Chesire am SCT?

  • Hallo Leute,


    laut Suiter kann man mit einem Cheshire Hinweise über die Qualität der optischen Ausrichtung der Komponenten an einem SCT erhalten. Ich habe mir das Thema mal angeschaut und
    dabei den Staubdeckel auf dem SCT gelassen. Dadurch entsteht eine weitere Reflexionsfläche.


    Zur Beobachtung:
    1. Der Fangspiegel ist zentrisch (und auch kollimiert).
    2. Es entsteht eine blaue Reflektionsfläche (blau) auf der Rückseite der Schmidtplatte (im Tubus) die stark Off-Axis ist.
    3. Das Teleskop wird über den Hauptspiegel fokussiert / folgende Beobachtungen
    3.1 Mit der Fokussierung des Hauptspiegels verkleinert sich die Reflektion und wandert diagonal von rechts unten nach links oben (Verkippung des Hauptspiegels?! Des Blendrohres?) und wird dabei kleiner
    3.2. Während der Fokussierung gibt es einen Fokuspunkt zu dem die Reflexion die komplette Schmidtplatte überdeckt.


    Frage an die Optik-Experten?
    1. Ist das Cheshire für die grobe Überprüfung der Ausrichtung der optischen Komponenten geeignet? Laut Suiter kann sie Hinweise über ein Mislignment liefern.
    2. Ist bei kollimiertem Fangspiegel mit einer Verkippung des Hauptspiegels zu rechnen, wenn die Reflexion derart über das Gesichtsfeld wandert?
    3. Ist der Fokuspunkt (aus 3.2) zu dem die Reflektion die Schmidtplatte genau überdeckt auch gleichzeitig ein Hinweis darauf, daß in diesem Bereich die geringste sphärische Aberration zu suchen ist?


    Vielen Dank schonmal für Euren Input. Da ich mein ACF umbauen möchte, wäre das Chesire für mich eine mögliches Werkzeug um zumindest die Grobjustage durchzuführen.
    Frage 3 beschäftigt mich schon ziemlich.


    Vielen Dank Euch und viele Grüße,
    Gerrit

  • Hallo Gerrit,

    bei der Zentrierung eines katadioptrischen Systems (u.a. SC-System) ist der Hauptspiegel das größere Problem: Der muß exakt auf den
    Fangspiegel gerichtet werden. Wie überprüft man das am sichersten:

    Am einfachsten wäre ein Abrollverfahren zwischen dem Okluar-Auszug und der Fangspiegelhalterung, die in den meisten Fällen ebenfalls
    aus einer zentralen Bohrung besteht.

    Demzufolge muß der Okularauszug, die Hauptspiegel+Lagerung und die Fangspiegel+Lagerung möglichst exakt auf der opt. Achse sein.
    Die lagert man dann am OAZ und vorne am Fangspiegel, und prüft/zentriert den Hauptspiegel mit einem Laser.
    Wie das geht, habe ich unlängst ausführlich beschrieben.

    GSO 8" RC - Hauptspiegel-Zentrierung über Laser-Beam Laser Pointer, 8-inch GSO RC Abrollverfahren

    Gib mir doch mal ein paar Daten zum ACF: ist es ein 16"-Tubus und vom Stefan?

  • Hallo Wolfgang,


    herzlichen Dank für Dein Feedback. Es ist ein ACF 14". Wie siehst Du meine Beobachtungen? Reflektion in der Schmidt-Platte?


    Ich halte die Befestigung des ACF Hauptspiegels nicht gerade hinreichend, um das Problem dauerhaft zu lösen. Gerade schwere Meade SCT Systeme scheinen hier problematisch zu sein. Weiter habe ich den Verdacht, daß das Fett zwischen Mainbaffle und Hauptspiegel im Sommer nicht unbedingt dafür sorgt, daß der Hauptspiegel zentriert bleibt. Hier muß man unbedingt nach einer besseren Lösung suchen.
    Ich werde heuten och ein paar Links hier hin posten, die ich gefunden habe oder Dir per PN schicken. Dann kannst Du dir ein Bild von der schlechten Mechanik machen.


    Ich überlege, die optischen Komponenten in einen anderen Tubus mit fixer Hauptspiegelzelle einzusetzen. D.h. ich müßte beim Design drauf achten, daß man das Abrollverfahren einsetzen kann.


    Viele Grüße,
    Gerrit

  • Moin,
    mein 16" ACF ist an einen versierten Instandsetzter gegangen, der schon erfolgreich ein 16" SC gerichtet hat. Wie vermutet, sitzt bei meinem ehemaligen Gerät der HS schief auf der Achse, und zwar um ca. 15mm. Da kann man vorne drehen was man will....
    Wer das allerdings verbockt hat, ist nicht mehr nachzuvollziehen.


    Das war jetzt halb OT, aber ich konnte nicht anders...


