Navigation am Sternenhimmel

  • Hallo zusammen,


    ich wollte bei bald hoffentlich besserem Wetter auf die Suche nach verschiedenen Objekten gehen.
    In erster Linie interessieren mich die Planeten. Den Jupiter finde ich ohne Hilfsmittel, da dieser sehr leuchtstark ist.
    Inwieweit andere Planeten am Nachthimmel gesehen werden können (also bei gutem Wetter) kann ich noch nicht beurteilen, da das
    Wetter noch nicht oft gut war, seit ich das Teleskop habe. Ich möchte auf jeden Fall auch die Planeten finden, die man mit bloßem
    Auge nicht sehen kann. Mittlerweile habe ich eine Software ("Das Planetarium"), mit deren Hilfe ich die Koordinaten der Planeten in Echtzeit
    erhalte. Nun habe ich zwei Fragen:


    1. Könnt ihr mir eine gute Sternenkarte empfehlen, mit deren Hilfe man Galaxien, Nebel, Sternhaufen aufspüren kann?


    2. Gibt es einen digitalen Kompass, der gleichzeitig den Neigungswinkel anzeigt? Dann könnte ich den auf mein Teleskop montieren und so die Koordinaten auffinden. Derzeit habe ich keinerlei Winkelskalen am Teleskop und ich würde schon gerne nach Koordinaten suchen. Wichtig ist, dass der Kompass möglichst feine Winkel anzeigt, am Besten direkt in Winkelminuten und Winkelsekunden. Notfalls kann ich mir die Winkelnachkommastellen sonst auch in Winkelminuten umrechnen.
    Ich habe bei meiner bisherigen Recherche nur digitale Kompasse ohne Winkelmesser gefunden und den Neigungswinkelmesser als einzelnes Gerät.
    Wäre super, wenn da Jemand was wüßte.


    Gruß Johannes

  • Hallo Johannes,


    das "Planetarium" stammt von einem Kumpel aus unserer Frankengruppe, das verwenden wir hier fast alle. Damit solltest Du auch die Planeten finden. Am einfachsten ist es, die entsprechende Karte auszudrucken und dann draussen "Starhopping" zu betreiben. D.h. man sucht in der Gegend des Planeten einen hellen Stern und stellt ihn ein. Dann "hoppelt" man nach Karte von Stern zu Stern, bis man am Planeten ist. Gut dazu wäre der Telrad-Sucher (einfach mal danach googlen).


    Einen digitalen Kompaß kenne ich (persönlich) nicht, aber es gibt für den Dobson eine andere, sicherlich noch genauere Lösung: Digitale Teilkreise. Dazu den "Argo-Navis" Computer, so groß wie eine Handbox der bekannten Steuerungen. An diesen werden die digitalen Teilkreise angeschlossen, die wiederum an den beiden Achsen des Teleskops befestigt werden.


    Dann einmal ausrichten auf einen bekannten Stern und bestätigen. Nun suchst Du auf dem Display des Argo Navis das Objekt deiner Wünsche. Mit 4 Pfeilen auf dem Display zeigt Dir das Gerät an, wohin Du schubsen mußt. So lange, bis der Navis "=" anzeigt. - Dann bist Du dort! Ist mit rund 850 Euronen aber nicht gerade ein Schnäppchen, dafür aber sehr gut.

  • Moin Johannes!


    Als "Sternenkarte" nimmt man am besten eines der zahlreichen Planetariumsprogramme. Die bieten neben einer Suchfunktion auch die Informationen über Azimut und Höhe der Objekte zu jeder beliebigen Zeit.
    Digitale Teilkreise am Teleskop sind schon genannt worden, bloß sind diese Lösungen sehr teuer (ab 700 EUR).
    Da ich zuhause ausschließlich alt-azimutal aufgestellte Teleskope verwende, habe ich mir eine andere Lösung einfallen lassen: Ein einfacher, mechanischer Neigungsmesser aus dem Baumarkt kostet mit einem halben Dutzend Wasserwaagen zusammen gerade mal 5 EUR in der Grabbelkiste. Etwas edler geht's mit einer kleinen digitalen Wasserwaage mit Neigungsmesser, die man schon für 50 EUR bei Conrad bekommt, Genauigkeit AFAIR 1/10tel Grad (6'). Diese Genauigkeit ist völlig ausreichend. Die andere Richtung (Azimut / Himmelsrichtung) bestimmt man ebenfalls mit einem einfachen Kompaß oder schaut im Planetariumsprogramm nach, welcher helle Stern gerade in derselben Richtung steht. Dann nimmt man sich ein Aufsuchokular mit viel Feld und wenig Vergrößerung und schwenkt den Himmel ab. Planeten wie Merkur, Mars und Saturn findet man so schnell, mit mehr Erfahrung dann auch die lichtschwächeren anderen, sowie Deepsky-Objekte. Kometen, die ja meist nicht mit bloßem Auge oder im Sucher aufzufinden sind, suche ich praktisch nur so auf, wenn sie nicht gerade neben einem hellen Stern stehen. Den Rest des Wegs geht's dann weiter per Starhopping, wobei das Astro-Programm auf dem Netbook eine sehr gute Hilfe ist.

