5" oder mehr, was ist sinnvoll?

  • 5“ Öffnung, reicht das?


    Der Öffnungswahn bei Teleskopen greift seit etwa 15 Jahren um sich. War ein 16 oder 18“ Dobson auf dem Teleskoptreffen 1986 noch dicht umlagert und man stand Schlange, so mehrten sich diese Öffnungen von Jahr zu Jahr, es wurden immer mehr, sie wurden aber auch immer größer. 20“ Dobsons dominieren heute fast die Astroszene bei Teleskoptreffen, umlagert sind an sich nur noch Geräte über 30“.


    Ich bin zwischenzeitlich den umgekehrten Weg gegangen, habe mich, anstatt mich zu vergrößern, - verkleinert. – Und habe seither fast noch mehr Spaß am Hobby.


    Nicht, daß ich Großgeräte völlig ausschließe, mein 14“ Lomo-Dobson bleibt im Deep Sky Bereich immer noch erste Wahl, aber ich habe festgestellt, daß ein guter 5“ Refraktor, in meinem Falle eine ED Optik, sehr viel Freude bereiten kann, zumal er handlicher ist und für uns „Flachlandtiroler“ in dicht besiedelten Gegenden oftmals schon fast eine Grenze der Öffnung darstellt. Für viele von uns sind 8-10“ die Grenze dessen, was Himmelshelligkeit, Luftturbulenzen und das Seeing hergeben. Nun wohne ich in ländlichem Gebiet, betreibe eine eigene Sternwarte und habe schon die Möglichkeit, bei guten Bedingungen meinen 14“ Newton auszureizen.


    Doch seit dem Kauf eines 127mm Ed`s auf einer GOTO Montierung hat sich dies geändert. Es macht wieder Spaß, genau, ja, genauer hinzuschauen, Dinge zu finden statt einfach nur zu sehen, ein neues Seherlebnis.


    Gerade am Planeten stellten meine Freunde und Mitbeobachter mit mir fest, daß Jupiter, Saturn oder Mars im kleineren Gerät oftmals schärfer abgebildet wurden, bedingt durch das Seeing oder auch durch die bei uns im Flachland meist vorherrschenden Turbulenzen in den verschiedenen Luftschichten. Zudem nervt hier im Hochvergrößerungsbereich das dauernde Nachschubsen des Dobsons, das einem einen Großteil der Konzentration auf das Wesentliche nimmt. Vergrößerungen zwischen 180x und 250x sind an den Planeten ideal und das schafft auch ein (guter) 5-6-Zöller. In den meisten Fällen brachte der 14“ Dobson kein Mehr an Informationen, Ausnahmen bei absolut ruhiger Luft einmal abgesehen, wo man auch einmal mit 600x Vergrößerungen beobachten konnte. Aber das hat man in unseren Breiten leider nur wenige male im Jahr.


    Im Deep Sky Bereich genügen oftmals Vergrößerungen zwischen 50x und 120x, genau das, für das ein 5-6“ Gerät geradezu prädestiniert erscheint.


    Beobachtungen am Jupiter:
    Zu dritt beobachten wir häufig Planeten, aber auch Deep Sky. Ich schildere hier einmal die Beobachtungen mit 3 Geräten, mit denen wir häufig beobachten:
    TMB 115mm Apo
    Explore Scientific 127mm ED
    Meade ACF 10”


    Alle drei Geräte stehen auf einer Deutschen Montierung, die eine GOTO-Funktion hat. Gut, GOTO ist bei Planeten nun wirklich nicht notwendig, - schaden kann es aber auch nicht.


