Refraktor als Fotomaschine

  • Refraktor als Fotomaschine
     
    siehe auch: Vixen Fluorite Apochromat 102/900
     
    In der SuW-Ausgabe vom 16.07.2010 tituliert der Bericht von Stefan Seip, einem der renomiertesten Astrofotografen:


     
    Damit wird ganz deutlich gemacht, daß dieser äußerst farbreine Voll-APO eigentlich für die Astrofotografie konzipiert worden ist, obwohl die opt. Daten
    ebenso die Kriterien eines sehr farbreinen Apochromaten erfüllen würden. Bis zu einem Bildwinkel von 2° , bzw. Verkippung von 1.0° bzw. 28.8 mm Bild-
    feld-Durchmesser ist dieses System frei von Vignettierung. In den Händen eines Stefan Seip dürften damit brilliante Aufnahmen entstehen. Vielleicht finde
    ich noch welche im WEB.
     
    Große Unterschiede bestehen bei der Beurteilung von fotografischen gegenüber visuell genutzten Systemen. Bei den fotografischen Systemen sollte die Abbildung der
    Sternpünktchen bis in die Ecken des Kamera-Chips möglichst klein und rund sein bis zu einer Größe von 4-3 Mikron. Dabei "verschmieren" sich während einer Aufnahme-
    Zeit von 10 Minuten seeingbedingt z.B. ein eventuell vorhandener Astigmatismus, sodaß am Ende die eigentlich kreuzförmige Abbildung eines Sterns bei Astigmatismus
    das Seeing dies zu einem runden Punkt werden läßt. Eine eventuell vorhandene Über- oder Unterkorrektur verlagert einen Teil der Lichtenergie in den ersten
    Beugungsring (was im übrigen bei obstruierten RC-Systemen ohnehin passiert) und "bläst" lediglich den Durchmesser des Sternpünktchen etwas auf, nur wird das
    in den seltensten Fällen von einem Astrofotografen nachgemessen. In der Summe kommen bei einer "Fotomaschine" selbst bei einem Strehl von ca. 0.50 immer noch
    gute Bilder heraus, weil die Nachvergrößerung durch Okulare entfällt. Der Strehlwert als Kriterium für eine gute "Fotomaschine" verliert deshalb an Bedeutung, weil
    dieser Wert immer nur auf der opt. Achse ermittelt wird und nie im Bild-Feld. Dort wird die Qualität allenfalls über Spot-Diagramme nachgewiesen, aber nie über
    die ohnehin variablen Strehl-Werte, je nach Einfalls-Winkel. Zumindest wird unten der Versuch gemacht, die u.a. strehlmäßig zu erfassen.
     
    Anders ist die Situation bei visuell genutzten Teleskopen: Dieser Refraktor liefert für den visuellen Beobachter sehr gute Strehl-Werte auf der Achse ab und verfügt
    über die Farbreinheit eines Super-APO's. Ähnlich wie der TOA von Takahashi läßt sich dieses System über die erste Linse perfekt zentrieren. Dazu sind - aus gutem
    Grund übrigens - die sechs Zentrierschrauben hinter einem Ring versteckt. Am Stern ist der Versuch einer Zentrierung zu ungenau. Hier wird folgende etwas
    umständliche Zentrier-Möglichkeit erwähnt: Zit: "... mit Hilfe seines Interferometers zentrieren lassen müssen (vorher im grünen Licht nur um beugungsbegrenzt,
    nun irgendwo bei 0.95 (genauere Zahlen folgen sicher noch in einem Bericht" Zit. Ende. Eine Zentrierung über einen Interferometer stelle ich mir nicht nur sehr
    umständlich vor, sie müßte genaugenommen mit einem Twyman-Green Interferometer exakt auf der Achse erfolgen und verlangt die wiederkehrende Nachzentrierung
    des Teleskopes vor dem Planspiegel. Mit einem künstlichen Stern auf der opt. Achse viel zeitsparender mit dem gleichen Ergebnis.
     
    Über die Zentrierschrauben der ersten Linse lassen sich also tatsächlich Coma und sogar Astigmatismus beseitigen. Man wird bei einem fotografischen System also keine
    ausufernde "Fachdiskussion" lostreten müssen. Es reicht völlig, wenn man ein paar beeindruckende Fotos abliefert. Dazu sind allerdings die wortgewaltigen "Strategen"
    selten in der Lage.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_01.jpg]
     
    Was die Spotdiagramme auf der linken Bildhälfte, das wären meine Artificial Sky Aufnahmen unter Höchstvergrößerung (f/2 in mm) der Gegenbeweis auf der rechten Bildhälfte. Und damit wird offenkundig, daß dieses System im Feld bis zu einem Durchmesser von 30 mm feine Sternpünktchen abliefern muß. Die Lichtquelle mit den
    3-5 Mikron großen Pinholes wird aus der opt. Achse in Schritten von 10, 20, und 30 mm versetzt, ohne dabei das Teleskop selbst zu bewegen. Eine Lichtquelle mit
    Abstand 15 mm wird auf der gegenüberliegenden Seite abgebildet. Die dadurch entstehenden Restfehler, Astigmatismus und Coma, sind fotografisch kaum wahrzu-
    nehmen. Zu den Spotdiagrammen links hat dieser Test also eine gute Entsprechung. Nicht überprüft habe ich, ob es signifikante Auswirkungen gibt, wenn man die
    Position der 4. Linse im Okular-Auszug bewegt. Möglicherweise läßt sich der Öffnungsfehler auch über den Abstand der 1. Linse beeinflussen. Für derartige Unter-
    suchungen liegt hier noch ein drittes derartiges Teleskop. Im Falle des TS Flat 2, der eine sehr gute Bildqualität außerhalb der opt. Achse erzeugt bei vielen
    Refraktoren, ist die richtige Position im Strahlengang erforderlich. Nach dieser Logik müßte es im Falle des AX 103 S auch eine optimale Position für die 4. Linse geben.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_02.jpg]
     
    Spätestens beim Foucault-Test fällt auf, daß dieser APO die Farbreinheit eines Super-APO's hat und einen äußerst geringen Gaußfehler. Das ist der farbabhängige
    Öffnungsfehler. Rot reagiert unterkorrigiert, Grün ist perfekt und Blau überkorrigiert. Bei diesem Refraktor liegt eine ganz schwache Unterkorrektur über dem System,
    bei der ich noch nicht weiß, ob sie über den Linsenabstand der 1. oder 4. Linse beeinflußt werden kann. Wenn man die Systemdaten in ZEMAX einspielen könnte, wüßte
    man das am schnellsten. Das Foucault-Bild des Vixen Fluorite Apochromat 102/900 - FL102S zum Vergleich.
     