  • Hallo Johannes.
    Die Herangehensweise ist von Anwender zu Anwender sehr unterschiedlich, doch alle führen irgendwie zum Ziel.
    Hier mal ein Beispiel für einen Katalog, von dem ich nicht weiß, ob es ihn noch gibt. Feldtauglich, da laminiert.
    Speziell wie von Winfried erwähnt für den Telrad Sucher, Leuchtpunkt geht natürlich auch.
    HIER und HIER mal zur Vorstellung das Buch Charts of the Messier Objects.
    Ich habe mir alle Karten in einen Ringbuchordner gepackt und gut, konnte ich immer bestens mit Arbeiten. Kleines Format und zeigt eben den Himmel annähernd wie mit dem bloßen Auge sichtbar, fördert die Orientierung. Peilen, kleine V und ein wenig rum "stochern" und schwups, da ist es.
    Meistens ;)

  • Hallo Johannes


    das Himmelsjahr von Kosmos zeigt für das gültige Jahr Planetenkonstellationen und vorher berechenbare Ereignisse.
    Um sich am Himmel zurecht zu finden sind eine drehbare Sternkarte, Deep Sky Reiseatlas, und ein Telrad Finder gute Hilfsmittel.


    Und last but not least Werbung für meine Lieblinge, die Vagabunden am Himmel:
    http://www.ki.tng.de/~winnie/kometen/einstieg.html
    Die Seite von Micha, dem ich für sein Engagement sehr dankbar bin.
    Ohne seine wertvollen Informationen hätte ich die Hälfte der von mir gesehenen Kometen,
    inzwischen 32 an der Zahl seit 1986, einfach verpennt.

  • Hallo zusammen,


    danke für die zahlreichen Hinweise. Ich werde mir dann in Kürze eine drehbare Sternenkarte anschaffen.
    Einen Telrad-Sucher könnte ich mir auch besorgen, allerdings klappt das Anvisieren von sichtbaren Objekten mit dem Lichtpunktsucher, den ich habe, auch ganz gut.
    Die Lösung mit den digitalen Teilkreisen hört sich sehr gut an, allerdings ist der Preis mir zu hoch.
    So wie hier vorgestellte Lösung, die Kombination aus Neigungswinkelmesser und Kompass, hab ich mir das auch in Etwa überlegt.
    Die Frage ist, ob es neben dem hier beschriebenen Neigungswinkelmesser (Genauigkeit 0,1°) auch einen vergleichbar genauen Kompass gibt und ob man alles auch genau auf das Teleskop aufgebaut bekommt. Bisher habe ich nur Geräte ausfindig gemacht, die auf 1° genau anzeigen und gleichzeitig auch eine Ungenauigkeit von ca. 2,3° haben. Das Ganze würde sich dann ja noch mit der Montageungenauigkeit aufaddieren. Vielleicht sollte ich eine Kombination aus Starhopping und Suchen über Höhen- und Breitenwinkel wählen, so wie es hier vorgestellt wurde.
    Gestern habe ich versucht, den Uranus über Starhopping zu finden, indem ich die Sternbilder mit denen im Planetarium-Programm verglichen habe. Gleichzeitig habe ich das Teleskop von der Neigung her anhand eines Sterns ausgerichtet, der in Etwa denselben Höhenwinkel hatte, wie der Uranus. In dem ungefähren Bereich habe ich etwas gesucht und schließlich einen Himmelskörper gefunden, der vielleicht der Uranus war. Vielleicht war es aber auch nur ein heller Stern... Ich finde es ziemlich schwierig, die Sternenbilder am Himmel wiederzufinden, wenn man mal von den bekanntesten Bildern absieht. Wie kann man eigentlich einen weit entfernten Planeten von einem Stern unterscheiden?


