TS Quadruplet APO 65/420 mm f/6.46

  • TS Quadruplet APO 65/420 mm f/6.46

    Den "kleineren" TS Quadruplet APO 65/420 mm f/6.46 hatte ich dankenswerterweise für ein paar Tage zum Testen hier. Im Web findet man mittlerweile
    einige sehr gelungene Beispiele, was ein versierter Astro-Fotograf damit "anstellen" kann. Links folgen noch. Auf Basis der opt. Daten ist das eine
    "Foto-Maschine", wie der S&W-Artikel August 2010 solche Refraktoren benennt. Aber auch unter visuellen Aspekten macht dieser APO etwas her.

    Eine sehr beeindruckende Komposit-Aufnahme in den RGB-Farben findet man auf den TS-Seiten. Es dürfte sich nicht um das Rohbild handeln, sondern vermutlich
    um den Faktor 2 verkleinert worden sein. Hier war der "große" TS Quadruplet mit 80/520 die "Fotomaschine". Großes Bild

    Siehe auch: Der für folgende Aufnahme verwendete Kamera-Chip.
    ATIK383L+ CCD s/w Kamera - 22,2mm
    ATIK 8 Megapixel s/w CCD kamera - gekühlt - besonders rauscharm - Chip Kodak KAF 8300 17,6 x 13,52mm
    ... 8,3 Millionen Pixel - 5,4µm - bis 40° unter Umgebungstemperatur



    Bild: Christoph Otawa, östlich Starnberger See , Laut unterem Bildrand handelt es sich hier um den Quadruplet 65/420. Leider fehlen die Angaben des Aufnahme-Chips.
    Bild_Link



    Eine Schnittzeichnung zum opt. System mit festen Abständen der Meniskus-Linse zum vorderen Triplet.



    Blickwinkel Astrofotografie

    Bei der Astro-Fotografie geht es in erster Linie um die Abbildung im Feld, besonders um die punktförmige Abbildung in den Ecken. Der Strehlwert auf der opt. Achse
    spielt für diese Anwendung eine untergeordnete Rolle, weil hier die exakte Abbildung im Bildfeld erwünscht ist.



    Aus diesem Grund ist ein Vergleich zwischen der obersten Feldaufnahme von Wolfi und dem Ergebnis meines Artificial Sky Testes ein interessanter Hinweis auf die
    Auflösung im Feld. Die Auflösung des Quadruplet 65/420 auf der opt. Achse wäre etwa doppelt so genau, wie es ein Pixel der ATIK 4000 in Länge erfordern würde:
    Der Abstand der Dreier-Gruppe auf dem unteren Bild links unten sind 10µ und 8µ. Das wäre also etwa die Länge eines Pixels. Da mein Test die Komponenten eindeutig
    trennt, würde selbst ein Abstand von 4 µ gerade so zu trennen sein und wäre damit nur die halbe Länge eines Pixels.
    Betrachtet man dazu, wieviel Pixel zur Darstellung eines feinen Sternes im Bild oben rechts beitragen würde, dann wären es mindestens 5 kreuzförmig angeordnete
    Pixel und mehr. Dieser Refraktor übererfüllt in jedem Fall die Genauigkeits-Ansprüche des aufnehmenden Kamera-Chips, auch wenn dessen Pixel-größe mit 5.4 µ
    etwas kleiner wäre. Fotografisch gesehen, ist dieser kleine APO eine sehr preisgünstige Lösung für Astrofotografen.



    Das bestätigt sich in gewisser Weise. wenn man sich die Abbildung des TS Quadruplet im Feld betrachtet. Erst ab einem Bildwinkel 4° bzw. 2° Verkippungs-Winkel,
    beginnt sich die Koma im Feld zu vergrößern.
    Im grünen Spektrum ist das System überkorrigiert, perfekt ist es im Roten. Bis zu einer Verkippung auf 2° bzw. 4° Bildwinkel nimmt die Koma zu, was man an den
    unteren IGrammen ablesen kann: Die "M"-förmige Verformung der mittleren Streifen nimmt zu. Sehr gut ablesen läßt sich aber auch die Vignettierung, die offenbar
    bis 2° Verkippung keine große Rolle spielt. Damit hätte der TS Quadruplet 65/420 alle die Merkmale, die man von einer guten Astro-Kamera erwartet.



    Blickwinkel visuelle Beobachtung

    Unter visuellen Bedingungen kommt zunächst die Farbreinheit ins Spiel, die offenbar hervorragend zu sein scheint. Das System selbst ist aber im visuellen Bereich
    zunächst überkorrigiert, weil das Optimum im langen (roten) Spektrum liegt. Beides ist bei Foucault und Ronchi zu sehen.



    Auch ohne Auswertung muß im roten Spektrum der Strehlwert sehr hoch ausfallen. Lediglich ein Rest-Asstigmatismus von PV L/5 stört den Frieden
    etwas und drückt den Strehl von 0.995 auf 0.926 herunter. Der Fotografie ist das egal, und visuell wäre das ebenfalls unter der Wahrnehmungsgrenze.



    Die Energie-Darstellung zeigt natürlich auch den Restastigmatismus in Form von vier kleinen Spitzen im ersten Beugungs-Ring.



    Wir haben es also mit einem Astigmatismus der Grundform zu tun. Könnte ein kleines Fassungsproblem sein. @ Der Zernike Zoo




    Hier also die differenzierte Strehlauswertung.



    Nachfolgend in aller Schönheit der Gaußfehler = farbabhängiger Öffnungsfehler. Nachdem Rot fast perfekt ist, muß im kürzeren Spektrum die Überkorrektur
    größer werden. Sehr interessant ein sehr, sehr kleines Sekundäres Spektrum. Da ich in diesem Fall die Schnittweiten-Differenz über die Power ermittelt
    habe, habe ich keine Gegenkontrolle darüber, ob die Werte tatsächlich so hervorragend sind. Das obere Foucault-Bild würde aber immerhin die Tendenz
    bestätigen: Es zeigt sich ganz wenig Farbe !



    Auf der Basis der oben ermittelten Farbschnittweiten ergibt sich deshalb dieses besonders farbreine Ergebnis. Die RC_Index-Zahl könnte größer sein, und es wäre
    immer noch ein sehr, sehr gutes Ergebnis.