"First Light" 114/900 Newton: Stern für Justage gesucht - was ganz anderes gefunden!

  • Hallo Sternengucker,
    nachdem ich ein gebrauchtes Bresser Galaxia 114/900 Newton gekauft habe musste alles geputzt, der Fangspiegel neu festgeschraubt und das Teleskop als ganzes kollimiert werden. Versuchsweise habe ich mir dazu einen "Concenter" selbstgebaut. (Was man auf einer Tischbohrmaschine aus Plexiglas alles "drehen" kann...) Wahrscheinlich nicht 100% ok, aber besser als gar nichts. Tagsüber hatte ich den Sucher schon eingestellt, am Donnerstag Abend gegen 23 Uhr suchte ich irgend einen Stern um mal zu sehen ob der einen Schweif haben würde oder nicht. Um meine Erkältung nicht zu verschlimmern hab ich aus dem halb geöffneten Dachfenster heraus beobachtet. Der Himmel war bewölkt aber immer mal wieder freie Stellen dazwischen. Einen hellen "Stern" angepeilt, und durch das 25mm Okular geschaut. Erst große Enttäuschung - weder ein Punkt noch ein Punkt mit einem Schweif, sondern eine unerwartet große Scheibe. Sekunden später Freude. 2 dunkle Streifen quer über die Scheibe, 3 kleine Punkte auf der einen und 1 kleiner Punkt auf der anderen Seite. Das kann eigentlich nur Jupiter sein! Ich hab mich gefreut wie ein kleines Kind! Nach und nach sah ich mehr Details, immer wieder unterbrochen von Nebelfetzen. Den GRF am Rand glaube ich gesehen zu haben und andere feine Wolkenbänder. Zu gern hätte ich ein Foto gemacht, aber die EQ-Sky Montierung war nicht ausgerichtet, daher musste ich immer zwei Achsen nachregeln, und eine Befestigung für meine Digiknipse hab ich auch noch nicht. Leider war der Einsatz des nächst höher vergrößernden Okulares (9mm) enttäuschend. Nur eine unscharfe matschige Scheibe ohne Details war zu sehen. Vielleicht war es Tau oder Schmutz im Okular, vielleicht ist das Teleskop noch nicht gut eingestellt - ich weiß es nicht. Nach 15 Minuten war der Spass vorbei, alles verschwand wieder hinter einer geschlossenen Hochnebeldecke, die sich leider bis heute nicht wieder geöffnet hat.


    Trotz der kurzen Zeit war ich froh überhaupt etwas "richtiges" durch das Teleskop gesehen zu haben, quasi als Beweis daß die ganze Bastelei zu irgend etwas gut war. Jetzt freu ich mich jeden Abend darauf daß es dunkel wird!


    euch allen schöne klare Nächte
    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 200/1200 Dobson
    Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel | 76/700 "Tchiboskop"-Newton (2x)


    https://astronomiefreunde-kn.de/

  • Hallo Detlev,


    mit dem 25 mm Okular wären wir bei 36-facher Vergrößerung (= BrennweiteNewton/Brennweite Okular).
    Damit kann man schon einigermaßen leben, auch ist das Bild mit 3.16 mm Austritts-Pupille noch einiger-
    maßen hell. Bei 9 mm Okular wären das 100-fache Vergrößerung mit 1.14 mm Austritts-Pupille, und das
    wäre dann schon sehr dunkel. Bei der Gelegenheit tauchen dann auch alle opt. Fehler auf, die ein
    solches System hat.


    Ob also 100-fach mit diesem Instrument sinnvoll realisiert werden kann, wirst Du noch ausprobieren
    müssen. D.h. aber nicht, daß Du Dir gleich ein anderes Okular kaufen sollst. Mit dem 25mm Okular
    sieht man auch schon eine ganze Menge.

  • Moin Detlev!


    Glückwunsch zum "Erstlicht"!


    > Nur eine unscharfe matschige Scheibe ohne Details war zu sehen.


    Na, das ist bei der Vergrößerung durch "ein halb geöffnetes Dachfenster" auch kein Wunder. Das Bild wird durch das Fenster abströmende Warmluft gestört. Zum Winter merkt man das besonders. Für ein klares Bild bitte nach draußen gehen, auch wenn man da 'nen kalten Hintern kriegt!

  • Hallo Wolfgang, Hallo Micha!
    Heute war der Nachthimmel viel klarer, also raus mit dem Teleskop auf die Terasse und auskühlen lassen. Vorher noch die Okulare zerlegt und geputzt, und siehe da, mit dem 9mm Okular konnte ich was erkennnen, mit dem 4mm immerhin was erahnen, wobei ich bei 4mm kaum mit dem Nachjustieren hinterher kam. Ziel war wieder Jupiter, weil er so einfach zu finden ist. Selbst die Kombination 25mm + 3-fach-Barlow brachte ein erträgliches Bild, obwohl ich tagsüber den Eindruck hatte die Kunststoff-Barlow-Linse sei etwas eingetrübt. Lag vielleicht an der Lichtbrechung. Da der Nachthimmel mitspielte konnte ich auch einen Stern anvisieren und mal unscharf stellen. Das Muster der Streben war symmetrisch, der Fangspiegel-Schatten in der Mitte. Allerdings war der unscharfe Stern nicht ganz rund sondern im oberen Bereich abgeplattet. D amuß ich noch mal ran. Fangspiegel schief? Hab noch schnell versucht im Automatik-Modus Freihand Fotos zu machen aber das war wohl nix. Dann bin ich wieder rein bevor es mir zu kalt wurde, bin ja immer noch nicht ganz gesund. Ich glaube das erste neue Zubehör für das Teleskop wird warme Unterwäsche sein:)


    bis demnächst


    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 200/1200 Dobson
    Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel | 76/700 "Tchiboskop"-Newton (2x)


