Astro-Professional 152/900 - Deepsky-Firstlight

  • Hallo Spechtler,


    nun habe ich meinen FH 152/900 ja schon ca. zwei Wochen, konnte aber erst gestern seine Deepskyqualitäten testen. Das eigentliche Firstlight, das unter Stadthimmel stattfand, zeigte schon im Ansatz die Qualitäten des Refraktors, aber gestern konnte ich ihn endlich mal unter dunklem Landhimmel ausprobieren. Hier ist nun mein Bericht dazu.


    Die Rahmenbedingungen


    Optik: Astro-Professional 152/900 (ein Achromat)


    Okulare: 31mm Nagler, 31er Hyperion, 20mm Pentax XW, 10mm Ethos, 4.7mm Ethos, 5-8mm SW Zoom, 3.5mm Hyperion, 2.5mm Nagler


    Himmelsqualität: Liepen im Herzen Mecklenburg-Vorpommerns; Etwa 6m7 im Zenit bei sehr guter Transparenz; Das Seeing war sehr gut.


    Zeitraum: vom 16.4. ab etwa 20:30 MESZ bis ca. 1:00 MESZ am 17.04.



    Die Beobachtung beginnt


    Als ich zusammen mit Rainer am Beobachtungsort ankam, war es gerade so am Dunkelwerden; Armin und Michael waren schon da und hatten bereits vollständig aufgebaut. Eine Resthelligkeit zeigte sich noch deutlich am Nordwestlichen Horizont und die Venus tronte bereits dominierend am westlichen Abendhimmel in beschaulicher Höhe. Als ich dann den Refraktor auf der EQ5 (ja, man glaube es kaum, das geht) aufgebaut hatte, wurde erstmal der örtliche Himmel mit dem bloßen Auge inspiziert. Die Dunkelheit war mittlerweile soweit vorangeschritten, dass man schon etliche Sterne sah und so machten wir erstmal die Gürtelsterne des Orion aus. Als wir dessen Schwertgehänge dann knapp über dem Horizont noch erkannten, peilte ich dieses vorerst mit dem 31er Hyperion an. Es war mehr ein wehleidiges Abschiednehmen vom gern gesehenen winterlichen Orionnebel, denn es war gerade noch das Trapez und die drei seitlich davon sichtbaren Sterne erkennbar; Der Rest verbarg sich leider bereits im Dunst des Horizonts und wurde auch von der noch nicht vollständigen abgedunkelten Himmelshelligkeit überdeckt. Also gut, dann eben erst in einem knappen dreiviertel Jahr wieder - bye bye.



    Ein paar offene Sternhaufen zur Einstimmung


    Nun machte ich mich am nordwestlichen Horizont in ergiebigerer Höhe zu schaffen und suchte die vielversprechende Lücke zwischen Cassiopeia und Perseus auf; Hier treiben sich ja bekanntlich NGC869 und NGC884 rum - besser bekannt unter der Bezeichnung "h & chi". Auf dem suchenden Hinweg durchquerte ich erstmal den offenen Sternhaufen Mel20, der so schnell in kein Bildfeld hineinpassen dürfte - es war schon wie ein Bad in einem Sternenmeer; Als ich mich dann endlich zu "h & chi" begab und der Refraktor genau auf die beiden offenen Haufen schaute, offenbarte sich schon ein Vorgeschmack der Deepsky-Qualitäten der Doppellinse; Ein recht sternreiches Abbild des Doppelhaufens zeigte sich im 31er Hyperion und ich genoß dies erst mal eine Weile. Die Sternabbildung war, obwohl das Gerät gerade am Auskühlen war schon recht gut und man konnte hellere und dunklere Sterne als saubere Pünktchen bewundern. Ich blieb dann so ungefähr 10 Minuten auf diesem Objekt hängen. In der Zwischenzeit wurde es dann erst richtig dunkel und die Brillianz des Doppelhaufens nahm dabei deutlich zu - so etwas sieht auch erst bei völliger dunkelheit so richtig gut aus.


    Nun war ich angefüttert und wollte weitere Exemplare bewundern. Als nächstes kam, natürlich auch um das maximal mögliche Sichtfeld optisch einzuschätzen, M45 dran. Das Siebengestirn ist neben Präsepe, die ich glatt übergangen habe, einer der größten offenen Sternhaufen. Die hauptsächlichen Sterne sieht man ja auch in der stadt, aber auf dem Land kommen noch etliche weitere hinzu und man erkennt dann erst unterhalb von 1000mm Brennweite, dass es sich um einen Haufen handelt. So auch hier; Der Haufen liegt im 31er Nagler eingebettet von gerade noch etwas Umfeld schön als gesamtes Objekt im Bildfeld. Der Anblick ist einfach schön und man genießt es richtig ein Stück Himmel objektiv zu betrachten.


