Gewinde lösen

  • Hallo,



    ohne Euch lange mit der Vorgeschichte zu langweilen, falle ich gleich mit der Tür ins Haus.



    Ich will den Fangspiegel meines Alter M809 entspannen. Die gesamte Einheit aus dem Meniscus hatte ich schon draußen. Da war nur ein Lacktropfen, den ich mit etwas Aceton lösen konnte.



    Aber beide Teile der Spiegelfassung sitzen "wie angenagelt" fest. Ist hier nur der Lack im gesamten Gewinde verteilt und fest geworden? Wie löst Ihr solche Sachen?



    Besten Dank und



    Gruß
    Porsti :S

  • in der Regel, lieber Porsti, mit Wärme. So um die 100° Celsius mit einem Heißluft-Föhn.
    Behutsam natürlich ! Auch ein Holz/Gummi-hammer mit leichten Schlägen kann helfen.
    (Vielleicht vorher in die Gefrier-Truhe gelegt.)


    Wie gesagt, Optiken lieben es nicht so, wenn man sie total zerlegt! Aber meine ist es ja nicht.

  • Ja, danke.
    Beides gefällt mir nicht so richtig, da man es im Beisein von "Optik" nicht genau dosieren kann. Ich versuche es nochmal von Hand zu drehen. Nach dem Sprichwort "Keine Gewalt", wenn sichs mit Lösungmittel nicht löst, dann bleibt es wie es ist.


    Aber bei dem Gerät wundert mich eigentlich nichts. Unter der Meniskuslinse liegen hochgenaue Unterlagen..., Abschnitte von Lochkarten und Klebestiftverpackungen. Wie hochgenau der Meniskus nach vorn gehalten wird, weiß Du ja selbst.
    Aus dem Grunde hab ich die Ehrfurcht vor der Konstruktion ein wenig verloren und glaube erst daran, wenn ich selbst überprüft habe daß alles spannungsfrei ist. Meine 1000mm Russentonne zeigt auch erst nach der Entpannung ordentliche Sterne. Aber wie gesagt, entweder das Gewinde gibt freiwillig auf, oder es bleibt wie es ist.


    Nochmals Dank und


    Gruß
    Porsti

  • Hallo Porsti,


    ich habe ein solches Teleskop bisher weder besessen noch zerlegt, aber vielleicht lässt sich die Wärme eines Lötkolbens auf das entsprechende Metallstück gehalten besser dosieren als ein Fön?
    Du hast keinen Lötkolben mit Leistungsregelung? Für ein paar Euro gibt es in vielen Krimkrams-Läden Dimmer die man einfach in die Steckdose stecken kann. Damit geht das ganz gut, zumindest für Lötkolben die mehr als 30 Watt haben. Im einfachsten Fall kann man auch durch ein/ausschalten dimmen falls es zu heiß wird. Achtung, die Dämpfe die beim anbrennen von (Sekunden-)kleber entstehen sind absolut nichts für die Augen und die Atemwege. Daher besser im Freien und mit Schutzbrille arbeiten.


    Viel Erfolg!


    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 70/350 Meade ETX-70
    Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel | 76/700 "Tchiboskop"-Newton (2x)

    https://astronomiefreunde-kn.de/

  • Aus dem Metallbau - als ehemaliger Werkzeugmacher - weiß ich, daß man die Wärme-Ausdehnung der Materialien nutzen kann.
    Das geht bei vielen Verbindungen, u.a. wenn ein Kleber bei vorsichtiger Erwärmung weich wird. Das sind aber Vorschläge, die
    man mit entsprechender Umsicht, nie mit roher Gewalt machen muß:


    Also Glück auf !

  • Hallo Wolfgang, hallo Detlev,


    bezüglich der Wärme bin ich ganz bei euch. Nicht Umsonst sagt der Schlosser: "Da machen wir mal ne Wärme" wenn sich was nicht löst.


    Aber, hier ist noch der Spiegel involviert. Und wenn der Schaden erleidet sind über 4000 Euro futsch, denn dafür gibt es keinen Ersatz.


    Ich habe mal meine letzten Jupiterbilder ausgewertet. Ganz so schlecht sind die nicht geworden. Es besteht also augenblicklich kein akkuter Handlungsbedarf.


    Vielleicht schildere ich Euch doch mal meinen Ansatz.


    1. Beim fotografieren von Deep Sky Objekten ist alles i.O. Die Belichtungszeiten sind lang und das Seeing bläst die Sterne sowieso auf. Trotzdem sind sie rund und man kann eigentlich nicht meckern.