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  • Hallo Detlev,


    ich war gestern abend ebenfalls kurzzeitig Mond und Jupiter am Betrachten mit meinem 15" f/5 Lomo Newton:
    mit einem 10 mm Radian, 8 mm Ethos und 6 mm Radian. Das Newton war mindestens 3 Stunden ausgekühlt.


    10 mm Radian war eine ordentliche Abbildung, eine kantenscharfe Abbildung der Jupitermonde zeitweise
    möglich. Da waren wir bei 190-facher Vergrößerung.
    Mit dem 6 mm Radian war der Spaß bei 316-facher Vergrößerung schon reduziert. Also wechselte ich
    zum 8 mm Ethos, was einer Vergrößerung von 237-fach entspricht. Sehr schön war der GRF zu sehen.


    Damit wollte ich Dir nur erzählen, daß es nicht unbedingt um Vergrößerung geht, weil die opt. Bedingungen
    das nicht hergeben. In Deinem Fall dürfte die sinnvolle Maximal-Vergrößerung so um die 100-fach liegen,
    das entspräche so dem Hauptspiegeldurchmesser in mm. In meinem Fall wären das 381 mm, und das
    erreiche ich nur selten, vielleicht in der Dämmerung am Mond oder bei besonders gutem Seeing.


    Je mehr Optik in ein System eingeführt wird, umso schlechter wird das Bild. Dein 9mm Okular dürfte also
    "das Ende der Fahnenstange" sein.


    Rohr 15 Zoll LOMO Dobson mit geschlossenem Tubus

  • Hallo Wolfgang,
    nachdem ich noch einiges gelesen und auch nachgefragt habe denke ich auch daß das 4mm Okular wohl eher dekorativen Zwecken dient. Immerhin, zum unscharf stellen am Stern scheint es zu genügen.
    Von einem Vereinkollegen wurde mir schon angeboten mal einige Okulare auszuleihen. So könnte ich direkt sehen was teurere Okulare, vielleicht mit anderen Brennweiten bringen. Aber dazu müsste sich der Wolkenvorhang lichten.
    Gelegenheit den Tubus auszukleiden, aber das ist eine andere Geschichte.


    Klare Nächte
    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 200/1200 Dobson
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  • Hallo Wolfgang,


    ich bin ja auch kein Verfechter der Übervergrößerung, aber trotzdem:
    1x Spiegeldurchmesser als mögliche (und verwendbare) Endvergrößerung halte ich nun doch für etwas untertrieben. Die üblicherweise angegebenen 2x Öffnungsdurchmesser wiederum halte ich in unseren Breiten für kaum machbar.
    Womit ich mit meinem 14" Lomo, - (ebenfalls im Volltubus) Planeten und Doppelsterne beobachte, ist das 6mm Ethos, das sind 300x Vergrößerung, also noch unterhalb der einfachen Öffnung, aber gerne auch mit dem 3,7mm Ethos, das macht 486x und entspricht so ungefähr dem 1,5 fachen Spiegeldurchmesser. Und genau dort sehe ich persönlich in unseren Breiten die Grenze des Machbaren an.

  • > 1x Spiegeldurchmesser als mögliche (und verwendbare) Endvergrößerung halte ich nun doch für etwas untertrieben


    Das Auge löst etwa eine Bogenminute auf, Astronomenaugen meist etwas mehr. Bleiben wir mal bei einer Minute. Um die Beugungserscheinungen so weit zu vergrößern, dass sie vom Auge aufgelöst werden (um also das Bild so stark zu vergrößern, dass das Auge alle Details sehen kann), benötigt man 4,4-fach je Zentimeter bzw. 11x pro Zoll. Grob gerechnet also die Hälfte der Öffnung in Millimetern. Wenn man es dem Auge deutlich erleichtern will, kann man das verdoppeln und landet bei V=Öffnung in Millimetern. Das ist schon übervergrößert.
    Kontrastarme Details auf Planeten werden sicherer erkannt, wenn sie sich halbwegs scharf voneinander abgrenzen. Wenn man vergrößert, in die Luftruhe hinein oder in die Auflösungsgrenze, wird alles größer, aber unscharf-matschig und weniger gut erkennbar.
    Es gibt keine olympischen Spiele der Höchstvergrößerung. Wenn man manche Berichte liest, scheint es aber, es gäbe sie.