Bericht Bresser Lunar 60/700

  • Hallo liebes Forum,


    gestern aben habe ich bei einem Bekannten ein Bresser Lunar http://www.weltbild.de/3/16403…-teleskop-mit-stativ.html in den Händen.


    Das Teleskop ist auf einer Alt-Azimutalen Montierung befestigt.
    Öffnung 60mm / Brennweite 700mm


    Folgendes ist zu bemerken:
    - "kleine" Okulardurchmesser - Steckformat nicht kompatibel zum 1.25 Zoll Standart
    - das ganze wackelt wirklich fürchterlich.
    - Der Sucher läßt sich ohne zusätzliches Basteln nicht ausreichend justieren. man bekommt ihn nicht parallel zum Hauptrohr, es sei denn man legt was unter.
    - Der Sucher ist sehr nah am Hauptrohr, so dass man den Kopf nicht in jeder Position gut dahinter bekommt.
    - Die Feinverstellung für die Altitude hat viel zu viel spiel, wackelt ziemlich.
    - das Stativ ist zum bequemen Bebobachten zu niedrig.
    - das Bild wirkte flau.


    Ergebnis:
    Der Mond bei 35-fach war ganz nett. Jupiter verschwand leider hinter einer Wolkenwand. Andere Objekte waren wegen des nicht richtig justierten Suchers nicht auffindbar.


    Meine Einschätzung:
    Von so etwas sollte man die Finger lassen.
    Die Handhabung erschließt sich einem Anfänger von alleine kaum, die Probleme, ein Objekt gut abgebildet zu bekommen sind mannigfaltig. Viel Frustationspotential. Da ist so ein Mini-Dobson 76/300mm in jedem Fall das bessere Gerät.


    Grüße


    Christoph

  • Hallo Christoph,


    früher hatte die katholische Kirche Ablaßscheine verkauft.
    Die waren auch das Geld nicht wert, das draufstand.
    Heute verkaufen sie eben Teleskope, die nichts taugen. So ist sie mal, unsere "Mutter" Kirche.


    Damit möchte ich darauf hinweisen, daß "Weltbild" eine Institution der katholischen Kirche ist, getragen und im Besitz von 12 deutschen Diözesen, darunter (natürlich) auch Würzburg und Regensburg.


    Die verkaufen alles was Geld bringt, auch Bücher gegen die Abtreibung (da ist man zwar dagegen, aber bekanntlich stinkt Geld nicht...)


    Man sollte astronomische Geräte halt beim Fachmann kaufen, nicht beim Flachmann...

  • Hallo Winfried,


    na ja, schau mal in der Bucht unter Teleskope: da muss man leider feststellen, dass auch einige "unserer Fachhändler" die untere Grenze der Qualität dessen was sie anbieten äääh ... ziemlich niedrig ansetzen (freundliche Formulierung gesucht). [Schreibt sich hier leichter als bei den Schwarzen ;););)]


    Hatte jetzt auch so ein "bis 525-fache Vergrößerung Teleskop" eines Freundes in den Händen, das war einfach nicht benutzbar - Mülltonne. Wenn unsereiner nicht sehr vorsichtig formuliert in den Foren, hat er sich schnell eine Abmahnung eingefangen, während die Werbung für solche Teleskope weitestgehend aus einer Anhäufung offensichtlicher :mad2:Lügen besteht.


    Wie immer: mit fürchterlichem Grausen
    Werner

  • Hallo Werner,


    damit hast Du natürlich recht, ganz klar.
    Aber ich unterscheide da zwischen "Ramschhändlern", die eben das Zeugs unter die Leute bringen müssen, um mit hochwertigem dann Geld verdienen zu können und der katholischen Kirche, deren "Aufgaben", so es sie denn gibt, auf einem anderen Gebiet stehen sollte. Aber heute verramscht jeder jeden Dreck, ein Grund auch, in diesem Jahr die AME zu meiden.


    Die Leute kenne ich meist, für meine Sternwarte brauche ich derzeit nichts, mein Traumteleskop, auf der AME erstmals vorgestellt, hatte ich schon in Händen, was also soll der lange Weg. Auch dort wird der Ramsch als brauchbar angepriesen, man sollte dem einen oder anderen Händler mal eine "Watschen"....


    Aber ich schweife ab.
    Solche Geräte haben an sich bei Astrohändlern nichts verloren sondern zeigen höchstens deren Hilflosigkeit oder Inkompetenz.

  • Hallo zusammen,


    Also, über die Händler wollte ich hier nicht urteilen. Ich wurde auch schon mal gefragt, ob man so ein Ding kaufen solle, sagte: "NEIN" und es wurde trotzdem gekauft. Wenn jemand sie Geld dafür ausgeben will?


    Viel interessanter als das Seelenheil der Katholischen Kirche als Weltbild-Betreiber finde ich, dass es Teleskop-Hersteller (oder besser "Etikettierer") gibt , die als Europavertreter von Meade Teleskope für 20000€ liefern und gleichzeitig als Discounter-Belieferer fungieren.