    Als nächstes suchte ich nun im Fuhrmann an einem Kandidaten, und stieß natürlich auf M37. Wie schon vor ein paar Wochen in der Stadt, jedoch hier weitaus brillianter zeigte sich sich ein relativ kleiner Haufen mit mittelfeinen Sternen im 31er Hyperion Aspheric. Nun hat man nicht umsonst ein 31er Nagler, also kam nun wendlich dieses zum Zuge (und wurde für den rest der Nacht bevorzugt); Die Sterne um den offenen Haufen herum waren nun bis an den Bildfeldrand perfekt scharf und der gesamtanblick gewann eine ganze Klasse an Qualität hinzu. Als ich mich genug erfreut hatte, kam nun die Steigerung durch das 10er Ethos; Ein aufgefächertes Feld von Sternen zeigte sich meinem rechten Auge (das linke ist bis heute sauer) und ich sah eine differenziert anmutende Schar von Sternlein; Teils dicker, teils dünner repräsentierten sie M37 als wunderschönen offenen Haufen mit etwas ungleichmäßiger Verteilung (sowas wie Lücken) der Sternendichte. Die 100° sGF wirken dabei erst so richtig als Blick wie im Kino direkt vor der Leinwand; Man meinte, man schwebe in relativ dichter Entfernung zum Objekt und ich nahm den Haufen wie im Vorbeiflug wahr - ich hatte wirklich den Eindruck jetzt nicht am Refraktor, sondern an der stelle im Raum zu sein, die mir das Okular sichtlich vorgaukelte.



    Kleines Zwischenspiel im heimischen Garten


    Nach dieser prägnanten Erfahrung war erstmal ein wenig geplante Ernüchterung angesagt - ich richtete den kurzen FH auf den Mars und wollte mal wissen wieviel die 152mm Öffnung bei recht kurzer Brennweite von 900 mm denn so am Planeten möglich machen. Der Mars zeigte sich dann auch als kleines rötlichoranges Kügelchen mit kleiner Polkappe und linksseitigen Wolkenerscheinungen; Man sah allerdings kein so kontrastreiches Bild wie ich es vom 8" f/5 Newton gewohnt war; Der kurze 6"-Refraktor ist eben eindeutig kein Planetengerät, sondern ein äußerst potenter Richfielder - was er noch so im Deepsky anrichten kann steht dann aber weiter unten beschrieben [:p] Ich habe dann noch Saturn als weiteres planetarisches Zwischenspiel anvisiert. Hier zeigte sich eine recht gute im vorerst genutzten 5-8mm SW Zoom (eingestellt waren 5mm, also 180fach); Der Planet zeigte auf seiner nördlichen Halbkugel das neuerdings vorhandene hellere Wolkenbändchen innerhalb der dunkleren Kappe. Die Cassiniteilung zeigte sich auch, war aber nicht sonderlich deutlich, was ich teilweise auf den Farbfehler des kurzen Refraktors, aber auch auf die noch sehr niedrige Beobachtungshöhe zurückführe. Ich versuchte dann noch spaßenshalber das 2.5mm Nagler und schaute mir den Herrn der Ringe bei übertriebenen 360fach an; Dies war zwar sauber scharfstellbar, aber es brachte natürlich keine weiteren Details.



    Erstmal ganz weit weg


    Ich ließ nun das unsachgemäße Beobachten im Solarsystem und machte mich wieder im Deepsky, dem eigentlichen Beobachtunghsbereich des Gerätes zu schaffen. Hier hat der 6" FH mich auch absolut vom Hocker gehauen, aber vorher gab es noch schnell einen Test am doppelten Doppelstern Epsilon Lyrae in der Leier. Hier hat man es zwar nicht mit den engsten Doppelsternen zu tun die es so gibt, man erhält aber einen reizvollen Anblick zweier Pärchen von kleinen Punkten, die dicht beieinander liegen - zumindest im 10er Ethos bei 90facher Vergrößerung. Ich hab das dann kurz genossen und nach diesem Zwischenspiel endgültig wieder auf Deepsky umgeschaltet - ich sollte den kompletten Abend nicht mehr davon loskommen.


