Hallo Freunde der Nacht (II)

  • Hallo,


    ich heiße Jörg und möchte mich kurz vorstellen. Ich wohne mit meiner Familie in einem kleinen Dorf im Naturpark Altmühltal im Herzen des Frankenlands. Perfekt für die Astronomie, da hier die Bürgersteige um 24:00 Uhr hochklappen und sämtliche Beleuchtung im Umkreis von 20 km abgestellt wird.


    Besuche in der Volkssternwarte Recklinghausen vor 30 Jahren und viele Vorträge des damaligen Leiters Joachim Herrn Hermann bewirkten, dass ich in die Naturwissenschaften einstieg um dann in der Theoretischen Physik zu landen. Leider entfernte ich mich dabei immer weiter von der Astronomie.


    Nun, da der Zenit wohl überschritten, die Wogen sich glätten und der Nachwuchs mit 12 Jahren ins fragende Alter gekommen ist, beabsichtige ich die alten Interessen auszugraben und zusammen mit meinen Sohn den Himmel zu erforschen und seinen Forschergeist zu wecken. Wir haben schon einige Feldstecherexkursionen und Jupiterbeobachtungen hinter uns.


    Da noch ohne Equipment, wäre es schön, hier Beratungsunterstützung von euch zu erfahren.


    Viele Grüsse aus dem Frankenland
    Jörg

  • Hallo Jörg,


    der Hinweis von gerd ist auf jeden Fall richtig. Schau Dir die Technik auf jeden fall mal "live" an. Da geht es vor allem um Größe und Gewicht, um Handhabung und das "Beobachtungsgefühl" - wichtige Dinge, wenn man sich zwischen verschiedenen Systemen entscheiden muss. Wir können hier natürlich keine Entscheidung für Dich treffen, die musst Du für Dich treffen (und anschließend damit leben :) ). Aber wir können verschiedene Optionen diskutieren und technische Einzelheiten klären.


    Dunkel hast Du es, soviel scheint klar. Die nächsten Fragen wären
    - Dein Budget
    - willst Du ortsfest (Garten etc.) oder mobil (mit Auto zu einem günstigeren Beobachtungsort oder Reiseteleskop für den Urlaub?) beobachten
    - soll Dein Sohn nur mal durchgucken oder aktiv selber beobachten?


    Wenns schell gehen soll wäre http://www.astro-foren.de/showthread.php?p=57126 eine Option (falls noch verfügbar). Mit so einem Ding sieht man ne Menge und mein 7Jähriger kann es schon gut bedienen.


    Grüße


    Christoph

  • Hallo,


    Gerd


    Vielen Dank für deinen Hinweis. Wir haben hier über die Tagespresse schon mitbekommen, dass sich einige Aktivisten am Brombachsee herumtummeln. Wir werden ihnen mal einen Besuch abstatten.


    @Christoph


    Christoph, du hast die wesentlichen Punkte gleich benannt. Meinen Vorstellungen hierzu


    • es muss nicht schnell gehen, ich plane lieber sorgfältig.
    • Budgetbetrachtungen sollten nicht zu irrationalen Kaufentscheidungen führen.
    • das Equipment sollte auch vom Kind bedient werden können (beim Aufbau wird geholfen)
    • kein Goto eher Telrad


    Ich denke in Richtung eines modularen, primär stationären Systems und folgende Ausbaustufen


    • Fähigkeit der Planeten und Sonnenbeobachtung.
    • Betrachtung von Messier Objekten (Objektiv sollte Lichtreserven haben).
    • Einsatz einer CCD


    Meine ersten Vorstellungen:


    System.......: Newton


    Montierung...: parallaktisch, Nachführung später integrierbar via Leitfernrohr, Gewichtsreserven


    Okular..........: hochwertig, mindestens genau so gut wie das Objektiv



    Weitere Gedanken:


