Der Arm der Gesetzes-Hüter ist unerbittlich

  • Ausgerechnet am 24. Dezember kam ein verwegener Sternfreund aus der Schweiz auf die Idee, mir zum Jahres
    wechsel mit der Prüfung eines Zambuto-Newton-Systems mir die Zeit zu vertreiben. Also schnürte er zwei Pakete,
    eines mit dem 16-inch Hauptspiegel und eines mit den zwei kleinen ellipt. Fangspiegeln.


    Diese Sendung - man weiß es leider vorher nicht - dirigierte der DHL-Postversand an die örtlich zuständige
    Zoll-Behörde, die offenbar dauernd um ihre Daseins-Berechtigung kämpft.


    Von dort kam also die Nachricht, daß ich nach Schweinfurt fahren solle, um die Zoll-technischen Verfahrens-
    schritte abzuarbeiten - was der Kuckuck immer das sei.


    Ich hätte nichts zu verzollen, weil es nach meiner Auffassung kein Import oder Kauf sei, sondern ich diesen
    Spiegel nur zu PrüfungsZwecken zugeschickt bekommen hatte, war meine 1. Auskunft. Sie können ja, so
    die diensteifrige Beamtin, das Paket nicht annehmen, und wir schicken es zurück.


    Hätte ich das nur gemacht . . .


    Jedenfalls tat mir der arme Sternfreund leid, der bis zu diesem Zeitpunkt schon über 100.- Schweizer Franken
    in den Versand inverstiert hatte, und ich fuhr ein weiteres Mal in das ca. 35 km entfernte Schweinfurt und holte
    nach längerer Verhandlung die Spiegel ab, nachdem die dortigen Kollegen ca. 1/2 Stunden gebraucht hatten,
    bis sie in ihrem System von Vorschriften eine Lücke fanden, wo man unseren Fall einsortieren konnte. Man
    kennt sie ja, die Deutsche Gründlichkeit.


    Der Sternfreund beschloss daraufhin, nach Vollzug der Prüfung, seine Spiegel bei mir wieder abzuholen,
    um weiteres Ungemacht abzuwenden. Und das war schlecht.


    Spätestens am 02.Okt. 2014 wurden die Freunde rebellisch und forderten mich auf bis Ende Oktober den
    Nachweis zu führen, ob die Spiegel nicht vielleicht klam heimlich in mein Eigentum übergegangen sei,
    weswegen sie dann planen, mir einen Steuerbescheid zuzuschicken, also eine Nachverzollung durchzuführen.
    Auch nicht ganz billig so geschätzte 200.- und 300.- Euro.


    Hilfesuchend wandte ich mich an den Besitzer in der Schweiz, der aber gerade in USA urlaubte und Gottseidank
    diese Woche mit Jetlag wieder zur Verfügung stand. Der verstand zunächst die Welt auch nicht.


    Der Besitzer dürfe, so erklärte mir der Zoll zwischenzeitlich per Telefon, schon von der Schweiz aus, seine
    Spiegel wieder abholen - aber ohne Wissen der Zoll-Behörde? Das geht gar nicht.


    Jedenfalls ist die Schweiz nicht Mitglied der EU, und deshalb entstehen im Hobbybereich Astronomie
    derartige Verwicklungen.


    Es gibt unterschiedliche Lösungen, die unlängst ein Sternfreund aus Österreich benutzt hat:
    Man besorgt sich eine deutsche Postelle und regelt von dort im grenznahen Bereich den Versand
    und vermeidet auf die Art hohe Versandkosten.
    Auch ein privater Kurier-Dienst würde derartige Probleme vermeiden. Jedenfalls Lösungen, bei denen
    die schweizerischen/deutschen Behörden nicht befasst werden müssen.


    modernes Raubrittertum, gesetzlich legitimiert.

  • Hallo Wolfgang


    Wäre der Amateur aus dem EU Raum gäbe es kein solches Problem.
    Eine temporäre Ausfuhr und Wiedereinfuhr ist ziemlich schwierig zu bewerkstelligen.


    Aber ich kann Dir versichern, der Amtsschimmel wiehert auch in der Schweiz im gleichen Ton... ;)


    LG
    Chris

  • Hallo Chris,


    Aus China hatte ich ebenfalls einmal zwei Spiegel zu vermessen, ohne irgend eine Belästigung.
    der Einfuhr-Abgabebescheid lautet auf 768.66 Euro, also ein hübsches Sümmchen. Ob ich über einen Einspruch was erreich,
    weiß ich noch nicht. Hole gerade die Deckungs-Zusage meiner RechtsschutzVersicherung ein, die, man glaubt es gar nicht,
    *.jpg Dateien im Computer nicht lesen kann. Was macht eigentlich ein Museum, wenn es für eine Ausstellung sich aus der
    Schweiz eine Leihgabe holt?

  • Zollgebühren zu verlangen für eine Prüfung des Objekts ist unfein, jedoch wird der Spiegel eingeführt und man müßte einen Weg finden, mitzuteilen, dass er genauso wieder ausgeführt wird.


    Tom