    Schuld daran war und ist M51 samt NGC5195. Dies ist das galaxienpärchen, welches ich als erstes anpeilte. Diese galaxie ist recht leicht zu finden; Man braucht einfach nur von Eta Ursa Major aus ein paar Sichtfelder im rechten Winkel zur Deichsel nach rechts zu schwenken und schon zeigt sich ein diffuser Fleck im 31er Nagler. 5.2 mm AP sind allerdings deutlich zuviel für Galaxien und so wollte ich mit etwas weniger brennweite nun ein paar details sehen. Hierzu wurde zuerstmal das 20er Pentax XW ausprobiert, das am f/5.92 ca. 3.4 mm AP erzeugt - eigentlich die optimale AP für diesen Fall. Ich sah dann auch eine schöne helle Abbildung der Galaxie mit deutlichem Halo; Einzelne Spiralarme waren angedeutet zu erkennen; In dieser disziplin hatte ich als referenz noch meinen ehemaligen 10" Flextube Dobson im gedächtnis. Der zeigte die M51 in sehr heller Ansicht mit dicklich wirkendem Halo un angedeuteten Spiralarmen. Der Schweif zu NGC5195 hin war im dobson auch höchstdeutlich zusehen. Nun aber zum 4" kleineren Refraktor. Dieser zeigt das bild nicht ganz so hell, aber deutlich kontrastreicher; Die galaxie liegt richtig losgelöst vor dem hintergrund und die zeitweise deutlich sichtbaren Spiralarme sehen detailierter aus als im deutlich größeren Dobson - ich war und bin erstaunt. Nun wollte ich es natürlich erst so richtig wissen und ich setzte das 10er Ethos ein - wohlwissend, dass 1,7mm AP eigentlich zuwenig für Galaxien sind. Beim Blick durch's Okular wurde ich allerdings eines Besseren belehrt - eines viel Besseren. Die Spiralarme, die vorher schon angedeutet waren, lagen nun deutlich größer und sogar ein bißchen detailiert vor mir im Raum, die Helligkeit des Objekts war durchaus als gut zu bewerten und der Kontrast konnte sich wirklich sehen lassen. Ich finde auch gerade dieser hohe Kontrast macht das Erkennen von einzelnen Details erst möglich und sorgt vermutlich für die Möglichkeit der Beobachtung mit abgesenkter AP-Zahl. Ich habe dann noch das 4.7er Ethos ausprobiert. Mit dabei anliegenden 0.8mm AP erhielt ich auch noch ein nutzbares Bild und man konnte die Galaxie in ihren Details weiterhin erkennen. Ich selbst finde aber, dass das eindeutig zuviel Vergrößerung war, da mir das Bild zu dunkel wurde - bei beachtlichen 191fach im DS an einer 152mm Optik ist das wohl auch kein Wunder.


    Ich habe mich dann bei der weiteren Galaxienbeobachtung auf das 10er Ethos oder längere Brennweiten beschränkt und damit die besten ergebnisse erzielt. So war es auch bei der anschließenden Beobachtung des Galaxientripels im Löwen. Hier suchten wir also M65, M66 und NGC3628 auf, was sich ausgehend von Theta Leonis recht leicht machen lässt - man schwenkt eben relativ schräg links runter (optisch schräg rechts) und ist nach ein paar Bildfeldern im 31er Nagler auch schon angekommen. Dabei liegen die drei Vertreter der Gruppe in Form eines spitzen Dreiecks zueinander. Hier war NGC3628 auch oben und M65 und M66 unten auf etwa gleicher Höhe angeordnet. Sie nahmen dabei etwa das innere Drittel des Bildfeldes in Anspruch. Nun kam das 10er Ethos wieder zu seinem großen Auftritt (eigentlich wollten wir ja erst das 20er XW nutzen, sparten uns den Zwischenschritt aber) und die Dreiergruppe nahm nun fast das ganze bildfeld in Beschlag; Ganz unten waren nun M65 und M66 sichtbar, wobei M65 schon ein wenig Unterschiede im Halo zeigte. Den oberen Bildabschnitt markierte NGC3628 mit einer flachen breiten Darstellung. Auch hier war die Bildhelligkeit völlig ausreichend und es zeigten sich schöne Details in den Galaxien. Wir beobachteten schätzungsweise 10 Minuten und schwenkten dann in Kopf des Löwen, um dort NGC2903 aufzusuchen. Hier muss ich ein bißchen passen, was Details betrifft, denn alles habe ich doch nicht mehr im Gedächtnis, aber ich meine zeitweise oberhalb des Kerns einen Spiralarm als Detail rausgelöst aus dem allgemeinen Halo gesehen zu haben.