    • inspirierend finde ich das Telrad System, dass die planerische Vorgehensweise bei den Beobachtungen fördert und im Gegensatz zu einem Joystick-System mehr Eigeninitiative verlangt.
    • Kollimation, bzw. Eichung des Gerätes sind für mich persönlich ein weiteres Kriterium zum planerischen Vorgehen und sollte in Eigenregie durchführbar sein
    • Kosten/Nutzen der 94% Refektionsoptik zur Hilux-Vergütung mit 97% Reflexion, Haltbarkeit usw.
    • Kosten/Nutzen der zertifizierten Optik (1/8 lambda pv) auch hinsichtlich der Szintillation
    • ein f/4 System mit kurzer Brennweite braucht für die Planetenbetrachtung okkularseitig ein gutes Barlow-System (FFC)


    Ich möchte schon auf ein qualitativ anständiges System. Es sollte aber auch beherrschbar sein. Ich freue mich schon auf eure Ansichten und Meinungen.


    Viele Grüsse aus dem Frankenland
    Jörg

  • Hallo Jörg,


    auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.


    Du hast hohe Ansprüche, das finde ich richtig. Als "Gerät" fällt mir da folgendes ein:
    Den parallaktisch montierten Newton von Cor Caroli (Gerd) hier aus dem Forum. Der dürfte, mal abgesehen von der kinderfreundlichen Benutzung, so ziemlich ideal sein. Vielleicht meldet sich Gerd noch - oder ist gerade im Urlaub.


    Seine Zusammenstellung: 12" Dobson/Newton, Gitterrohr, hergestellt von Martini, parallaktisch montierbar. Du hättest die ansolute Auswahl der Spiegelqualität, von Orion bis Alluna (das derzeit mit beste). Leicht, transportabel, verlangt aber schon eine sehr gute Montierung (Gerd hat die Losmandy G11). Dasselbe macht Martini sicherlich auch eine Nummer kleiner, so ggf. in 10", was eine Synta EQ6 voraussetzen würde, die erheblich preiswerter ist.


    Okularseitig bräuchtest Du am Anfang mal drei Okulare: 30mm zum Finden und für großflächige Objekte, 15mm Für Galaxien und Galaxiengruppen, 8mm für Planeten. Später kämen dann 4-6mm (Planeten), 20mm für "dazwischen" in Frage. Derzeit steigen viele auf die Ethos-Serie von Nagler um (die habe ich alle), aber von daher bekommt man gebraucht oftmals die Nagler Serie recht günstig gebraucht angeboten.


    Während man Teleskope (oft durch Größenwahnsinn = bekommt jeder!) mal austauscht, sollte man bei den Okularen auf das beste setzen - sie können einem ein Leben lang genügen, sind sie gut genug.


    Bei Bedarf kannst Du auch gerne mal zu uns kommen, 20km westlich von Würzburg, hier steht eine ganze Galerie von Teleskopen in meiner Warte. Freunde aus dem Nachbarort können dann noch mit SC`s und noch mehr APO`s dienen...

  • Hallo Jörg,


    zu Deinen geplanten Ausbaustufen: Das funktioniert nicht wirklich. Das Gerät, mit dem man perfekt Planeten beobachten kann, ist nicht das gleiche, wie das Gerät, mit dem man Deep-Sky-Opbjekte perfekt beobachten kann und dieses ist wieder nicht das gleiche, wie jenes Gerät, mit dem perfekt fotographieren kann.


    Als kleinsten gemeinsamen Nenner kann man am ehesten eine solide Montierung betrachten. Auf diese kann man dann je nach Beoabchtungsaufgabe unterschiedliche Teleskope setzen.


    Der Einsatz einer CCD setzt das vorhandensein einer perfekten Nachführung voraus. Die gibt es heutzutage im Prinzip nur mit Goto gemeinsam. Das liegt daran, dass die verwendete Technik im wesentliche die gleiche ist (Encoder, Motoren), lediglich die Ansteuerung ist unterschiedlich, doch das ist heutzutage nicht mehr so relevant, da die meisten Ansteuervorgänge über programmierte Software im "Steuercomputer" ausgeführt werden. Teilweise wird zwar noch zwischen reiner Nachführung und Nachführung+Goto unterschiedne (z.B: EQ6 Synta Syntrek, SkyScan), aber ab einem gewissen Preis ist Goto immer mit dabei.


    zum Telrad: Mein C11 Schmidt-Cassegrain sitzt auf einer CGEM Montierung mit Goto. Auf dem Gerät habe ich zusätzlich einen Leuchtpunktsucher, mit dem man wie beim Telrad die Ausrichtung auf dem "Himmelzelt" sieht. Das ist für mich ein guter Kompromiss zwischen den beiden Lösungen.


