Tak FSQ-106ED vesus Tak TSA-120

  • Hallo zusammen
    Ich bin haarscharf auf der Kippe zwischen dem FSQ-106ED und dem TSA 120 und wäre um Erfahrungswerte dankbar. Imgrunde fokussiert sich bei mir alles auf die Frage: Welche Nachteile hätte ich mit dem TSA-120 im Vergleich zum FSQ-106ED? Die beiden Faktoren Preis und Gewicht spielen erstmal keine Rolle. Der TSA-120 hat ja ein Öffnungsverhältnis von f/7.5 und eine Brennweite von 900mm. Wäre der FSQ da ggf. etwas flexibler einsetzbar mit den Elementen für die Brennweitenverkürzung und -verlängerung? Gäbe es ggf. Gründe für den FSQ bzgl. Astrofotografie?


    Hab mir gerade auf http://www.takahashi-europe.com mal die Werte für Image circle verglichen.
    Beim FSQ ist für die Standardausstattung 88mm angegeben, mit Extender und Reducer jeweils 44mm.
    Beim TSA-120 steht in der Standardausstattung merkwürdigerweise keine Angabe (nur ein "NA"), mit Field Flattener oder Reducer dann jeweils 40mm (60% non-vignetted) - da frage ich mich halt, inwiefern der TSA-120 wirklich für Astrofotografie taugt.


    Kopfkratzend,
    Thomas

  • Hallo Thomas,


    ein Bekannter von mir hatte den FSQ 106 auch als "Endlösung" in der Astrofotografie angepeilt. Nach den ersten Abenden mit ihm stellte sich allerdings Frust ein, da die Temperaturempfindlichkeit des Refraktors die Geduld beim Fokussieren überstrapazierte.
    Auch Auszugstechnisch gab es einige Problemchen und die Zusatzkosten stiegen doch deutlich über das vorgestellte hinaus.


    Mittlerweile besitzt er einen TOA 130 und ist mehr als zufrieden.


    Ich hab mal aus dem damaligen Thema zitiert. Glück für mich war die Gelegenheit von ihm bis dahin genutzten visuell perfekten TMB 115/805 erstehen :)


    "Hallo an alle Nachtschwärmer und Photonenfänger,


    nach einiger Zeit mit dem FSQ will ich nun nochmal ein bisschen was zu dem Gerät schreiben. Ich versuche hierbei so objektiv wie möglich zu sein, soweit das geht.
    Leider muss ich vorab sagen, das ich für mich persönlich mehr negatives als positives berichten kann.


    Erst mal was mir fotografisch gut gefällt.
    Der Takahashi FSQ ist ein HighEnd Astrograph für Vollformat. Im fotografischen Bereich bietet er sehr gute Leistungen, wenn man es mit Zubehör schafft, die optische und die mechanische Ebene genau aufeinander auszurichten. Erst dann liefert er eine saubere Abbildung über das ganze Feld. Die Ausleuchtung ist mit 88mm bei F5 nicht zu toppen, Vignettierung, was ist das?


    Nun was mir fotografisch nicht so gut gefällt.
    Der FSQ ist sehr sehr kritisch beim Fokussieren. Ich habe es nicht geschafft eine saubere Abbildung in den Ecken zu bekommen, wenn ich auf die Feldmitte fokussiert habe. So musste also auf eine Ecke fokussiert werden. Daraus lässt sich auch schließen das dann max. Schärfe in der Bildmitte wieder abnimmt. Das liegt an der nicht 100% passenden Ausrichtung von optischer Achse zu mechanischer Achse. Damit habe ich mir einige Nächte um die Ohren geschlagen, ist aber nicht gerade leicht. Am Anfang geht es noch sehr leicht, aber je näher man dem Optimum kommt, umso schwerer wird es.
    Zudem hat er einen extrem kleinen Fokusbereich von 50ym. Das bedeutet das er auch auf kleinste Temperaturänderungen (1°C - 3°C) sofort mit unsauberer Feldabbildung reagiert. Ich habe 20Minuten Einzelbilder gemacht und in dieser Zeit hat sich der Fokus bereits schon ordentlich verändert. Das war sehr schön mit einer Bahtinovmaske zu erkenne. Der mittlere Strich befand sich demnach schon weit ab der Mitte. Sprich es ist mir nicht möglich gewesen, ein 1200s Einzelbild mit maximaler Schärfe zu ergattern. Das Problem ist unter den FSQ´lern bekannt. Um die zu beheben ist eine Aktive Fokusregelung notwendig. Sprich ein elektrischer Motofokus, der während der Aufnahmen die Temperatur überwacht und ggf. nachstellt. Hierdurch entstehen nun wieder kosten die nicht unerheblich sind.


