Ambitionierter blutiger Anfänger: Die ersten Gehversuche

  • Hallo liebe Community,


    ich interessiere mich schon länger für die Astronomie und möchte gerne auch mal tiefer in die Welt des Universums einblicken.
    Vorweg aber ein paar relevante Infos zu mir, die aus meiner Sicht wichtig zur Beantwortung meiner Fragen sind: Ich wohne im Ruhrgebiet (Herne), dort herrscht bekanntlich eine sehr hohe Lichtverschmutzung. Ich bin als Wildlife-Fotograf mit einer Nikon D3 und einem Nikkor AF-S 600mm F4 unterwegs. Als Stativ kommt ein Berlebach Uni 14 und ein Wimberley Head II zum Einsatz. Astronomie ist für mich Neuland und bis auf ein paar Erfahrungen mit Mond bin ich absolut jungfräulich.



    Nun zu meinen Fragen:


    • Kann man im Ruhrgebiet überhaupt sinnvoll Astrofotografie betreiben und soetwas wie den Orionnebel finden? Ich war zu Beginn dieses Jahres auf Rügen. Dort habe ich grob geschätzt 100-200 mal so viele Sterne gesehen, wie hier im Ruhrgebiet und war einfach nur fasziniert vom Anblick.
    • Kann ich mit meinem Nikon 600mm (ich besitze auch noch einen 1,7x Telekonverter, damit also 1020mm Brennweite) sinnvoll Astrofotografie betreiben und Objekte wie den Orionnebel sehen?
    • Geld für ein Teleskop und eine Nachführung habe ich bisher nicht. Mit Fitswork habe ich bereits erste Erfahrungen gemacht. Ohne Nachführung müssen die Belichtungszeiten recht kurz sein, mit können sie deutlich länger ausfallen und ich erhalte beim addieren der Bilder keinen Bildverschnitt. Ab wann ist eine Nachführung unumgänglich?
    • Wenn eine Nachführung unumgänglich ist, welche würde sich eignen, um mein Nikon 600mm F4 nachzuführen, sofern das überhaupt Sinn macht?
    • Wie lerne ich Sternkarten zu lesen und besondere Objeke am Himmel zu entdecken?



    Ich bin für jede Antwort dankbar ;)

  • Aufnahmen mit einer "normalen" Kamera und einem Teleobjektiv erfordern in aller Regel eine Nachführung, welche das Teleskop dem Sternhimmel eben nachführt. Die meisten teleskope besitzen so eine Nachführung - es ist jedoch nicht unbedingt ein Teleksop nötig. Die ersten Schritte kannst du mit so etwas gehen:


    http://www.teleskop-express.de…fuer-Astrofotografie.html


    Aaaber:


    - Teleobjektiv-Aufnahmen sind astronomisch gesehen Weitfeldaufnahmen. Also "Deep Sky" wie wir sagen, auf Objekte jenseites des Sonnensystems gerichtet. Auch Kometen kommen als Ziel in Frage. All dies sind vereinfacht gesagt "Nebelobjekte", welche von der Lichtverschmutzung erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden. Den Orionnebel wirst du ablichten können, weil er hell ist. Ein paar Sternhaufen wirst du auch entdecken können. Insgesamt werden deine Ergebnisse aber erheblich hinter dem zurücksehen, was andere vorlegen: Allein wegen der Lichtseuche.
    - 400 mm Brennweite sind für eine solche Reisemontierung und auch andere leichte Montierungen schon die Grenze. Ich würde mit 100 mm beginnen.

  • Hallo namenloser, Gruss aus dem Pott :) Bo.


    Zu analogen Zeiten gab es abhängig vom Material Berechnungsformeln für die max. B-Zeit ohne Nachführung.
    Zudem abhängig von der Deklination des Objektes und der Brennweite der Optik.
    Funktionierte richtungsweisend einwandfrei. Wie man diese bekannten Formeln auf Chipniveau anpassen kann sollte sich finden lassen.


    Abseits dessen:
    Ohne Nachführung wird's mager, hängt aber nicht an der Suppe des Potts.
    Denn wir haben mit entsprechenden Filtern und gehyp. Filmen in 20-40 Min. B-Zeit auf 6x7cm Bilder gebannt, die m.E. mit den heutigen noch sehr gut mit halten. Aus dem Garten, Stadtrand Bochum mit Durchgangsstrasse, beleuchtet! Orion mit 600mm (ich habe 500mm verwendet) oder Andromeda mit 300mm lassen staunen. Mit Nachführung. Und Filter.