    Meine kugeligen Lieblinge


    Nach der Galaxienschau (ich weiß, es wäre noch eine ganze Menge mehr drin gewesen, aber die Zeit drängte auch ein wenig) waren nun endlich die Kugelsternhaufen dran. Hier kannte ich mich schon recht gut beim Aufsuchen aus, da ich aus der stadt oft genug diesen teil des DS beobachte; So fand ich die Dinger auch freihändig ohne Hinzugucken - ich finde auch der 152/900 braucht eigentlich keinen Sucher, er ist mit 31er Nagler schon fast selber einer.
    Als erstes suchte ich M53 im Haar der Berenike auf. Gleich rechts oberhalb des unteren Hauptsterns von Coma Berenike ist dieser Kugelsternhaufen recht leicht aufzufinden. er zeigte sich dann auch in beeindruckender helligkeit, was ich garnicht erwartet hatte, da ich ihn oft aus der stadt als eher verwaschenes Fleckchen im Okular hatte. Hier draußen auf dem Lande nun kam uns die sehr gute Transparenz und vor allem der verdammt dunkle Landhimmel von nur 6m7 sehr zugute; So beobachteten wir erstmal im Aufsuchokular (wieder mal das 31er Nagler) den Kandidaten und konnten schon dort die typische Sprenkelung wahrnehmen, die sich mit Nutzung des 10er Ethos in eine Art kosmischen Igel verwandelte, der uns in zusammengerolltem Zustand die weiß angemalten punktförmigen Spitzen seiner stacheln präsentiert. Überrascht von soviel Präsenz dieses doch eigentlich etwas dunkleren Kugelsternhaufens genossen Armin, Michael, Rainer und ich diesen Anblick bei 90facher vergrößerung erstmal ausgiebig. Als weitere Steigerung der Auflösung musste nun das 4.7mm Ethos her. Dieses erbringt am 152/900 immerhin schon eine 191fache Vergrößerung und man erhält eine AP von ziemlich genau 0.8mm. Dies wäre eigentlich perfekt für die Vollauflösung - eigentlich. Nun ist aber auf Grund des Farbfehlers des FH bei hoher Vergrößerung durchaus schon ein leichter Kontrastabfall spürbar und so zeigte sich M53 dann auch in zwar noch gutem aber nicht mehr sehr gutem Kontrast. Dies war daran zu sehen, dass das Zentrum, welches vorher noch als Ansammlung von Punkten wahrgenommen wurde, nun etwas milchig wurde; Die einzelsterne am rand zeigten dagegen noch eine gute Punktgestalt. Eigentlich wollte ich nach dieser Feststellung das 5-8mm SW Zoom zum Austesten heranziehen, aber ich hatte zwischenzeitlich schon ein wenig zusammengepackt und nun kam die durch Kälte begünstigte faulheit durch; So bleibt das für das Nächstemal ein Testvorhaben, ich schätze aber, dass bis etwa 160fach die abbildung auf wirklich gutem Niveau bleibt.


    Nach diesem Anfüttern durch M53 ging es natürlich zu M3 weiter. Dieser bietet mit deutlich höherer Helligkeit auch etwas mehr Potential zum Vergrößern. Nach kurzer Aufsuche mit dem 31er Nagler war dann auch wieder das 10er Ethos Pflicht und wieder schaute uns ein kosmischer Igel an. Die Abbildung war hier noch prägnanter und man sah förmlich eine dichte Ansammlung feiner Punkte, die bis ins Zentrum des Haufens voll aufgelöst erschien. Hier war natürlich auch wieder das Ausprobieren des 4.7er Ethos Pflicht und die Abbildung war etwas besser als bei M53; Ein Kontrastabfall war aber auch hier bemerkbar und so entschlossen wir uns es beim 10er Ethos zu belassen.