    Nun zum visuellen Teil.


    PRO:
    Der FSQ bietet mit seinen gerade mal 530mm mit einem Übersichtsokular ein gigantisches Feld! Die Plejaden z.B. passen mit einem 20mm Explore 100° Okular mit viel viel Himmel außen herum ins Gesichtsfeld. Der Farbfehler hält sich bei kleinen Vergrößerungen und F5 in Grenzen und fällt nicht störend auf.


    CONTRA:
    Die Sternform sagt mir gar nicht zu. Mir erscheinen die Sterne wie kleine Kreuze die einen Halo haben. Ob man das nun als negativ gelten lassen kann für einen Astrographen weiß ich nicht. Das kenne ich von meinem alten TMB 115/805 ganz anders. Dieser hatte eine exzellente Sternabbildung.


    Fazit:
    Der FSQ kann eine sehr gute Fotografische Leistung erzielen. Dafür ist aber ein hoher Aufwand und zusätzliche Kosten notwendig! Out oft he Box draufschnallen und loslegen, ist hier nicht so einfach. Visuell konnte er mich nicht überzeugen, seine Hauptaufgabe liegt ja aber in der Fotografie.
    Nach den vielen Probenächten mit der Kamera, habe ich gemerkt das ich doch auch gerne mal visuell schaue. Da hier aber immer das Bild von meinem TMB im Kopf ist werde ich wohl mit dem FSQ visuell nicht glücklich. Lassen wir uns überraschen was das neue Jahr so bringt. Grübel grübel……………"


    Ja, nun ist er eine Klasse aufgestiegen und macht richtig gute Aufnahmen!
    Der TSA 120 war für mich immer das Traumteleskop, was die visuelle Beobachtung betrifft. Ob er allerdings fotografisch auch so genial ist, muss dir jemand anderes erklären. Durch die Gelegenheit den 115er TMB zu bekommen, wurde mein Traum allerdings deutlich günstiger und früher erfüllt als ursprünglich geplant. Einzig die relativ lange Auskühlzeit ist ein Manko für den Dreilinser. Wenn er aber temperiert ist, dann ist er eigentlich das perfekte Planetengerät.

  • Danke Uwe, das war wertvoller Input.
    Ich habe gehofft, am TOA 130 vorbeizukommen, weil er nochmal deutlich schwerer ist und man dann auch wieder eine noch schwerere Montierung braucht. Aber nun werde ich den TOA 130 doch in die weiteren Überlegungen einbeziehen, zumal man damit ja gemäss Wolfgang Rohr bis zu 1000x gehen können soll ;)
    Ob die Darstellung der Sterne beim TMB 115/805 im Vergleich zum FSQ 106 möglicherweise auf das andere Öffnungsverhältnis zurückzuführen ist? Schade jedenfalls, dass man mit dem FSQ so viel Aufwand betreiben muss; das war mir bisher nicht bekannt.


    Kann jemand noch etwas zum fotografischen Einsatz des TSA 120 berichten?
    Wie ist das mit der Vignettierung? Gibt es da ggf. Workarounds wie nachträgliches Rausrechnen der Vignettierung in Photoshop o.ä., die gut funktionieren?


    Gruss
    Thomas

  • Hallo Thomas,


    erstmal entscheidend ist doch welche Kamera bzw. welche Chipgröße du hinter das Teleskop klemmen willst. Der FSQ deckt ein riesiges Feld ab das du vermutlich gar nicht vollständig benötigst. Dafür wiederum zahlst du schon einen erheblichen Preis!!
    Der FSQ ist wie oben schon beschrieben extrem empfindlich und man muss damit umzugehen wissen. Bei 5my Spot-Durchmessern verzeiht er nichts, aber auch gar nichts, mit Steckhülsen oder sowas brauchst du da nicht anfangen, alles verschrauben. Wenn man das aber im Griff hat, so ist er ungeschlagen.
    Der TSA ist explizit keine Fotomaschine. Die Konstruktion der Blenden im Tubus ist ganz klar auf visuelle Verwendung konzipiert. Das ausgeleuchtete Feld ist sehr klein. Sicher kann man da mit Flats einiges machen, aber von einem Gerät das (vorwiegend?) fotografisch genutzt werden soll erwartet man sicher was anderes.