    Den Farblängsfehler dieses Refraktors habe ich auf zwei Arten ermittelt: Der obere RC_Indexwert entstand über eine Differenzmessung mit Hilfe einer digitalen Meßuhr
    0.001, der untere RC_Indexwert über die Interferogramme, bei auf Grün fokussiertem System. Die Abweichung der farbigen Interferogramme (Power) läßt sich auf die Schnittweiten-Differenz der Spektralfarben zurückrechnen. In der Regel liefert das zweite Verfahren die "besseren" Ergebnisse ab, was diesmal nicht zutraf. Man darf
    aber nicht vergessen, daß die "Unschärfe" im Mikron-Bereich zunimmt.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_03.jpg]
     
    Auf der Basis dieser Farb-IGramme entstand also der obere zurückgerechnete RC_Index-Wert. Die APO-Definition von Thomas Back wäre für dieses Teleskop
    erfüllt. Der Strehlwert ist selbst bei Rot sehr hoch. http://www.astro-foren.de/showthread.php?t=7720 Eine ideale Bedingung für die H-alpha Fotografie. Der
    Gaußfehler spielt im Bereich von unter PV L/8, was man den Foucault-Bildern sofort ansehen kann.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_04.jpg]
     
    Zwischen dem IST-Wert und dem Soll-Wert des Interferogrammes in der Hauptfarbe Grün bei 546.1 nm wave = e-Linie ist also kein großer Unterschied mehr.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_05.jpg]
     
    Die Rest-Fehler sind also weder visuell und schon gar nicht fotografisch wahrnehmbar.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_06.jpg]
     
    Die PSF-Darstellung (point spread function = Energieverteilung) liefert ein nahezu perfektes Bild ab.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_07.png]
     
    ebenso die Kontrast-Übertragungs-Funktion.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_08.jpg]
     
    Wer ein System optisch vermißt, tut dies vornehmlich auf der opt. Achse. Damit bleibt das für die Fotografie wichtige Bild-Feld zunächst unberücksichtigt.
    Aus diesem Grund verkippe ich den Refraktor in 0.2°-Schritten vor dem Planspiegel, um die Auswirkung auf die Abbildung im Feld untersuchen zu können.
    Diese zweite Methode liefert nicht ganz deckungsgleiche Ergebnisse ab, wie der Versatz der Lichtquelle im Fokus eines Systems. Trotzdem sind bei diesem
    Test mehrere Aspekte interessant:
    - An der Farbsituation beim Foucault-Test ändert sich nichts - ein Farbquerfehler kann also weitestgehend ausgeschlossen werden.
    - die Vignettierung setzt spät bei einem Kippwinkel zwischen 1.0° bis 1.2° ein: Das ist die seitliche Abschattung rechts.
    - wie bei allen Refraktor-Systemen nimmt Astigmatismus und Achskoma im Feld zu, wie man an den Interferogrammen sieht.
    - die punktförmige Abbildung im Feld wird also überlagert von Astigmatismus und es entstehen kleine Kreuze.
    - seeing-bedingt wird dieser Sachverhalt "verschmiert" über eine 10-minütige Aufnahmedauer und stört die prinzipiell runde Sternabbildung nicht.
    - Dieser APO ist gleichermaßen eine Fotomaschine wie ein visuelles Highlight und preislich ansprechend.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_09.jpg]
     
    Dieser Refraktor dürfte ca. 2 Jahre auf dem Markt sein, sodaß es vermutlich jede Menge anderer Berichte dazu gibt.
     
    http://www.astrophotoclub.com/seiun/sankou.htm
    http://imageshack.us/f/191/110507m101.jpg/
     
    Vixen AX103S Optical Tube Assembly
     
    http://www.skypoint.it/ddl/allegati/AP-4034.pdf
    http://www.vixenoptics.com/refractors/ax103.html
    http://www.teleskop-express.de…-Ebnung---dual-Auszu.html
    http://www.cloudynights.com/ub…mber/3007617/Main/3003413

  • Hallo Wolfgang,


    endlich ist es mal soweit, daß Du einen AX103S auf dem Messtisch hast. Darauf habe ich schon ein bißchen gewartet.


    Allerdings wüßte ich sehr gerne, welcher Referenz Du diese Aussage nimmst:


    1. ".... rund sein bis zu einer Größe von 4-3 Mikron....." Naja, das Nyquist-Theorem geht genau einen anderen Ansatz.


    2. "....Dabei "verschmieren" sich während einer Aufnahme-Zeit von 10 Minuten seeingbedingt z.B. ein eventuell vorhandener Astigmatismus, sodaß am Ende die eigentlich kreuzförmige Abbildung eines Sterns bei Astigmatismus
    das Seeing dies zu einem runden Punkt werden läßt."


    Dabei sind gerade Refraktoren dieser Größenordnung unkritischer als beispielsweise ein 8" Newton oder 8" RC, was das Seeing anbelangt.
    Und die Praxis zeigt mir eher, daß man den Astigmatismus bei kleinen Geräten schon eher sieht. Was aber entscheidend ist,
    ist die Pixelsize des CCD-Chips. Diese kann sehr wohl im Feld einen gewissen Astigmatismus verschlucken (Praxiserfahrung Chip mit 5,4 Mikron im Verglich zu Chip mit 9 Mikron).


    CS
    Gerrit

  • Lieber Gerrit,
     
    Wie lange ich auf bestimmte Teleskope warten muß, hängt manchmal von seltsamen Zufällen ab. In diesem Fall wurden mir gleich
    drei dieser Teleskope in die Hand gespielt, an denen ich meinen "Forscherdrang" ausleben konnte. Nun bin ich bekanntermaßen
    - leider - kein Astrofotograf, weshalb mir bestimmte Feinheiten, wie das Nyquist-Theorem nur aus dem WEB bekannt sind.
    Vor ca. 30 Jahren war man mit einem Sternpünktchen-Durchmesser von 30 Mikron noch voll zufrieden. Die von mir gebaute
    Newton+Korrektor Kamera mit hyperbolischen Flächen auf Hauptspiegel und letzter Korrektorfläche brachte einen Durchmesser
    von 10 Mikron. Heutige Kameras haben noch kleinere Durchmesser der Sternscheibchen, aktuelle Beispiele fehlen mir derzeit.
     