    Jupiter im 115/127mm Teleskop:
    Vergrößerungen gewählt zwischen 180 und 220x. Alle bekannten Strukturen sind auf Jupiter zu sehen. Die Bänder (bis zu sechs Stück), der große rote Fleck und die Durchgänge von Monden als Schatten sowie auch als Mond selbst. Hier sei zu bemerken, daß die Monde an sich recht schwer zu beobachten ist, da sie hell gegen einen hellen Hintergrund des Jupiters stehen. Man muß sich gehörig anstrengen, um den Mond direkt sehen zu können. Da wiederum ist es im 14“ Dobson etwas leichter möglich.


    10“ ACF:
    Hier ist es aufgrund der nun doch größeren Öffnung einfacher, auch den Mond selbst klar erkennen zu können. Aber das sehe ich unter dem Begriff „Beobachtererfahrung“, da man ihn im 5“ Refraktor nun auch sehen kann. Der 14“ Dobson ist hier bei entsprechenden Bedingungen überlegen. – Aber eben nicht immer, denn sind die Bedingungen NICHT optimal, dann habe ich im 14“ Dobson/Newton auch kein besseres Bild.
    Vergrößerungen waren hier bis etwa 500x möglich.


    ED 127mm/952mm
    Die Daten entsprechen dem des 115mm APOs, mit Ausnahme der Höchstvergrößerung, die hier bei 250x liegt. Ein großer Unterschied zum 115mm TMB ist allerdings nicht zu erkennen, beide Geräte bilden gleich gut ab. – Vielleicht sogar ein Vorteil des etwas größeren ES-127, da er immerhin fast nur die Hälfte kostet als der TMB. Dafür sieht man an Wega u.a. Sternen der mag. 1 einen leichten Blausaum, der allerdings ab mag. 2 verschwindet. – Dies nur zur Erläuterung.


    Galaxien und Nebel


    Hier zeigen alle Geräte zwangsbedingt einen Lichtabfall. Während der ACF mit seinen 10“ Öffnung trotz großer Obstruktion noch schwache Galaxien über mag 12.8 zeigt, blenden die beiden Refraktoren hier gnadenlos ab. 12 mag sind noch gut „drin“, 12,5 – 12,8 mag gehen „gerade so“, danach ist Ende. Ab hier beginnt der Einzugsbereich des großen Dobsons.


    Im 14“ geht das hoch bis fast mag 15, das erreicht kein Refraktor unter 6“, der dabei wohl (nicht probiert) wohl schon ein APO sein sollte.


    Bei Nebeln ist das so eine Sache: sehen oder nicht sehen. Dazu gehören neben einem guten Gerät auch Erfahrungen im Beobachten. Der ungeübte Laie wird weder im großen Dobson und schon gar nicht im kleineren Refraktor Nebel „richtig“ erkennen. Aber Übung macht den Meister!
    M42 ist kein Problem, den sieht jeder. Der Geübte sieht aber im 5“ Refraktor nahezu das gleiche wie im 14“ Dobson. – Gut, zugegeben, im 14“ sehe ich mehr, erhalte aber trotzdem nicht mehr Informationen, nur eben deutlicher.


    Die Plejaden zeigen Nebelstrukturen, - auch im 5“ Refraktor. Viele PNs sind sichtbar, oftmals aber nur im 0-III Filter, während ich ihn im 14“ Dobson auch ohne erahnen oder auch sehen kann, je nachdem, welcher Art er ist.


    Es hat Spaß gemacht, Unterschiede zwischen diesen Geräten herauszukitzeln. Mein Ergebnis lautet, - rein persönlich, - ein guter 5“ Refraktor (oder Reflektor) ersetzt zwar keinen 14“ Dobson oder höher, aber er gibt ein herrliches Bild unseres Universums ab, Man sieht mit 5“ bei etwas Erfahrung mehr, als man zuvor gedacht hat oder man uns laufend vorgaukelt.

  • Hallo Winfried,


    deinen Bericht finde ich wirklich interessant, da ich ja selbst auch häufig beteiligt bin. Meine Meinung ist, dass Deep-Sky Freude natürlich mit einem 4,5" - 5" Refraktor nicht wirklich richtig aufkommen kann. Trotzdem werden viele Sterninseln deutlich abgebildet (meist ohne Strukturen).