    Vermutlich nennt man das "Risikostreuung", und "Marktsegmente". Vermutlich geht der Plan auf, denn man macht ja hier ein Schnäppchen und hat kein billiges Danubia-Gerät vom Elektrofachmarkt sondern ein echtes Bresser. Und das ist natürlich nur so billig, weil Weltbild einen extra günstigen Einkaufs eines Sonderpostens quasi gemeinnützig an die zum Himmel blickenden abgibt.


    Und nein - ich bin kein Atheist (ups - zählt das hier schon unter Outing?).


    @Winfried: Sieh es mal anders - Du würdest nur halb so schöne Bilder drucken können, wenn die Katholische Kirche damals nicht alle von der Notwendigkeit des sakralen Kirchenbaus hätte überzeugen können.


    Nein, mal ehrlich - mein Ansatz für dieses Thread war folgender: Wir raten immer alle von Billig-Angebiten ab, schon so rein reflexhaft. Und da wäre es ja durchaus denkbar, dass wir uns in Unkenntiss der Billigangebotswirklichkeit alle zusammen irren. Wenn man tausende Euro für Telekope ausgibt, kann man vielleicht schnell mal den Blick für die Realität verlieren. Aber nein - wir irren uns nicht, die Realität ist leider so wie sie ist. Und das wollte ich nochmal unterstreichen.


    Grüße


    Christoph

    [SIZE="1"]Hofheim 12'', PST CaK, C11[/SIZE]

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  • Hallo ,

    recherchiert man ein wenig nach dem Bresser Lunar, dann spielt der "Anschaffungspreis" zwischen 69.-€ bis 99.-€

    Bei der preiswerteren Ausgabe wird einem 525-fache Max-Vergrößerung verheißen, bei Meade sind es nur noch 120-fach. (unter technische Daten und Ausstattung) Meade hat 1999 die Firma Bresser "geschluckt". Es sind eine Reihe anderer Astro-Händler, die ebenfall dieses Einsteiger-Teleskop "verhökern". Bei einem f/11.66 Achromat passiert optisch nicht mehr viel. Der Farblängsfehler geht vermutlich in der Schärfentiefe von 0.1495 unter, bei 525-fache Vergrößerung wäre die Austritts-Pupille 0.114 mm, selbst bei 120-fach immer noch 0.5 mm. Bei 550 nm liegt die Auflösung bei 2.30 arcsec; Meade gibt 1.92 arcsec an, was für blaues Licht stimmt. Die Wacklizität könnte man notfalls beheben, verwendbar vermutlich nur bei Mond, Jupiter und Saturn.

    Es gibt aber eine Reihe von Zeitgenossen, die ganz stolz ihr Bresser Lunar herum reichen zum Durch-gucken. Denen sollte man dann aber nicht erzählen, daß man Hobby-Astronom ist.

    Übrigens: Der Ablaßhandel kommt dem Bedürfnis, sich von Sünde freikaufen zu können, schon gewaltig entgegen. Es war doch eine blendende Geschäfts-Idee, von der nicht nur die Fugger profiitierten. Funktioniert das Versicherungs-Wesen nicht ganz ähnlich?

    Noch ein Wort zur Qualität:

    Selbst wenn ein Fernrohr mehrere tausend Euro kostet, dann ist das noch lange kein Garant, ein opt. einwandfreies Teleskop zu bekommen. Viele der stolzen Besitzer können das selbst gar nicht einschätzen und landen dann oftmals bei mir. Dann gibt es die Schnäppchenjäger-Menatilität, die irgendwann kapiert, daß Qualität ihren Preis haben muß.

  • Mal so nebenbei:


    Meade Europe ist nun wieder in Händen von Bresser. - Richtig.
    Gleichzeitig hat Bresser mit Explore Scientific eine EIGENE Fabrikation in China aufgebaut. Diese wird, so weit ich unterrichtet bin, von Deutschland aus in der Entwicklung neuer Optiken "gepflegt". - Zumindest hört sich das recht gut an. Tassilo`s neue Montierung soll dort z.B. gebaut werden, mein ED stammt ja schon von dort und ich bin´s zufrieden damit, was Preis-Leistung anbelangt.

  • Owbwohl der letzte Eintrag schon lange her ist, möcht ich noch was dazu bemerken:


    Kürzlich fand ich um ein paar Euro dieses Bresser Lunar 60/700 Kinder-Teleskop in fast nagelneuem Zustand auf einem Flohmarkt. Bei der wackeligen Angelegenheit kein Wunder.

    Ich baute diesen kleinen Refraktor 60/700er als zusätzliches "größeres" Sucherfernrohr auf mein 8''-Newton-Telekop (auch von Bresser) und dort tut es nun sehr gute Dienste.


    Grüße

    Robert