HEQ5 pro goto Motorgeräusche

  • Liebe Sternfreunde,


    ich habe ein kleines akustisches Problem mit meiner HEQ5 pro Synscan GoTo Montierung:


    unmittelbar nachdem ich ein Objekt ausgewählt habe und die Steuerung anweise, das Objekt
    aufzusuchen, kracht es im Getriebe - es hört sich an wie im Auto beim Schalten ohne Kupplung
    (bin kein Autofahrer, habt also Nachsicht, falls das unsinnig ist - jedenfalls das Geräusch, welches
    mit "schönen Gruß vom Getriebe" kommentiert wird). Dannach fährt die Montierung das Objekt
    an, was mit einem akzeptablen Motorengeräusch verbunden ist - eben Schnellgang "rate 9".
    Aber das Krachen am Anfang ist beängstigend und in der Nacht nicht tolerierbar.


    Meine Frage an alle HEQ5 pro oder NEQ6 pro Besitzer: ist das normal? Was genau
    verursacht denn dieses unsägliche Knirschen? Kann man das (hoffentlich!) abstellen?


    Ich habe zwar kein Problem damit, Objekte nach Teilkreisen aufzusuchen, da ich das von
    früher nicht anders kenne (Sternzeituhr + Koordinaten - that's it), aber nun habe ich schon
    das GoTo ...


    Wenn das normal ist, muss ich auf meiner Balkonsternwarte bei Nacht wohl ganz auf GoTo
    verzichten. In diesem Fall sollte Skywatcher aber zusätzlich zur "Sonnenwarnung" auch noch
    eine "GoTo" Warnung in das Manual und die Handbox aufnehmen -> "Don't try this at home
    by night".


    Im Übrigen ist natürlich auch der schnellste Gang (rate 9) davon betroffen aber den muß ich
    ja nicht auswählen. Soweit ich weiss kann man dem GoTo keine "rate" vorschreiben - die
    GoTo Geschwindigkeit ist wohl fest im Programm "verdrahtet".


    Help me if you can ...


    Liebe Grüße,
    Michael


    p.s.: OT: irgendwann werde ich es wohl schaffen meinen versprochenen Bericht über die
    neue Ausstattung (HEQ5 s.o. + Skywatcher 6" MAK) zu schreiben ...

  • Hallo Michael,


    ich hatte die gleiche Montierung mit den gleichen Geräuschen, genau wie von Dir beschrieben. Nun habe ich mit der HEQ-6pro die gleiche eine Nummer größer - mit dem gleichen Phänomen!
    Schlicht und ergreifend: das ist so und das macht nichts. Natürlich kann man die Monti öffnen und die Schnecke nachstellen, an der dürfte es liegen.
    Habe ich aber nicht gemacht, wenn ICH so etwas mache, dann habe ich anschließend mindestens 3 Schrauben übrig...


    Meine sechser läuft nun 2 Jahre und führt hervorragend nach. Die sind zwischenzeitlich, - wie auch die HEQ-5-pro, recht ausgereift. Du brauchst nichts daran zu machen, höchstens wenn du fotografieren möchtest. Aber das habe ich noch nicht gemacht, bin ein rein Visueller.

  • Hallo Saghon, Heinz und Winfried,


    >Saghon: Danke für den link. Ich werde die Montierung aber garantiert nicht zerlegen - dannach blieben
    bei mir nicht nur wie bei Winfried 3 Schrauben übrig sondern ich müsste mir eine neue Montierung kaufen. Falls
    das Krachen nur so abgestellt oder vermindert werden kann werde ich meinen Händler bitten dies zu tun. Der
    hat übrigends das Getriebespiel eingestellt und gefettet ist das Getriebe garantiert. Ich habe auch gelesen,
    daß ein Austausch des Schmiermittels nur dann Sinn macht (bei einer fabrikneuen HEQ 5 u.ä. Modellen), wenn
    man tiefere Arbeitstemperaturen wünscht. Ein Austausch von Lagern, Zahnrädern mag Verbesserungen
    bringen.


    >Heinz: Mein Computer ist absichtlich stumm. Ich schließe 'mal die Lautsprecher an und dann wird man ja
    hören - Bericht folgt.


