Fragen rund um das Skywatcher Teleskop N 200/1000 Explorer BD NEQ-5 // Fotografie

  • Hallo zusammen,


    zu Weihnachten möchte ich mir das o.g.Teleskop kaufen und habe dazu noch ein paar breit gefächerte Fragen, die ihr mir bestimmt beantworten könnt:


    (1) Da ich mich perspektivisch auch gerne in die Fotografie einarbeiten möchte, überlege ich mir, die NEQ-5 Pro SynScan Montierung zu wählen, um zumindest eine automatische Nachführung zu haben. Welche Erfahrungen habt ihr mit der SynScan?


    (2) Wie lange halten die Batterien? Und kann man mit der NEQ-5 Pro SynScan ggf. auch manuell steuern?


    (3) Ist die NEQ-5 stabil genug, um eine Nikon D5100 daran anzubringen (z.B. piggyback)?


    (4) Was bedeutet es eigentlich, wenn man von "modifizierten" Kameras spricht?


    (5) Welche Okulare / Filter würdet ihr mir als Einstieg empfehlen (sowohl für die Planeten- und Mondbeobachtung als auch Deep Sky Objekte)?



    Ich würde mich über viele Antworten freuen!


    Viele Grüße
    Philipp

  • Moin Philipp!


    Willkommen im Forum!


    Meine Einschätzung zu Deinem Projekt:
    - Die NEQ-5 ist auch visuell schon an der Grenze der Tragfähigkeit mit einem N 200/1000 mm. Für das, was Du auch fotografisch vorhast, gehört m.M. eher eine EQ-6 unter diese Optik. (Was nützt der dickste Hammer, wenn der Stiel wackelt?!)
    - Die Synscan-Steuerungen arbeiten bei korrekter Bedienung zuverlässig.
    - Nacktes GOTO bedeutet noch lange nicht, daß eine Optik fotografisch zuverlässig nachführt. Dazu gehören noch weitere Gerätschaften, wie Leitrohr und / oder Guider. Planeten-/Mondknipserei geht dagegen verhältnismäßig einfach wegen der kurzen Belichtungszeiten.
    - Ein f/5-Newton ist schon ziemlich okular-kritisch, je nach persönlicher Schmerzgrenze mit der Randschärfe des Gesichtsfeldes. Eine m.E. guter, aber nicht ganz billiger Tip für alle Lebenslagen wären bspw. Vixen LVW-Okulare. Wahrscheinlich werden jetzt auch noch Tips zu TeleVue Nagler oder Ethos kommen - diese Okulare sind wiederum besser, aber noch teurer.
    - Filter: Bei 8" eigentlich keine außer UHC und / oder O-3 für die Gasnebel. Auch hier kommt's sehr auf den persönlichen Geschmack an, darum sollte man erstmal durch die verschiedenen Filter schauen, bevor man einkauft. Von Grau- und Farbfiltern zur Mond- und Planetenbeobachtung halte ich persönlich nichts bis wenig.

  • Hallo Winnie,


    danke für die Antworten!


    Ich habe jetzt schon zweimal gelesen, dass die NEQ-5 grenzwertig ist. Wenn das wirklich so ist, würde ich ggf. auf die HEQ-5 wechseln. Hat jemand Erfahrungen damit? Und kann man diese von der Einsteigerversion über die SynTrac- bis hin zur Pro GoTo-Version einfach im Laufe der Zeit nachrüsten, oder müsste ich mich vorab schon entscheiden?


    Ich ergänze meine Liste an Fragen um eine weitere:
    (6) Wie ist der Wiederverkaufswert von Teleskopen/Montierungen/Okularen? Sind sie eher wertstabil oder sollte man mit seiner Anschaffung sofort ins Schwarze treffen, damit man bei einem Wiederverkauf keinen allzugroßen Verlust einfährt?


    Wie sieht es mit Antworten auf die anderen Fragen aus?


    Danke für eure Hilfe!!

  • Moin Philipp!


    > kann man diese von der Einsteigerversion über die SynTrac- bis hin zur Pro GoTo-Version einfach im Laufe der Zeit nachrüsten, oder müsste ich mich vorab schon entscheiden?


