Monitorkalibrierung

  • Hallo Bildbearbeiter und Astrofotografen.


    Seit einiger Zeit musste ich unkalibriert arbeiten - mein Barco Monitor hatte das Methusalem-Alter von 10 Jahren erreicht, ein langes Leben für einen Röhrenmonitor.


    Ganz auf die Schnelle musste ein Ersatz her, für einen kalibrierbaren war keine Zeit des Aussuchens, die Arbeit musste voran gehen und einige Bücher standen kurz vor der Vollendung.


    Es wurde ein 24" Asus Monitor, verdächtig billig bei knapp unter € 200.- Das Bild war nicht übel, die Gamma Korrektur im Expert-Modus mit dem Mac kam recht gut hin. Nur hatte er einen Verlauf im Grauen von oben nach unten, zumindest gleichmäßig und abwägbar. Doch die Ausbelichtungen sahen etwas anders aus: Flauer als erwartet, zu wenig rot, zuviel gelb. Unter diesen Berücksichtigungen konnten wir immerhin mal drucken, ich wusste in etwa ja, was zu korrigieren war (dazu ließen wir Proofs anfertigen, die 100% genau auf den Ofsetdruck abgestimmt waren.


    Üblicherweise führt man ja einen s.g. Weißabgleich mit Adobe Gamma oder am Mac mit der internen Kalibrierung (Amateur- oder Expertmodus) durch. Damit kann man so halbwegs arbeiten, doch kann der Monitor nur selten auch CMYK Daten simulieren, die für den Druck oder auch den Ausdruck auf Tintenstrahlern notwendig sind. Also bleiben die Ergebnisse oft hinter den Erwartungen zurück, da der Monitor nur RGB, also Lichtfarben, darstellen kann. Diese liegen in ihrer Mischung natürlich weitaus höher als die CMYK Darstellung, die weite Bereiche des Adobe-RGB-1998 Farbraums abschneidet (Adobe RGB1998.icc ist das für den professionellen Gebrauch erforderliche Farbprofil, identisch mit CMS oder Fogra-Profilen).


    Nach Drucklegung unserer letzten fünf Objekten hatte ich wieder mehr Zeit, ein richtiger Monitor musste ran. Nach einigen Tests entschied ich mich für einen NEC Spectra-View 271W. Das "W" dabei bedeutet wide Gammut, es handelt sich hier um ein selektiertes Modell von Nec, speziell ausgemessen und 27" groß mit 2-Seiten-Ansicht und drehbarem Bildschirm, der auch gleich die Datei mitdreht. Mit dabei ein x-rite Densitometer zum Ausmessen des Bildschirms. Der ist aber nur für uns maßgebend, wenn es auf 100% Gleichmäßigkeit des Bildschirmes ankommt, also bis in die Ecken.


    Der Monitor stellt sich automatisch auf das Umgebungslicht ein, bei mir Normlichtröhren im EBV-Raum (ohne Fenster...). Alle 20 Minuten führt er einen Abgleich vollautomatisch durch.


    Das Ergebnis:
    Die ersten Ausbelichtungen (wieder Proofs der gleichen Druckerei) ergaben dabei eine 100%-ige Übereinstimmung mit dem Monitorbild! Der Haussegen hängt bei uns damit wieder gerade, zuvor gab es einiges an (Farb-) diskussionen.
    Den x-rite Densitometer werde ich in Abstimmung mit dem Lieferanten erst Mitte der Woche einsetzen, da recht kompliziert. Aber wir haben schon mal Ergebnisse, die keine Wünsche mehr offenlassen.


    Und was kostet der Spaß?
    Der Monitor ist ein Angebot von NEC zur Photokina und liegt in dieser Größe bei nur € 1200.- (statt € 1800). Der x-rite schlägt noch einmal mit € 170 zu Buche, auch ein Angebot, da die Software an den Monitor gekoppelt, dort beireits eingebaut und in diesem Falle kostenfrei im Verbund mit dem Monitor ist. Alleine gekauft kostet der Densitometer mit Software ca. € 1200,-, also nicht gerade ein Schnäppchen.


    Noch hat unser Händler ca. 20 dieser Angebote für sich frei und bei NEC gebucht, ich vermittle dies a.W. gerne.


    Dies soll keine Werbung sein, ich bin weder mit dem Händler noch mit NEC "verheiratet". Von unserem Händler (kein Warenunternehmen, sondern ein reiner Druck-Dienstleister für Profis) bin ich überzeugt und den NEC hatte er mir vorgeschlagen, da er unseren Betrieb persönlich kennt und um unseren Qualitätsanspruch weiß.
    Mit in der Auswahl standen LaCie, Barco (den hatte ich ja);Quato und einige andere. Es entschied letztendlich das Preis-Leistungsverhältnis, das eindeutig für den NEC sprach.