    Ich würde Dir empfehlen, Dich zunächst mit der Montierung zu beschäftigen. Offenbar soll es eine paralaktische Montierung sein. Wäre die EQ6 etwas für Dich? http://www.teleskop-express.de…-Montierung-bis-20kg.html


    Grüße


    Christoph

  • Hallo Winfried und Christoph,


    vielen Dank für eure Ausführungen. Ich sehe mittlerweile auch ein, das alles mit einer vernünftigen Montierung beginnt und habe in diesem Bereich etwas recherchiert.


    Montierung:

    • Die von Winfried vorgeschlagene Losmandy G11 sieht vielversprechend aus. Es kann dabei anfangs auf die Motoren verzichtet werden und mit 30 kg Nutzlast sehe ich für meinen Bedarf genügend Reserven. Außerdem scheint sie große Akzeptanz unter den Astronomen zu besitzen, da sich im Internet viele Diskussionen um Modifikationen, Verbesserungen usw. der G11 drehen.
    • Eine EQ6 halte ich für zu schwach, da sich Newtons gewichtsmäßig bei 20 kg bewegen und für Nachführung/Leitrohr etc. zu wenig Reserve bleibt. In div. Shops angebotene Carbon Tubes finde ich persönlich unverschämt überteuert.
    • Winfried, du brachtest einen neuen Aspekt in die Diskussion.


      Seine Zusammenstellung: 12" Dobson/Newton, Gitterrohr, hergestellt von Martini, parallaktisch montierbar.


      Ist ein Dobson Tube so ohne weiteres auf eine parallaktische Montierung zu setzen? Wie sieht es mit der Steifigkeit eines solchen Systems auf der Montierung aus? Diese Variante hätte den Charme, die Anfangsinvestition Montierung verschieben zu können.


    @Christoph: Nachdem ich mich nun doch etwas mehr mit der Materie beschäftigt habe, muss ich dir zustimmen.



    zu Deinen geplanten Ausbaustufen: Das funktioniert nicht wirklich. Das Gerät, mit dem man perfekt Planeten beobachten kann, ist nicht das gleiche, wie das Gerät, mit dem man Deep-Sky-Opbjekte perfekt beobachten kann und dieses ist wieder nicht das gleiche, wie jenes Gerät, mit dem perfekt fotographieren kann.


    Als kleinsten gemeinsamen Nenner kann man am ehesten eine solide Montierung betrachten. Auf diese kann man dann je nach Beoabchtungsaufgabe unterschiedliche Teleskope setzen.


    Stelle ich die Fotografie hinten an, würde sich dann ein geeignetes System finden lassen? Liege ich mit einem Newton hier richtigt?



    Viele Grüsse aus dem Frankenland
    Jörg

  • Hallo Jörg,


    Einen Dobson kann man, je nach system auch parallaktisch montieren. Das geht einmal in der "Aufsattelvariante", - vor allem bei kleineren Gitterrohrdobsons, bei der über einen speziellen Adapter die Hauptspiegelhalterung des Dobsons auf der Montierung befestigt wird. Zum anderen kann man Vollroh-Dobsons mittels Rohschellen aufschnallen.


    Ein rein diskussionsmoderierender und meinungsbildender Einwurf:


    Wäre denn ein reines Dobson, so ca. 8 Zoll, vielleicht doch ein guter Einstieg? Natürlich neigt man in einem so technikgeprägten Bereich wie der Astronomie zu einer automatisierten Montierung mit (der Option auf) alle Extras. Allerdings haben viele langjöhrige Hobby-Astronomen ihr 8Zoll Dobson nie verkauft und benutzen es gelegentlich immer wieder gerne. Zur Not sind die Geräte auch recht wertstabil. Das gekauft okularseitige Zubehör ist ja in jedem Fall wiederverwendbar. Mit dem Dobson geht aber Fotografieren (sogut wie) nicht! Aber mit dem Dobson und einer Sternkarte kann man schnell viel schönes sehen.