    Dem gegenüber stehen Astro-Aufnahmen gängiger RC-Systeme, die über eine deutliche Obstruktion verfügte. Als das folgende
    Bild entstand, hatte das System noch eine deutliche Achskoma, mein typisches Bild beim Artificial Sky Test, siehe Bild weiter oben,
    war noch überhaupt nicht zu erkennen, nach der Zentrierung aber schon. Der Lösung des Rätsels versuchte ich in dem folgenden
    Beitrag näher zu kommen: http://www.astro-foren.de/showthread.php?p=54906#post54906
    Siehe besonders: http://rohr.aiax.de/@SV_D.png
    Da ich weiß aus diesen Vergleichen, daß selbst ein Strehlwert auf der Achse von ca. 0.50 hauptsächlich wegen Überkorrektur
    und Astigmatismus im Bereich PV L/3 noch zu ansprechenden Bildern führt, braucht man für die Beurteilung von "Foto-Maschinen"
    offenbar andere Kriterien. Und die müßten nach meiner Vorstellung etwa so aussehen:
    - Mich würde zuallererst der Sternscheiben-Durchmesser in den Ecken bei lichtschwachen Sternen interessieren,
    eventuell in Zusammenhang mit Doppelsternen, deren Abstände man kennt, der Pixelgröße in Mikron etc.
    - zweitens wüßte ich gerne den Unterschied zwischen obstruierten RC-Systemen und Refraktoren am konkreten Astro-Foto
    hinsichtlich des Sternscheibchen-Durchmesser. Also die Frage, um wieviel "bläst" die Obstruktion das Sternscheibchen auf.
    Theoretisch läßt sich das zwar berechnen, die Praxis ist mir aber lieber.
    - drittens scheinen mir lediglich die systembedingte Koma eines Newtons oder ein Refraktor ohne Flattner einen größeren
    Einfluss auf die Abbildung zu haben, nicht so ein Zentrierfehler, wie in der folgenden Aufnahme, oder ein Astigmatismus kleiner PV L/2
     
    Viele der luftleeren Theorie-Diskussionen läßt sich nur sicher von den Astro-Fotografen selbst beantworten. Und die sind a) dünn gesäht
    und haben b) nicht meine Interessen.
     
    Astro-Fotografie
     
    RC-Systeme: Zwischen den Stühlen - visuelle / fotografische Beurteilung
    10 inch GSO RC Wieviel Strehl braucht ein Astro-Objektiv ? ATIK4000-techn.Daten
    10" GSO RC - Auflösung im Feld perfekt
    ATIK 4000-Auflösung und Artificial Sky Test
    Wieviel Astigmatismus verträgt die Astrofotografie
    LOMO APO + TS-Flattner , [B]Refraktor: Coma+Astigm im Feld[/B]
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_11.jpg]
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_12.jpg]

  • Lieber Wolfgang,


    Wenn ich mir die heute verfügbaren oder für gewöhnlich eingesetzten (Common Case) CCD Kameras anschauen, dann landen wir in den Anwendungsdomänen:
    1.Kurzzeit-Belichtung( Planeten Fotographie, planetarische Nebel mit hoher Flächeninensität) bei ca. 4,8 Micron (Domäne der Sony-Chips)
    2.Langzeitbelichtung: Hier konvergiert gerade der Avarage Case von ca. 7 Micron gegen 5 Micron.
    2.1. Detailiert: Im Brennweitenbereich von mehr als 2000 mm liegt der Bereich bei 9 Micron
    2.2. Brennweitenbereich unterhalb von 2000 mm bei ca. 6 Micron. Die Wichtung geht in diesen Bereich. Daher meine 7 Micron.


    Das ist meine Marktwahrnehmung, die sich auf Betrachten von Bildern, Angeboten von CCD-Kameras, Kaufwünschen in Foren stützt.


    Natürlich ist das für die meisten Pedanterie oder Laubsägenarbeit. Jupp, isses auch. Deine Aussagen Wolfgang decken sich aber nur im Segment von Optiken, die leichter auf Seeing reagieren. Und ich möchte darauf hinweisen, daß man das bei kleineren Geräten nicht mehr pauschalisieren kann. Mehr isset nich.
    Eine detailliertere Betrachtung spann noch lange keine Gegensätze auf. Und die sehe ich hier auch nicht. Sehe meine Klassifizierung oben eher als Input für Deine weitere Arbeit und bleib am Ball. Ich finde es zumindest sehr spannend.


    Und respektive Deiner Aufnahme: Du nimmst hier ein Pretty-Picture das mit einer Kamera mit einer Pixel-Size von 9 Mikron (es gibt nur wenige Kameras mit dem von dir genannten Bildfeld in Pixeln und die haben 9 Mikron) aufgenommen wurde. und wenn ich davon ausgehe, daß nach der Optimierung das asthigmatisch verformte Beugungscheibchen gerade mal 12 Mikron misst. Dann spielt das Seeing keine Rolle! Warum? Weil irgendwann der Chip an den "fehlerhaften" Stellen so gesättigt ist, daß Du auch bei vernachlässigtem Seeing keine Bildfehler feststellst. Hier treten andere Effekte im Schwerpunkt auf. Sättigung!!!!!
    Kommen wir zu dem Thema warum auch obstruierte Optiken an Planenteaufnahmen top sind, aber bei Deepskyaufnahmen dicke Sterne verursachen. Dahin geht die Richtung.


    Grüße,
    Gerrit

  • Lieber Gerrit,
     
    hier eine kurze Antwort:
     
    Die Astro-Fotos sind nie von mir, sie werden mir nur zur Beurteilung geschickt. Wenn ich Glück habe, erfahre ich die Aufnahmedaten und ganz selten den Kamera-Typ bzw. deren Chip mit Pixel-Größe etc.
     