    Wenn Du mal auf die entsprechenden Händlerseiten gehst, siehst Du, daß man bspw. von der SynTrack auf SynScan umrüsten kann, indem man den Handcontroller dazukauft. Ähnliches gilt für die schnelleren Motoren, die dann wieder eingebaut und eingepaßt werden müssen. Fragt sich, was im Endeffekt günstiger kommt: Bestimmt die fertige Endversion als die zweimal nachgerüstete Grundversion.


    > Wie ist der Wiederverkaufswert von Teleskopen/Montierungen/Okularen?


    ...wie ich gerade beim Verkauf einer Komplettausrüstung feststellen mußte: Sehr unterschiedlich. Es kommt auch sehr darauf an, wie beliebt die Teile sind. 2/3 des NP sind dafür durchaus realistisch, aber meistens landet man irgendwo zwischen 50% und diesem Wert. Es gibt leider immer mehr Leute, die auch für gute Gebrauchtware nichts mehr bezahlen wollen. Deren "Angebote" sind z.T. eine echte Frechheit.

  • Hallo Philipp,


    eine Frage zu Deinen Fragen: wieviel möchtest/kannst Du investieren?


    Eine Vorbemerkung zu Deinen Fragen: bei Synta (= Hersteller der Skywatcher Montierungen/Teleskope) gibt es leider eine heillose Begriffsverwirrung, insbesondere bei den Namen der Montierungen. Da gibt es (die ganz kleinen einmal ausgenommen) : EQ5, NEQ5, EQ6, HEQ5, NEQ6 und das dann noch mit Zusätzen "Skyscan", "Synscan" und "pro" und "GoTo". Es ist also sinnvoll, hier ein konkretes Händlerangebot zu verlinken, obwohl dies keine Werbeplattform ist - sonst weiß man einfach nicht, welche Montierung jetzt eigentlich gemeint ist.


    Nun zu Deinen Fragen:


    1) "Synscan" ist die Bezeichnung für die Skywatcher Goto Steuerung, nicht für eine bestimmte Skywatcher Montierung. "Syntrak" ist die Bezeichnung für die automatische Nachführung ohne "GoTo". Die NEQ5 ist eine neue (verbesserte?) Version der EQ5. Ich würde Dir in jedem Fall zu einer Montierung mit automatischer Nachführung raten. Ich behaupte einmal keck: wer einmal mit automatischer Nachführung beobachtet hat, der möchte es nie mehr missen. Automatische Nachführung natürlich nur im Sinne von "automatische Kompensation der Erdrotation", nicht "GoTo" - das ist eine andere Geschichte und wurde ja schon erklärt. Ob man diese Montierung für Astrofotografie benutzen kann, kann ich nicht sagen. Was ich aber sagen kann ist, dass ich meiner HEQ5 keinen 200er Newton (f/5) zumuten würde, nicht einmal visuell und die NEQ5 ist auch noch schwächer als die HEQ5. Mit der Synscan Steuerung (an der HEQ5) habe ich sehr gute Erfahrungen - allerdings, wie auch schon erwähnt, ist die automatische Nachführung (mit parallaktischer Montierung - im Amateurbereich) eigentlich die Minimalvoraussetzung für Astrofotografie - GoTo hat damit nichts zu tun. Für Langzeitbelichtungen muß man entweder mit der Handsteuerbox am Fadenkreuzokular korrigieren (geht gut) oder einen "Guider" anschließen, der die Montierung steuert. Dazu braucht es: ein kleines Huckepack-Teleskop + Guider + Anschluss für einen "Autoguider" an der Montierung oder Guiding via Computer. "Autoguider"- Anschluss an der Montierung ist sicherlich die einfachste Lösung.
    Ich sollte noch erwähnen, dass man Kurzzeitbelichtungen auch nur mit der automatischen Nachführung ohne Guider machen kann, insbesondere mit einer separaten Kamera, die nicht durch das Teleskop aufnimmt.


    2) Batterien haben die Montierungen alle nicht. Die Stromversorgung kann über Batterien erfolgen oder über Netzteil - auch Anschluss am Zigarettenanzünder im Auto ist möglich (->Autobatterie). Die Stromaufnahme an meiner HEQ5 ist ca. 0.6A im normalen Nachführbetrieb, ca. 1A beim Korrigieren über die Handsteuerbox bei kleiner Geschwindigkeit und ca. 1.7A bei "GoTo" (beide Motoren im Schnellgang). Mit der Handsteuerbox kann man die Montierung manuell steuern. Man kann auch die Achsklemmungen (Stundenachse/Deklinationsache) öffnen (einfacher, handlicher kleiner Hebel) und dann die Montierung manuell schwenken - bei "GoTo" stimmt dann allerdings das "Alignment" nicht mehr, man muss die Aligment-prozedur wiederholen.


