Sterntest an FLT110 TMB-Design zu Diskussion

  • Habe mich einmal mit einem künstlichen Stern (7my) an meinem FLT 110 TMB versucht.
    Können die Optikexperten hier eine Aussage zu den Bildern machen?
    Ich bin für Anregungen und Tipps dankbar.


    von links intra-fokal-extra


    Viele Grüsse


    Thomas

  • Hallo Thomas,


    schreib mal die opt. Daten von Deinem Teleskop dazu: Ist es dieses Teleskop?
    http://www.astromart.com/articles/article.asp?article_id=523


    Dann wüßte ich gerne mit wieviel-facher Vergrößerung die Bilder entstanden sind, und ob
    das linke Bild intrafokal bedeutet und das rechte Bild extrafokal?


    Die Körnung im Bild verschleiert wichtige Informationen. Deshalb wäre eine Foucault-Aufnahme
    und eine Ronchibildaufnnahme intrafokal mit Angabe der Gitterkonstante sinnvoll.


    Wie das aussieht sieht man hier: Refractor Optical Performance Results RonchiGramme Foucault-Bilder :_ Quelle




    und



    Da Du es mit einem Refraktor zu tun hast, sieht man bereits auf den Sterntest-Bildern auch die Farbsituation.


    bitte auch hier mal schauen: http://rohr.aiax.de/hp_new/sterntest.php und auf meiner IndexSeite unter
    Sterntests im Überblick (Beitrag #09)suchen

  • Gern:


    - Ja das ist dieser Refraktor! William Optik FLT 110 TMBDesign f7 (770mm)


    - künstlicher Stern 7my (6 Meter entfernt) mit 5mm Hyperion-Okular, also 154fach, mit Spiegelreflex auf Stativ abfotografiert. Demnächst habe ich die passenden Digital-T-Ringe, dann wirds genauer, da ich die SLR mit Objektiv an das Okular schrauben kann!


    - links ist intrafokal, rechts extrafokal, jeweils ca. 5mm aus dem Fokus


    - Foucault kann ich mangels Equipment nicht bieten.


    - ich habe ein Ronchi von Neumann mit 10l/mm, werde Aufnahmen nachreichen


    Danke für Deine Anregungen und viele Grüsse


    Thomas

  • [ATTACH=CONFIG]4783[/ATTACH]


    Hier das Ronchibild (10l/mm) intrafokal


    Ist jetzt heller und rauschärmer. (Habe neue Batterie im künstlichen Stern und habe mal die Nikon D3 mit Nikkor 105/2,8 bei ISO 6400 drangehalten. Die Kamera hat einen so grenzgenial rauscharmen Sensor, wenn sie nur nicht so sch... schwer wäre.)


    Grüsse


    Thomas

  • Hallo Thomas,


    das nächste Problem ist das Spektrum der Lichtquelle:
    Wenn Du eine blaue Leuchtdiode verwendest, dann wird ein kontinuierliches Spektrum stark
    eingeschränkt und Du bekommst nur noch die Farbinformationen des jeweiligen Spektrums.
    Das fällt besonders beim Ronchi-Bild auf. Man sollte also das Weißlicht einer hellen Autoscheinwerfer
    Birne nehmen, damit man alle Farbinformationen von Blau, BlauGrün, Grün, Gelb und Rot bekommt.
    Damit läßt sich bereits beim Sterntest die Qualität von Refraktoren gut beurteilen.
    http://www.astro-foren.de/show…-Vermessen-von-AstroOptik


    Übrigens: Wenn man das Ronchi-Gramm mit Deinem spektralen Diagramm (künstlicher Stern)
    vergleicht, dann hätte das Diagramm sein Maximum im roten Spektrum, das Ronchi-Gramm
    schaut aber Blau aus, und dort liegt die Diagramm-Kurve sehr tief.

  • Quote

    Kann das was mit dem automatischen Weißabgleich der Kamera zu tun haben?


    Hallo Thomas,


    versuche doch mal, das abzuschalten, wenn geht. Jedenfalls hat man damit bei einem Refraktor
    Probleme, weil sich mindestens 3 Fehler überlagern können:


    - die sphärische Aberration über das gesamte System
    - der Farblängsfehler als mehr oder weniger ausgeprägter Farbsaum und über die Gesamtfläche
    - der farbabhängige Öffnungsfehler, den man beim Foucault-Test am deutlichsten sieht, wenn es ein APO ist.


    Die Qualität Deiner letzten Bilder ist schon bedeutend besser.

