Eine lange Beobachtungsnacht

  • Hallo,


    gestern Abend trafen sich spontan August, Gerhard und Uwe bei mir auf der Terrasse. Unser junger Nachbar (17 Jahre) Axel gesellte sich gegen 23 Uhr noch dazu. Für ihn war es der erste Blick durch ein Teleskop.


    Die Nacht war warm, sehr warm. Die Transparenz hervorragend, wenn auch nicht ganz so wie die Nacht zuvor.


    Ansich wollte ich meine Zeichenserie der Doppelsterne fortsetzen, aber dazu kam es nicht. Gerhard stürzte sich zuerst auf den Ulugh Beg, um die Dobson-Plattform zu optimieren. Jetzt, mit vollen 12V anstelle der 9V läuft sie gigantisch gut. Trotz nicht 100%iger Ausrichtung konnten wir M27 bei einer Vergrößerung von 480x gut 5 Minuten halten ohne zu korrigieren. Und das läßt sich noch verbessern.


    Uwe baute seinen 10" ACF auf der Terrasse auf, August natürlich wieder auf der Straße. Die Objekte waren vielfältig, Uwe notierte ein "Fitzelchen" nach dem anderen in sein Beobachtungsbuch, Gerhard war der Wanderer zwischen den Geräten und ließ seinen 15" Dobson im Auto. Da bleibt er auch bis morgen, wenn wir gemeinsam zur Kissinger Hütte aufbrechen.


    Da Alex noch nie durch ein Teleskop geschaut hat, zeigte ich ihm natürlich die Demo-Objekte wie M31, M13, M92 und den Cirrus, der sich heute schön zeigte. Im Richi komplett bei 19x Vergrößerung und O-III Filter.
    Dann rüber zum Ulugh Beg. M17 im Schützen, ohne Filter einfach ein Gedicht bei 225x Vergrößerung. Dann rüber zu M8, steht ja in der Nähe. Unserem Alex gingen die Augen über und er wurde immer stiller. Tja, wenn man so etwas zum allerersten mal sieht und dann erfährt, wie groß und wie weit weg diese Objekte sind, dann ist man meist erst einmal baff...


    Highlight war dann M57 im Dicken. Raufgeschraubt bis auf 486x Vergrößerung, die höchste, die ich mit meinen Okularen schaffe. Hier war natürlich die Verbindung von Dobson-Plattfprm und dem 3,7mm Ehos mit seinen 110 Grad sGF ideal. Im O-III Filter brillant und knackig, filterlos meines Erachtens aber schöner. Die Form der Hülle mit ihren schwachen Strukturen kam herrlich heraus, der Zentralstern verbirgt sich dank Nachführung nun nicht mehr! - Einfach nur herrlich.


    So ging es hin und her, zwischendrin mal ein Päus-chen bei einem Frankenschoppen, zuerst in Rosé von Uwe, dann weiter mit Markelsheimer Müller. Wir mussten uns beeilen, ansonsten hätten wir Glühwein gehabt...


    Dank der herrlich angenehmen Temperatur ging es durch bis 3 Uhr in der Frühe, ein kleiner Vorgeschmack auf den morgigen Abend.


    Leute, es war einfach nur schöööön!

  • Hi Winfried,
    das macht einfach Lust jetzt selber raus zu gehen. Es ist super warm ......aber leicht Bewölkt!! Na ja.... Stativ und Montierung stehen schon im Garten. Ich hoffe mal das es nicht zu zieht. Gruss Holger

  • Hallo Winfried,


    So, dann mal noch meine Ausführungen zum gestrigen Abend. Winfried hat ja schon vorgelegt, aber ein paar Andekdoten kann ich noch dazu geben.


    BB vom 01.08.2013


    Winfrieds Gartengewächse, vor allem das nicht mehr so kleine Apfelbäumchen, engen langsam die Sicht etwas ein. Michael wird sich sicher auch noch an den "Asti" erinnern. Aber im Herbst mach ich ja endlich meinen Kettensägenlehrgang, dann steht weiteren Besuchen drüben in Gerchsheim im wahrsten Sinne des Wortes: Nix mehr im Weg! duck und weg


    August ist gleich draußen auf der Straße neben dem Getreideacker geblieben. Ich hab nur gemeint: "Wenn zwei helle Lichter im Okular erscheinen, dann ist das kein Doppelstern, sondern der Mähdrescher! Nimm dich in Acht!"


    Mit Gerhard war die Runde erst mal komplett. Während meiner akribischen Arbeit in den Lyra-Objkten (und da lass ich mich von niemanden aus der Ruhe bringen!!!) meinte er, mein ACF hätte geheime Zusatzspiegel eingebaut, weil ich die mir so ans Herz gewachsenen "Fizzelchen" betreute. "Um die kümmert sich ja sonst keiner.", ärgerte ich mich. Winfrieds Aussage: "So was schau ich mir doch nicht an" finde ich unseren extraterrestrischen Mitbwohnern des Universums gegenüber unfair und "Alf"-verachtend. Ich dagegen schätze dieses zarte Etwas, das im Okular aufglimmt und bin begeistert, dass ich etwas erkannt habe. Und überhaupt hat er auch auf den Zentralstern von M 57 gegiert. Da musste Winfried dann ebenfalls etwas Geduld mitbringen. In seinem 14er mit Nachführung freilich wars dann relativ einfach. Aber in meinem 10" ACF eben wieder eine kleine Herausforderung.


    Als Aufgabe habe ich mir die Objekte in Lyra gestellt. Angefangen mit der schwachen Galaxienkette nördlich von Vega:


    Leider konnte ich nur zwei der 5 Galaxien sicher halten. NGC 6675 und NGC 6646. Wie am Vorabend auch musste ich einige der Objekte über die Koordinaten ausfindig machen.


    Aufgesucht habe ich die GLX: NGC 6484, NGC 6487, NGC 6632, NGC 6674 sowie die PN: NGC 6765, NGC 6842 und NGC 6857 der ohne Filter deutlich besser daher kam und mit seinem leicht nordöstlich liegenden Zentralstern wunderbar erschien.



    Der Fuchskopf Haufen (OH) NGC 6819 ist dagegen ein Glanzlicht, das zwischendurch Seelenbalsam darstellt. Auch die schonmal erwähnte "lustige", kleine Galaxie war wieder Progarmm (NGC 6504). Der ca. 10 Mrd. Jahre alten OH NGC 6791 war ein Besuch auf alle Fälle wert.


    Campbells Hydrogenstar PK 64+5.1 gönnte ich mir anschließend.


    Danach gings quer über den Südosthimmel von NGC 7331, Stephans Quintett bis zur riesigen NGC 891, die, selbst tiefstehend, ihr Staubband zart präsentierte.


    Augusts Position draußen war später noch gut um im Schützen ein wenig zu räubern und um in M 74 die Supernova zu betrachten. Mit Hans Bild aus dem Forum eine leichte Übung (Danke an dieser Stelle).


    Ja, ich brauch jetzt nicht alles aufzählen, das wär zu viel, aber wir hoffen für heute Abend, dass sich die Luft nocheinmal etwas beruhigt. Es war nicht ganz so perfekt wie am Mittwoch.


    Am schönsten sind jedoch die Späße und die Gespräche, die so eine Beobachtunsnacht kurzweilig unterbrechen. Einige laute Lacher weckten bestimmt die schlafende Nachbarschaft, sonst wäre nicht noch um 23.00 Uhr Besuch dazu gestoßen.