    Meine eigenen Testbilder entstehen seit Jahren mit einer Olympus Kamera. Seit mindetens 5 Jahren eine Olympus Camedia C5050, sowie deren techn. Möglichkeiten, die exakt für meine Bedürfnisse ausgelegt sind.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/Olympus.jpg]
     
    Aus meinem Artificial-Sky Test kann ich unter Höchstvergrößerung (Fokus/2) die Auflösung eines Teleskopes berechnen, was in den meisten Fällen mit der
    Formel übereinstimmt. Das gilt für die Darstellung auf der opt. Achse. Interessant ist aber auch die Anwendung im Feld, weil damit die Fehler eines Systems
    im Feld sichtbar gemacht werden können.
    Dies aber unter den gleichen Vergrößerungs-Bedingungen wie auf der Achse, und das stimmt für die Fotografie natürlich nicht. Da hilft dann nur der Vergleich
    weiter, meine Bilder zu vergleichen mit Feldaufnahmen, die man mit dem gleichen Teleskop unter gleichen Fehler-Einflüssen sowohl am Himmel wie auf der opt.
    Bank gewinnt. Das wiederum ist sehr, sehr selten.

  • Artificial Sky - Übersicht: Artificial SkyBildfeld Test über 20 mm opt. Target/Pinhole flat
    Rayleigh Funktions-Kurve, Strehlwert und Obstruktion
     
    . . . nochmals laut vor mich hingedacht:
     
    Mein Künstlicher Sternhimmel besteht aus Pinholes mit Durchmesser von 3-5 Mikron, sogar welche mit nur 1 Mikron, also rein physikalisch weit unter der
    Pixel-Größe heutiger Kamera-Chips. (Ich habe mir das unterm Mikroskop angeschaut und vermessen) Diese Art Lichtquelle schicke ich zweimal durch eine
    Optik und schaue mir in der Gesamtsumme das davon erzeugte Bild unter Höchstvergrößerung an: Also Fokus/2-fach.
     
    Es entsteht also anders als bei einer Kamera ein nachvergrößertes Bild, und wegen der Kleinheit der Pinholes nicht nur das Maximum sondern auch noch
    wunderbare Beugungsringe, deren erster sich sehr gut zur Fehlerbeurteilung taugt - eben durch die hohe Vergrößerung.
     
    Hat ein Refraktor sphärische Aberration in Form von Über- oder Unterkorrektur, so sieht man das über einen zu deutlich ausgeprägten 1. Beugungs-Ring.
    Der gleiche Effekt entsteht bei obstruierten Systemen, auch da wird Energie in die Beugungeringe verschoben, je nach Größe der Obstruktion siehe unten.
    Wenn dieser Beugungsring kreuzförmig durchbrochen ist, so liegt Astigmatismus in unterschiedlicher Größe vor, abhängig davon, wie deutlich dieser Effekt
    zu sehen ist.
    Ist dieser BeugungsRing nicht rotations-symmetrisch, so kann man Koma erkennen, und danach auch zentrieren, auch wenn man nicht exakt auf der Achse ist.
    Bei katadioptrischen Systemen muß man hingegen vorsichtig sein in der Beurteilung von Koma, die müssen exakt auf der Achse zentriert werden.
     
    Der große Vorteil dieser aus vielen Pinholes bestehenden Lichtquelle ist der Umstand, daß ich sowohl den Pinhole-Durchmesser, wie auch den Abstand genau
    kenne, und damit aus dieser Fotografie, bzw. dem Bild auf der Fotografie, die Auflösung ausrechnen kann. Allerdings ist das die Abbildung durch das
    Okular hindurch, wie es auch das Auge bekommen würde. Eine direkte Fotografie derart, daß der Kamera-Chip das Bild aufnehmen würde, gibt es also nicht.
    Da würde jegliche Information genauso verschwinden, wie bei der Fokal-Fotografie bei Astro-Kameras.
     
    Wenn also die Pixelgröße um den Betrag von 8 Mikron spielt, dann würde die untere Dreiergruppe (Mitte-rechts mit 8 Mikron) kaum aufgelöst, und Fehler,
    die den Bereich von 8 Mikron nicht übersteigen, ebenfalls nicht. Der Chip einer Kamera sieht also aus physikalischen Gründen Fehler nicht, die erst über die
    max. Nachvergrößerung gesehen werden können. Ich bin also weit unterhalb der Diskussion um die Sättigung von Pixeln etc. bei der aktuellen Astro-
    fotografie.
    Ich sehe also auf der opt. Bank beim Artificial Sky Test bei bestem Seeing über die Nachvergrößerung die opt. Fehler einer Kamera, die der
    Kamera-Chip nie zu sehen kriegt.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/QTest07.jpg]

  • > die opt. Fehler einer Kamera, die der Kamera-Chip nie zu sehen kriegt.


    Lieber Wolfgang,


    Dies ist ja auch einer der Gründe, weshalb Standard-Foto-Optiken nach anderen Gesichtspunkten konstruiert werden als visuelle Instrumente: Z.B. hohe Lichtstärke und großes ausgeleuchtetes Feld. Beugungsbegrenzte Foto-Optik gibt es außerhalb des Astrobereichs nur in der Reproduktionsfotografie. Normale Optiken sind weit davon entfernt. Aber für die bildnerische Anwendung sind eben andere Kriterien wichtiger.

  • Hallo Wolfgang,


    Um weiter fortzufahren, möchte ich mein Verständnis Deiner Vorgehensweise darstellen.


    Folgendes ist sehr plausibel: Deine Messungen haben die Intention Bildfehler bei höchsten Vergrößerungen zu dokumentieren, die im gewöhnlichen Fall idealerweise nicht sichtbar sind.


    A) Um eine Eingangskontrolle Deiner Messung zu haben


    B) Um den Abschluss einer Justage optischer Komponenten abzusichern.


    Für die weitere Beurteilung hälst Du das Beugungscheibchen des (künstlichen Sterns) mit dem Verfahren der afokalen Fotographie fest. Diese Art der Fotographie ermöglicht es Dir, Aberrationen (um nicht die komplette List wieder zu führen) zu dokumentieren.


    Der Anschluß einer Kamera im Primärfokus würde bei sehr geringen Fehlern die tatsächlichen Geheimnisse einer Optik bei höchster Vergrößerung nicht so veranschaulicht zeigen.


    Die Primärfotographie würde Dir kaum Anhaltspunkte für Deine bevorstehende und über den Erfolg Deiner abgeschlossenen Arbeit zu geben.


    Das ist die Stufe 1. Deiner Messberichte. Dann finden wir ergänzt - vorzugsweise bei Fotooptiken - Referenzbilder. Die aber wiederum
    im Primärfokus entstanden sind. Aus diesen werden dann Interpretationen geführt, wieso ein Bildfehler nicht erscheint.


