1st, 2nd und 3rd Light

  • Hallo zusammen,


    nach der eingehenden Beratung hier im Forum (siehe hier: http://www.astro-foren.de/show…n-suche-10-oder-12-Dobson) habe ich nun seit ein paar Wochen das riesige 10" Dobson in der Wohnung stehen. Leider spielte das Wetter bislang eher selten mit, so dass ich das heutige 3rd Light als Anlass nehmen möchte, um euch meine bisherigen Erfahrungen mitzuteilen:


    1. Light: Für etwa 2 Stunden zeigte sich vor ein paar Wochen der Himmel zwischen einigen Wolkenlücken, was ich mit vollem Tatendrang nutzen wollte, um das erste Sternenlicht über die Spiegel zu jagen. Das Seeing aus meinem Garten mitten in der Großstadt war jedoch nicht nur durch Wolkenfetzen beeinträchtigt, sondern auch durch einen alles überstrahlenden Fast-Vollmond! Was lag also näher, als den Mond als erstes Objekt zu fokussieren. Es war schon faszinierend, an der Tag-Nacht-Grenze die Strukturen zu beobachten! Leider war das Teleskop noch kaum ausgekühlt, weshalb das Bild ziemlich oft Schlieren aufwies. Für den ersten Tag sollte ein kurzer Mondspaziergang auch genügen. Als ich jedoch schon beinahe alles wieder eingepackt habe, entdeckte ich Jupiter über die Dächer der Stadt steigen! Also alles wieder auf Anfang und nochmal den Planteten in allen Vergrößerungen beobachten! Sehr cool fand ich, dass ich 4 Monde sehen konnte. Jedoch störten die Schlieren noch mehr als beim Mond, weshalb ich Wolkenbänder auf dem Jupiter nur erahnen konnte. Es wurde langsam spät und die Bewölkung nahm wieder zu, weshalb ich mich entschied, wieder ins Warme zu gehen.


    2nd Light: Nach der Arbeit sah ich an einem weiteren klaren Tag, dass Jupiter durch mein Fenster zu sehen war. Da ich aber nicht viel Zeit hatte, habe ich nur kurz das Fenster geöffnet und ein paar Blicke auf den Planeten geworfen. Dies war jedoch aufgrund des Temperaturunterschieds zwischen innen und außen das wohl schlechteste Bild. Immerhin konnte ich wieder 4 Monde erkennen...


    3rd Light: Nachdem es heute den ganzen Tag geschneit hat, zog der Himmel tatsächlich wie vorhergesagt am Abend auf! Viele Tage habe ich auf so eine Möglichkeit gewartet: genug Zeit am Freitag Abend, der Mond ist noch unter dem Horizont und der Himmel ist klar! Also, hinunter in den Garten mit Scope und Zubehör. Es war eisig kalt und um möglichst keine Schlieren im Bild zu haben, habe ich sogar den Lüfter mit Batterien versorgt. Mein erstes Objekt war mal wieder Jupiter. Schon zu Beginn der Session war er wesentlich klarer zu sehen, als bei Vollmond. Jedoch zeigte die Lüftung Wirkung, weshalb das Bild nach einiger Zeit immer klarer wurde. Diesmal war es richtig faszinierend! Ich habe ein großes Wolkenband "oben" und zwei kleinere "unten" (wobei das unterste am kleinsten war) ganz klar unterscheiden können. Das obere Band schien auf der "rechten" Hälfte unterbrochen oder unschärfer zu werden. Wenn mich nicht alles täuscht, muss diese Unschärfe der Rote Fleck gewesen sein, da die Optik sowohl "oben" und "unten" als auch "rechts" und "links" vertauscht, oder??
    Wie dem auch sei, ich konnte mich kaum satt sehen und das Bild wurde von Minute zu Minute besser! Ich habe auch sowohl den UHC, den O-III Filter als auch die Kombination aus beiden verwendet. Die Wirkung war nicht wirklich eindeutig, außer dass das Bild grünlich wurde. Eventuell war der Kontrast zum Hintergrund etwas schärfer - aber die Strukturen auf dem Planeten waren kaum besser abgebildet. Leider ist mein kürzestes Okular "nur" 6mm, so dass ich bei 150 cm Brennweite des Scopes nur 250-fach vergrößern konnte. Bei dem Seeing wäre glaube ich auch mehr drin gewesen. Wie weit sollte ich hier gehen??
    Das zweite Objekt war der Orionnebel! Und hier haben sich die Filter echt bemerkbar gemacht. Der Nebel strahlte wunderbar grün durch das Okular! Der hellste Stern in der Mitte hatte, wenn ich mich nicht täusche, sogar noch 4 (!) ganz nahe Begleiter! Zudem habe ich "oben" einige Sterne gesehen, die in einem Dreieck formiert waren. Und das alles ummalt von dem grünlichen Schimmer des Nebels (klar, das Grün kommt durch die Filter). Sehr schön - sowohl in kleiner, aber auch in großer Auflösung, bei der ich bspw. die soeben beschriebenen Sternenformationen erkennen konnte.
    Nach knapp 2 Stunden habe ich dann meine Sachen zusammengepackt und bin glücklich und zufrieden wieder in die warme Stube gegangen. Das war ein echt tolles Erlebnis! Durch den Schnee und dem Licht in der Großstadt war der Himmel aber immernoch nicht pechschwarz - so einen Abend sehen ich mir ja nochmal herbei. Ich glaube, dann werde ich entweder Richtung Münsterland oder Sauerland fahren auf der Suche nach ein paar weiteren Deep Sky Objekten.