    Das Feld der Geräte liegt eindeutig am Planeten, Doppelsternen und offenen Haufen sowie den hellsten Nebeln!
    Die Sternabbildung eines tollen Refraktors ist aus meiner Sicht auch mit keinem Spiegelteleskop erreichbar bzw. vergleichbar.


    Am Planeten kann sich mein Apo oder dein ED natürlich noch mit großen Geräten messen, da Vergrößerungen bis 250x kein Problem darstellen. Wenn dann aber eine wirklich tolle Nacht ist, würde ich meinen 10" auf alle Fälle bevorzugen, da mit mehr Öffnung einfach auch mehr Kontrast möglich ist. Vergrößerungen über 300x sind dann auch kein Thema.


    In besten Nächten konnte ich mit dem 10" ACF durchaus an der 14 - 14,5 mag Grenze bei Galaxien knabbern. Bei diesen Nebelchen ist natürlich auch kaum etwas an Feinheiten in der Galaxie zu erkennen. Hier geht es mehr darum die Form bzw. Ausrichtung herauszukitzeln.


    Wenn ich die Wahl hätte hätte käme vielleicht noch ein gerät zu meiner Sammlung dazu. Neben meinem 10" ACF als Erstgerät und Allrounder und dem TMB 115/805 als wäre was gaaanz großes (20" aufwärts) wie Bernhards Gerät mein Traum.


    Auch wenn der Einsatz nicht häufig wäre, ist solch ein Lichtmonster (mit guter Qualität) bei idealen Bedingungen allem anderen überlegen! Ich hatte am Planeten: Jupiter 1000x und an entferntesten Quasaren genauso Freude wie an riesigen Galaxien (M33, M 101, M81/82 oder M 51) mit wahnsinns strukturierten Spiralarmen, die dich einfach "umhauen".


    Für den Alltag und für den "bequemen" Einsatz ist ein kleines, feines Instrument natürlich nicht zu verachten, zumal die Bedinungungen, wie du beschrieben hast, entsprechend genutzt werden können.


    Gruß Uwe

  • Folgende Punkte halten mich derzeit ab, mich öffnungstechnisch zu vergrößern und jede Menge Geld zu investieren:

    • Die wenigen wirklichen Spechteltage im Jahr. Neben dem überwiegend wolkenverhangenen Himmel sind sternklare Nächte häufig gepaart mit Vollmond, Arbeit oder sonstigen privaten Verpflichtungen. Das letzte Jahr war für mich nicht gerade berauschend. :angry:
    • Das Gefühl, dem bezahlten Preis nicht entsprechende Ware zu erhalten. Je mehr ich hier lese, desto verunsicherter bin ich. Als Laie kann ich doch niemals beurteilen, ob die Ware 70 oder 100% der beworbenen Qualität besitzt. Bleibt also nur der zusätzliche Gang zum Optikprüfer (nicht falsch verstehen).
    • Transport zum Beobachtungsplatz. Ich merk immer mehr den inneren Schweinehund. Das liebe ich so an meinem kleinen P.S.T: Stativ auf dem Balkon aufgestellt, P.S.T drauf und Okular rein, und das nicht mal in 2 Minuten.


    Eine etwas andere Sichtweise zum interessanten Eröffnungsbeitrag…


    Nachdenkliche Grüße
    Rainer

    "Es ist durchaus möglich, dass sich hinter unseren Sinneswahrnehmungen ganze Welten verbergen, von denen wir keine Ahnung haben..."
    Albert Einstein

