Ein Dobs für alle Tage

  • Ein Dobs für alle Tage

    Im Normalfall wäre es eine sehr gute Astro-Kamera, zumal mir der Zufall wieder ein sehr gutes Exemplar in die Hände gespielt hat.
    Einen Vorteil muß das doch haben, wenn man Astro-Optiken prüft. Nun bin ich leider kein Astrofotograph, und ein solches Teleskop
    würde regelrecht verstauben, wenn es nicht gerade zu Vergleichszwecken benutzt wird als Referenz-Optik. Und weil dieses Gerät
    so handlich ist, kann man es auch als Dobson umwidmen, und dann hat man etwas davon:

    Praktischerweise hat der Tubus links und rechts eine Befestigungsschiene, dazu gibt es die praktischen Befestigungs-Prismen, rund genug,
    um sie als Höhen-Rad zu mißbrauchen in das übliche, bekannte System von Siebdruckplatten. Die Prismen sind verschiebbar, sodaß man
    mit dem Schwerpunkt kein Problem hat - solange schieben, bis das Teleskop + Zubehör im Gleichgewicht ist.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/GSO8Dobs01.jpg]


    Da es ein 8-inch f/8 System ist und obstruiert, wird man die Vergrößerung bis ca. 160-fach "treiben" können: Für Mond und Planeten aus-
    reichend, für lichtschwache Objekte vermutlich auch. Für 300-500-fache Saturnvergrößerungen hätte ich ja dann eine Batterie von
    größeren Dobsons - bis 20-Zoll f/4, sodaß lediglich das Seeing das Vergnügen derzeit die Saturnbeobachtung damit auf max 300-fach begrenzt.
    Gemeint ist mein 20-inch Dobson, der witterungsbedingt auch Saison hat.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/GSO8Dobs02.jpg]



    . . . . .

  • C11-Wiege-Dobson


    Ein C11 im Regal ist eine suboptimale (Zit: Gerhard Schröder) Lösung. Man weiß zwar, daß es eine herausgesuchte Optik ist,
    und am Himmel sicher fabelhaft, aber deswegen wird man das andere, schon 10 Jahre ältere C11, nicht von seiner Montierung
    holen. Also braucht man eine Dobson-ähnliche Lösung, damit man von Zeit zu Zeit möglichst unkompliziert auch mal durch
    dieses C11 beobachten kann. Also verfiel ich auf eine "Wiege"-Lösung.



    [IMG:http://rohr.aiax.de/C11WRDobs01.jpg]


    Entscheidend ist bei jedem Dobson, daß man zur Einstellung der Höhe möglichst leichtgängige Höhenräder benutzt: Der Radius ist bereits gefräst, und nun werden
    die Aussparungen so gefräst, daß mit dem richtigen Abstand dieser bei 12 mm Siebdruckplatten vpn 150 mm, das C11 zusammen mit dem Zenitspiegel+Okular und
    Taukappe im Gleichgewicht "pendelt", sich also wie eine Wiege verhält. Auf dem nächsten Bild sind also die bearbeiteten Kreis-Sektoren bereits verbunden, und von
    oben legt man das C11 hinein. Damit wäre das C11 bereits einsetzbar. Leichter in der Bedienung ist aber, wenn diese "Wippe" noch in einen "Schuh" eingesetzt wird,
    damit die Einstellung der Höhe etwa wie einer der üblichen Dobsons funktioniert. Das C11 soll ja leicht in jede gewünschte Position gebracht werden und dort ohne
    weiteren Schwingungen verbleiben.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/C11WRDobs02.jpg]


    Den "Plan" hebt man sich am besten auf: Er entstand dadurch, daß ich die Längsachse waagrecht und dort ins Gleichgewicht brachte. Wenn man den so vorbereiteten
    Tubus in einer horizontalen Ebene dreht dann bekommt man a) den noptwendigen Radius. b) wenn diese Ebene um je 75 mm nach oben und unten versetzt wird, dann
    bilden sich - auf ein Zeichenpapier "gelotet" - die Umrißlinien ab, die innen später den C11 Tubus tragen bzw. umschließen, außen hat man dann den Radius um den
    Schwerpunkt. Dabei sind Taugkappe und Zenit-Prisma + Okular gewichtsmäßig zu berücksichtigen, was natürlich Einfluß auf den Schwerpunkt hat. Zum Ausfräsen innen
    und außen sollte man vorher eine Schablone anfertigen, mit der am die genaue Kontor ermittelt bzw. überprüft.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/C11WRDobs01A.jpg]


    Unter die Wiege braucht man eine "Rocker-Box", materialsparend, versteht sich. Hier wird der Radius der Wiege + 4 mm Luft gefräst.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/C11WRDobs03.jpg]