    3) Die Kamera kann man wohl noch 'draufpacken, sofern die sich in der Nähe des Schnittpunktes Stundenachse / Deklinationsache befindet > Hebelwirkung. Aber das hängt eben auch davon ab, wie die Abmessungen des Teleskops und dessen Masse sind. Die Angabe "trägt Teleskope bis x Kilo" ist völliger Blödsinn. Meine HEQ5 soll, je nach Händler", 10, 12 oder 14Kg tragen -die "trägt" auch 30Kg ohne mechanisch zusammenzubrechen. Maßgeblich ist der Hebel, nicht die Masse allein. Mein MAK (6 Zoll Öffnung, f/12) hat ca. 5.5Kg und eine Länge von weniger als 50cm - da wackelt gar nichts. Hätte ich dagegen einen Refraktor mit denselben Daten (5.5Kg, 6 Zoll Öffnung, f/12) dann hätte das Rohr eine Länge von mindestens 1,8m und ich bin überzeugt, daß man damit nicht mehr in Ruhe beobachten könnte. Also mein Rat hier: Wenn es ein Telskop dieser Größe sein soll, erst recht fotografisch, dann nimm, sofern das Budget das hergibt, eine größere Montierung (NEQ6, z.Bsp.) - im Zweifelsfall immer das Teleskop verkleinern. Also zuerst die Montierung auswählen, dann das Teleskop - auch wenn man dazu neigt das genau umgekehrt zu machen: es rächt sich! Ein gutes Teleskop auf einer zu schwachen Montierung degradiert das Teleskop - es kann nicht das leisten, was in ihm steckt.


    4) Die Modifikation besteht darin, daß man den IR-Sperrfilter entfernt (soweit ich das verstanden habe). Die Kamerachips sind IR- (Infrarot) empfindlich, was bei normalen Aufnahmen (Personen, Landschaften, etc.) nicht erwünscht ist. Deshalb wird das (nahe) Infrarot mit einem Filter in der Kamera blockiert. Genau das will man in der Atrofotografie aber nicht. Also muß der Filter entfernt werden: die Kamera wird modifiziert. Inwiefern sich die modifizierte Kamera dann noch für normale Aufnahmen eignet vermag ich nicht zu sagen. Als "Astrofotografie-Einsteiger" kannst Du wohl auf diesen Eingriff verzichten.


    5) Die einzige Empfehlung, die mir sinnvoll erscheint, ist: vielleicht 3 Stück für den Anfang, gleichmäßig verteilt in der Brennweite, sodaß Du eins für die maximal vernünftige, eins für die mittlere und eins für die minimal vernünftige Vergrößerung hast. Was ich hier als sinnvoll bezeichnet habe bezieht sich auf die Austrittspupille - dazu kannst Du Genaueres hier oder im Netz erfahren. Ich würde auf ein großes scheinbares Gesichtsfeld achten - nicht unter 55 Grad. Auf keinen Fall, meiner Meinung nach, ein Zoomokular - großer Brennweitenbereich aber sehr bescheidenes Bild.
    Filter: erst einmal gar keine, höchstens ein Neutralfilter (auch als Graufilter, Mondfilter, angeboten), um bei Mondbeobachtungen (ggf. auch Jupiter) die Lichtintensität zu reduzieren. Keinesfalls die teuren "Nebelfilter" - erst einmal bei anderen Sternfrenden ausprobieren.


    Noch eine kleine Schlussbemerkung: Sonne, Mond, Planeten und "deepsky" ist eine ziemlich umfassende Beschreibung dessen, was man da draußen so zu sehen bekommt. Die erforderliche Ausrüstung ist aber, je nachdem wie genau man es nimmt, sehr verschieden. Da fällt mir noch 'was ein: ein prima Filter ist eine Objektiv-filterfolie für die Sonnenbeobachtung, z.Bsp. die der Firma Baader (keine Schleichwerbung, benutzt fast jeder und ist erprobt). Die übliche Warung: unter gar keinen Umständen ein Okular-Sonnenfilter - die sind wirklich sehr gefährlich!


    Ich hoffe, daß ich Dir in dem einen oder anderen Punkt helfen konnte.