    Wenn man schon vom Adel spricht, dann darf man den König nicht vergessen. Und wer könnte das wohl anderes sein als M13 - also ging es auf ins Sternbild Herkules. Hier nun angekommen findet sich leicht auf der rechten Seite etwa auf zwei Drittel der gedachten Verbindungslinie zwischen Eta und Zeta Herkules ein nebliger Fleck. Dort ein obstruktionsfreies Teleskop mit 6" Öffnung hinhaltend vergisst man auch die schlimmsten Schüttelfrostanfälle - so auch wir. M13 ist einfach eine Pracht. Schon im 31er Nagler weitab jeder Vollauflösung zeigt sich ein beeindruckendes Kügelchen in punktierter Manier. Erhöht man die Vergrößerung auf 90fach, so entpuppt sich ein respektabler Haufen mit Aufgelöstheit bis ins Zentrum und selbst bei 191fach war hier der Anblick noch grandios. Wir konnten uns auch nicht so schnell davon lösen, jedoch war mittlerweile nicht nur die Optik gründlich ausgekühlt, sondern auch unsere Kerntemperatur meldete einen Abfall. Bevor nun zu kräftiges Zähneklappern noch einen Resonanzunfall in den Hauptlinsen erzeugte, sputeten wir uns und peilten als Vorschau auf den Sommer noch schnell den Ringnebel M57 in der Leier an. Der Anblick im 10er ethos war enorm kontrastreich und hell. Der rauchige ring stellte sich sich sehr abgelöst vom Hintergrund dar und schrie nach mehr Vergrößerung. Die bekam er auch mit dem 4.7er Ethos und so stellte sich ein deutlich größerer, wieder etwas im Kontrast gemilderter Anblick ein. Hierbei waren sogar Unterschiede in der Intensität des ringes sichtbar und die Helligkeit war noch als gut zu bezeichnen. Nach etwa fünf Minuten des Schauen verabschiedeten wir uns vom Liepener Deepskyhimmel und hoffen dies demnächst wiederholen zu können. Für das Wochenende ist jedenfalls schon wieder eine DS-Tour geplant.



    Abschließende Einschätzung


    Das erste richtige Firstlight hat mein neuer 6" f/5.9 FH nun mit Bravour bestanden. Ich schätze das Gerät nun hauptsächlich als Deepskygerät ein. Hier würde ich die Eignung nochmals präzisieren wollen. Als erstes fällt vor allem die wirklich tolle Darbietung von offenen Sternhaufen bei niedriger bis mittlerer Vergrößerung auf (ca. 30- bis 90fach). Ein weiteres Hauptbeobachtungsgebiet sollte auf jeden Fall die Galaxienbeobachtung sein - hier kann der Refraktor seine Kontrastleitung ebenfalls voll ausspielen unnd zeigt jede Menge Details bei mittlerer Vergrößerung (etwa 90fach). Nicht nur zu guter Letzt sind Kugelsternhaufen eine feinpunktierte Pracht. Hier schätze ich die maximal sinnvolle Vergrößerung auf etwa normalvergrößerung (also 150fach) ein. Gleiches gilt in etwa auch für planetarische Nebel, obwohl es hier sicher größere Unterschiede geben wird. Ein letztes Beobachtungsgebiet wäre die Sonnenbeobachtung. Hier schlägt sich der Refraktor auch wieder sehr gut, was er in der letzten Zeit schon mehrfach unter Beweis stellen durfte. Ich bin mir sicher dass ich diesen Refraktor absolut nicht wieder hergeben werde. Ich habe ihm auch schon einen Namen verpasst; Ich habe ihn nämlich "Inspektor Quant" genannt, weil man mit ihm so schön alles inspizieren kann und das Quant nunmal die Portion Licht ist, die er einfängt. Die Aufkleber zum Namen samt Logo werden vorraussichtlich morgen fertig sein.


    Sternklare Grüße
    Alko

  • Hallo Alko,


    einen beeindruckenden Bericht hast Du hier verfasst, der die Einsatzmöglichkeiten, aber auch die Grenzen eines FH-Richfielders gut beschreibt.
    Als Richi habe ich den kleinen Brunder, den Skywatcher 120/600, der gemeinsam mit dem 127/950mm APO auf einer Montierung sitzt. Obwohl ich eigentlich 2 schöne Dobsons besitze (einen 8" ICS und einen 14" Lomo von AOM) beobachte ich am liebsten mit den Refraktoren. Wobei ich den APO eigentlich als Planetengerät gekauft hatte. Hier finde ich die Abbildung besser als im Dobson, der (zumindest der 14") oftmals zu hell ist. Da ist es manchmal gut, hat man ein Gerät, dem schnell mal das Licht ausgeht...


    Ansonsten: Volle Zustimmung, diese Geräte werden oftmals aus Unwissenheit herabgestuft oder mit 10x teureren Edel-APOs verglichen, was eben falsch ist.


    Meinen Glückwunsch zum neuen Gerät!