    Wenn kein Dobson - dann:


    Die Montierung muss Dich überzeugen. Wenn Du die G11 gut findest, ist das OK. Alternativen wären noch von Celestron eine CGEM, die eine etwas höhere Traglast als die EQ6 vertragen sollte. Darauf kannst Du dann setzten was Du willst. Ein gutes Newton ist eine saubere Sache. Gerade im Bereich größerer Öffnungen bekommt man aber ein Problem durch den langen Tubus. Daher wurden Systeme Entwickelt, die Öffung und Brennweite eines Newtons mit einer kürzeren Bauweise vereinen. Das sind die Schmidt-Cassegrain (SC) Systeme bzw. deren Verwandte. Die haben eine größere Abschattung durch den Größeren Fangspiegel, ermöglichen aber auch mehr Öffnung. Daher sind sie zu beliebten Hobby-Astronomie-Geräten geworden. Bedingt durch den kleineren Fangspiegel hat aber ein Newton die bessere Abbildung. Fotographisch braucht man dann zusätzlich eine Korrekturoptik für das Newton-systemeigene Coma ("Comakorrektor").


    Schick sind natürlich die größeren Farbreinen Refraktoren (Sichwort "APO"). Die sind aber ziemlich teuer und preislich sind der Öffnung hier Grenzen gesetzt. Viele schwächere Deep-Sky-Objekte wird man da vergeblich suchen.


    Nächste Schritte: :)
    - Dobson oder kein Dobson?
    - Wie groß soll die Öffnung sein?


    Grüße


    Christoph

  • Hallo Jörg,


    offensichtlich ist Gerd in Urlaub, sonst hätte er sich schon gemeldet - oder hat Spätschicht.
    Sein Gerät ist ein Zwischending zwischen einem normalen Dobson und einem Tubusteleskop. Schaut so ähnlich aus wie die professionellen Gitterrohrkonstruktionen von Baader, nur eben aus Holz und transportabel.
    Soweit ich weiß, hat sie Martini nicht auf seiner Seite, diese Konstruktion ist recht neu bei ihm.
    Macht einen sehr guten Eindruck.
    Ich habe hier nach Gerds Bericht gesucht, habe ihn aber leider nicht gefunden. Das ist in meinen Augen eines der ganz wenigen 12" Teleskope, das man noch gut parallaktisch montieren kann. Alles andere wird zu schwer und zu wackelig.
    Soweit ich mich erinnere, hat der Newton in 12" f:4 komplett mit einem guten Orionspiegel so um die € 2000-2200 gekostet.
    Aber Gerd wird sich noch melden, wenn es dies liest.


    Nachsatz zu Christophs Beitrag:
    Ich habe zwischenzeitlich 7 Geräte in meiner Warte, meinen 8" Dobson, der zwischenzeitlich gute 8 Jahre alt ist, würde ich nie hergeben! - Der Grund: mal schnell beobachten wollen, aber keine Zeit , also den "Dobby" samt Rockerbox gepackt und raus auf die Terrasse gestellt, Okular rein und los geht`s! Das ganze Teil wiegt soviel wie ein Kasten Bier, der Tubus gerade mal 9kg.

  • Hallo Jörg, hallo zusammen,


    es ist immer schwierig "das Teleskop" zu empfehlen. Es geht eigentlich nicht. Mein Weg ging über den 8" Newton parallaktisch montiert, der natürlich vom Einblickverhalten nicht gerade das Idealgerät in meinen Augen darstellt hin zum ACF (SC).


    Die SC´s, die Christoph schon ins Gespräch gebracht hat, sind wirklich, auch wenn keine Spezialisten, die "Eierlegenden Wollmilchsäue" unter den Teleskopen. Sie können vieles...(hohe Brennweite, große Öffnung bei kurzer Bauweise, angenehmer Einblick von hinten, durch den großen Backfokus alles mögliche an Okularen/Binos/Kameras adaptierbar)...vielleicht nicht perfekt, aber gut und brauchbar.