    Gruß,
    Michael

  • Hi Michael,


    danke für deine ausführliche Antwort! Ich denke da kann ich einige Infos sehr gut gebrauchen!
    Ich liebäugle momentan mit dem folgenden Angebot:


    http://www.astroshop.de/skywat…explorer-bd-neq-5/p,14991


    Hier gibt es die Auswahl verschiedener Montierungen und GoTo Systemen. Die in dem Angebot aufgeführte NEQ-5 habe ich mittlerweile fast abgeschrieben. Da keine EQ-6 angeboten wird, stehen alternativ die HEQ-5 Angebote zur Verfügung - alles im Rahmen 1.000-1.500 EUR. Dies wäre auch erstmal die obere Kante meines Budgets, insbesondere wenn ich noch ein paar Hunderter für gute Okulare einplanen muss...


    Wenn ich mit dieser Ausrüstung schonmal ein recht ordentliches und solides Starter-Set habe, würde mich das freuen! Was haltet ihr von dem konkreten Angebot?


    Das mit dem Sonnenfilter werde ich mir überlegen! Ist bestimmt auch ganz spannend :)


    Zu deiner leisen Kritik, dass mein genanntes Anwendungsgebiet im Grunde mit Planeten, Mond und Deep Sky so gut wie alles umfasst, was zu sehen ist: als Junge des Ruhrgebiets würde ich mir wohl oft nur den Stadthimmel und somit den Mond und die Planeten anschauen können. Ich befürchte nur, dass dies auf Dauer etwas zu eintönig wird. Und wenn es ich mich dann doch alle 1-2 Monate das eine oder andere Wochenende auf das dunkle Land hinauszieht, dann will ich auch die Möglichkeit haben, die wirklich spannenden Objekte zu sehen! Ist ein 200er Newton f/5 da nicht ein geeignetes Instrument?


    Viele Grüße
    Philipp

  • Hallo Philipp,


    schau auch mal bei ein paar anderen Händlern nach. Die Kombination Skywatcher Newton 200 f/5 auf HEQ5 pro Synscan Goto habe ich gerade auch für ca. 1250.- gefunden (ich schicke Dir eine PN mit dem link).


    Meine Bemerkung zum Anwendungsgebiet sollte keine Kritik sein, nur eine kleine Anmerkung mit Schmunzeln. Wenn Du die Montierung ab und zu transportieren willst (aufs Land), dann spielt das Gewicht natürliche eine Rolle. Die 'große' NEQ6 herumzuschleppen ist schon eine sportliche Herausforderung. Wenn es aber darauf hinausläuft, daß Du sowieso überwiegend von zuhause aus beobachtest, dann würde ich der 'Mobilität' auch nicht ein zu großes Gewicht beimessen - wie oft rafft man sich denn tatsächlich abends noch auf, packt alles ins Auto und fährt dann x Kilometer zu einem Beobachtungsplatz? Mal schnell auf den Balkon oder in den Garten, falls vorhanden, erfordert keine Überwindung und das geht auch dann, wenn man am nächsten Morgen zeitig aufstehen muss.


    Der 200/1000-er Newton ist bestimmt ein schönes Gerät. Meine Einwände richteten sich nur gegen die meines Erachtens viel zu schwache Montierung (NEQ5), die das Ding tragen soll. Mit der HEQ5 bist Du da auf jeden Fall besser beraten. Wenn du die Teleskopgröße etwas reduzierst (z.Bsp. Newton mit 150mm Öffnung) kannst Du mit der Kombination sicherlich auch fotografieren. Ein Öffnungsverhältnis von 1:5 ist zwar lichtstark aber der Anspruch an die Qualität der Okulare ist auch höher als bei einem 'langsameren' Teleskop (z.Bsp. 1:6, 1:8, etc.) - d.h. Du musst mehr Geld für Okulare einplanen.


    Viele Grüße,
    Michael

  • Hallo zusammen,


    die Weihnachtszeit naht und somit auch meine Deadline, um pünktlich zur Bescherung mein neues Teleskop in Empfang zu nehmen...