    >Winfried: Das ist einerseits beruhigend andererseits frage ich mich, ob es nicht doch eine Abhilfe gibt, die
    mit wenigen Handgriffen und geringem Risiko für Mechanik-Analphabeten wie mich zu realisieren ist. Wenn
    ich der Steuerung beibiegen könnte, daß sie nur mit rate=8 im Goto arbeitet, dann wäre alles prima. Aber
    die Software ist ja eine black box. Dabei fällt mir ein, daß es doch merkwürdig ist, daß die Anlaufgeräusche
    bei rate=9 so viel lauter und dazu auch noch knirschend, krachend, sind als bei rate=8. Schrittmotoren
    können sehr unangenehme Geräusche produzieren - ich muß nochmal nachlesen unter welchen Umständen
    (Resonanz? Eigenfrequenz getroffen?) - also ist es vielleicht ein Problem der Motoransteuerung.


    Jedenfalls erst einmal danke für die Tipps.


    Liebe Grüße,
    Michael


    p.s.: Ich bin ansonsten mit der Montierung sehr zufrieden. Die Nachführgenauigkeit ist visuell sehr gut,
    die Genauigkeit für fotografische Zwecke kann ich nicht beurteilen. Bei Nachführgeschwindigkeit schnurren
    die Motoren leise vor sich hin - sehr sehr angenehm. Nur eben ...(s.o.)

  • Hallo Heinz,


    nochmals danke für diesen Link. Genau dieses Geknirsche habe ich gemeint! Also liegt es
    doch am Getriebespiel + zu wenig Fett und vielleicht auch noch am schnellen Anstieg
    der Drehzahl. Saghons Maßnahmen würden dann wohl zum Ziel führen aber die im Video
    gezeigten Schritte sollten mit etwas Sorgfalt für jeden machbar sein.


    In meiner vorigen Nachricht ist das Format durcheinander geraten - sorry.


    Liebe Grüße,
    Michael

  • Mein reden...
    Ich hab aber auch schon eiernde Zahnräder gesehen die so ein periodisches Geräusch erzeugen.
    Ich bitte zu bedenken, das ein Austausch des Fettes nicht nur bei niedrigeren Arbeitstemperaturen etwas bringt sondern auch einen ruhigeren Lauf mit sich zieht , da die chinesischen Fette sehr zäh sein können und die Motoren einfach mehr Grundlast haben.

  • Frage an Saghon:


    meine Monti ist etwas über ein Jahr alt. Ich dachte eigentlich, die Problematik des Chinafettes sei zwischenzeitlich gelöst worden und die neueren Montierungen hätten dieses Problem nicht mehr.
    - Meine nun aber doch, beim Anlaufen die gleichen Geräusche.
    Macht mir ansich nichts aus, da ich bekanntlich ein Visueller bin. Trotzdem meine Frage (an die Spezialisten, weil`s andere ggf. auch interessiert):


    Schadet das der Montierung/der Motore oder kann man visuell damit leben? - Nachführen tut sie nämlich sehr genau. Doppelsterne sind bei 250x Vergrößerung nach einem 2-Sterne Alligment immer im Okular. (Explore Scientific ED 127/952 + Ethos 3,7mm).

  • Gelöst ist da eher nicht viel. Was mich persönlich auch gar nicht stört ;-)
    Selbst hochwertige Montierungen haben teilweise Schmierprobleme.
    Wenn sie so ordentlich nachführt und Du mit dem Lärm leben kannst, lass es erstmal so. Die Motoren sind eh Recht laut.
    Wenn noch Garantie drauf ist, lass den Händler mal auf korrektes Getriebespiel (Speziell zu feste Einstellung der Zahnräder) prüfen)

  • Hallo zusammen,
    als ich meine HEQ5 auf Goto umgerüstet habe, habe ich mit Absicht vermieden das mitgelieferte Fett zu nutzen.
    Wobei die hohe Zähigkeit des Chinesischen Schmiermittels doch eigentlich beim dämpfen von Schwingungen hilfreich
    sein müsste.
    Anstelle dessen habe ich ein Weitbereichsfett von Klueber genutzt. ISOFLEX TOPAS L32N, von -60 bis 130°C.
    Für mich beste wo gibt.
    Nützt aber auch nix. Man kann die Zahnräder natürlich so verspannen das kein Schwingen mehr möglich ist, dafür
    bekommt man dann aber garantiert Messingmehl frei Haus. Frage an die Experten der spanenden Bearbeitung, ein
    Zahnrad mit gleichen Abmessungen aber anderer Masse, wäre das einen Versuch wert?
    Ich glaub ich muss mal wieder raus.


    Gruß Stefan

  • Dämpfen kann es in der Tat. Das klappt aber nur, wenn es auch als Trennmittel funktioniert, wie mein Vorschreiber so treffend formuliert hat. :-)
    Ich hab nicht umsonst lange Zeit nach einem Schmiermittel gesucht, das Dämpft aber gleichzeitig nicht klebt.
    Was aber auch nichts nützt wenn das ganze System nicht richtig eingestellt ist.