    Ich würde folgendermaßen an die Sache rangehen:


    1. überlege dir welche Brennweite du bedienen willst (hier unterscheiden sich die Geräte ja doch sehr voneinander).
    2. welche Kamera kommt da dran
    3. was für eine Montierung soll da drunter


    Kurz zum TOA: Der lässt sich auch mit verschiedenen Brennweiten betreiben:


    1. 1000mm mit Flattener oder ohne, das musst du ausprobieren (Chipgröße)
    2. 780mm mit Reducer
    3. variabel zwischen 780mm - 690mm durch Abstandsänderung Chip ---> Reducer mit Distanzhülsen


    mit der letzten Option hast du mit dem TOA ein Öffnungsverhältnis von f5,3. Das ist schon fast wie der FSQ
    Es gibt zwei TOA's den den TOA130s mit 2,7Zoll Auszug und den NFB mit dem 4Zoll Auszug, dieser hat auch ein geändertes Blendesystem und du kannst da den riesigen Flattener vom TOA150 anschließen und hast dann ein ebensogroßes Feld wie der FSQ. So große Chips wirst du kaum verwenden ;-)


    Ich stand vor einer ähnlichen Fragestellung, bei mir ist es der TOA geworden...


    Viele Grüße


    Tobias

  • Hallo Thomas


    Für mich wäre die Entscheidung stark von der hauptsächlichen Anwendung abhängig:
    1. Visuell = TSA-120
    2. Photographisch = FSQ-106


    Mit zusätzlichem Zubehör lässt sich der TSA-120 gut mit kleineren Chips einsetzen.
    Wenn das Teleskop fast ausschliesslich photographisch genutzt wird würde ich auf jeden Fall den FSQ vorziehen.


    LG
    Chris

  • Hallo Thomas,


    zuerst einmal möchte ich etwas klarstellen: Christian, unser Astrokollege, den Uwe hier zitiert, ist ein ganz extrem empfindlicher Mensch, was die Güte der Teleskope anbelangt. Er sieht Fehler, die ein Laie niemals sehen würde, also ein absoluter Perfektionist. So sollte man den Bericht auch lesen und interpretieren.


    Nun zu meiner Meinung:
    Für Deep Sky wäre der FSQ aufgrund seiner Brennweite sichelich das bessere FOTOgerät. Visuell natürlich der etwas größere TSA-120. Letzteren hatte ich mehrfach benutzt und war begeistert. Ich selbst bin visueller und habe meinen Takahashi FS-102 abgegeben und mit einen 127mm ED im Carbontubus gegönnt. Nur unwesentlich schlechter, aber man sieht halt erheblich mehr.
    Will man auf lange Zeit keine Kompromisse eingehen, dann wäre der TOA 130 die erste Wahl. Eventuell, wenn auch (nicht all zu viel) teurer ein gebrauchter TOA 150, der bei uns in der Gegend noch "rumsteht". Frage mal "Astro-Mechanik", unseren Stefan, ob er ihn noch hat.


    Nicht zu unterschätzen und erheblich preiswerter wäre der Skywatcher Esprit-120, den wir zum Langzeittest hatten. Der steht glaube ich noch bei Uwe. Allerdings müsste er mit einem FT-3" Auszug ausgestattet werden, der Original 3" Auszug hat uns trotz sauberer Verarbeitung nicht gefallen. Skywatcher hat daraufhin reagiert und eine "Europäische" Lösung geschaffen: sie bieten den Esprit 120 und den 150er nun mit Fethertouch Auszug in 3" an.


    Das wären so die Geräte, die im High-End-Bereich in Frage kämen. Da wären auch noch TEC und AstroPhysics, die aber beide in meinen Augen zu teuer sind. Die läßt sich Baader vergolden.

    Liebe Grüße
    Winfried


    Wenn filmen so einfach wäre, dann hieße es "RTL"...

  • Hallo zusammen
    Ich bin haarscharf auf der Kippe zwischen dem FSQ-106ED und dem TSA 120 und wäre um Erfahrungswerte dankbar. ..............Thomas


    Hallo Thomas,


    die Entscheidung liegt letztendlich bei dir, eine weitere ist aber, auf Grund welcher substanzieller Aussagen du sie treffen wirst.
    Am besten ist wohl die direkte Kontaktaufnahme mit Besitzern und die Gegenüberstellung der hier und dort gesammelten Argumente.
    Die bestätigen oder relativieren sich.


    Der Kollege wird dir sicher auch helfen können: http://www.space-expedition.de/


    Sein Equipment:
    Takahashi FSQ106ED 4" f/5 Refraktor (f=530mm)
    TMB152 6" f/8 Refraktor (f=1200mm)
    Vixen VC200L Cassegrain Reflektor (f=1800mm)
    Astro Physics 900 GTO Montierung
    QSI 583WSG CCD Kamera


    Die Fotos dürften schon in die Rubrik..........?........fallen ;)