    Mittlerweile habe ich mit dem Gedanken gespielt, die Optik etwas "downzugraden" auf einen Skywatcher 150/750
    (http://www.astroshop.de/skywat…0-explorer-bd-ota/p,15564)
    und den auf die NEQ-5 Pro ScyScan GoTo zu stellen:
    http://www.astroshop.de/parall…-pro-synscan-goto/p,11661


    Meine Überlegung ist, dass ich somit eine weitaus bessere Preis/Leistung habe (stabile Montierung inkl. Motorisierung und GoTo + immernoch akzeptables Lichtsammelvermögen) und das verbleibende Budget dann eher für gute Okulare/Filter ausgeben kann. Die bisher diskutierte Lösung (Skywatcher 200/1000 auf HEQ-5) war ohne Zubehör schon recht knapp kalkuliert (max. 1.500 wollte ich erstmal ausgeben).


    Was haltet ihr davon? Ist der Unterschied zwischen 150/750 und 200/1000 riesig, so dass ich mit der kleineren Optik kaum DeepSky beobachten kann? Genügt die NEQ-5 für die kleinere Optik, um auch stabil fotografieren zu können? Ich wäre für Ratschläge sehr dankbar!


    Viele Grüße
    Philipp

  • Hallo Philipp,


    die von Dir gewählte Kombination passt wohl - visuell. Fotografisch: wie schon oben gesagt, kann ich darüber nichts sagen. Bei einem Budget von 1500€ (maximal) und Gesamtkosten für o.g. Angebot von ca. 880€ würde ich in jedem Fall eine stabilere Montierung kaufen. Nichts bereut man so sehr, wie den Kauf einer zu schwachen Montierung. Ich bin fest davon überzeugt, daß eine gute Montierung das Beobachtungserlebnis mehr beeinflußt, als ein paar Zentimeter mehr an Öffnung. Ich wiederhole das zwar fast gebütsmühlenartig aber die HEQ5 (pro Synscan) ist ein feines Teil - zum Glück bestätigen das auch andere Amateurastronomen.


    Was das Beobachten von Galaxien und Nebeln anbelangt: der Unterschied zwischen 150mm und 200mm Öffnung ist einfach nur das ca. 1,78-fache Lichtsammelvermögen der 200-er Optik und damit verbunden eine höhere Grenzgrößenklasse und die Sichtbarkeit lichtschwächerer Strukturen, plus die größere Winkelauflösung (linear, also ca. 1,34-fach). In diesem technischen Sinn gilt dann schon: viel (Öffnung) hilft viel. Allerdings wirft sich hier die Frage auf, was Du eigentlich erwartest (von "deep sky"). Im Teleskop bieten Galaxien und Nebel, verglichen mit den schönen Amateurphotos und erst recht mit Profiphotos vom VLT oder von Hubble, einen erbärmlichen Eindruck - filigrane Strukturen und das noch in Farbe kannst Du mit bloßem Auge niemals auch nur annähernd sehen - es bleiben "Nebel".


    Aber Du willst ja in Richtung Astrophotografie gehen. In unserem Planetensystem kannst Du da mit wenig finanziellen Mitteln sehr schöne Ergebnisse erzielen. Bei 'deep sky' wird es dann aufwendig und beliebig teuer - sprengt meiner Meinung nach jedenfalls Dein Budget.


    Ich rate Dir also: Nimm den Newton + HEQ5 pro Goto + (falls nicht vorhanden) eine Stromversorgung 12V mit nicht weniger als 3A (die Händler drehen Dir 2A-Netzteile an; das ist grenzwertig und Du kannst dann nichts anderes mehr dranhängen - ich glaube es war Winfried, dem ein 2A-Netzteil in null Komma nix abgeraucht ist?). Dazu noch ein Übersichtsokular (30mm Brennweite aufwärts mit großem scheinbaren Gesichtsfeld, 2 Zoll). Von Zoomokularen rate ich Dir ab, da die zwar einen großen Brennweitenbereich abdecken, aber das auch schon das einzig Positive ist, was man über die sagen kann.


