Verrückte Idee für sowas ähnliches wie ein Goto-System

  • Guten Abend Bastelfreunde,
    seit zwei Tagen gehe ich mit einer Schnapsidee im Kopf durch die Welt, und jetzt muß ich mal mit jemandem darüber reden.


    Es geht mir darum abzuschätzen ob die im folgenden beschriebene Idee überhaupt funktionieren kann.


    Meine Idee wäre, die Positionierung einer Montierung (im Moment egal welche) über billige digitale Messschieber ("Schieblehren") zu realisieren. Die haben z.B. 150mm Weg, eine Auflösung von 0,05 mm und kosten zwischen 10 und 20 Euro. Leider habe ich noch keine digitalen Winkelmesser für 10 Euro entdeckt, aber wenn man z.B. das Ende eines Stahlmaßbandes an einem Rad befestigt das sich mit der Achse dreht, dann könnte man damit das Maßband ein Stück aufwickeln, und am anderen Ende des Maßbandes zieht eine Feder oder so und der digitale Messschieber hängt parallel zur Feder und misst deren Längenänderung. Vorteil: Kein Schneckenspiel, kein Zahnradspiel. Nachteil: recht voluminös, wenn man keine Umlenkrollen spendiert.


    In einer ersten Version wäre das ein Weg die Sterne am Himmel von Hand zu finden.
    Die mm-Angaben müssten in Winkel umgerechnet werden. Wer mit 150° leben kann könnte es leicht haben und bei passender Radgröße (360mm Umfang) gleich mm = Grad annehmen. Der Rest könnte über die Wahl der Radgröße entsprechend übersetzen.
    Das Ablesen wäre aber mühsam, denn jedes Display wäre woanders (2 Achsen - 2 Messschieber).


    In einer erweiterten Version könnte man die Daten aus der Elektronik auslesen und bequem an einem gemeinsamen Display anzeigen. So was ist möglich, ich habe einige Elektronikprojekte gefunden, die aber mehr in Richtung "wir verbessern Bohr- und Drehmaschinen" gehen. Aber die Daten können von preiswerten und im Einzelhandel gut verfügbaren Mikrocontrollern ausgelesen werden. Das ist die wichtige Information.


    Der nächste Schritt wäre wenn ein Computer/Microcontroller noch mehr mithilft. Die Kalibrierung könnte dann schon über manuelles Ausrichten auf bekannte Sterne erfolgen, und ab da könnte der Computer dann nach Eingabe des Namens des gesuchten den Weg dorthin zeigen, ohne Motoren, aber über Pfeile auf seinem Display (Nord/Süd Ost/West).


    Die letzte Stufe der Optimierung wäre der Einsatz von (Schritt-)Motoren mit entsprechendem Getriebe, die die Positionierung und Nachführung übernehmen. Wieder wäre zusätzliche Elektronik erforderlich, und auch wesentlich mehr Mechanik. Wobei mir der Gedanke Stahlmaßband aufzuwickeln um die Räder zu drehen gefällt. Das ist einfach zu machen und braucht keinen Schneckenkranz.


    Ich bin zwar gelegentlicher Hobbyelektroniker, habe aber momentan weder Zeit noch Geld diese Idee ernsthaft zu verfolgen. Aber drüber reden kann man ja mal. Vielleicht hat ja jemand Zeit und gerade keine Idee was er damit tun soll...


    So, jetzt zerpflückt meine Idee!

    Gruß
    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 200/1200 Dobson
    Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel | 76/700 "Tchiboskop"-Newton (2x)


    https://astronomiefreunde-kn.de/

  • Hallo Uwe,
    ja das geht natürlich, sofern solche Kreise vorhanden sind.
    Bei einer Dobson Rockerbox beispielsweise fehlen solche Skalen.
    Aber du hast schon Recht, bis zu der Ausbaustufe in der man ein "nicht motorisiertes GoTo-System" hätte ist
    der "Mehrwert" kaum spürbar wenn man schon eine Montierung mit entsprechenden Skalen hat.


    Gruß
    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


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  • Lieber Detlev, lieber Uwe,


    Uwe: Zeige mir eine bezahlbare Montierung, die Teilkreise besitzt, die den Namen verdienen. Früher, in der Prä-GoTo-Zeit, war das üblich, heute sind das Aluguss-Scheiben, die weder regelmäßig noch genügend fein geteilt sind. Wenn ich mich nicht irre, hat Celestron bei den GoTo-Montierungen erst gar keine Teilkreise angebracht - wenn das stimmt, dann wäre das nur konsequent.