    Liebe Grüße
    Winfried


    ....wieder farbglücklich....

    Liebe Grüße
    Winfried


    Wenn filmen so einfach wäre, dann hieße es "RTL"...

  • Hallo Winfried


    Es wundert mich eigentlich, dass Du für den täglichen professionellen Einsatz nicht schon längt auf den "Colour management" Zug aufgesprungen bist.
    Für den Heimgebrauch werkelt bei mir seit Jahren ein iOne Display, das auf dem Mac wie auch auf PC eingesetzt werden kann. Selbst mit nicht so teueren Monitoren und LCD Displays kommt man da recht nahe an eine Normgerechte Farbdarstellung hin.


    Ein wide Gammut Monitor ist natürlich das non plus Ultra keine Frage aber bei der gestiegenen Qualität der Standard Displays selbst für den anspruchsvollen Bildbearbeiter kein absolutes muss mehr, solange man den mit einem Messgerät kalibriert. ;)
    Viel Spass und Freude mit dem neuen Arbeitsgerät!


    LG
    Chris

  • Hallo Chris,


    natürlich habe ich immer mit Color-Management gearbeitet, wie ich ja auch schrieb.
    Nur ist mein Barco, - damals das beste was es gab, - in die Jahre gekommen und begann zu flackern, zeigte die Farben nicht mehr richtig und hatte dann innerhalb von drei Tagen seinen Geist quittiert.
    Damit war ich erst einmal gezwungen, mir irgend etwas zu kaufen, bevor ich mich neu orientieren wollte, denn das braucht seine Zeit.
    Zudem wollte ich (für die letzten 5 Arbeitsjahre) nicht wieder so viel Geld wie damals auf den Tisch legen. Der Barco war ja voll kalibrierbar, und zwar mit Aufsichts- Durchsichtsdesitometer. Der Softproof wurde eingestellt, danach einen Proof gemacht und diesen ausgemessen (nach Fogra). Dieses "Zusatzteil" hatte damals 8000 Euro gekostet, einen Preis, den ich heute nicht mehr ausgeben wollte.
    Daher hatte ich nach etwas preiswerterem, aber trotzdem guten gesucht - und, so glaube ich, auch gefunden.


    Für einen solchen Monitor, mal abgesehen von der Größe, die es damals garnicht gab, hätte man früher das fünffache hingeblättert.
    Von daher mein Bericht, daß es auch günstiger geht.


    Übrigens: Kompromisse, die man eingeht, können manchmal sehr lange halten. So habe ich nun gut ein halbes Jahr geglaubt, so schlecht wäre der Monitor doch garnicht und habe mich umsonst mit meiner Frau um die Farben gestritten. - Nun kehrt wieder Ruhe ein...

  • Hallo Winfried


    Ja in Sachen Monitoren und Farbmessgeräten hat sich in den letzten 10 Jahren einiges getan.
    Beide sind massiv billiger und die Qualität besser geworden. So soll es sein, bei den Teleskopen hat sich das ja ähnlich entwickelt...
    Wobei man für gewisse Marken heute allerdings mehr hinblättert als damals. ;)


    LG
    Chris

  • Hallo Chris,


    habe gestern noch die Software für den Densitometer eingerichtet.
    Mein Gott, da hat sich wirklich einiges getan! Man muß offensichtlich bis zum Ende seiner Arbeitstage dazulernen. 90 Seiten Handbuch (das geht ja noch, sehe ich mir Photoshop an), aber Begriffe, die wieder ganz neu formuliert sind, Profilierungen die ich noch nicht kenne und Einstellungsmöglichkeiten des Monitors eben auf die neuen Medien wie Videoprojektion, Beamer etc (die ich alle nicht brauche) verwirren ganz schön.
    Ich werde mich also erst einmal durchkämpfen müssen und das ganze mit dem Spezialisten besprechen, bevor ich "richtig" rangehe an die Sache.


    Ich hoffe, es wird das letzte mal sein, daß ich mich damit auseinandersetzen muß, man wird es langsam leid, mehr zu lernen statt zu arbeiten.
    Je "moderner" es wird, desto komplizierter und unübersichtlicher wird es. Und vor allem: es raubt einem immer mehr Arbeitszeit, die mit technischen Problemen (genannt: Erneuerungen) einhergehen...

    Liebe Grüße
    Winfried


    Wenn filmen so einfach wäre, dann hieße es "RTL"...