    Lieben Gruß,
    Michael

  • Hallo Michael,


    wieder einmal vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort... Ich fasse dann mal meinen anvisierten Warenkorb zusammen:


    Montierung
    Skywatcher Montierung HEQ-5 Pro SynScan GoTo
    http://www.astroshop.de/parall…5-pro-synscan-goto/p,4071
    Preis: ca. 945 EUR


    Optik
    Skywatcher Teleskop N 150/750 Explorer BD OTA
    http://www.astroshop.de/skywat…/p,15330#tab_bar_2_select
    Preis: ca. 250 EUR


    Zubehör
    Omegon SWA 38mm Okular 2''
    http://www.astroshop.de/omegon…/p,14647#tab_bar_2_select
    Preis: ca. 110 EUR


    Baader Planetarium Baader Sonnenfilterfolie A4
    http://www.astroshop.de/filter…erfolie-a4-20x29cm/p,2718
    Preis: 25 EUR


    Skywatcher Power Tank mit 7 Ah
    http://www.astroshop.de/stromv…/p,16095#tab_bar_2_select
    Preis: ca. 85 EUR


    SUMME: ca. 1415 EUR und somit an der Grenze meines Budgets


    Passt die Zusammensetzung und habe ich aus eurer Sicht damit an alles gedacht? Kann man mit einer solchen Set-Bestellung bei den Händlern noch das eine oder andere Goodie aushandeln?


    Viele Grüße
    Philipp

  • Moin Philipp!


    Ein bißchen werde ich Deinen Kaufrausch jetzt einbremsen... :smartass:


    Obacht! Das...


    > Skywatcher Teleskop N 150/750 Explorer BD OTA


    ...gibt es in zwei Versionen, einmal die visuelle Variante und dann die Version mit vergrößertem Fangspiegel zur besseren Ausleuchtung großer Kamerachips und mit 1:10-untersetztem Fokussierer, der 150-PDS.


    > Omegon SWA 38mm Okular 2''


    Oh - wen willst Du damit erschrecken?! Knapp 20fache Vergrößerung bei 7,6 mm AP?! - Hast Du dafür den totschwarzen Himmel? Hier würde ich eher ein 32er oder 26er (in der Stadt) nehmen, sonst saufen Dir alle feinen DSO im streulicht-aufgehellten Himmelshintergrund ab. Gute NoName-SWA gibt es bereits ab ca. 70 EUR. (Mein SWA-26 hatte ich damals für 65 EUR gekauft.)


    > Baader Planetarium Baader Sonnenfilterfolie A4


    Nach der dreisten Baader-Preiserhöhung um 25% vor dem Venustransit gibt's die Folie bei Astromedia tatsächlich immer noch zum alten Preis. Aber nicht weitersagen!


    > Skywatcher Power Tank mit 7 Ah


    Herrlich - ich kaufe meinen Spinat auch immer bei Fleurop...! :laugh:
    Sowas kriegst Du günstiger in jedem Baumarkt, zur Not auch beim "Großen C"...
    Mit 7 Ah und Goto kommst Du im Winter nicht weit. Da brauchst Du einen Akku mit mehr Dampf.

  • Hallo an alle!


    Ich hab die Beiträge hier durch zufall gefunden, nachdem ich auf der Suche nach einer Montierung mit GoTo und Nachführung gegooglt hab.
    Genau die beiden Montierungen die hier zur Diskussion stehen/standen habe ich mir auch angesehen.


    Skywatcher Montierung NEQ-3 Pro SynScan GoTo
    Skywatcher Montierung NEQ-5 Pro SynScan GoTo


    Ich habe folgendes vor:


    Ich bin im besitz eines Newton Reflektors 114/900 mit verschiedenen Okularen. Leider sind DeepSky beobachtungen ja nicht so erfolgsversprechend wie man es sich erhofft. Daher hab ich mir jetzt auch eine DSLR zugelegt. Auch für die Astrofotografie, aber nicht Hauptsächlich. Ein wenig erfahrung hab ich damit jetzt auch schon gesammelt, allerdings nicht im Bereich DeepSky, da mir wie erwähnt einfach eine Nachführung fehlt und ohne diese macht es ja wenig Sinn.
    Ich habe sehr brauchbare Bilder vom Mond geschossen (http://www.astro-foren.de/attachment.php?attachmentid=4312&d=1354794692) und einfach den Nachthimmel mit Horizont auch schon ganz brauchbar abgebildet, aber das ist wahrscheinlich ansichtssache ob die Bilder gut sind - mir gefallen sie schon recht gut.


    Jetzt soll eine vernünftige Montierung kommen, da will ich gleich auf eine GoTo mit Nachführung gehen um mich eben an den DeepSky Aufnahmen zu versuchen. Ich habe schon einiges darüber gelesen, aber ich möchte auch nicht 5000€ ausgeben.