    Habe ich das bis hier hin richtig verstanden?


    Wäre es nicht auch möglich, einen Brückenschlag zwischen der Messung aus Stufe 1 und der Darstellung aus Stufe 2 derart einzuführen,
    das man das Bildergebnis aus Stufe 1 in ein Ergebnis aus Stufe 2 zurück rechnet? Das müßte über eine Skalierung des Bildes gehen.
    Dieser Schritt würde jedem sehr plausibel veranschaulichen, was im Primärfokus an Bildfehlern noch sichtbar bleibt. Und damit könnte man auch Strähl-Fanatikern absolut plausibel klar machen, daß gewisse Aberrationen im Primärfokus an Bedeutung verlieren bzw. das sie innerhalb der Toleranzgrenze der gewöhnlich verwendeten Chips sind. Das wäre zumindest konsequent.


    Ich habe diesbezüglich mal eine kleine Simulation mit Aberrator gestartet. Bin aber noch nicht fertig. Der prinzipielle Durchlauf meiner Überlegungen zeigt aber genau das, was ich in meinen Postings formuliert habe.


    Vielen Dank und viele Grüße,


    Gerrit

  • Dem Piu58 Dank für die Bestätigung, wie opt. Qualität von der jeweiligen Anwendung abhängt. Die höchste Genauigkeit dürften vermutlich die Mikroprozessor-
    Chips erfordern.
     
    Bei der Beschreibung der Zit. Stufe 1 meiner Meßberichte, werde ich von Gerrit richtig beschrieben. Dieser Bereich ist einigermaßen sicher durchzuführen, zu
    beschreiben und auch nachzuvollziehen.
     
    Beim Vorschlag Zit:"Bildergebnis aus Stufe 1 in ein Ergebnis aus Stufe 2 zurück rechnet?" habe ich erst einmal ein Verständnis-Problem. Ich weiß noch nicht
    genau, was Du damit meinst.
     
    Ich kann zwar bei Rohbildern - über die Größe der einzelnen Pixel, der Bildgröße in Pixel, und besonders bei engen Doppelsternen und deren Sättigung auf dem Chip,
    (idealerweise vielleicht noch den Abstand der Doppelsterne in arcsec) - die fotografischen Ergebnisse zeigen. Dann dem gegenüber die Ergebnisse meiner Artificial
    Sky Bilder gegenüberstellen. Mehr würde ich dazu aber erst einmal nicht sagen wollen, um nicht zuviel hinein zu interpretieren.

  • Hallo Wolfgang,


    im Primärfokus fotografiere ich ja bei der tatsächlichen Brennweite F [mm] der Optik.


    Bei der fokalen Fotographie - wie im Messaufbau verwendet - vergrößere ich dieses Bild ja nur:
    F_af = F * M, wobei M der Vergrößerungfaktor ist.


    M berechnet sich aus der Brennweite des Kameraobjektivs F_obj und der Brennweite des Projektiontsokulars F_ep: M = F_obj / F_ep. Die Formeln kann man [1], [2] entnehmen.


    Der Faktor M skaliert also für Beurteilungszwecke den Bildfeldfehler auf ein wahrnehmbares Maß. Wenn man nun mißt, wie groß das Beugungscheibchen tatsächlich in Mikron auf dem Chip Deiner Digital-Kamera ist, dann könnte man M auch dazu heranziehen um festzustellen, wie groß das Beugungscheibchen in Mikron im Primärfokus ist! Richtig?


    Um das zu tun, müßte man die Geometriedaten des Chips und die verwendetet Brennweite Deiner Kamera wissen:
    1. Geometrie des CCD-Chips: 1/1.8" (7.18 x 5.32 mm) 5 megapixel CCD sensor.
    2. Der Brennweitenbereich des Objektivs ist: Olympus (Multivariator) 3fach Zoomobjektiv 7,1 mm – 21,3 mm, f1,8/f2,6, 10 Elemente in 7 Gruppen inkl. 2 asphärischer Linsen.


    Wenn Du nun bei voller Auflösung knipst, dann ist die Umrechnung der Pixelgröße relativ einfach. CCD_Width * 1000 / Max_Pixels_Horizontal [Mikron] = 7,18 *1000/3200 = 2,2 Mikron.


    Jetzt kommt es drauf an, wieviel Pixel das Beugungscheibchen abdeckt. Ich nehme für weitere Betrachtungen 100 Pixel x 100 Pixel an. D.h. 220 x 220 mikron.


    Weiter nehme ich an, daß Du bei einer Objektivbrennweite von 20 mm eine Aufnahme des Begungscheibchens machst. Du verwendest ein Nagler-Zoom bei f=2 mm. Der Vergrößerungsfaktor ist also M = 10.


    Du erhälst also unter Berücksichtigung meiner Annahmen eine Skalierung des Beugungsscheibchesn um den Faktor 10.
    Also wäre die Größe des im Primärfokus gemessenen Scheibchens 22x22 mikron. Wobei ich hier nochmal ausdrücklich darauf hinweisen möchte, daß ich für die Ausdehnung des Beugungscheibchens bis zum 1. Begungsring folgenden Bereich angenommen habe: 100 Pixel x 100 Pixel. Genauere Aussagen kann ich treffen, wenn mir Wolfgang signalisiert, ob seine Fotoausschnitte 1:1 Darstellungen sind.


    Mit meiner Beispielrechnung wird aber schon deutlich, daß Bildfehler bei der Verwendung eines Chips mit 9 Mikron weitestgehenst geschluckt werden. Das Seeing spielt bis hier hin keine Rolle!


    [1] Covington, "Astrophotography for the Amateur"
    [2] Paech, Baader , "Tipps und Tricks für Sternfreunde"


    LG
    Gerrit

  • Nachtrag:


    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_12.jpg]
    In der Annahme, daß die oben dargestellte Aufnahme eine 1:1 Abbildung ist und das die volle Kameraauflösung verwendet wurde:


    Im Bezug auf dieses Bild hat das Beugungscheibchen eines künstlichen Sterns in Wolfgangs Messung eine Größe von 40 Pixel x 40 Pixel (ca). Das entspricht 88 x 88 Mikron. Und im Primärfokus 8,8 Mikron (Beachtet bitte, Wolfgangs künstliches Sternchen wird hier von seinen gemessenen 4 Mikron nur auf 8,8 Mikron aufgebläht).