  • Hallo Winfried,


    freut mich, dass dir mein Beobericht und Firstlight zum 152/900 gut gefällt. Ich bin auch noch völlig von den Qualitäten des gerätes eingenommen und immer noch verwundert bis zu welcher AP herab man mit dem Gerät Galaxien gucken kann. Ich habe ja auch beides (Spiegel und Linse) und dabei in der Vergangenheit immer wieder festgestellt, dass ein Newton ein sehr guter Lichtsammler ist, ein refraktor aber im rahmen seiner Darstellbarkeit die Dinge kontrastreicher zeichnet. Da sind dann Galaxien losgelöst vom Hintergrund im Raum liegend und zumindest helle Nebel zeigen die gleichen Strukturen wie ein deutlich größerer Newton dies kann. Speziell der Orionnebel zeigt eine deutlichere Abtrennung der Dunkelwolke vom Rest des des Nebels - kurz gesagt der Blick durch ein paar Linsen bringt es glasklar rüber. Ich genieße aber auch die sehrgute auflösung des 8" f/5 newton am Planeten und am Mond - hier zeigt sich dann wieder die Öffnung und deren feineres beugungsmuster als vorteilhaft und beim Fotografieren von Planeten ist die größerer Öffnung dann ganz klar im Vorteil. Ich werde also auch in Zukunft beides nutzen (Linse und Spiegel) und dies schön seinem Zweck entsprechend. In der nächsten Zeit wird aber ganz sicher der FH an allen Dingen ausprobiert und vorgeführt werden - und das nicht nur monokular :1eye:


    Sternklare Grüße
    Alko

  • Ein freundliches Hallo an alle !


    Hallo Skylux,
    sehr guter Bericht. DANKE !


    Da ich auch nach einem Teleskop mit etwas größerer Öffnung suche, habe ich das von Dir beschriebene, das GSO Ritchey-Chretien RC 152/1370 OTA "http://www.astroshop.de/gso-ritchey-chretien-rc-152-1370-ota/p,20900#tab_bar_1_select" und den Individual Großfeld Refraktor 152/900mm - Öffnungsverhältnis F/5,9 - mit hochwertigem 3" Auszug "http://www.teleskop-express.de/shop/product_info.php/info/p2229_Individual-152-900mm-Gro-feldrefraktor---3--Crayford-Auszug.html" in meiner näheren Auswahl. Da aber Refraktoren, und ich besitze auch
    das Celestron 102 SLT ´kleine bis große` Farbeimer sind, tendiere ich ein wenig zum RC.
    Rolf

  • Hallo Rolf,


    der Individual 152 und der AP 152 sind praktisch baugleich - die fallen alle vom selben Band. Das RC kenne ich nicht und habe auch noch keine Erfahrung mit Ritchey-Cretien-Teleskopen. Was die kleinen oder großen Farbeimer betrifft, da wird der Farbfehler sicherlich von Person zu Person unterschiedlich bewertet und man sucht sich seinem Geschmack folgend das optimale Teleskop raus.


    Es gibt bei den FH's auch Unterschiede zwischen den einzelnen Produkten, wenn man mal etwa gleiche Öffnung und gleiches Öffnungsverhältnis beachtet. Die Individuals z.B. haben deutlich weniger Farbfehler als die typischen Celestron oder Skywatcher FH's. Ich selbst habe auch noch einen 4" f/11 Individual und es ist ein sehr schönes Mond- und Planetengerät mit einem nur geringen Farbfehler. Man kann mit dem Gerät ungelogen bis zu 275fach am mittelhoch stehenden Planeten vergrößern und hat noch ein scharfes Bild. Im direkten Vergleich mit dem 90/900er FH von Skywatcher schnitt der Individual farblich deutlich besser ab. Was die schärfe betraf, so schnitt der Skywatcher auch gut bis sehrgut ab, aber der farbfehler war etwas deutlicher vorhanden.


    Sternklare Grüße und viel Spaß bei der weiteren Auswahl des richtigen Teleskops
    Alko

  • Hallo Rolf,


    es kommt ganz darauf am, was Du beobachten möchtest. Für Deep Sky ist ein RC-System meines Erachtens schon ein wenig zu lang von der Brennweite her. Da wäre ein Newton/Dobson besser. Der hat natürlich wieder eine lange Bauweise, was die Montierung an die Grenzen bringen kann. Darin wiederum ist der RC unkritischer.
    So wie Alko (und auch ich): man braucht ansich beides. Newton und Linse.
    Ich kann mich oft nicht entscheiden, welchen ich nun einsetze. Im Frühjahr mit seinen Galaxien und Kugelsternhaufen kommt der große Newton viel öfter zum Einsatz, im Winter, - mal abgesehen von M42, bevorzuge ich schon aus Faulheit die Linse, zumal wie ja in diesem Winter Planetensaison hatten. Da gefällt mir die Abbildung im Refraktor einfach besser. Sicherlich gehen damit auch KH, aber meinem APO geht da mit 127mm Öffnung schnell mal das Licht aus, was wiederum am Planeten manchmal auch sinnvoll ist.
    Die siehst (einmal wieder), es gibt kein Universalgerät.