    Ob es Filter dieseits für die heutige Technik gibt sollte sich auch finden lassen.


    Demnach alles eine Frage des Equipments. (?)


    Das die Ausbeute mit zunehmenden Abstand vom R-Pott in der Qualität steigt ist selbstredend.


    Ich glaube, aus deiner Cam muss aber so oder so gewinnbringend der IR-Sperfilter raus (?)

  • Abend,


    hält man das Bisherige fest, benötige ich zwangsläufig eine Nachführung. Den oben genannten iOptron SkyTracker könnte ich mit meinem 105mm F2.8 verwenden, um überhaupt ersteinmal erste Erfahrungen auf dem Gebiet zu sammeln.
    Muss der IR-Sperrfilter zwangsläufig ausgebaut werden, damit man gute Aufnahmen erhält? Falls ja, dann benötige ich also auch noch eine weitere Kamera. An meiner D3 lass ich nämlich nichts ändern... ;)


    Ich möchte viel mehr einfach mal in die Astrofotografie hineinschnuppern, um zu erfahren, ob es was für mich ist. Gleichzeitig scheue ich die hohen Anschaffungskosten, die ja wirklich hoch ausfallen, wenn man direkt aufs Ganze geht.
    Daher meine Frage, ob sich das ersteinmal lediglich mit einer Nachführung (wie die oben Genannte) bewerkstelligen lässt? Ich habe auch noch ein AF-S 300mm F4 von Nikon hier rum liegen. Alles weitere wäre vom jetzigen Standpunkt aus zu teuer.

  • Hallo,


    nein, der IR-Sperrfilter muss zu Anfangs natürlich nicht raus. Das würde erst interessant werden, wenn Du Nebel fotografieren willst, deren Emmisionslinien sich im tiefen Roten bis NIR/IR bewegen.

    --------------------------------------------------
    CN&CS
    Toni


    Astronomen können Glühbirnen auch im Dunkeln wechseln

  • Ich habe eine Uhrwerksnachführung (Purus), die hat nur eine 6-mm-Achse und ist nicht elektronisch gesteuert. Mit einem 100er kann man da gut 10 Minuten belichten. Ich denke, dass die modernen Nachfürheungen deutlich besser sind. Das Uhrwerk bleibt z.B. stehen, wenn man zuviel Moment auf die Achse gibt, alles muss ausbalanciert sein.

  • Hallo,


    mal ganz kurz zur DSLR-Fotografie:
    Eine entsprechende Montierung vorausgesetzt, geht das schon. Den Teleconverter kannst Du weglassen, die Brennweite würde schon recht lang werden und die Lichtstärke nimmt ab.
    Warum den eingebauten Filter entfernen? - Die Kamera bzw. der Chip ist im Roten unempfindlich, es fehlt also meist die Farbe Rot. Bei offenen Sternhaufen und Kugelsternhaufen geht das noch, die sind meist blau und weiß, haben wenig rot.
    Galaxien gingen m.E. auch, bei M31 (Andromedagalaxie) werden die hier schwächeren Rotanteile eben nicht gezeigt.
    Will man in SW arbeiten, was auch seinen Reiz hat, so kann man Schmalbandfilter verwenden und auch bei Vollmond oder in lichtverschmutzten Gegenden fotografieren.


    Allerdings:
    bitte nimm nicht die Fotos, die Du hier siehst, als Referenz! Die sind stundenlang mit Spezialkameras belichtet und addiert. Meist in SW mit entsprechenden Farb-Auszugsfiltern in RGB, zudem noch versehen mit einer sehr langen Aufnahme in Luminanz. Da kommt man nicht so leicht mit einer auch noch so guten DSLR heran! Ab einer gewissen Belichtungszeit muß die Kamera gekühlt sein, um das Rauschen zu verhindern. Ich selbst arbeite mit der D3x und u.a. mit dem 400mm Nikon. Die Astrofotografie habe ich längst an den Nagel gehängt, viiiel zu zeitaufwendig.
    Und wenn Du noch völlig "unbeleckt" bist, dann würde ich - wie schon gesagt wurde, mal mit 85-100mm Brennweite anfangen. Das verhindert den Frust danach erheblich...