    Was Mobilität angeht sind sie kaum zu schlagen, wenn man noch eine einigermaßen leichte Montierung mit Goto und Unterbau nutzen möchte.


    Als Ergänzungsgerät bietet sich ein kleiner Refraktor mit großem Gesichtsfeld an, der dann natürlich ebenfalls auf die leichte Montierung passt.


    Hier konnte ich mir meinen Traum mit einem 4,5" APO erfüllen. Der wiegt 6,5 kg und kommt für OH, Kometen, Mond, Planeten und großflächige Deep-Sky-Objekte zum Einsatz.


    Beide Teleskope ergänzen sich quasi perfekt: Große Brennweite der Spiegel-Öffnung sowie großes Gesichtsfeld mit Linsen-Objektiv...:beta:


    Ich finde die EQ6 schon sehr schwer (meine SXD von Vixen wiegt gerade 9kg und trägt 15-20kg auf einem Berlebach Holzstativ sicher). Natürlich bezahlt man für die Qualität einen höheren Preis. Wenn man aber oft unterwegs ist macht sich das irgendwann auch bezahlt.


    Vielleicht solltes du erst einmal durch alle möglichen Teleskope durchsehen, damit deine Kaufentscheidung richtig ausfällt


    Gruß Uwe

  • Hi Joerg,


    freut mich dass du zu uns gefunden hast.


    Also, Geraete ab etwa 8" Oeffnung sind in der Mehrzahl der Naechte
    seeingbegrenzt. Mehr Oeffnung gibt zwar mehr Kontrast (fuer
    Deep Sky Objekte), aber viel kritischer ist ein guter dunkler
    Himmel und eine gute Dunkeladaption der Augen. Ob die
    Zusammenstellung Okular/Teleskop gut harmoniert haengt
    sehr vom Oeffnungsverhaeltnis ab. Ein f/4 Geraet
    wird da ziemlich anspruchsvoll. Mit einem Oeffnungsverhaeltnis
    von f/4 wird darueberhinaus auch das Fokussieren ziemlich kniefieslig, also
    den Fokus genau genug zu treffen - und dann auch da zu halten.
    Entspannend wird das fokussieren erst ab f/6 - und auch die Kosten
    von gut harmonisierende Okulare werden entspannender.


    Astrofotografie, und speziell Langzeitbelichtungen mit einer CCD
    Kamera der Kategorie "nice pictures", hat leider weniger mit Astronomie
    und sehr viel mehr mit zuverlaessiger Elektronik (teuer), praeziser Mechanik
    (sehr teuer), und (duerfte dir nicht schwerfallen) einem Haufen in
    Bildverabeitungsalgorithmen gepackte Mathematik zu tun - das Teleskop selbst
    wird da eher zweitrangig.

    Wenn du jetzt noch an deinen Nachwuchs denkst und abzaehlst wieviele
    (oder besser gesagt wie wenige) gute klare Naechte es gibt, ist der
    schnell einsatzbereite 8" f/6 "Standard" Dobson mit Telrad Finder
    auf jeden Fall eine Ueberlegung wert. Ich wuerde das so als "fertiges"
    visuelles System jederzeit parat haben wollen. Wenn sich das Interesse
    in astrofotografischer Hinsicht weiterentwickelt, waere es vorteilhafter
    eine ganz neue Ueberlegung anzusetzen und dabei kompromisslos und ganz
    und gar eindeutig vom visuellen Beobachten trennen.


    Planetenfotografie oder Deep Sky Fotografie?
    Die Anforderungen sind total verschieden, ganz und gar anders.


    Um Planeten zu fotografieren brauchst du eine moeglichst grosse Oeffnung
    und eine schnelle CCD Kamera um Aufnahmen waehrend der ultrakurzen Momente
    des sehr guten Seeings (die rein zufaellig auch bei maessigem Seeing entstehen)
    aus einem Stream von Tausenden von Einzelbildern herauszufischen.
    Kleine Nachfuehrungsfehler der Montierung spielen wegen der kurzen
    Beichtungszeit keine Rolle.