  • Hallo,


    um mal was neues vom FH zu vermelden. Heute ab spätem Vormittag ergab sich eine sehr schöne gelegenheit mit dem lichtstarken 6" FH wieder mal die Sonne zu begrüßen. Icxh habe ihn dann auf dem Hinterhof aufgebaut und mit der Astrosolar ND5 ausgestattet. Erst habe ich nacheinander ein paar monokulare Vergrößerungen gefahren (31er Aspheric, 17er Hyperion, 13,4er Speers Waler) und dann nach einer guten dreiviertel Stunde habe ich den B&W Binoansatz montiert. Hier muss ich wegen des Glasweges von 80mm leider schon eine meiner powermates als Glaswegkorrektor missbrauchen - das funktioniert mit der 2.5er Powermate aber ganz gut und der fokus stellt sich damit auf Mitte des Verstellbereiches ein. Ich habe dann erstmal die 26er Superplössl der Meade 4000er Serie eingesetzt und mir eine schöne Übersicht gegönnt. Die Sonne bot heute gleich drei große Anhäufungen von Fleckengruppen, die später auch fotografisch drankamen. Vorerst aber war das visuelle Genießen an der Reihe. Man sah sehr schön eine von granulation übersähte Sonne, die zudem auf der linken Seite etwas oberhalb ein fackelgebiet aufwies. In den einzelnen fleckengruppen, die jeweils aus etwa drei bis fünf größeren flecken bestanden, wimmelte es nur so von kleinen Flecken, die sich fast wie verbindungsketten zwischen den großen Flecken dahinzogen und innerhalb und am rand der Penumbren lagen. Nun wollte ich natürlich nicht nur bei ca. 80fach die Übersicht genießen, sondern auch einige details genauer beschauen. So kamen nun die 13,8er Weitwinkel von Meade ins Bino. Hier bot sich auch der optimale Anblick aus schärfe und Detailfülle. Man konnte die granulation genauer anschauen und die sonnenflecken zeigten ein herrliches Muster aus Rissen in den Penumbren. Ich testete nun wieder alle Farbfilter aus der Baaderpalette durch und kam zum Schluss, dass Grün am besten die Granulation und die Sonnenfleckendetails hervorbrachte. Es gefiel mir sogar noch besser als der Solar-Continuum selber, der zwar einen unheimlichen Kontrast erbringt, aber auch nur einen ganz schmalen Wellenlängenbereich zeigt. Hier ist der Vorteil auch wieder ein Nachteil in anderer Hinsicht, denn Details, die vor allem in anderen Wellenlängen vorliegen, werden somit weggeschnitten.


    Als ich genug beobachtet hatte, schloss ich die DMK21 an das Netbook und machte mich aufnahmebereit. Ich nahm von jeder Fleckengruppe ein RGB bei f/15 auf, indem ich von den Baaderfiltern einfach Rot, Grün und Hellblau verwendete. Zum Schluss machte ich noch bei f/6 eine Mosaikserie über die gesamte Sonne - mal sehen ob es was geworden ist.


    Als ich nun mit der "Arbeit" soweit durch war, ging ich wieder zum Beobachten über. Hier fing ich nun ein bißchen an zu experimentieren, indem ich eine vorher gefertigte Blende von 120mm vor den Sonnenfilter setzte. Der Effekt war enorm, denn die Granulation, die vorher eben einfach sichtbar war, sprang mir jetzt mit einem abnormal hohen kontrast regelrecht ins Auge. Ich hätte nicht gedacht, dass Abblenden von f/5.9 auf f/7.5 schon so einen großen Schärfezuwachs bewirkt, aber immerhin werden die äußeren 16 mm des 76 mm Radius abgeschnitten, was schon gute 20% des Linsenradius ausmacht. Mir fehlen hier jetzt ein wenig die Berechnungsgrundlagen, um die Verbesserung der Schärfe zu quantifizieren, aber ich würde sagen, dass sich die Deutlichkeit der Granulation etwa verdoppelt hat. Ich werde mir noch weitere Radien zurechtschneiden, um ein Optimum auszutesten, denn leider verschenkt man beim Abblenden ja auch Auflösung - hier sind es eben gut 20% Verlust in diesem Sinne.


    Das war erstmal das Neueste zum neuen Refraktor. Sobald die Bilder gestackt und bearbeitet sind, stell ich sie hier rein.


    Sterklare Grüße
    Alko

  • Hallo Winfried,
    beobachtet werden soll mit dem neuen Teleskop Deep Sky und Planeten. Die Sonne beobachtete ich im Weißlichtbereich mit dem Equinox 100 mit HK und Filter von Baader. Im Huckepack mit dem 102 SLT mit Baader Sonnenfolie. Montiert auf einer NEQ 6 mit 3 Zoll Klemmung.