  • Ich habe auch mehrere geräte, benutze aber an Mond und Planeten gern einen recht bescheidenen 6-Zoll-Mak. Ich mag die motorisierte Nachführung, das bringt wirklich Punkt ebei der Detailerkennung.
    Der alte Satz Das beste Fernrohr ist das, was man benutzt hat eben seine Gültigkeit.
    Ich bin auch froh, dass ich mir vor 12 Jahren keinen richtig große Dob gekauft habe. 12 Zoll zeigen viel, und die Packerei hält sich in Grenzen,

  • Was ich nun wirklich nicht verstehe, warum kann man mit einem Großgerät nicht auch bei Seeing = max 200x beobachten?
    Bei meinem 18"/f4,2 bedeutet das AP = 2,3mm und damit sehr entspanntes Beobachten.
    Und mehr als mit einem 12 Zöller sehe ich allemal.
    Wo ist das Problem?
    Sollte die Auflösung bei 200x mit einem 18 Zöller identisch mit einem 12 Zöller sein? Wohl nicht.

  • Hi Dietmar,


    ich sehe da kein Problem und nutze den 12"er genau so gerne, wie meine kleineren Geräte.


    Die physikalische Abhängigkeiten bzgl. Auflösung kenne ich, und trotzdem gibt es auf die Frage in der Überschrift " 5" oder mehr, was ist sinnvoll?" für mich nur eine Antwort:
    "Ich mache, wozu ich gerade Lust habe und da ist mir egal, ob es sinnvoll ist"
    Das betrifft die Auswahl des Gerätes ebenso wie die Wahl der Vergrößerung (4"er FH mit 350x und nicht blind geworden - YES!):whistling


    Weiterhin entspanntes Beobachten und CS ist ja unterwegs ;-)


    Chris

  • Hallo,


    danke für die Antworten und die guten Besserungswünsche!
    Liege zwar auch heute noch recht flach, aber es bessert sich. - So wie auch das Wetter.


    Ich hatte eben nur für mich festgestellt, daß der "Dicke" immer häufiger in der Ecke stehen bleibt und der kleinere Refraktor mehr und mehr in den Vordergrund rückt. Das mag natürlich auch daran liegen, daß man Orion nun schon lange kennt und er (und andere) sich nicht verändern, - zumindest nicht in unserer Lebensspanne.
    Die Planeten schauen jede Nacht anders aus und das macht die Sache (für mich) wohl besonders interessant.


    Im Frühjahr, so denke ich, wird sich das wieder ändern, da stehen die Galaxien auf dem Programm und ich denke schon, daß damit auch das Dickschiff wieder den Vorzug haben wird.


    Für mich waren das eben die Gedanken, die auch vielen Einsteigern immer im Kopf herum schwirren. Da liest man in den Foren die Berichte über die tollen Strukturen der Galaxien und denkt, da brauchst Du einen möglichst großen Lichteimer. Dabei sieht man schon viele Details, zumindest der Galaobjekte, auch im kleineren Fernrohr.


    Und nicht jeder ist gewillt, so einen Brocken raus aufs Feld zu schleppen, um ihn dann in der Nacht auf- und dann wieder abzubauen. Meiner z.B. ist schon garnicht transportabel, den bekomme ich nur noch in den Wohnwagen aber in keinen Kombi mehr, da mit 220cm einfach zu lang (und zu dick).


    Natürlich stimmt das, JEDES Teleskop hat seinen Himmel und es stimmt auch, daß man zumindest 2 Teleskope haben sollte.


    In so weit: Viel Spaß heute Nacht, es scheint endlich mal wieder zu gehen! Für mich heute noch nicht, aber vielleicht hält das mal noch ein paar Tage!

  • Hallo,

    ... ein Objektivdurchmesser von 12 cm ....


    Aha! Deshalb kosten Apos mit mehr als 5 Zoll diese wahrhaft astronomischen Summen. Die Hersteller wollen uns durch Abschreckung vom Kauf eines unnützen Geräts abhalten. Und wenn wir dann alle vernünftig geworden sind und uns visuell auf 12cm beschränkt haben, keimt insgeheim der Wunsch nach einem PHOTO!