    Um Langzeitbelichtung an Deep Sky Objekten zu machen brauchst du bei einem
    durchschnittlichen Seeing in D von 1" (Winkelsekunde) im besten Fall nicht
    mehr als 4-5" (Zoll) gute, fabfehlerfreie Oeffnung mit einem ebenen
    Bildfeld (wie die CCD Chips) - und vor allem mit einer sehr gute Abbildung
    im *gesamten* Bildfeld. Natuerlich ist dabei die Pixelgroesse des CCD Chips
    passend zur Aufloesung zu waehlen.
    Kleinste Nachfuehrungsfehler der Montierung, also im Bereich von weniger als
    einer Winkelsekunde, wuerden selbst bei *nur* 4" Oeffnung die Aufloesung
    nicht mehr "ankommen" lassen. Die Montierung/Nachfuehrung wird jetzt das
    Hauptkriterium. Das Oeffnungsverhaeltnis des Objektivs so schnell wie moeglich
    waehlen damit die Belichtungszeiten so kurz wie moeglich werden duerfen.
    Und Okulare erst gar nicht vorsehen - falls die kompromisslose Trennung von
    visuell und fotografisch weitergedacht wird, sind Gedanken ueber Okulare hier
    hinfaellig.


    Gruesse,
    argus

  • Hallo,


    vielen Dank für eure zahlreichen Antworten. Auf der Suche nach einem qualitativ hochwertigen Allrounder habe ich aus euren Antworten schon viel mitnehmen können, aber noch einiges zu verdauen. Auf alle Fälle werde ich es anders angehen.


    Ich glaube, ich werde mich am Anfag auf ein einfaches, schnell zu installierendes Dobson System konzentrieren. Ich denke, dass wir damit schon viel Spaß in den Beobachtungsnächten haben werden. Argus hat es ziemlich genau auf den Punkt gebracht:



    Wenn das Interesse bei meinem Kleinen weiter steigt, werde ich eine gute Montierung und ein SC oder RC System investieren. Ich denke, dass ich hierzu einen neuen Thread aufmachen werde.


    Zum Dobson:


    Wäre z.B. ein Orion Dobson 250mm Öffnung / 1200mm, f/4.8 für den Anfang geeignet?

    • Sie garantieren eine Versiegelung des Spiegels, erhöhlte Relektivität, einen Strehl von 0.95 (lambda=?) und 1/6 lambda p/v) als Komplettsystem.


    Oder das von Wienfried vorgeschlagene Martini und einer guten Spiegelzusammenstellung?


    Ich bin, da die Entscheidung für ein Dobson gefallen ist, für Vorschläge offen. Ich würde bis zu 4000€ investieren.


    Viele Grüsse aus dem Frankenland
    Jörg

  • Hallo Jörg,


    Übersicht Dobsons (nur was mir gerade so einfällt):


    Es gibt Reisedobsons z.B:
    - http://www.dietermartini.de/12zollrd.html
    - http://www.hofheiminstruments.com/


    Es gibt Volltubusdobsons:
    - http://www.teleskop-express.de…---1200mm-Brennweite.html
    - http://www.intercon-spacetec.com/teleskope/galaxy-dob.html


    Es gibt Gitterrohrdobsons
    - http://www.dietermartini.de/dobson.html
    - http://www.intercon-spacetec.d…rie/dobson/produkt/18_uc/


    Es gibt tolle Extras:
    - http://www.teleskop-express.de…GoTo-Dobson-Teleskop.html
    - http://www.teleskop-express.de…uer-Dobsons-bis-60kg.html


    Und Mischsysteme:
    - http://www.teleskop-express.de…-einschiebbarer-Tubu.html



    Alle haben Vor- und Nachteile. Von der Größe her würde ich nicht unter 6 Zoll bleiben, 8 Zoll sind gut. Drüber muss man die eingeschränkten Transportmöglichkeiten bedenken. Spiegel gibt es gute und schlechte, schlechte werden entweder zufälltig verbaut oder serienmäßig in den preiswerteren Geräten.