    Detlev: Im Prinzip ist die Idee, elektronische Teilkreise anzubringen sehr gut (ich habe dazu hier auch einmal etwas geschrieben, finde den Thread aber im Moment nicht).


    Allerdings hat Deine Idee einige Schwächen. Zunächst einmal eine Bemerkung zu Deiner Aussage, daß Du keine preiswerten elektronischen Winkelmesser (so um 10-20€) finden kannst: das wirst Du auch nicht, denn digitale Absolutencoder zur Winkelmessung kosten so ab 350€ aufwärts pro Stück - bei Ebay gibt es aber immer wieder welche mit Glück günstig zu ersteigern (30€ aufwärts).


    Nun zu den Schwächen: Du willst die Drehbewegung in eine Linearbewegung umsetzen mit Hilfe eines Stahlbandes, welches von einer Feder gezogen wird und sich um ein Rad auf der Drehachse auf- bzw. abwickelt. Die Länge der Feder soll dann mit einem Meßschieber digital gemessen werden. Welche Genauigkeit willst Du denn damit erzielen? Die Längenänderung müsste genau proportional zur Winkeländerung sein und über einen gewissen Temperaturbereich mit derselben Proportionalitätskonstanten. Vielleicht wäre es möglich, das so auszuführen, dass am Ende eine Genauigkeit von +/- 0.5 Grad erzielt würde, zumal die 10-20€ Meßschieber zwar 0.05mm anzeigen aber nicht auf 0.05mm genau und vor allem reproduzierbar messen, aber da hat dann Uwe wieder recht: Man könnte einer runden Scheibe eine 1 Grad Teilung verpassen - mit weniger Aufwand und vergleichbaren Ergebnissen - ok, nicht digital...



    Lieben Gruß,
    Michael

  • Hallo Michael und Uwe,


    ja die Toleranzen, das ist wohl das Problem. Daß die Messschieber nicht supergenau sind, das ergibt sich bei dem Preis.
    Hier ein bisschen verloren, da ein bischen weniger verloren, aber wenn am Ende nichts rauskommt was die Ablesung über eine selbstbedruckte Pappscheibe wesentlich verbessern kann dann bringt das wohl nix.
    Naja, vielleicht fällt mir dazu noch was ein.


    Kurzzeitig hatte ich mal die Idee, die Optoelektronik aus einer optischen Computermaus zu verwenden um damit berührungslos das verdrehen des einen Teils der Montierung gegen den anderen zu messen. Allerdings ergab eine Recherche im Internet daß die 400cpi (counts per inch) einer durchschnittlichen Maus nicht bedeuten daß man mit der gleichen Bewegung auch wieder das gleiche Ergebnis bekommt. Die Wiederholgenauigkeit ist in der Praxis nicht vorhanden. "Das Mausrad!" dachte ich danach, aber ob ein Reibrad so genau ist, und ob die gegebene Auflösung genügt? Die Idee per Lichtreflektion halbe Kreise, viertel Kreise, achtel Kreise usw aus einer sich mitdrehenden selbstgebauten Maske zu erkennen hab ich auch verworfen. Die müsste ganz schön groß sein um die notwendige Auflösung zu haben. Wenn z.B. 0,1 Grad Auflösung gefordert sind, dann sollte man besser das doppelte spendieren, also mind. 3600 x 2. Digital passt da am besten 8192. Wenn ein Schritt 0,1 mm entspricht dann reden wir hier über ein Rad mit ca 82 cm Umfang, von dem ich nicht genau weiß wie ich es für die Positionsbestimmung "scannen" soll.

    Gar nicht so einfach das Thema digitale Teilkreise, jedenfalls wenn es nicht viel kosten soll...


    Gruß
    Detlev


    Nachtrag: Schrittmotoren als Sensor! Jeder Schritt macht einen kleinen Spannungspuls. Per Reibrad mitlaufen lassen, oder lieber gleich zum 3.Schritt springen udn die Dinger als Antrieb verwenden. In alten Computer-Festplatten sollten sich welche finden...

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 200/1200 Dobson
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    Edited once, last by Kaffee: Nachtrag ().