    Zu uns Hobbyastronomen gehört weiterhin der Spaß am basteln mit der Technik. Wo kämen wir denn da hin, wenn es nur ein vernüftiges Gerät gäbe. :happy:


    Grüße


    Christoph

  • Hallo Dominique,


    guter Artikel.
    Nur: woher? (Buch, Name, Autor). Wohl der Schrift nach etwas älter, nichtsdestoweniger immernoch richtig.
    Schnupfende Grüße mit heißem Kopf und heißem Tee....

  • Ich wollte mal wissen, welches meiner drei Hauptgeräte mir eigentlich am meisten bringt, und habe daher eine Liste meiner 30 Lieblingsobjekte erstellt und folgendermassen Punkte an sie vergeben: Bemerkenswert schöner Anblick eines Objekts = 1 P., Top-Erlebnis = 2 P.
    Im Rennen befanden sich 5 Planeten (inkl. Mond), 8 offene Sternhaufen, 5 Kugelsternhaufen, 7 Gasnebel (inkl. PNs) und 5 Galaxien(gruppen).


    (Beispiel: M57 => Nikon 0 P.; FCT 1 P.; Mewlon 2 P.)


    Dabei haben erreicht:
    Nikon 18x70 => 32 Punkte
    Tak FCT-100 => 52 Punkte
    Tak Mewlon-180 => 42 Punkte.


    Hiermit sollte der Tak-FCT-100 eigentlich mein Lieblingsinstrument sein - und ist es auch!!!
    Bevorzugte Einzelokulare hierzu: Nagler 12mmT4 (53x) und Tak Hi-Ortho 4mm (160x).


    Beat

  • Hallo Beat,


    da sieht man doch was an was geht!
    Wenn ich mir (auch in den beiden anderen Foren außer a.de) anschaue, wie so die Meinungen sind, dann schneiden die "kleinen" doch garnicht so schlecht ab.
    Klar, an Galaxien und deren Strukturen wird der dicke Dobson immer überlegen sein, aber es gibt ja auch anderes! Ich wollte einfach denen Mut machen, die sich ein solches Großgerät nicht leisten können, sei es des Geldes wegen oder der Transportabilität.


    Man kann auch im 5" Gerät schon so einige Details an Galaxien erkennen, aber Hauptobjekte sind natürlich hier die Planeten, o.H., KH und ausgedehnte Objekte. Dabei war ich fasziniert, wie viele Einzelheiten ich im 5" schon an M82 sehen konnte. Nicht nur die "Zigarre", sondern auch die Teilung und das Dunkelband dieser Galaxie, das geht sogar mit 5".


    Hintergedanke war natürlich auch die Aufnahme dieses Artikels in die neu zu gründende Anfängerberatung. Viele, die hier und in den anderen Foren lesen, denen wird (oft) der Eindruck erweckt, unter 8" geht garnichts. - (Dummerweise gehörte ich auch zu diesem Kreis).
    Das A&O ist hier eben auch die Beobachtererfahrung, das sollte man auch bei Beratungen nie weglassen. Noch vor Jahren hätte ich im 5-Zöller nie das gesehen, was ich heute sehe.


    So, nun packe ich mich wieder ins Bett.
    Logisch, daß es heute aufmacht - ist für mich wie eine klare Neumondnacht. Man könnte, darf aber nicht! Ich hoffe nur, das Wetter hält die kommenden Tage noch so an.


    Ein Tip am Ende: zwischen 18 und 21 Uhr gibt es einen schönen Monddurchgang vor Jupiter. - Ich erträume ihn mir....

  • Hallo Winfried, warum lässt Du den MakNewton ganz aus Deiner Betrachtung? Deiner Signatur entnehme ich, dass Du solch ein Instrument verwendest. Ist das Gerät wirklich so praxis-untauglich? Würde mich mal interessieren, weil ich immer dachte, so ein MN-86 oder MN-78 wäre für mich die finale Lösung als visuelles Instrument ...