    Übrigens habe ich - so doof das klingen mag - mit meinem IPhone auch ein paar Fotos geschossen. Auf dem ersten sieht man den Mond ganz gut und heute ist es mir gelungen die Jupiterscheibe (ohne Wolkenstrukturen natürlich) und die 4 Mondpunkte daneben einzufangen! Leider bin ich noch nicht dahinter gekommen, wie Fotos hier hochgeladen werden können. Ich würde sie gerne mal teilen.


    Viele Grüße
    Philipp

  • Hallo Philipp,


    Gratulation zum first light!
    Ein paar Anmerkungen:
    Lüfter: achte darauf, daß der Lüfter nach hinten weg absaugt und NICHT auf den Spiegel bläst. Lüfter also ausbauen und umdrehen. Mit der Zeit würdest Du Dir nämlich auch viel Schmutz vom Boden her mit einziehen. Zudem, wenn er bläst, dann wird nur die Mitte des Spiegels kalt, der Rest bleibt warm, dann kommt es zu Verspannungen und das Bild wird nicht richtig scharf.
    O-III und UHC: diese Filter sind nur für Nebel, wie Du ja schon gemerkt hast. Am Planeten bringen sie überhaupt nichts, an Galaxien, die ja aus Sternen bestehen, erst recht nichts (auch natürlich nicht an Sternhaufen).
    Orion: toll, Du hast in der Mitte das s.g. Trapez gesehen, bestehend aus 6 Sternen. Vier davon kann man recht einfach und gut erkennen. Mit einer Hochvergrößerung und sehr guter Luftruhe sowie ausgekühltem Teleskop siehst Du auch die beiden anderen, die E und F Komponente. Aber die sind sehr schwer, hängen sie doch extrem nahe an den beiden anderen Komponenten.
    Vergrößerung: gehe nicht über 250x, das ist in unseren Breiten meist die Grenze. Das theoretisch maximale (2x Durchmesser des Teleskops = 500x) wirst Du kaum erreichen können, das geht so 2-3x im Jahr in hohen Regionen (Gebirge). Bei 10" sehe ich 300x als die obere Grenze an, alles andere artet auch noch beim Dobson in Arbeit aus (Nachführen).


    Ansonsten hast Du wohl alles richtig gemacht (und auch kapiert = nix mir aus dem Fenster beobachten... etc.).
    Fehlen nur noch konstant gute Bedingungen und die noitwendige Kleidung.


    Dazu habe ich von Aldi die Moon Boots aus Leder mit Schafswolle als Füllung. Ab und zu findet man die mal, haben € 25 gekostet. Die gleichen kosten bei Waffen-Frankonia (Jagdgeschäft) über € 125.-! Dazu eine sehr gute Daunenjacke (wäre doch ein Weihnachtsgeschenk?) und vom Wertkauf oder sonst wo her eine billige Skihose. Habe eine, die nicht eng anliegt, sondern sehr weit ist, darin habe ich noch nie gefroren, auch nicht bei -25 Grad in den Hochalpen (ich fahre nicht mehr Ski, war zum Beobachten oben). Dann noch eine "Russenmütze" mit Ohrenklappen (wichtig!) und gefüttert mit Kaninchenfell, macht mollig warm. Und dann eben noch Handschuhe, damit habe ich so meine Probleme. Sind sie zu dünn, dann friert man, sind sie schön dick und mollig warm, dann kann man das Teleskop nicht mehr richtig bedienen. Zum Zeichnen ziehe ich sie halt wieder aus...