    Überlege zunächst mal wie mobil es sein soll. Je weniger mobil, desto größer ist sinnvoll. Die bie zur Hälfte Deines Budgets :) würde ich für gute Okulare ausgeben (für 1000€ gibts 3 schöne Okulare :) ).


    In welche Richtung könnte es weiter gehen?


    Viel Grüße


    Christoph

  • Hallo Jörg, hallo Christoph,


    zur Qualität und zur Größe:
    Bei 8-10" kann man durchaus die "Stangenware" wie den Galaxy oder den GSO nehmen. Den Galaxy habe ich ja seit 8 Jahren und bin zufrieden.
    Bei 12" würde ich AUF KEINEN FALL zur Stangenware greifen. Ich hatte neben dem 8" auch noch den 12". - Ein Riesenteil, kaum mehr transportabel und aus dem gleichen Material wie der 8" Dobson. Damit ist er trotz seiner 19kg (Tubusgewicht!) sehr instabil. Man kann ihn so vorsichtig tragen wie man will, er muß, wenn er dann in der Rockerbox sitzt, jedesmal kollimiert werden. Zweiter Nachteil: eine Montierung für dieses Teil kostet enorm. Da reicht m.E. eine Losmandy G11 nur noch knapp. Bei 12" würde ich den parallaktisch montierbaren Martini nehmen, der kann ha auch als Dobson verwendet werden. Eine Box hat Martini dazu sicherlich im Programm, müsste man halt mal nachfragen, denn er hat ihn nicht auf seiner Internetseite.


    Eine andere Nummer wäre dann ein 10" ICS-ATD (ATD = AluTubusDobson). Der kostet zwar einiges, hat aber einen 3mm Alutobus, da passiert nichts. Ist reine Handarbeit und hat einen absoluten Premiumspiegel. Siehe hier:
    http://www.fernrohrmarkt.de/in…=c1200_ICS-Teleskope.html


    Bevorzugen würde ich aber den Martini, leichter, besser zu montieren, zerlegbat, wenn`s sein muß.

  • Hallo Christoph, Winfried,
    vielen Dank für eure Vorschläge.


    Objektiv:
    Ich denke, dass ich bei der Objektivwahl mich auf einen 10‘‘ bzw. 12‘‘ Dobson von Orion UK mit 1200mm Brennweite festlegen werde. Transporttechnisch sehe ich keine Probleme und ich denke dass der Tubus dem optischen System einiges an Stabilität verleiht. Mit dem Zertifikat habe ich einiges an Sicherheit gegenüber dem Hersteller in der Hand, die Angaben lassen sich ja fachkundig überprüfen.


    Ich habe mir die Dobson Gitter-Systeme von Martini angeschaut, stehe aber was die Stabilität und Güte dieser teuren und wahrscheinlich auch hochwertigen Systeme angeht, zur Zeit noch etwas auf verlorenem Posten. Mit meinem ersten System möchte ich erst etwas „Sattelfestigkeit“ gewinnen.


    Die Dobson Plattform http://www.teleskop-express.de…uer-Dobsons-bis-60kg.html ist ein interessantes Feature. Ich werde sie mir merken, da sie für fast eine Stunde eine effektive Nachführung bietet.


    Okular:
    Ich dem o.g. Objektiv wird ein 2‘‘ Crayford Auszug mit 1:10 Untersetzung angeboten. Nun die mühsame Auswahl der Okulare. Mit Hilfe von Wiki http://de.wikipedia.org/wiki/Okular habe ich mich etwas in die Materie eingelesen und folgende Okulare geplant:


    Objektiv 10‘‘ /1200mm ~ f/4.8
    [INDENT]<PRE>Typ fo GF sGF dA D
    Speers Waler UWA 7.2 ? 82 13 1.25
    Speers Waler UWA 17 ? 82 13 1.25
    Hyperion Aspheric 32 ? 72 ? 2
    </PRE>[/INDENT]
    [INDENT]<PRE>fo Brennweite Okular [mm]
    GF Gesichtsfeld [°]
    sGF scheinbares Gesichtfeld [°]
    dA Augenabstand vom Okular [mm]
    D Einsteckdurchmesser Okular [Zoll] </PRE> [/INDENT]


    Ich hoffe mit dem Augenabstand hinzukommen, da noch kein Brillenträger. Mein Kleiner sollte damit keine Probleme haben. Bei der Berechnung des wahren Gesichtsfeldes fehlte mir die Feldblende des Okulars. In den Herstellerangaben war diese nicht zu finden.