    Hallo Skylux,
    Dein neuer Bericht macht Appetit auf ein AP 152/900. Weiter so.


    Es grüßt freundlich aus Celle
    Rolf

  • Hallo Rolf,
    ein GSO Ritchey-Chretien RC 152/1370 OTA ist für die Fotografie gebaut. Nicht visuell! Durch den überdimensionierten FS nicht geeignet.
    Niemand beobachtet mit den RC von GSO.

  • Hallo Rolf,
    ein GSO Ritchey-Chretien RC 152/1370 OTA ist für die Fotografie gebaut. Nicht visuell! Durch den überdimensionierten FS nicht geeignet.
    Niemand beobachtet mit den RC von GSO.


    Hallo Stefan_S,
    das ist ja mal eine Ansage !
    Rolf

  • Hallo Rolf,


    wenn ich mal meine Erfahrung etwas ausbreiten darf, vielleicht hilft das bei der Auswahl ja weiter - zumindest als Entscheidungskriterium.


    Ich fang mal praktisch an. Man kann mit einem Newton sehr schöne Planetenbeobachtungen machen, da er einem recht schnell (also für relativ wenig Geld) eine große Öffnung anbietet. Ebenso zeigt er damit Deepskyobjekte sehr hell und man kann diese recht hoch vergrößern. Ein Newton bis 10" Öffnung ist sogar noch RELATIV preisgünstig parallaktisch zu montieren und ermöglicht damit sogar Astrofotografie.


    Nun könnte man meinen, dass es ja kein besseres Teleskop als eben diesen Newton geben kann, wenn da nicht eine durch den Fangspiegel bedingte Beugunghserscheinung wäre, die sich zusätzlich zum Beugungsmuster des Hauptspiegels mit diesem kombiniert. Heraus kommt ein Kontrastabfall im mittleren Auflösungsbereich. Dies lässt dann das Newtonbild etwas sanfter gezeichnet aussehen als das Abbild eines Refraktors, der in Sachen Kontrastleistung eben deshalb auf dem höchsten Platze thront. Ja, wenn da nicht der blöde blöde Farbfehler wäre, der sich vor allem bei lichtstark konstruierten FHs ab etwa Normalvergrößerung (also Öffnung in mm ist gleich der Vergrößerung) als Kontrastminderung im Deepsky und als hübsches tiefblaues Halo um helle Objekte herum bemerkbar macht. Nun kann man einen Refraktor entweder lang und dünn bauen und hat dann ein schönes farbreines Instrument für die Mond- und Planetenbeobachtung, dem aber im Deepsky schnell das Licht ausgeht. Oder man macht es umgekehrt und gibt ordentlich Öffnung, hat ein wunderbares Übersichtsteleskop und ein ebenso g****s Deepskygerät mit hammermäßigem Kontrast bis zur halben "Drehzahl" und nimmt dafür den Farbfehler bei hoher Vergrößerung in Kauf und verzichtet eben darauf.


    Jedersmal, egal in welchem der Fälle hat man aber einen Spezialisten, der auf einem Gebiet glänzt und das andere Gebiet sträflich vernachlässigt. Für den Refraktor gilt also entweder Deepsky oder Planeten, dafür aber dann jeweils mit bestem Kontrast.


    Für den Newton gilt, dass man mit ihm beides kann, also sowohl Planeten als auch Deepsky, dass er dies aber mit weniger Kontrast erbringt als der Refraktor. Man kann es drehen und wenden wie man will, man muss sich letzten Endes immer für ein paar oder sogar nur eine Eigenschaft entscheiden, die man besonders bevorzugt und auf andere Eigenschaften muss man dann eben verzichten. Ich für meine Zwecke halte in etwa die Waage; Ich nutze beides und dies seinem Können entsprechend - hab ich mir auch erst angewöhnt. Es hat sich bei mir nämlich bisher immer gezeigt, dass ich mir nach einem Spiegel wieder eine Linse kaufe und das ist eben das ewige Dilemma, dass man einfach nicht alles haben kann aber immer versucht das Ideal auszuweiten.


    Am besten ist, du schaust auf dem ITV (ist ja bald) mal durch sämtlich Öffnungen die du da vorfindest - dann findest du auch deine Neigung am besten heraus. Aus solchen theoretischen Abhandlungen (incl. dieser hier) kannst du dir eigentlich nur Anregungen holen.


    Uups, eigentlich wollte ich mit drei Zeilen durch sein - naja :unsure:


    Sternklare Grüße
    Alko