    Und nein, ich bohre hier nicht weiter nach, für mich ist der Fall erledigt.

  • Hallo Stefan,


    die oben genannten Fehlerquellen reichen nicht für 15 mm. Aber meine Recherchen habe ergeben, daß die große SCT's von Meade hier große Mängel in der Mechanik haben. Es geht mir auch nicht mal so sehr um Dein ACF - obwohl es ein weitere Hinweis ist. Die lange Auskühlzeit der großen SCT's ist einfach inakzeptabel.
    Dennoch danke für den Hinweis.
    Grüße,
    Gerrit

  • . . . ich bohre auch nicht weiter :dots:

    derjenige, der das farbikneue Gerät "durchgeschleust" hat und später ein "Gutachten" auf der Basis eines anderen Gerätes erstellt hat, hat die Sache erst einmal gründlich verschleiert. Damit war keine Kontrolle mehr möglich, in welchem opt. Zustand das Teil überhaupt ausgeliefert worden war. Die Änderung an der Fangspiegeleinheit hat mit dem Hauptspiegel nichts zu tun, der einen herrlichen Astigmatismus produziert:



    Nun bin ich immer davon ausgegangen, daß das Gerät einigermaßen in Ordnung sein müßte. Deshalb, und aus Gründen der Gewährleistung, habe ich den Hauptspiegel in Ruhe gelassen, um den Freunden vom Verkauf nicht zusätzliche (willkommene) Argummente frei Haus zu liefern: Weil meinen Messungen glauben die natürlich nicht, dafür verkaufen die die SC's, wie andere ihre Brötchen.

    Genau deswegen hätte ich es immer für richtig gehalten, diesen Hersteller/Lieferanten nicht aus der Pflicht zu entlassen, für ein ordentliches Gerät zu sorgen, und dabei ihre Qualitäts-Vorstellungen offenzulegen. Die Chance ist leider vertan. Und damit business as usual.

  • Hallo Gerrit,


    Wolfgang hat den Hinweis gegeben. Alles muß genau auf der optischen Achse liegen.
    Ganz einfach (grob) prüfen kannst du den Hauptspiegel zunächst mit einem Laser-Kolli. Halte ihn auf den Rand der Schmidtplatte an vier Stelle (90 Grad versetzt). Der jeweilige Punkt müsste an den gleichen Stellen im Fangspiegel als Reflektion zu sehen sein.


    Etwas genauer folgt jetzt:
    Wenn du nur deine Schmidtplatte und den Fangspiegel zentrieren willst, prüfe zunächst mit einem Laserkoli durch den OAZ bei ausgebauter Schmidtplatte die Zentrierung. Lege eine Schablone aus Pappe vorn in den Tubus und zeichne an, wo der Laserpunkt raus kommt. Ich vermesse es mit einer Plexiglasscheibe und Zentrierpunkten, das muß aber nicht sein. So kannst du schon mal sehen, ob dein OAZ und Blendrohr mittig zentrieren sind bzw. der Laserpunkt mittig im Tubus raus kommt.


    Bei meinem alten Schätzchen war Alles schon schief eingebaut. Im Ursprung war bei mir der OAZ+Blendrohr zum Tubus, der Hauptspiegel, die Schmidtplatte und der Fangspiegel dezentriert. Das habe ich neu zentriert und gute Erfahrungen dabei gesammelt.


    Also wird zunächst der Hauptspiegel ausgebaut und über eine Vorrichtung zentriert (rotationssymmetrisch), dann das Blendrohr und die Spiegelfassung zum Tubus und zuletzt der Fangspiegel ebenfalls zur Tubusmitte. Die Fassung des Fangspiegels mußte ich beispielsweise Außen abdrehen, damit ich wieder in die Mitte kam. Die Hauptspiegelhalterung habe ich mit Justierschrauben versehen. Simpel, aber sehr präzise. Das mit der justierbaren Hauptspiegelhalterung hat der namhafte Hersteller immer noch nicht gelernt.


    Die Schmidtplatte hatte durch den ursprünglich schiefen Spiegeleinbau schon 2,8 mm Mittenversatz in der Aufnahmebohrung, also im Glas hatte. Das wurde alles ab Werk so eingebaut, es wird dort "Retusche" genannt!


    Jetzt ist es egal, wie die Schmidtplatte im Tubus gedreht ist, es ist alles immer perfekt mittig. Ist halt sehr sorgfältig zu arbeiten und vor allem ist Vorsicht geboten.


    Und wenn dann alles schön zentrisch ist, funktioniert mein GMK Kolli am SCT perfekt.


    Der alte SCT macht jetzt richtig Freunde!


    Herzliche Grüße und viel Erfolg!