    Links:
    [INDENT]http://www.teleskop-express.de…e---1-25----82--Feld.html
    http://www.teleskop-express.de…e---1-25----82--Feld.html
    http://www.teleskop-express.de…-2----72--Weitwinkel.html[/INDENT]


    Vor dem Nagler 31mm – 2´´ habe ich noch etwas Scheu. Es bietet einiges mehr an Gesichtsfeld. Wäre es sinnvoller als das 31mm Baader Hyperion?
    [INDENT]http://www.teleskop-express.de…----82--Feld---Typ-5.html[/INDENT]


    In Kombination mit den Objektiven beabsichtige ich ein Barlow Element, 2x, 2‘‘, evt. den Tele Vue BIG Barlow.
    [INDENT]http://www.teleskop-express.de…---2----achromatisch.html[/INDENT]


    Ist die Zusammenstellung sinnvoll bzw. habt ihr weitere Anregungen / Kritik? Ich freue mich schon auf eure Antworten.



    Viele Grüsse aus dem Frankenland
    Jörg

  • Hallo Jörg,


    Der 10" F4.8 Orion UK ist eine gute Wahl.
    Das ist ein kompaktes Teleskop und passt für den schnellen Einsatz auf die Rückbank im Auto.
    10" Öffnung ist für den Anfang gut, damit bekommen viele DeepSky Objekte Struktur.


    Hubraum statt Spoiler! :jerry:


    Dann fehlen noch Okulare...
    Eine etwas preiswertere aber nicht schlechte Alternative zum 31 er Nagler
    ist das Explore Scientific 30mm mit 82°GF.


    Wenn genug Budget vorhanden, gleich dazu noch ein 9mm 100°GF,
    ein Telrad Sucher, und ein Deep Sky Reiseatlas dazu,
    dann bist Du für einige Zeit gut gerüstet.


    Lieber gleich 2 richtig gute Okulare als 5 x Mittelmaß.;)

  • Hallo Jörg,


    das Orion (UK) 10'' war auch mein Favorit. Ich habe mich dann aber doch für einen anderen Weg entschieden (12'' Reisedobson + 11'' SC). Einziger Minuspunkt war damals die etwas schwingungsanfälligere Rockerbox aus Metall. Die hätte man aber bei Bedarf verstärken können. Mittlerweile habe ich einr 12'' Reisedobson und über schwingungsanfälligkeit werde ich mich nicht weiter beschweren :).


    Zu den Okularen.


    Wenns Das Budget verträgt, guck Dir die Televue Ethos-Okulare an. Die sind vermutlich die derzeit besten Weitwinkelokulare. Ich selbst bevorzuge wegen des üppigeren Augenabstands die Pentax XW Serie. Würde ich aber ohne Brille beobachten, hätte ich auch die Ethos. Die Hyperions sind definitiv schlechter.


    Zum Okularbrennweitedurchrechnen kannst Du dir mal http://lcer.de/__oneclick_uploads/2009/09/teleskope.xls anschauen. So was ähnliches gibt es aber auch woanders.


    Austrittspupillen unter 0.5mm wirst Du nur sehr selten nutzen können, ca. 0.8? wären bei einer guten Optik aber als maximale Vergrößerung auf jeden Fall möglich. Dazu ein Übersichtsokular (je kliener die Vergrößerung, desto besser und teuer) und irgendwas dazwischen.


    Aber Achtung: Der Einblick durch die Okulare wird von jedem etwas anders empfunden. Die wahren oder scheinbaren Gesichstfelder bringen wenig, wenn Du hinterher ein schlechtes Einblickgefühl hast. In dieser Preisklasse sollte man vorher testen oder zumindest ein Auswahlrecht mit dem Händler vereinbaren.


    Grüße


    Christoph