder 10" rechnet. Die 8 Bit zeigen aber schon eine gewisse Eingrenzung des Dynamikumfangs zwischen Schwarz und Weiß. Das sehe ich dann auf den DSLR-Fotos, die in den einschlägigen Foren von den Usern gepostet werden. Hier sind die 12-, 14- oder gar 16Bit Kameras ganz klar im Vorteil - brauchen aber auch relativ lange für die Bildübertragung. Ich werde wohl noch viel Spaß mit der kleinen DMK21 haben und freue mich schon auf den Jupiter - im Vorfeld werde ich aber erstmal Neptun und Uranus abfangen.


    Sternklare Grüße
    Alko