    Eberhard


    Hier noch Bilder meiner erste Aktion: http://www.poguntkeweb.de/LX200Umbau/index.html

  • Hallo Eberhard, Hallo Wolfgang,


    erstmal vielen Dank für Euren Input. Damit kann ich sehr wohl was anfangen.
    Eine Sache bleibt aber noch offen und die liegt mir schon ein wenig am Herzen.
    Das Thema sphärische Aberration. Warum? Meine Vorstellung war, das ich mal den
    genauen Backfocus der Röhre ermitteln kann. Dann den Mirror-Lock rein und dann die
    Abstände zwischen Hauptspiegel und Fangspiegel vermesse (zerlegen der Optik). Das dürfte aber recht schwierig sein, wenn unser namenhafter Hersteller eine derartige Präzisionsleistung abliefert.
    Nun ja, zurück ans Zeichenbrett (CAD-Programm).
    Also ich hätte schon gerne die Optik in einem offenen Tubus. Das Thema Auskühlung geht mir schon gehörig auf die Nerven. Ich denke Wolfgang schüttelt schon ein wenig mit dem Kopf :)
    Aber es macht überhaupt keinen Spaß, wenn man 3 h warten darf (bei montierter Kamera und Reducer) und die Möhre hat dann erst Arbeitstemperatur. Nimmt man die Kamera ab, den Reducer auch und kühlt das ACF aus klassischem Wege aus, so geb ich Euch Brief und Siegel das man direkt die Kollimation neu durchführen kann. Sonst gibt's nichts mit fehlerfreiem Bildfeld auf dem 35 mm Chip. War echt spassig im Sommer - nee, garnicht nervt gewaltig.
    Grüße,
    Gerrit

  • Hallo Gerrit,


    ein SC hat immer etwas Sphärochromatismus im System. Die Korrektur der sphärischen Aberration ist bei blau überkorrigiert und bei rot unterkorrigiert, für grünes Licht ist es normalerweise am Besten. Wolfgang hat´s auch irgendwo stehen.


    Du kannst das Teleskop mit einem Grünfilter am Stern testen. Bei Grün sehe ich keinen Grund, warum eine perfekte Optik intrafokal ein anderes Beugungsbild als extrafokal zeigen sollte. Du solltest jetzt aber nicht zu kompliziert denken....


    Kümmere dich um die wesendlichen Dinge, die dir sorgen machen.
    Nehme die Schmidtplatte raus und bau die Fangspiegelhalterung aus. Messe die Bohrung des Fangspiegels zum Rand. Sind es mehr als 2mm Versatz zur Mitte, wird es schwierig das System perfekt zu korrigieren, sprich in die Mitte zu bringen. Bei keinem Versatz hast du schon ein richtig gutes Gerät, ich hatte aber leider noch keines in den Händen. Ab Werk wird mit dem Versatz in der Schmidtplatte die Lage des Hauptspiegels und des Blendrohres im System als (in) "Retusche" korrigiert. Das ist fertigungstechnisch wohl bei den SC´s so eingeführt.


    Das Auskühlungsproblem kannst du mit Tubusisolierung von Außen und einem zweiten Lüfter wesendlich verbessern. Ich habe zusätzlich hinter der Schmidtplatte Einlassbohrungen und sauge die Luft am hinteren Tubus raus. Die Luftfilter habe ich passen zugeschnitten und mit einem breiten Gummiband am vorderen Tubus fixiert.


    Denn wenn du ihn nun komplett umbauen willst, kannst du auch Löcher bohren. Der Vorteil des jetzigen Systems besteht aber darin, es bleibt Innen über Jahre alles schön sauber!


    Schöne Grüße
    Eberhard

  • Hallo Eberhard,


    natürlich kann man erstmal den von Dir beschriebenen Weg gehen. Verloren hat man eh nichts. Von daher vielen Dank für die Links zu Deinem Umbau. Mir fehlt leider noch ein Bild von Deiner Hauptspiegeljustierung; dass hätte ich mir gerne mal angeschaut.


    Vielleicht kann man sich ja auch mal persönlich austauschen. Ich bin i.d.R. einmal die Woche in PB (arbeite dort).
    Grüße,
    Gerrit

  • Hallo Wolfgang, Stefan und Eberhard,


    vielen Dank für den Input. Gestern haben Eberhard und ich noch telefoniert.


    Ich denke ich werde erstmal den von Eberhard vorgeschlagenen Weg gehen.


    Dennoch habe ich folgende Erkenntnisse mitgenommen:


    Bezügl. meiner Frage: Ob bei vollständiger Ausleuchtung des Hauptspiegels (die von mir angesprochene Reflektion) müßte man den Fokuspunkt haben, in dem die SA sehr gering sein müßte. Das wiederum wäre mit einer CCD-Kamera, Grünfilter und der Software Metaguide zu prüfen bzw. zu verifizieren.




    Viele Grüße,


    Gerrit