    Gruß Johannes

  • Moin Johannes!


    Du brauchst eigentlich keine Genauigkeiten von unter 1° in Deinen Peilinstrumenten, da Du ja mit einem (hoffentlich) weitwinkligem Aufsuchokular an die Sache herangehen wirst. Die haben Gesichtsfelder von 2-3 Grad, also mach Dir keinen Kopp, bevor Du die Tips selbst live ausprobiert hast!


    > Wie kann man eigentlich einen weit entfernten Planeten von einem Stern unterscheiden?


    Planeten haben ein ruhiges Licht, Sterne flackern mehr oder weniger. (Erstere sind flächige Objekte, letztere erscheinen uns punktförmig.) Dreh das entsprechende Sternfeld um Uranus oder Neptun ein wenig aus dem Fokus, bis sich kleine Sternscheibchen bilden. Das, was nicht flackert, ist der Planet. Die beiden Planeten erkennt man mit mehr Erfahrung auch ziemlich leicht an der Farbe, Uranus (ca. 4" Durchmesser) auch meist direkt als kleines Scheibchen bei mittlerer Vergrößerung im Teleskop. Neptun ist mit 2" nur halb so groß, braucht also mind. 150fach, um ihn sicher als Scheibe zu sehen.


    > Ich finde es ziemlich schwierig, die Sternenbilder am Himmel wiederzufinden


    Das ist alles Übungssache, das kommt schon.


    Gerd:
    > Ohne seine wertvollen Informationen hätte ich die Hälfte der von mir gesehenen Kometen,
    inzwischen 32 an der Zahl seit 1986, einfach verpennt.


    Danke für diese gelungenen Worte! So herum habe ich das noch gar nicht betrachtet, aber Du hast recht. Dann wollen wir mal schauen, daß wir dieses Jahr noch einige Kometen dazukriegen, was?! Meine Zählung liegt bei 80 seit Halley, davon 7 neugesichtete im letzten Jahr.

  • Hallo Micha,


    danke für die Tips! Das mit dem aus dem Fokus drehen und dem flackern bzw. nicht flackern werde ich beim nächsten Versuch direkt ausprobieren.
    Bin mal gespannt, wann es wettertechnisch wieder so weit ist. Wenn die Genauigkeit von 1° reicht, werde ich mir in Kürze einen Kompass sowie eine digitale Wasserwaage bzw. einen Neigungswinkelmesser kaufen. Dann sollte ich ja zumindest schonmal in die Nähe der gesuchten Objekte kommen. Ich kann die Genauigkeit ja auch z.B. am Jupiter testen und den Winkelfehler bei der Suche berücksichtigen.
    Bin mal gespannt, was ich alles finde.


    Gruß Johannes

  • Hallo Micha,


    ja, das könnte man auch ausprobieren. Ich denke, ich werde mir längerfristig die Lösung mit Neigungswinkelmesser und Kompass aufbauen, aber als sehr kostengünstige Übergangslösung ist diese Idee allemal zu gebrauchen.
    Danke auf jeden Fall für den Hinweis!


    Gruß Johannes
    PS: Den Uranus konnte ich wieder nicht finden, aber ich habe auch blind, also ohne Winkelmesser etc. gesucht und aufgegeben wird nicht;)

  • Hallo Leute,
    mir gings aber auch so im August ich wollte den Neptun finden.. Ich habe ihn troz 2 std. suche nicht gefunden. Ich freue mich jetzt schon mal auf den Satur der gegen 6 Uhr schön hoch steht. Leider war das Wetter noch nicht so das man einen Blick draufwerfen könnte.
    Aber piu58 hat Recht man muss einfach das Starhopping lernen.
    Übrigens danke piu58 das du immer mit Rat und Tat zur Stelle bist!!