    Ein reduzierter Strehl heißt für mich, daß Energie im Zentrum in die Beugungsringe abwandert. Wenn das Beugungscheibchen im Durchmesser allerdings nur 8,8 Mikron mißt. Dann ist der Strehl von 0,5 bei einer Umverteilung von ca. 50 % in die Beugungsringe. D.h. aber mit anderen Worten, daß es nicht viel weniger Lichtquanten in den CCD-Bulk regnet als bei einer guten Optik.


    Also für Strehlfetischisten ne ganz klare Ansage! Man wird den Fehler nicht feststellen. In diesem Falle auch nicht mit einer CCD mit 5,4 Mikron. So und nun dominiert bei wesentlich helleren Sternen das Thema Sättigung (auch bei 0,5 Strehl) die Bühne. Und wie Wolfgang schon richtig schreibt rührt das Seeing und die Nachführung die Sterne nach Gauss nochmal richtig rund - und größer. Aber eins wird klar:


    Auch Optiken mit 0,5 Strehl können in einer Langzeitbelichung gute Ergebnisse liefern (sofern es keine chromatischen Aberrationen gibt). Es wird bei optimalem Seeing nicht mehr an Auflösung genommen, wie die Kamera im Primärfokus überhaupt zuläßt.


    Viele Grüße,
    Gerrit

  • Hallo Gerrit,
     
    beeindruckende Rechnerei. Trotzdem isses eben nicht ganz genau so:
     
    01. Die "normale" Bildgröße meiner Olympus Camedia C5050 Zoom beträgt 2560X1920
    Bei Testbildern stelle ich das Format 1280x960 Pixel ein, aus Speicherplatzgründen
    Für's Web und den jeweiligen Bericht verkleinere ich auf 1100x825 oder benutze
    Ausschnitte aus den oberen Formaten.
     
    02. Da in Autokollimation ein Fehler doppelt sichtbar wird, rechne ich aus meinem 4 mm
    Nagler immer effektive 2 mm heraus, also f/2-fache Vergrößerung.
     
    03. Der Kamera-Zoom bei diesen Testbildern ist voll ausgefahren, bezieht sich aber immer
    auf das Format 1280x960 Pixel. Alle anderen Lösungen liefern zu kleine Bilder ab.
     
    04. Die Einflüsse des Okulars sind unberücksichtigt, sollte aber nicht sein.
     
    05. Mit den Abständen der 3-Gruppe in der Mitte: 10µ <- 0 -> 8µ habe ich bereits ein
    Maß, mit dem ich rechnen kann. Mit dem Durchmesser der Pinholes ebenfalls, mit dem
    Durchmesser des ersten Beugungsringes auch. Das wird aber dadurch schwieriger,
    weil bei obstruierten Systemen, dieser deutlicher auf das Ergebnis einwirkt, trotz
    hohem Strehlwert. Man müßte daher differenzieren, und da wird es schwierig.
     
    06. Je nach Belichtungszeit meiner Olympus Camedia ist der Beugungsring unter-
    schiedlich deutlich zu sehen und stört eigentlich die Berechnungen.
     
    07. die Vignettierung haben wir noch nicht betrachtet.
     
    Ganz allgemein muß ich folgende Anmerkungen machen:
     
    Die Gelehrten der scharzen und blauen Zunft lesen hier ja fleißig mit und kupfern ja auch kräftig bei mir ab, jedenfalls in der
    Vergangenheit war das so. Gerade bei einem math. Algorhytmus sind es aber auch die Ersten, die sich befleißigen, mir
    sofort jede Unrichtigkeit nachzuweisen. Da hat sich doch so ein alter Zausel in der Vergangenheit regelrecht einen Namen
    gemacht. Unser Denkansatz sollte also wasserdicht sein. Solange ich also die Rohbilder nur den Bildern des Artificial Sky
    Testes gegenüberstelle, und auf die Interpretation, Berechnung etc. verzichte, ist die Sache unangreifbar. Auf alles andere
    warten doch nur meine Gönner.

  • Beim dritten Vixen AX103S interessierte mich, ob der Abstand der 4. Linse im Okularauszug eine entscheidende Rolle spielt. Zunächst ist der Abstand sehr gutmütig,
    aber es gäbe nach meinen Versuchen trotzdem folgende optimale Abstände:
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_14.jpg]
     
    Bei diesen Abständen ergibt sich folgender Eindruck für die Vignettierung, obere Reihe, und die daraus resultierende Abbildung beim Artificial Sky Test untere Reihe.
    Bei Durchmesser 30 mm nimmt der system-bedingte Astigmatismus zu, was man sieht, wenn man den Gamma-Wert "hochzieht". Die Aufnahmen sind bei 550 nm wave
    gemacht, um andere störende Farbeffekte auszuschließen.
     
    Die hier über den Artificial Sky Test gezeigte optimale Auflösung, wird von einem Kamera-Chip in der Regel gar nicht genutzt. Zumindest meine Bilder legen diesen
    Schluß nahe.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_13.jpg]

  • Hallo Wolfgang,


    eine Rechnung kann nur so gut sein, wie die Eingangswerte stimmig sind. Nun ist das Bild etwas klarer.


    Man kann es auch ganz pauschal sagen. Du mußt das Bild im Primärfokus schon vergrößern, damit Du eine Beurteilung der Optik spätestens nach der Justage vornehmen kannst. Damit der Restfehler überhaupt eingrenzbar ist. Denn im Primärfokus werden Aberrationen in Langzeitbelichtungen nur minimal bis garnicht sichtbar. Im Prinzip reicht der Abgleich mit Deinen Spot-Messungen aus.
    Wenn man sich Gedanklich ein Raster einer der gängigen CCD's darüber legt, wird man feststellen, daß Aberrationen im Bild kaum bis nicht wahrgenommen. Man kann es auch berechnen, wenn man die richtigen Eingangsgrößen kennt. Im Prinzip reicht aber die Beurteilung nach oben dargestellter Methode. Die Größe des Beugungscheibchens (inkl. erster Beugungsring) im Primärfokus ca 22 µ (rechnerisch unter Berücksichtigung der von Dir gelieferten Werte ermittelt und das passt auch zu Deiner 3er Gruppe). Dazu muß man auch nicht lange mit der mathematischen Laubsäge rumstochern.


