Mars, Saturn und Doppelsterne vom 18.5.2014

  • Hallo,


    am Sonntag Nachmittag begann sich der Himmel von seinen Wolken zu befreien, es wurde immer klarer, bis gegen 18 Uhr kein Wölkchen mehr zu sehen war. Ungläubig öffnete ich das Dach, darüber sinnierend, wie lange es wohl halten würde. Aber es hielt die ganze Nacht!


    Nachdem die Montierungssteuerung völlig verstellt war, ging ich erst einmal wieder zurück auf die Firmeneinstellung. Danach alles wieder eingeben und ein 3-Sterne-Aligment von der Home-Position heraus gemacht. Doch wieder suchte sie Arcturus irgendwo am Boden...
    Also nochmal, diesmal Polaris als Ausgangspunkt und siehe da, es klappte. Was hatte ich falsch gemacht? - Ich war es gewohnt, zuerst RA und dann DEC einzugeben. Bei der EQ8 ist es aber umgekehrt, erst DEC und dann RA!. Also kein Wunder, wenn sie in die verkehrte Richtung fuhr!


    Der erste Kandidat war Mars, da war es gegen 20:30 und noch recht hell. Erste Strukturen schälten sich heraus. Dann "runter" zu Saturn, der aber noch zu tief stand, um ihn erfolgreich zu beobachten. Die Zeit vertrieb ich mir mit meinen Lieblings-Doppelsternen, die ich hier ja schon einmal gelistet hatte. Alle schön und sauber getrennt bis zu 0,8" Abstand. Hier stellte ich fest, daß der MN68 und der ES-127ED gleichauf liegen. Man kann nicht sagen, welcher nun der bessere sei.
    Auffällig am MN war nur, daß er unscharf eingestellte Sterne am Rand, wie Ralf es schon bemerkte, fast dreieckig wiedergab. Nach der Scharfstellung waren sie dann aber völlig scharf ohne "Kometenschwanz". Intra- und Extrafocal sehr gut und gleichmäßig, auch wenn die Fangspiegelabschattung noch leicht außermittig liegt. - Werde ich heue Abend noch ändern.


    Nun war es soweit, daß Mars und Saturn hoch genug standen. Mars war schon einmal eine Augenweide. Die Polkappe gut und deutlich zu sehen, in der Mitte des nun schon etwas Phase zeigenden Mars ein länglicher, grell weißer Fleck ohne Struktur etwa über die halbe Planetenscheibe reichend, sehr länglich oval. Unten, um die Polkappe herum und dann links davon aufsteigend ein dunkles Gebiet, ich denke, es war Acidalium, rechts davon, sehr schwach in diesem gleißenden Licht Idacus Fons (so bezeichnet es jedenfalls das Marsprogramm, könnte aber auch ein danebenliegendes Gebiet gewesen sein), oben das Mare Erythraeum mit einer kleinen weißen Kappe gegenüber der Polkappe. Wohl der Rest einer Eiskappe?


    Ich beobachtete Mars gut eine Stunde ausgiebig und fertigte eine Zeichnung an. Die muß aber noch reproduziert werden und kommt später.


    Nun hin zu Saturn. Dabei muß ich sagen, die EQ8 läuft wirklich präzise, Saturn war, wie auch die Doppelsterne zuvor, im 3,7mm Ethos bei 255x schön und nahezu mittig im Okular. Nur im Westen haut es noch nicht ganz so gut hin, im 8mm waren aber auch da die Doppelsterne im Okular zu sehen.


    Saturn ist heute etwas ganz besonderes! Das Ringsystem weit geöffnet und deutlich. Die Cassini-Teilung als schwarze Linie, weit verfolgbar, am Rand des Ringsystems mehr als deutlich, zur Längsseite hin natürlich abnehmend, aber immernoch deutlich. Auf dem Planeten selbst leichte Anzeichen von Bändern, schwach sogar farblich scheinend. Als Monde identifizieren konnte ich Titan, Iapetus, Rhea und Enceladus. War nicht einfach und ich musste THE SKY zur Hilfe nehmen, da bei Titan ein ähnlich heller Stern im Intergrund (links daneben und etwas höher) war und nicht all zu weit von Titan entfernt. Ob ich die drei anderen von uns aus erreichbaren Monde gesehen habe, kann ich nicht sagen, da waren zu viele Hintergrundsterne gleicher Größe gut verteilt, die sich nicht mehr durch Blinken als solche zu erkennen gaben, da zu schwach.


    An Saturn habe ich mich dann bis fast 2 Uhr in der Frühe erfreut und bin immer wieder hingefahren, während ich zwischendurch M81/82 u.a. Galaxien ins Vesier nahm.
    Im ES127ED hatte ich das 3,7mm Ethos eingesteckt (255x), im MN68 das 6mm Ethos (200x). Hierbei hängte der MN68 den Halbapo gnadenlos ab, was seltsamerweise an Mars nicht so deutlich herauskam. Offensichtlich hat tatsächlich jedes Teleskop "seinen" eigenen Planeten....
    Eventuell war aber das 3,7mm am Refraktor heute schon eine Nummer zu viel. Jedenfalls war das Bild im MN sagenhaft scharf und strukturiert.


    Bis 2 Uhr blieb es klar und offen, doch dann bemerkte ich, wie sich durch die Nachtabkühlung der tags aufgestiegene Wasserdampf wieder senkte. Die Teleskope begannen alle, zuzutauen und waren um 2:20 Uhr klatschnaß. Die Linsen aber waren dank Taukappen noch frei.


    Aber es war schließlich schon spät genug und so beschloß ich zufrieden diese außergewöhnlich gute Nacht um 2:30 Uhr.


    Meine Marszeichnung vom heutigen Abend findet ihr unter "Zeichnungen"

  • Hallo Winfried, danke für deinen lesenswerten Bericht. Ich zolle dir Respekt für dein langes durchhalten. Bis zwei, drei Uhr in der früh durch zuhalten ist nicht ohne, zumal du ja alleine unterwegs warst. Auf Teleskoptreffen oder in einer Gruppe geht das ja noch. Aber wenn die Bedingungen passen und man voller Spannung das Bild betrachtet vergeht die Zeit ja auch im Fluge. Deine Zeichnung ist dir darüber hinaus auch sehr gut gelungen. Und Gratulation zur neuen Ekuh Gruß Holger

  • Hallo Holger,


    normalerweise gehe ich recht früh zu Bett. Aber wenn die Bedingungen passen, dann hält mich nichts mehr. Zudem habe ich hier einen kleinen Vorteil gegenüber anderen Hobbyastronomen: 5 Meter über die Terrasse, 16 Treppenstufen und ich falle ins Bett...
    Kein Auf- und Abbauen, nur das Dach zuschieben, die Teleskope in Parkposition bringen und sen Strom ausschalten - fertig.
    Seit ich die Sternwarte habe (nun 12 Jahre) sind meine Beobachtungsnächte im Vergleich zu früher sprungartig in die Höhe geschnellt. So macht Beobachten Spaß!