  • [ATTACH=CONFIG]4790[/ATTACH]


    Scheint so als wäre die LED so blaustichig, mehr geht auf jeden Fall nicht! Ich frage mich nur, was das dann für ein Spektrogramm ist, dass angeblich die LED-Emission dokumentieren soll???


    Auf jeden Fall ist dann dieser künstliche Stern für € 70 nicht für qualitative Analysen geeignet sondern bestenfalls zur Justage. Mhmmm...naja!


    Da muss ich mir dann was mit einer geeigneten Weisslichtquelle basteln.


    Kann man denn überhaupt etwas aus den Aufnahmen als Information herauslesen oder ist das zu einer, selbst auch nur eingeschränkten Beurteilung unbrauchbar?


    Viele Grüsse


    Thomas

  • Quote

    Scheint so als wäre die LED so blaustichig,


    Hallo Thomas,


    wenn Du ein Spektroskop besitzt, oder auch nur ein 60° Prisma, dann solltest Du mal
    das Lichtspektrum einer Leuchtdiode anschauen (in einem dunklen Raum) Dann wirst
    Du feststellen, daß Du kein kontinuierliches Spektrum vor Dir hast, sondern nur
    Bänder von Blau, grün eventuell Rot. Es fehlen die Zwischenfarben.


    Fraunhofer'sche Spektral-Linien im sichtbaren Teil des Spektrums, Tafel A, Tafel B, Tafel C


    Damit unterdrücken bereits die Lichtquellen wichtige Farbinformationen. https://de.wikipedia.org/wiki/Leuchtdiode

    Quote

    [h=3]Spektrale Charakteristik [Bearbeiten][/h]Anders als Glühlampen sind Leuchtdioden keine Wärmestrahler. Sie emittieren Licht in einem begrenzten Spektralbereich, das Licht ist nahezu monochromatisch. Deshalb sind sie beim Einsatz als Signallicht besonders effizient im Vergleich zu anderen Lichtquellen, bei denen zur Erzielung einer monochromen Farbcharakteristik Farbfilter den größten Teil des Spektrums absorbieren müssen. Für die Verwendung von Leuchtdioden für allgemeine Beleuchtungszwecke werden meist blaue Leuchtdioden mit Leuchtstoffen kombiniert. Sie besitzen neben dem breiten Spektrum des Leuchtstoffes einen schmalbandigeren blauen Lichtanteil. (Siehe auch Abschnitt LED-Leuchtmittel)
    Lange Zeit konnten Leuchtdioden nicht für alle Farben des sichtbaren Spektrums hergestellt werden. Der Einsatz grüner Leuchtdioden war für Verkehrsampeln wegen der fehlenden Technologie für die geforderte blaugrüne Lichtfarbe nicht möglich. Die Entwicklung erster blaugrüner Leuchtdioden geht auf Arbeiten von Isamu Akasaki im Jahr 1989 auf Basis des Werkstoffes Galliumnitrid zurück.[2] Die Massenproduktion blaugrüner und danach blauer Leuchtdioden begann im Jahr 1993.


    Sonnenspektrum und Fraunhofersche Linien




    Das ist der Grund, warum ich keine Leuchtdioden als Lichtquelle verwende. Auch die Wirkung von Filtern habe ich mal untersucht: http://www.astro-foren.de/show…eue-SEMI-APO-Filter/page2

  • [ATTACH=CONFIG]4793[/ATTACH]Jetzt aber!


    Habe mir den ganzen Tag Gedanken gemacht über eine brauchbare Weisslichtquelle, den ganzen Keller durchstöbert, gefühlte 30mal daran vorbeigelaufen, und dann stand er da, grinsend: Mein guter alter LEICA P255DU Diaprojektor!


    Da mir inzwischen klar war, dass das einzige, was an diesem KS von Gryzboski brauchbar schien, das Pinhole ist, habe ich kurzerhand den Opfertisch bereitet und die Pinholefolie seziert. Danach aus Aluklebeband vom grossen C eine Blende gebaut und ab in einen Diarahmen.