    Zurzeit ist irgendwie voll der Weltraum Monat.. In NTV und N24 kommen sehr viele Dokus über unser Sonnensystem und übers All.
    Letztens kam ein Bericht über Titan. Der Mond des Saturns. Kann man eigentlich diesen im Teleskop sehen? So wie die Monde des Jupiter oder sind 20 AE einfach zu weit?
    mfg

  • Hallo Uwe,


    danke fürs Angebot! Ich frage mich nur gerade, wofür "HTT" steht. Ein Teleskop-Treffen in H... ?
    Ich hoffe, dieses WE ergibt sich trotz der Wettervorhersage wenigstens eine kleine Gelegenheit, Sterne zu gucken und somit zu üben.


    Gruß Johannes

  • Ich habe noch eine andere Frage. Wie sieht das eigentlich aus, wenn ich tagsüber in der Nähe der Sonne nach Planeten suche.
    Jetzt gerade scheint die Sonne und vielleicht ist es gleich klar genug, um den Mars zu suchen. Der ist auf Höhe der Sonne.
    Was passiert, wenn ich mein Teleskop auf die Sonne zubewege, also NICHT in die Sonne. Wird das dann auch schon kritisch fürs Auge?
    Also wenn ich z.B. den Mond schon fast im Visier habe, sehe ich dass es heller wird. Wenn ich dann ein Stück weiterdrehe, habe ich ihn im Fokus.
    Wie gefährlich ist das bei der Sonne, also wenn ich sie beim Suchen versehentlich fast in den Fokus bekommen sollte?
    Wird das schon so grell, dass ich mein Augenlicht schädigen kann oder ist es nur problematisch, wenn ich sie direkt oder im Fokus habe?


    Gruß Johannes

  • Moin Johannes!


    Wenn Du mit Deinem jetzigen Wissen über Teleskope ohne Filterung nah an der Sonne rumfuhrwerkst, spielst Du nur mit dem Feuer. Jetzt nach Mars zu suchen, der HINTER der Sonne steht und sehr klein und unscheinbar ist, ist Unsinn! Solche Experimente am Taghimmel fängt man mit Venus und Jupiter an, dann auch eher, wenn sie weiter von der Sonne wegstehen. Nahe bei der Sonne wirst Du wegen der Blendung sowieso nichts erkennen. Mit einem 10"-Dobson direkt über die Sonne zu fahren, würde ich niemandem empfehlen, dem sein Augenlicht was wert ist. Aber manche Leute müssen eben mit den Pfoten auf die glühende Herdplatte fassen, damit sie merken, wie heiß das ist.


    Wenn man nah an der Sonne beobachtet, setzt man sich zweckmäßigerweise so in einen Häuserschatten, daß man mit dem ungeschützten Teleskop gar nicht bis zur Sonne kommt. Das ist die sichere Methode. Dann aber bitte Objekte aufsuchen, die sich lohnen, und nicht einen ultrawinzigen Mars.

  • Hallo Johannes,


    in der Nähe der Sonne mit einem Teleskop ohne Objektivfilter herumzuspazieren ist erstens sehr gefährlich, zumal mit einem handnachgeführten Teleskop (da kann einem schnell "die Hand ausrutschen"), zweitens bringt es nichts, da die Sonne in der Nähe alles andere überstrahlt. Die einzigen Planeten, die man sinnvollerweise am Tage beobachten kann sind die Venus (sowieso keine nennenswerten Details zu sehen aber die Phase - sehr schön) und Merkur - Merkur aber auch nur zum Zweck "habe Merkur gesehen", sonst nichts.


    Lieben Gruß,
    Michael

  • Hallo zusammen,


    ich wollte nur wissen, ob sowas möglich ist. Ich hatte nicht vor, ein Risiko einzugehen. Man hört ja öfters, dass man auch am Tag beobachten kann...
    Vorhin habe ich das Teleskop hinter einem Haus so aufgebaut, dass die Sonne in keinem Fall ins Bild kommen kann.
    Ich habe aber auch direkt gemerkt, dass es zu hell "neben" der Sonne ist, so dass ich den Gedanken, den Mars zu finden, verwerfe.
    Ich warte einfach, bis er nachts wieder zu sehen ist.
    Den Mond konnte ich vorhin kurz beobachten. Mit 240-facher Vergrößerung konnte ich toll die Landschaft sehen. Es war so, als würde man darüber schweben - einfach klasse.
    Hoffe die Wolken verziehen sich gleich...
    Die Tagbeobachtungen werde ich wohl auf den Mond beschränken, weil das gut ging und später werde ich mir dann, wie schon gesagt, die Sonne ansehen.
    Natürlich mit Filter;)


    Gruß Johannes