    An meiner aus der Rechnung oder dem Abgleich CCD-Raster vs. Beugungscheibchen gefällten Schlussfolgerung ändert sich jedoch nichts.
    -> Aberrationen können durch das CCD-Raster maskiert werden.
    -> im nächsten Schritt durch die Sättigung der einzelnen Punkte.
    Selbst wenn das Seeing keinen Einfluß nimmt.


    Ich denke die Überlegungen die wir hier geführt haben, helfen gewisse Restfehler in Relation zu setzen.


    Und nun gerne zum AX zurück.


    Viele Grüße,
    Gerrit

  • Hallo Gerrit,
     
    die für mich wichtigste Frage wäre dann die Größe eines Rasterfeldes, die Du mit durchschnittlich 22µ angibst. In einem solchen Feld würde meine Dreier-Gruppe ebenfalls im Regelfall einfach verschwinden. Wären das dann eine Gruppe von 4 oder 9 Pixel? Zumindest auf dem Rohbild findet man keine feineren Sterne, sodaß das stimmen
    könnte.
    In der Regel kann ich den Artificial Sky Test nur bei sehr guten APO's, Maksutovs und RC-Systems machen. Bei vielen SC-Systemen kommen "grausame" Ergebnisse
    heraus, obwohl mit SC-Systemen häufig sogar Planeten-Aufnahmen erstellt werden - computer-nachbearbeitete versteht sich. Wenn also vor 30 Jahren bei der Film-Fotografie die 30x30 Mikron für eine Feldaufnahme angegeben worden sind, dann dürfte das heute in vielen Fällen immer noch ausreichend sein.
     
    Wenn man sich also auf eine Rasterfeld-Größe von ca. 20x20 Mikron einigen könnte, dann hätte man bereits einen guten Maßstab für die opt. Tauglichkeit von
    Kamera-Systemen für die Astrofotografie - denn der Strehl-Wert verliert hier seine Bedeutung.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/@SV_D.png]

  • Hallo Wolfgang,


    es geht nicht um 20 Mikron 25 Mikron oder 30 oder 3,4 Mikron. Mir geht's um die Methode der Erläuterung "Warum ist ein geminderter Strehl bei Langzeitbelichtung kein großes Problem" und um die Erklärung der Ursachen. Du argumentierst mit Seeing. Ich argumentiere: (schwarz an) Selbst wenn der Astrophotograph eine Beobachtungsnacht im luftleeren Raum überleben würde (schwarz aus) - kurz das Problem Seeing nicht wäre - würden immer noch andere Effekte in seinem System Aberrationen maskieren.


    Meine Ausführungen beziehen sich auf die Langzeitbelichtung. Das darin beschriebene Feld (Durchmesser) bezog sich auf einen deformierten, künstlichen Stern bis zu ersten Beugungsring eines bereits justierten Teleskops (in diesem Falle den Offizinal Stellare, 10") bis zum ersten Beugungsring.


    Dieser Wert wurde einfach mit der Bildverarbeitung gemessen. Repräsentiert aber den sogenannten Half-Flux-Diameter (HDF). Der HDF ist eine weitere Metrik zur Bestimmung der Schärfentiefe, neben der FWHM-Metrik. (Der HDF ist unempflicher respektive Seeing-Effekte) und bezieht einen Bereich mit ein, der den ersten Beugungsring noch berücksichtigt. Ob dieser jetzt immer genau bei 20 Mikron liegt?
    Für Deine Labormessungen scheint dies ein annehmbarer Wert zu sein. In diesem Bereich liegen alle gemessenen Spots im justierten Zustand. Eine Strehlminderung muß hier notwendigerweise auch eine Minderung der Abbildungsqualität heißen.


    Man kann nun klassifizieren:
    Die Aberration wird nicht sichtbar in einer 9 Mikron CCD
    Die Aberration wird nich eindeutig sichtbar in einer 7 Mikron CCD
    Die Aberration wird etwas sichtbar in einer 5,4 Mikro CCD
    Für mich wäre das Justageziel dann eine CDD mit 5 Mikron. Die hast Du ja bereits.


    Wenn man sowas mal in explizite Relation zu einem Strehl setzt für eine Photooptik für Deepsky-Aufnahmen.


    Diese Klassifizierung kann nun jeder Leser Deiner Berichte vornehmen und schauen, ob er das Problem in seinem System wirklich sehen kann.


    Hier in dieser Aufnahme wird eine Kamera mit 7 Mikron verwendet. Auf den ersten Blick scheint der Astigmatismus wahrnehmbar, wenn die Sterne eine leichte kreuzformen andeuten.
    Das ist aber kein eindeutiges Merkmal mehr für Astigmatismus. Solche Shapes können auch immer dann entstehen, wenn ein kreisrunder Stern mit einem rechteckigen Raster abgebildet wird.


    Die hier dargestellten Doppelsterne zeigen keine Sättigung (nach 600 Sek). Geben aber auch kein eindeutiges Anzeichen für Astigmatismus. Erst wenn ich alle Sterne gleicher Intensität heranziehe, dann würde ich so ein Merkmal schon wahrscheinlicher klassifizieren können. Aber ich hätte noch immer keine 100% Aussage. Die würde ein versierter Optikprüfer finden oder ein Sterntest bei optimalen Bedingungen. Findet man nun Sterne gleicher Intensität, die aber völlig andere Shapes erzeugen - und das ist mit Sicherheit der allgemeine Fall - verschwindet das Thema Astigmatismus sogar beim Abildungsprozess eines astigmatisch verformten Sterns im Raster der CCD-Kamera. Kreisrund ist nun mal kein Stern im CCD-Gitter. Es sind alles Polygone (mal mehr oder weniger symmetrisch). Bei Sternen mit starker Sättigung im Zentrum fallen Bildfeldfehler schon nicht mehr auf (bei alten CCD's war sogar noch der Faktor Bleeding ein Thema, d.h. Überlaufen von Elektronen in Nachbar CCD-Bulks bei Sättigung. Metapher "Der Eimer ist voll und läuft über und die Umgebung bekommt auch was mit". Dieser Effekt wird bei neuen CCD's mit Anti-Blooming-Gates reduziert). Das ist aber eine plausible Erklärung, warum auch ein Teleskop mit einem Strehl von 0,5 gute Bilder liefern kann. in der Langzeitbelichtung!