  • Hallo Michael


    Ich glaube bei der HEQ5 reicht es den rückseitigen Deckel zu entfernen. Ein Ausbau der Motoren ist dann nicht notwendig. Das Getriebespiel müsste im Stillstand mit einer Lupe sichtbar sein.(Einfach an den Zahnrädern wackeln)


    Hallo Stefan
    Zahnrad mit geringerer Masse geht schlecht da die Masse des Rotors des Motors mitgerechnet werden muß. (Geiler Satz!!)
    Zahnrad mit erhöhter Masse verschiebt das Problem in den Bereich niedrigerer Drehzahlen. Also in den Bereich der Nachführung.


    Was hier Sinn machen würde währe eine Anpassung des Stromes oder besser eine angepasste Beschleunigungsrampe oder noch besser ein Mikroschrittbetrieb auch im Go-To bereich. Beides bleibt dem Hersteller vorbehalten.


    Sowie hier zum Beispiel. http://www.astro-electronic.de/mikro.htm

  • Hallo Heinz und an alle anderen,


    ich habe mich daran erinnert, daß ich über das Geräuschproblem bei Schritt-
    motoren schon einmal etwas gelesen hatte. Ich hab's wieder gefunden:


    ----
    Zitat:


    "The AC ripple Iripple superimposed on the running current by a
    chopper can be a source of problems; at high frequencies, it
    can be a source of RF emissions, and at audio frequencies, it
    can be a source of annoying noise. For example, with audio
    frequency chopping, most stepper controlled systems will "squeel",
    sometimes loudly, when the rotor is displaced from the equi-
    librium position."


    Zitat Ende


    Quelle: Stepping motors by Douglas W. Jones, The university of
    Iowa, department of computer science.


    Abschnitt 4, "Current limiting for stepping motors" - "open
    loop solutions", "- use of pulse width modulation".


    http://www.cs.uiowa.edu/~jones/step/
    ----


    Ich muss mich daher selbst korrigieren (Beitrag von gestern): Getriebe einstellen, neu einfetten
    behebt das Problem nicht - es dämpft es nur im wahrsten Sinne des Wortes. Die Ursache der
    Schwingungen und damit letztlich des Geräusches liegt in der Elektronik bzw. in der Ansteuerung
    derselben per Software. Heinz, es stimmt, daß die Rampe wohl zu steil ist; Mikroschritt ist es
    sicherlich.


    Das Video (siehe Beitrag von Heinz) zeigt sehr schön, daß das Gequietsche ("sqeal" in o.g.
    Artikel) auch am ausgebauten Motor mit nur einem extra Zahnrad zu hören ist; es quietscht
    also schon an der Quelle, nicht erst tief drinnen in der Mechanik! Außerdem quietscht es
    gar nicht, wenn man die kleineren Geschwindigkeiten (rate 1 - 8) nimmt, was ebenfalls
    dafür spricht, daß die Ursache in der Steuerung zu suchen ist.


    Natürlich kann man durch bessere Dämpfung den Pegel des Geräusches absenken aber ein
    langsames Hochfahren des Motors per Software würde die Ursache des Malheurs bekämpfen -
    leider kommt man aber an die Software nicht heran (?).


    Ich werde also versuchen etwas über sie Software in Erfahrung zu bringen; schließlich
    kann man ja ein update der Software über die serielle Schnittstelle machen ...


    Liebe Grüße,
    Michael


    p.s.: Winfried: ich kann mir nicht vorstellen, daß die mechanischen Schwingungen der
    Mechanik gut tun aber den Schnellgang verwendet man ja immer nur kurzzeitig und in
    längeren Zeitabständen. Mit dieser Ansteuerung würde die Mechanik ein dauerndes
    Hoch- Runterfahren wohl nicht lange unbeschadet überstehen - nicht 'mal im Ölbad.

  • Liebe Sternfreunde,


    ich bin inzwischen der Software, die die HEQ5 pro steuert, näher gekommen. Die Software 'EQMOD'
    umgeht die Handsteuerbox und kommuniziert direkt mit der Motorplatine via RS232 (serielle
    Schnittstelle). Ich habe mir die Software heruntergeladen (einfach im Internet nach 'EQMOD' suchen)
    und mit Cartes du ciel 3.6 damit herumgespielt - im Simulationsmodus, also keine Montierung
    angeschlossen. Das sieht sehr gut aus und der source code ist auch dabei, sodaß man sehen
    kann was genau wann passiert. Die Steuerung auf der untersten Ebene wird allerdings vom
    Microcontroller auf der Motorplatine erledigt und dort liegt wohl der Hase im Pfeffer. Jeden-
    falls scheint es möglich zu sein, ein Goto mit geringerer Geschwindigkeit zu machen, was
    das unsägliche Knirschen der Motoren vielleicht vermeidet.