    Vorhanden ist:


    2x Canon DSLR mit verschiedenen Objektiven
    1x Newton Reflektor 114/900
    1x Refraktor 70/700


    nun zur Frage:
    kann ich mit einer der beiden Montierungen ein Guiden durch den refraktor realisieren (den refraktor wegen des geringeren Gewichts - dann mit webcam) - dazu habe ich leider bislang nichts gefunden..


    Ich will nicht Hubble konkurrenz machen oder sonstiges, es wird der Einstieg werden, der Preislich im Rahmen bleiben muss.


    Ich hoffe evetuell auch auf die Erfahrung von PhilippS sofern die Montierung getestet wurde ;-)



    Ich bedanke mich schonmal für Antworten


    PS: für anregungen und tipps bin ich immer offen ;-)


    Gruß,
    Dirk (wusste ich nicht ;-) )

  • Hallo Newbie99,


    willkommen in unserem Forum. Bitte unterschreibe Deine Postings mit Deinem richtigen Vornamen, das ist hier (und anderswo) so üblich.


    Ich würde von den beiden zur Auswahl stehenden Montierungen auf jeden Fall die größere nehmen, also die NEQ5. Ich würde, nebenbei bemerkt, wenn ich die Wahl habe, immer die größere, schwerere Montierung nehmen. Deinen Newton plus Refraktor könnte das Ding wohl tragen, ob das aber photographisch geht, vermag ich nicht zu beurteilen. Jedenfalls kannst Du den Refraktor zum Guiden verwenden, falls er und der Newton plus Kamera die Montierung nicht überfordern. Ich erhalte leider keine finanziellen oder sonstigen Zuwendungen von Synta (Hersteller der Skywatcher Geräte) aber ich kann immer nur das Augenmerk auf die HEQ5 pro Synscan lenken, da ich diese selbst besitze und damit sehr zufrieden bin - die trägt die von Dir genannte Kombination aus Newton und Refraktor locker. Der Preisuntershied zur NEQ5 pro synscan ist aber 300-350€ - der Stabilitätsunterschied ist aber wahrscheinlich mindestens so groß. Da bist Du noch weit von 5000€ entfernt.


    Noch ein kleiner Rat: die Angaben, die manche (viele) Hersteller zur "Tragfähigkeit" von Montierungen machen, sind schon aus einfachsten physikalischen Überlegungen heraus Unsinn, da Sie nur über "xyz" Kg sprechen, nicht über Hebelarme. Zur NEQ5 schreibt ein allseits bekannter Händler, die würde einen 200er Newton oder auch einen 150er Refraktor(!) tragen - natürlich ohne Angabe der Brennweiten, sprich Baulängen. Naja, tragen tut die noch viel mehr, bevor sie in sich zusammenbricht, aber beobachten kann man mit dieser Montierung und den o.g. Instrumenten bestimmt nicht, jedenfalls nicht entspannt.


    Lieben Gruß,
    Michael

  • Danke für die schnelle antwort!


    Das mit den 5.000€ war auch übertrieben, ich wollte damit nur sagen das ich nicht mein Hab und Gut in das Hobby stecken will, da ich noch viele andere Hobbies hab die leider auch Geld kosten.
    Ja, die HEQ5 hab ich mir auch angeschaut und genau der Preisunterschied ist der entscheidende Punkt..
    Bei den von mir genannten ist der Preisunterschied ca. 100€..
    Und 100€ sind 100€, aber wenn ich dafür deutlich mehr davon habe dann sind die ja gut angelegt..


    Also sage ich pauschal schonmal: Die größte für die ich bereit bin zu Zahlen ist die Richtige?


    Ich glaube du hast mich falsch verstanden was das Fotografieren angeht. Ich habe vor den Refraktor zum Guiden zu nehmen und die Kamera OHNE Newton zum fotografieren. Also die Montierung müsste entsprechend den Refraktor (der ja nich wirklich schwer ist, eher lang) und die Kamera halten. [Gewicht der Kamera + Objektiv (bei DeepSky) = ca. 1,5kg (wenn überhaupt)].
    Ich hab schon festgestellt das es mit größeren Objektiven sehr schwer wird die auf einem Stativ zu bewegen ohne das es wackelt wie sonst was wegen Wind usw.
    Auf den Refraktor würde ja noch eine webcam kommen.
    Verstehe ich das also richtig das die Art Montierungen die ich rausgesucht habe und die du mir vorgeschlagen hast fähig sind zu Guiden? Denn leider habe ich das noch nicht erlesen können. In einigen anderen Threads wurde geschrieben das die Montierung Guidingfähig sein müsse.. Leider steht das nirgends explizit ob es mit denen möglich ist..