  • Schoener Bericht! Danke sehr.
    ich kaufe mir sicher keinen so teuren monitor - weil ich keinen brauche.
    Aber mal kurz was zu Farbkalibrierung zu lesen, fand ich einfach so sehr interessant.
    Lachen muss ich ueber deine Genervtheit: mehr lernen und dafuer weniger arbeiten koennen. Computerkram hat ein Eigenleben und existiert aus reinem Selbstzweck.
    Na, du hast es ja hingekriegt - und Well Done!
    Viele Leute muessen sich dafuer einen Fachmann kommen lassen.

  • Hallo silber,


    in der Regel muß man das auch mit einem wirklichen Fachmann durchziehen, aber ich arbeite ja seit 1999 in diesem Bereich, nachdem es das "nasse Labor" auch bei uns nicht mehr gibt (oder derzeit nur eingemottet ist).


    Weniger lustig finde ich diese laufende Erneuerungssucht. Da kommt eines zum anderen, naja, die Industrie will ja auch leben...


    Kaufe Dir einen High-Tech-Monitor, schließe ihn an. Danach stellst Du fest, die Grafikkarte reicht nicht mehr für die Größe des Monitors. Also noch ne neue Grafikkarte her. Beide derzeit als "Hauptgeräte" arbeitenden Macs sind G5 Rechner, also identisch. - Glaubt man. Also den vorderen, der gerade günstig steht (mein Ersatzgerät) aufgemacht, nachgeschaut, Karte bestellt. Die kam nach 2 Tagen. Nun einstecken in den "richtigen" Mac und feststellen, - huch, der hat ja eine ganz andere Grafikkarte...
    Also die Rechner gewechselt und 45 GB Daten auf den zweiten überschrieben, alle Monitore, alle Anschlüsse gewechselt....


    Es ist zum Kotz....


    Wenigstens funktioniert nun alles wieder und sogar besser und schneller. So eine Grafikkarte macht doch eine Menge aus. Ich war halt immer der Meinung, never change a running team...

    Liebe Grüße
    Winfried


    Wenn filmen so einfach wäre, dann hieße es "RTL"...

  • Hallo,


    ich greife das Thema noch mal kurz auf, da im ASTROTREFF einer nach Monitorkalibrierung fragt.
    Vielleicht liest hier jemand aus dem Treff mit und kann dort antworten, ich selbst habe mich vor Wochen dort abgemeldet.


    Da möchte jemand seinen Monitor für die Bildbearbeitung kalibrieren und bekam auch einige Antworten. - Nur leider völlig falsche! Der gute Mensch verwendet seinen Flachbildfernseher als Bildbearbeitungsmonitor!
    Ich möchte dem guten gerne sagen, daß die Kalibrierung einer Fernsehers auf Computer-Bildbearbeitung leider unmöglich ist, da ein Fernseher völlig anders funktioniert als ein Monitor. Da kann man machen was man will, die Ergebnisse werdeen immer so aussehen wie er es beschrieben hat. Zudem kann man den Monitor/Fernseher nicht mit einer "normalen" Durchlicht-Kalibration auf den Drucker abstimmen. Dazu benörigt man zusätzlich einen Densitometer für Auflicht, in dem dann die Ausdrucke einer speziellen Fogra Meßkarte ausgewertet werden und der Drucker ein eigenes ICC-Profil bekommt. Vielleicht kann das jemand mal rüberschicken...

    Liebe Grüße
    Winfried


    Wenn filmen so einfach wäre, dann hieße es "RTL"...

  • Hallo,


    ich greife das Thema noch mal kurz auf, da im ASTROTREFF einer nach Monitorkalibrierung fragt.
    Vielleicht liest hier jemand aus dem Treff mit und kann dort antworten, ich selbst habe mich vor Wochen dort abgemeldet.


    Da möchte jemand seinen Monitor für die Bildbearbeitung kalibrieren und bekam auch einige Antworten. - Nur leider völlig falsche! Der gute Mensch verwendet seinen Flachbildfernseher als Bildbearbeitungsmonitor!
    Ich möchte dem guten gerne sagen, daß die Kalibrierung einer Fernsehers auf Computer-Bildbearbeitung leider unmöglich ist, da ein Fernseher völlig anders funktioniert als ein Monitor. Da kann man machen was man will, die Ergebnisse werdeen immer so aussehen wie er es beschrieben hat. Zudem kann man den Monitor/Fernseher nicht mit einer "normalen" Durchlicht-Kalibration auf den Drucker abstimmen. Dazu benörigt man zusätzlich einen Densitometer für Auflicht, in dem dann die Ausdrucke einer speziellen Fogra Meßkarte ausgewertet werden und der Drucker ein eigenes ICC-Profil bekommt. Vielleicht kann das jemand mal rüberschicken...

    Liebe Grüße
    Winfried


    Wenn filmen so einfach wäre, dann hieße es "RTL"...