    Ich muss mir erst noch ein passendes Kabel löten, bevor ich einen Test an der Montierung
    machen kann - 'mal sehen. Jedenfalls sind die Steuermöglichkeiten über EQMOD sehr viel
    umfangreicher als über die Handsteuerbox (z.Bsp. pointing Modell mit bis zu 1000 Punkten
    zum Alignment, etc.). Falls jemand von euch Erfahrungen mit EQMOD hat, bitte berichten -
    vielleicht in einem neuen 'software' thread?


    Liebe Grüße,
    Michael

  • Hallo zusammen, hallo Heinz,
    mal ne ganz einfache Frage, hat eigentlich schon mal jemand versucht ein Statement zu diesem ja nicht ein Einzelfällen auftretenden Problem vom Support des Herstellers zu bekommen ? Wenn es den überhaupt gibt?


    @ Heinz
    aber auch wenn die Hochlauframpe des GOTO verlängert wird, die Enddrehzahl bleibt doch die gleiche oder?


    Gruß STephan mit F

  • Hallo Stephan


    Zunächst zu Deiner Frage: Die Rampenzeit hat nichts mit der Enddrehzahl zu tun. Daher bleibt diese Drehzahl gleich.


    Allerdings habe ich keine längere sondern eine kürzere Rampenzeit gemeint. Dies ist aber auch nicht die eleganteste Lösung des Problems.


    Meine Vermutung ist: Die Steuerung betreibt die Motoren in den Go-To Geschwindigkeiten nicht im Mikroschrittbetrieb und mit vollem Motorstrom. Das dürfte dann ein Nachschwingen des Rotors beim folgenden Schritt zur Folge haben. Sehr schön zu sehen im ersten Bild bei Michael Koch. Dieses Ausschwingen dürfte für das rasseln in bestimmten Drehzahlen verantwortlich sein.


    Aber wie gesagt das ist nur eine Vermutung. Zum Ausmessen fehlt mir grade die Zeit, da ich morgen in Urlaub fahre.


    Damit ich nicht falsch verstanden werde. Die Steuerung arbeitet in den unteren Drehzahlen sehr wohl im Mikroschrittbetrieb. Warum dies nicht auch bei den Go-To Geschwindigkeiten der fall ist verstehe ich nicht. Die Motoransteuerung kann mit Sicherheit ein vielfaches der Mechanik.

  • Hallo Stephan, hallo Heinz,


    ich habe mir inzwischen einen Teil der EQMOD Software im source code angeschaut, ins-
    besondere die 'low level' Ansteuerung des Motorcontrollers (Motorplatine, nicht Handbox).
    Heinz, der Controller auf der Motorplatine steuert die Motoren immer mit 64 Mikroschritten,
    auch beim Goto. Über EQMOD kann man dem Ding aber mitteilen, mit welcher Frequenz,
    d.h. Geschwindigkeit, die Motoren laufen. Das lässt sich viel feiner einstellen als mit den
    in der Handbox vorgegebenen Stufen 1 - 9 (Rate). Es scheint nun so zu sein, daß die
    Handsteuerbox beim Goto die Motoren sofort Vollgas geben läßt, was zu starken Resonanzen
    führt, die als unangenehmes Geräusch wahrnehmbar sind (Kavallierstart). Genau das
    kann man mit EQMOD vermeiden. Ein 'Durchschleifen' von EQMOD durch die Handbox
    zur Motorplatine ist ab Version 3.21 der Synscan Firmware möglich (PC-direct mode)
    aber Synta gibt keinerlei Information darüber preis (Softwareinterface). Die EQMOD-
    leute empfehlen, den Computer direkt mit der Montierung zu verbinden und die Hand-
    box wegzulassen, da PC-direct eben nicht von Synta dokumentiert ist. Man kann
    dann als Handsteuerung einen Joystick, sogar einen drahtlosen, einsetzen.


    So, das ist kurz zusammengefasst, was ich bis jetzt über die HEQ 5 pro bzw. NEQ 6
    Steuerung und EQMOD in Erfahrung bringen konnte.


    Liebe Grüße,
    Michael


    p.s.: Das Wetter lädt ja geradezu dazu ein, mit der Montierung im Wohnzimmer resp.
    Arbeitszimmer zu experimentieren.