  • Hallo Bazerk,


    dieses wunderbare, herrliche, einzigartige Teil liegt derzeit gut verpackt in seinem riesigen Kinderholzsarg im Keller...
    Meine WAM-Montierung hat einen Wackelkontakt in der Steuerung und unser Astromeister Ralf Mündlein bevorzugt es derzeit, sein Haus zu bauen. - Hat zur Reparatur also keine Zeit.


    Somit mussten Montierung und MN68 in den Keller und die HEQ-6pro kam ersatzweise in die Sternwarte. Die trägt dieses Monstrum samt 120/600mm Sucher leider nicht.


    Zudem wollte ich hier, - auch wenn nur 1" größer, - keine Geräte nennen, die sich kaum jemand leisten kann oder die eine Lieferzeit haben, daß Du, mit 18 bestellt, - im Rentenalter beobachten kannst....(*)


    Ansonsten ist dies immernoch mein Gerät Nummer eins, da kommt auch kein APO mit (gelle Stefan?....)


    (*) Derzeitige Lieferfrist ca. 3 Jahre.
    Meiner ist ausgestattet mit: drehbaren Rohrschellen, teflongelagert rundum, Speziallüfter, Beide Spiegel aus Duran, Wartezeit vor einigen Jahren schon mehr als 3 Jahre. Dafür kam eine Kiste an, von der ich dachte, da lägen noch zwei Wachleute mit drinnen...

  • Hallo Winfried, danke für die Info. Ich bestellt dann schon mal - 20 Jahre Vorlauf bis zum Renterdasein sollten reichen :)


    Aber zurück zu 5 Zoll:
    - Ich bin auch der Meinung, dass eine equatoriale Nachführung den Beobachtungskomfort enorm steigert und deshalb so einige Zoll Instrumentenöffnung ersetzen kann. Oft starrt man ja minutenlang konzentriert auf den Planeten, immer wieder, mit Pausen dazwischen, um den besten Moment zu erwischen - und das geht ohne Kampf mit der Nachführung einfach besser. Ich hatte einige Jahre ein OMC-140 in Gebrauch. Das Instrument hat eine perfekt Abbildung, die sich immer wieder in den wohldefinierten Airy-Disks gezeigt hat (So heisst doch der erste Beugungsring, richtig?). Nur leider sind die Airy-Disks bedingt durch Obstruktion und Optikdesign recht fett und hell, was ab einer Vergrösserung um 220x das Bild einfach nur noch weich macht. Damit war die Wahrnehmungsschwelle von feinsten Planetendetails häufig nicht durch das Seeing begrenzt sondern einfach durch die Auflösung. Auf einem Teleskop-Treffen hatte ich dann die Gelegenheit, durch einen 110mm AOK Schiefspiegel den Jupiter zu beobachten. Hier wurden zwar nur Vergrösserungen um die 150x verwendet, aber die Jupitermonde waren als deutliche, scharf begrenzte Scheibchen wahrnehmbar - ein Anblick, der mich wirklich lange gefesselt hat. An Saturn dagegen war ich mit den 5,5 Zoll des OMC-140 nie wirklich zufrieden, weil einfach das Licht zur Wahrnehmung der Kontraste und Farben fehlte. Ich habe das Instrument jetzt nicht mehr, da ich sowieso für's nächste Jahrzehnt auf Astrofotografie umgestiegen bin. Aber mein Entschluss später wieder visuell zu beobachten steht - und da sehe ich als Optimum ein 7-8 Zöller (vielleicht sogar ein perfekter Newton) mit möglichst geringer Obstruktion an. Von Deepsky visuell halte ich allerdings nicht sehr viel. Die 20" Lichteimer sind einfach zu unhandlich und deren Brennweite zu gross.