    Einige Arbeitsschritte sind bereits übersprungen. Die Seitenteile der Rockerbox sind mit 25 mm Rundholz-Stangen verschraubt, hinten sind je zwei 22 mm Inline-Kugel-
    rollen eingesetzt, damit man an den Drehknöpfen links die Höhe einstellen kann. Die Wiege liegt also jeweils auf den 20 mm Holz-Zylinderrollen und rechts auf den
    Kugelrollen auf. Diese werden über Alu-Bändern gehalten und mit der Rockerbox verschraubt. Eine Toleranz von 0.1 mm bei der Herstellung erleichtert die Arbeit
    ungemein.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/C11WRDobs04.jpg]


    [IMG:http://rohr.aiax.de/C11WRDobs05.jpg]


    Zusammengesteckt würde der C11-Dobs bereits funktionieren, trotzdem fehlt da noch was: Nach gleicher Methode entsteht also noch der Drehteller. Zwischen den
    Platten mit 325 mm Außendruckmesser liegt ein 4 mm dickes Nadellager, das ein ruckfreies vertikales Drehen der ganzen Einheit ermöglicht. Auch für diese Drehbewe-
    gung läßt sich Drehknopf einbauen, wobei aber die Drehteller bereits feinfühlig mit der Hand bewegt werden kann.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/C11WRDobs06.jpg]

    Sinn und Zweck der Aktion ist, mit einer möglichst handlichen Positionierung (als Dobson) das C11 als transportables Gerät nutzen zu können in
    möglichst bequemer Sitzhaltung. Fehlt nur noch ein entsprechend niedriger und stabiler Tisch.

    Witterungsbedingt entstanden zunächst folgende Feinheit: Für Höhenverstellung wurden die bisherigen Rändel-Muttern M6 gegen große Rändelscheiben ausgetauscht,
    damit sich die Aus- und Ab-Bewegung gefühlvoller bewegen läßt. Da der große Radius der "Wiege-Vorrichtung" liegt also rückwärtig auf zwei Inline-Kugel-Lagern auf,
    und vorne auf zwei kleinen Holzzylindern, die sich mit dem Handrad drehen lassen.


    Ein ähnliches Prinzip bewegt die Vertikal-Achse sehr feinfühlig: Unter Ausnutzung des relativ großen Untersetzungs-Verhältnisses drücken an die untere Drehscheibe
    drei kleine O-Ringe, die über die Drehbewegung der Hand den oberen Teller im Uhrzeigersinn, das Teleskop ebenfalls im Uhrzeigersinn nachführt. Daran läßt sich im
    Bedarfsfall ein kleiner langsamlaufender Elektro-Motor oder ein Uhrwerk anschließen.


    Ein Sucherfernrohr hat der C11 Tubus ebenfalls, eine formschöne Taukappe sollte das Projekt abschließen. Danach wären viele klare Nächte erwünscht.

    [IMG:http://rohr.aiax.de/C11WRDobs07.jpg]


    .

  • Hallo Wolfgang,


    SC-Dobbys, und dann auch noch im Doppelpack, erstmals gesehen! Hoffe, Du hast 'ne Beton-Tischtennisplatte o.ä. für die Teile im Garten! Kann mir schon vorstellen, daß es dann klappt! Viel Spass beim Beobachten mit Deinen Dob-Exoten.


    Gruß und CS!


    Volker

  • Hallo Volker,


    wenn die ausgesuchten und wertvollen Optiken nur im Regal "vergammeln" ist die Freude nur halb so groß.
    Aus dieser mißlichen Lagen heraus entstehen dann solche Ideen, wie oben ausgeführt und ergänzt. Jetzt
    wären die Füssener Sternfreunde recht, vielleicht entwerfen die ein stabilen Text dazu.

  • nach langen, langen Wochen . . .


    bot sich endlich vergangene Nacht die Gelegenheit, den selektierten C11 Wiege-Dobson am Himmel
    mal zu testen bzw. sich am Ergebnis zu freuen:


    Jupiter stand/steht Gottseidank sehr hoch und bot ein kontrastreiches Bild bei 215 - 280-facher Vergrößerung.
    Mehr ist nicht sinnvoll. Das Orion-Trapez war das zweite Testobjekt, wobei es zur Zeit ziemlich genau im
    Süden stand. Der 5. und 6. Stern war eindeutig und nadelpunkt-förmig zu erkennen. Paßt auch!


    Gegen 02:00 Uhr schob sich oberhalb vom abnehmenden Mond der Saturn vom Nachbarhaus hervor:
    Zur Zeit steht dieser leider sehr tief, sodaß die Abbildung doch sehr zu wünschen übgrig läßt. Ich
    hab den "Kerl" schon ganz anders gesehen. Scheint in diesem Jahr nicht so optimal zu sein.


    Die Aussteuerung am Dobson, vertikal und horizontal ist gut gelungen und feinfühlig genug.


    Heute ist der Himmel wieder zu und die Sonne quält sich durch die Wolken - Beobachterschicksal !