    Bei Planetenaufnahmen habe ich höhere Ansprüche! Hier werden derart kurze Belichtungszeiten gewählt und große Datenmengen gewählt, dass ich bei höchster Vergrößerung sogar in der Lage bin einen astigmatisch verformten Stern festzustellen (Google -> Metaguide). Mit der Anwendung Metaguide kann man sich dieses Phänomen sogar im Live-Screen anschauen und hat ein Tool zur Unterstützung/ Beurteilung der Kollimation . Aber allemal mühsamer als das Teleskop mal 3..4 Tage einer grundsätzlichen Prüfung bei Dir zu unterziehen. Übrigens wird man bei SCT-Systemen feststellen, daß man selbst mit der Justage des Fangspiegels nicht alles einfangen kann.


    Bei vielen SCT-Systemen wird ein Astigmatismus durch die Montierung der optischen Komponenten hervorgerufen. Während Intes das Thema Hauptspiegelhalterung sehr gut gelöst hat, können die großen SCT-Hersteller noch lernen. Viele SCT-System kranken leicht unter einer sogenannten Hauptspiegelverkippung (und damit auch Verspannung), die konstruktionsbedingt bei der Montage des Hauptspiegels in der Halterung entsteht. Hier werden z.B. Arretierungen über nicht planparallel Flächen (Hauptspiegelrückseite) mit Spannringen vorgenommen ohne den Spiegel auf Rundlauf zu testen (ja, daß geht). Intes hat das bei den Mak's mit einer soliden Konstruktion sehr gut im Griff. Weiter ist die Zentrierung des Fangspiegels auch ein Thema bei SCT's.


    Man beobachtet in Planetenaufnahmen, die mit SCT's entstanden sind, daß ca. 50% des Objekts scharf und kontrastreich sind. Selbst bei atmosphärischer Refraktion, wo z.B.Juptermonde farblich zerlegt werden. Aber das Hauptobjekt selbst hat in einem Areal von 50% um das Zentrum einen oftmals guten Kontrast. Diese Bilder brechen aber zum Rand hin ein. Ein Unterschied hier ist der Grad der Sättigung der Pixel. Und ich hege die Vermutung, daß hier das gleiche Phänomen vorliegt. Man es aber eben nicht beseitigen kann.


    Viele Grüße,
    Gerrit

  • Lieber Gerrit,
     
    wir haben unterschiedliche Denkansätze:
     
    Beim Artificial Sky Test a) auf der Achse und b) im Feld habe ich einen Maßstab, den ich je nach System und dessen Öffnung auf die Praxis anwenden soll.
    So möchte es der Sternfreund, der sein Gerät bei mir vorbei-"trägt".
     
    Also brauche ich 1) die techn. Daten des Aufnahme-Chips und damit erzielte Rohaufnahmen und 2) meine Testbilder, um beide "Welten" in irgendeiner Weise
    sinnvoll in Beziehung zu setzen.
     
    Nach meiner Auffassung müßte ich also immer 1) und 2) haben, um an dieser Stelle zu plausiblen Vergleichen zu kommen. Bisher war das sehr selten der Fall.
     
    Wir sind uns einig, daß der auf der opt. Achse ermittelte Strehlwert wenig bis gar nichts über das gesamte Bildfeld bis zu 30 mm Durchmesser aussagt,
    da sind Spot-Diagramme von Optical Design Programme sehr viel informativer und korrespondieren aber dann wieder mit meinem Artificial Sky Test. Aber
    auch da habe ich nicht das handwerklich gefertigte System vor mir, sondern das Ideal im Computer.
     
    mal eine kleine Zusammenstellung, wie verschieden das sein kann:
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/@A_Sky_01.jpg]

  • Hallo Wolfgang,


    unterschiedliche Denkansätze sind durchaus konstruktiver Natur. Ich sehe aber keine großen Unterschiede im prinzipiellen Ansatz. Ich sehe nur Unterschiede in der kognitiven Tiefe und in der Modellierung des Gesamt-Systems und der damit einhergehenden Erklärung von "maskierten" Aberrationen im photographischen Einsatz.


    "Beim Artificial Sky Test a) auf der Achse und b) im Feld habe ich einen Maßstab, den ich je nach System und dessen Öffnung auf die Praxis anwenden soll. So möchte es der Sternfreund, der sein Gerät bei mir vorbei-"trägt"."


    Der Sternfreund möchte wissen, ob das zu prüfende System seinen Anforderungen im späteren Praxiseinsatz genügt und/oder ob die vom Hersteller versprochenen Systemeigenschaften eingehalten werden.


    Also mir hat die Diskussion was gebracht. Vielen Dank fürs konstruktive Mitwirken an der Stelle.


    Beste Grüße,
    Gerrit

  • Zum 10-inch AOM RC-System hatte ich doch weiter oben ein Bild vor und nach der Zentrierung.
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/AX103S_12.jpg]
     
    Dazu passend bekam ich heute zwei Roh-Bilder, die links (Ausschnitt aus der Bildmitte) den Zustand vor der Zentrierung und rechts den Zustand nach der Zentrierung
    zeigen. Mal vorausgesetzt, die Aufnahmen entstanden unter exakt den gleichen Bedingungen, dan würde man rechts in den jeweils eingezeichneten gelben Rechtecken
    kleinere Sterndurchmesser erkennen können, die man aber nur bemerkt, wenn man ganz genau hinschaut. Daraus schließe ich daß die Astrofotografie sehr gutmütig auf
    optische Fehler reagiert.
     
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/Zentrierung.jpg]
     
    Die Pixel-Größe nach unterer Tabelle wäre 6.05 im Quadrat. Das wäre ziemlich genau die theoretische Größe der Kamera-Auflösung bei 2 000 mm Brennweite und
    0.0055 Abstand im Fokus. Für die Sternabbildung in diesem Beispiel sind aber wesentlich mehr Pixel zu sehen, auch bei engen Doppelsternen. Der Einfluß vom Seeing
    läßt sich in diesem Fall nur abschätzen.
     
    http://qhyccd.com/QHY10.html
     
    [IMG:http://rohr.aiax.de/Kamera_QHY10.jpg]

  • Hey Wolfgang,


    daß ist mal ein gutes Beispiel. Ergänzen muß man noch, dass Farb-CCD's auch etwas zur Maskierung von Fehlern beitragen: Die Bayer-Matrix hemmt die Auflösung des Gesamtsystems ein wenig. Leider muß ich noch für ein Prüfung lernen, sonst hätte ich mal meine Erkenntnisse in einer Zusammenfassung visualisiert.
    Beste Grüße,
    Gerrit