    Grüsse aus dem Harz, Olaf

  • Hallo zusammen,


    Viele Jahre war mein 6" F5 Jaegers FH neben unserem 30" Dob mein Lieblingsfernrohr
    um am Himmel mit Genuß spazieren zu schauen und mit dem die ganzen Glanzlichter des Deep Sky sehr einfach aufzufinden waren.


    Heute habe ich ein sehr transportables FH 120/600 und parallel daneben ein 80/320 FH vor dem Füssener Astrostuhl stehen,
    um damit seehr gemütlich und so weitwinklig wie irgend möglich geradsichtig in den gestirnten Himmel zu spechteln.
    Das 120/600 wiegt anstelle von 10 Kilo nur 3Kilo und ist damit fernreisetauglich.


    Ich geniese auch gerne meine Oldtimer, einen 110/2720mm Schiefspiegler
    und einen alten Newton 150/1300, Optiken von D. Lichtenkneckeraus den sechziger Jahren.


    15 Jahre lang hatte einen Zeiss AS 130/1950 Refraktor in meiner Beobachtungsstation in den Korber Weinbergen mobil in Gebrauch.


    Während 25 Jahren Sternegucker kommt halt was zusammen :-)
    Kleinere Öffnungen haben ohne Zweifel ihren Reiz, ein jedes Fernrohr hat seinem Himmel, heisst es.


    Habe ich den Wunsch das maximal Mögliche zu sehen, kann das Geschirr nicht groß genug sein.


    Mehr Öffnung ist auch mehr sehen.


    DeepSky, die Paradediziplin eines Dobsons mit großer Öffnung lasse ich bei meiner Argumentation absichtlich mal ausser acht.


    Lachsfarbene Details in den Wolkenbändern der Jupiteratmosphäre
    gespickt mit dunklelblaugrauen Barren und elfenbeinfarbenen Spots,
    um diese Details zu sehen braucht man Öffnung, da sind 5 oder 6" Öffnung nicht ausreichend.
    Ab etwa 10 Zoll wird das Sehen der feineren Farbdetails auf Jupiter möglich, darunter fehlt es dem Auge halt am Licht.


    Wer hat von Euch mit 5" die Dunkelgebiete auf Mars in dunklen Olivtönen gesehen?
    Das ist nicht möglich, nur mit erstklassiger Optik mit 12" Öffnung und mehr konnte ich während den Oppositionen 2003 und 2005 diese Farbtöne sehen.


    Nach meinen Erfahrungswerten ist ein guter Dobson
    mit einer hochwertigen Optik in der Grösse ab 12" die optimale Sehhilfe.
    Ob dann doch nur 10 Zoll oder gar 42 entscheiden die Möglichkeiten.


    Ich habe einen 16"F 4.5 gewählt, der mich zukünftig auf allen Reisen zum dunklem Himmel, egal wohin im Koffer begleiten wird.


    Ein guter Newton, der von seinem Nutzer beherrscht wird,
    ist schon lange Zeit das Optimum des Erreichbaren für den visuellen Beobachter
    und wird es auch in Zukunft bleiben.


    Das hat bereits in den 60er Jahren Johann Kern beschrieben, als er mit seinem damals neuen 24" Newton den Virgohaufen abgefahren ist.


    "Nur sehr wenige Menschen auf dieser Erde haben bisher gesehen was ein kleiner Spessartbauer sah."
    Johann Kern(1895-1975)Pionier der deutschen Deepsky Beobachtung.


    Mir hat 1987 sein Fernrohr die Augen geöffnet,
    seit dem bin ich vom Beobachten mit großer Öffnung begeistert.


    Erweiterung der Ausgangsfrage: 5" reicht das- Alleine ?
    Antwort: Nein, mir nicht!
    Warum ich auch einige kleine Fernrohre habe?
    Es sind wunderbare Spielzeuge die mir Freude machen.
    Das ist wie VW Käfer fahren.