    Von so angaben wie "trägt ein 200er" oder so lasse ich mich nicht Blenden, denn der Hebelwirkung bin ich mir bewusst.. das kenne ich von den Mondaufnahmen, die ich ohne teleskop gemacht habe. Das Objektiv dazu ist einfach zu lang als das man das mal eben Ausrichten kann und losknipsen.. Jeder Windstoß bringt mir eine Zwangspause mit...


    Aber zurück zum Guiden. Bringt die Software alles nötige dafür mit, sprich informationsverarbeitung aus den Bildern der Webcam oder braucht die Montierung bzw Steuerung einen extra anschluß dazu? -Sorry falls es eine doofe frage ist, aber ich weiß es bislang nicht..

  • Hallo Philipp,


    das meiste wurde bereits gesagt, daher nochmals zur Montierung:
    Astronomie ist (meist) ein Langzeithobby und die gekauften Geräte sollten auch eine Weile den Bedürfnissen genügen. Daher spare nicht an der Montierung, die ist das A&O des Hobbies.
    Ich hatte die HEQ5-pro, also mit GOTO und war absolut zufrieden. Einen 15iger Newton trägt sie auch fotografisch, Windstille und ein vernünftiges Hartholzstativ vorausgesetzt. Für meinen Intes Micro MN68 war sie allerdings schon grenzwertig, aber das Teil ist 120 cm lang und wiegt satte 12kg. Verwendet hatte ich die Monti meist mit folgendem Equipment:
    Explore Scientific ED-Refraktor 127/950mm im Carbontubus (6,5kg) und auf einer Doppelbefestigung (1kg) noch einen Skywatcher Richfielder 120/600mm (4,5kg).
    Das hat die HEQ5-pro visuell gut getragen, fotografisch wäre sie damit überlastet gewesen. Daher habe ich die Monti verkauft und mir die EQ6-pro gekauft, also das gleiche, nur etwas stärker. Darunter steht ein Berlebach Planet Stativ, das allerdings alleine schon mit € 550.- zu Buche schlägt. - Aber das kann man ja später immernoch austauschen.


    Schau Dich nach einer gebrauchten EQ-6 um, nicht all zu alt (die neueren sind schon ausgereift, das hat Jahre gedauert, bis die Kinderkrankheiter ausgemerzt waren).


    Aber auch mit der HEQ5 wirst Du mit einer aufgesattelten Kamera und einem 135 oder 200mm Objektiv gut fotografieren können. Das Teleskop dient dann als Nachführung. Für Astroaufnahmen braucht es kein Riesenteleskop, da reicht oft ein kleinerer ED. Nur visuell, da kann ein Newton nicht groß genug sein...


    [ATTACH=CONFIG]4313[/ATTACH]
    [ATTACH=CONFIG]4314[/ATTACH]


    Hier zu sehen noch die Vorgängerversion mit dem Takahashi FS-102 und die HEQ-5-pro noch mit Originalstativ (2.Bild)
    Das erste Bild zeigt schon die EQ-6pro, aber auch noch mit dem Originalstativ. Man sieht schon, daß die EQ6 ein ganz schöner "Brocken" ist, dafür aber mit Reserven nach oben.

  • Hallo Dirk,


    ich kenne die NEQ5 nicht "persönlich" aber in einem Angebot habe ich gelesen, daß die einen Guideranschluss hat. Die HEQ5 und NEQ6 haben jedenfalls einen solchen. Das mit dem Refraktor+Newton zur selben Zeit auf der Montierung habe ich gründlich missverstanden. Also Refraktor als Guider + Kamera - das wird wohl mit der NEQ5 gehen.


    Lieben Gruß,
    Michael

  • Ich denke es wird auf die NEQ5 hinauslaufen. Die HEQ ist mir einfach zu teuer zum jetzigen Zeitpunkt und entweder beobachte ich, oder ich mache fotos. Beides gleichzeitig wird nicht vorkommen, jedenfalls nicht mit einem Stativ. Daher sollte die NEQ5 für mich ausreichen.


    Vielen Dank für deine Einschätzung dazu, auch wenn du sie nicht persönlich kennst, hast du einiges mehr an erfahrung als ich...


    Grüße,
    Dirk