    Dann gabs ne Diashow für meinen Refraktor, Ergebnis oben! Ach ja, das Super-Colorplan P2 habe ich natürlich aus dem Projektor geschraubt! Vorher hatte ich Belichtungszeiten von ca. 2", jetzt reicht ne 1/20tel:jerry:


    Grüsse


    Thomas


    PS: Das erste Bild war Quatsch, 2 x intrafokal verwendet, schön wärs gewesen ;-)


  • Jetzt läßt sich z.B. schon der Farblängsfehler zeigen.
    Entweder am Farbsaum oder am unterschiedlichen Durchmesser der RGB-Farbauszüge.


    noch besser geht es beim Foucault- und Ronchi-Gitter-Test:


    Versuche mal die Foucault- und Ronchi-Bilder in ihre RGB-Farben zu zerlegen. Bei der unteren Ronchi-Reihe habe ich das so gemacht, und dann taucht der
    farb-abhängige Öffnungsfehler auf. Das sind genau die Informationen, die bei "falscher" Lichtquelle unterdrückt werden.


  • Ich versuch mal zu folgen:


    Du schlägst vor das Bild in RGB-Auszüge zu zerlegen. Wie machst Du das konkret?
    Wäre es dann nicht notwendig bei der Aufnahme RAW-Bilder zu verwenden damit das RGB-Bild nicht durch kameraseitige Bearbeitung und Komprimierung verfälscht wird?
    Und wie beurteile ich das dann. Wenn Du z.B. meine obigen von Dir schon zerlegten Aufnahmen anschaust. Ok, ich sehe unterschiedliche Durchmesser bei den verschiedenen Farben. Klar ist auch, dass das den Farblängsfehler zeigt. Was sagt mir das dann aber konkret. Schlecht , gut oder geht so? ;-) Inwieweit kann ich anhand solcher mit Hobbymitteln angefertigten Aufnahmen mehr oder weniger konkrete Aussagen zur Optik machen?


    Viele Grüsse


    Thomas

  • Quote

    Du schlägst vor das Bild in RGB-Auszüge zu zerlegen. Wie machst Du das konkret?


    Hallo Thomas,


    mit dem Programm "thumbs" lassen sich von meinem Aufnahmen die RGB-Farbauszüge herstellen.
    Das müßte auch mit anderen Grafik-Programmen gehen.


    Interessant wird das hauptsächlich beim Ronchi- und beim Foucault-Test, weil in diesen Test-
    Bildern die gesamte Farbinformation steckt. So läßt sich über den Ronchi-Test bei Weißlicht
    zeigen, daß ein Refraktor im blauen Spektrum über- und im roten Spektrum gewöhnlich unter-
    korrigiert ist.
    Beim Foucault-Test läßt sich auf diese Art der farbabhängige Öffnungsfehler sehr schön zeigen
    über die Schatten-Wirkung bei den verschiedenen Spektren.


    Nicht jedes Test-Bild eignet sich gleichgut für die Darstellung unterschiedlicher opt. Fehler.
    Man muß also einfach viel ausprobieren.


  • Hallo!


    Kurze Verständnisfrage:


    1. Wenn der Abstand zum KüSt zu klein ist gibt es sphärische Aberration. Äußert sich das im Ronchitest durch Anzeichen einer Überkorrektur (Linien biegen sich nach aussen bei intrafokaler Einstellung)?


    2. Wenn ja, kann mir dann ein Ronchitest unter diesen Umständen ein gutes Objektiv vorgaukeln, obwohl es eigentlich unterkorrigiert ist?


    3. Welchen Abstand brauche ich bei einer Optik mit D=130mm mindestens um eine belastbare Aussage zu bekommen?


    Danke und Grüsse


    Thomas

  • Hallo zusammen


    Ich werfe mal den Test meines ehemaligen WO FLT-110 in die Diskussion, den Wolfgang damals erstellt hat.
    Eine gewisse Ähnlichkeit des Sterntests (unschärfere Ringe extrafokal) sowie ein "unruhiger" Randbereich fallen mir hier als parallelen auf.
    Obwohl der gemessene Strehl gut war, hatte der WO 110er visuell gegen mein Tak FS-102 keine Chance und wurde verkauft.


    Hier der Link zum damaligen Test als Vergleich zu Deinem Exemplar:
    http://www.astro-foren.de/showthread.php?12322-William-Optics-USA-APO-110-770-Fluoro-Star-Triplet&p=50667#post50667


    LG
    Chris

  • Hallo Chris!


    Stimmt, dass sieht ähnlich aus!


    Da ich jetzt einen TOA130 mit FS60-Sucher auf der Monti habe, trennen sich auch wohl die Wege von mir und meinem Willi ;-). Jetzt ist Schluss mit bunt!


    Den WO will ich aber auch nicht schlechter machen, als er ist. Fotografisch mit 3"-Flattener mit Spass nutzbar, visuell nicht schlecht, aber eben nicht die Offenbarung!


    Grüsse


    Thomas