    2. Wenn ich Planeten, wie jetzt Jupiter fotografiere, ist die Belichtungszeit ja wesentlich kürzer. Es wird also stärker mit dem Augenblick gearbeitet. Genauso ists beim direkten Beobachten. Das Auge integriert ja nichts.
    Dabei sehe ich einen Fehler, der mir "spanisch" vorkommt. Ich sags mal mit meinen Worten.


    Ich sehe "Mercedes" Sterne.


    Und zwar an den Jupiter Monden, einen Kern und radial drei Lichtflecken im 120Grad Winkel. Die Lichtflecken sind nicht so hell wie der Kern selbst.
    Daraufhin habe ich am realen Stern Sterntests gemacht. Intra- und extrafocal Sterne eingestellt, mit jeweils 4 sichtbaren Ringen. Je höher ich nun die Vergrößerung wähle, umso deutlicher wird wieder der "Mercedes" Stern. D.h. insbesondere an den 2 inneren Ringen ist eine Verdickung im 120Grad Abstand zu sehen, da diese feiner sind als die beiden Äußeren Ringe. Es handelt sich nicht um die Abkühlungsschliere, die wärend des Temperaturausgleichs auftritt.


    Außerdem habe ich meine Bilder mit vergleichbaren Bildern anderer Geräte verglichen und erkannt, da müsste mehr gehen. Das will ich aber nicht in den Vordergrund stellen, da ich vielleicht in der Nachbearbeitung nicht so fit bin.


    Deshalb nun meine These: mit 120 Grad sind die optischen Elemente gelagert und eine Verspannung müsste sich wie beschrieben auswirken!


    -Also der Hauptspiegel sitzt auf dem Blendrohr, ist ansonsten frei, ists wahrscheinlich nicht. Sollte man in Ruhe lassen
    -Meniskuslinse, hatte ich draußen, ist nun sicher spannungsfrei.
    -Bleibt als letztes der Fangspiegel. Er ist an der Bildentstehung zu 100% beteiligt und eine Verspannung könnte die Ursache sein.


    Ansonsten ist zu sagen, daß Ronchi Bilder i.O. und der Sterntest auch korrekt rund und eigentlich Lehrbuchmäßig ist.


    Habe ich einen Denkfehler, oder könnt ihr mir beipflichten? ?(


    Gruß
    Porsti

  • In einem solchen Fall gehe ich auf Ursachen-Forschung. Dazu muß man wissen, was für ein System
    es ist: Sphärischer HS oder Ellipse, Parabel oder Hyperbel.


    In der Regel prüfe ich zunächst den Hauptspiegel, ob der wirklich keinen Rest-Astigmatismus hat,
    unter sehr hoher Vergrößerung mit meinem künstlichen Sternhimmel.
    http://r2.astro-foren.com/inde…c-und-cassegrain-systemen
    Wenn dieser Test ohne Befund ist, dann geht es an die Lagerung des Sekundär-Spiegels, wenn nicht gerade
    ein weiteres opt. Bauteil im Blendrohr steckt.


    Danach müßte man den HS im Tubus zentrieren:
    D063Neues GSO 8" f/8 RC - Ritchey-Crétien 203/1624 , Hauptspiegel-Zentrierung beim Cassegrain-System Abrollverfahren


    D064 GSO 8" RC - Hauptspiegel-Zentrierung über Laser-Beam Laser Pointer, D064A für Andi 8-inch GSO RC Abrollverfahren
    und schließlich das System vor einem Planspiegel oder am Stern.

  • Hallo Wolfgang,



    das wollte ich auch so machen.



    Aber in Ermangelung der teuren Dinge, wie großer Planspiegel und künstlicher Sternhimmel muß ich etwas anders vorgehen. Trotzdem justiere ich nicht ins blaue hinein, sondern habe mir bei Dir was abgeschaut.



    Beim Intes MAK handelt es sich meines Wissens nach um sphäriche Baugruppen, d.h. ich muß 3 optische Elemente (Hauptspiegel, Sekundärspiegel, Meniskuslinse) und 2 mechanische Teile (Tubus und Blendrohr-Auszug) auf eine Achse zentrieren. Vor geraumer Zeit habe ich Deinen Beitrag zum Abrollverfahren gelesen und mir so ein Abrollgerät gebaut und getestet (Optik Hersteller zentrieren ja auch mit Rotationstischen unterm Mikroskop).



    Man kann den Hauptspiegel damit gut einstellen, einfach einen Laser möglichst weit außen auf den Spiegel richten und den Reflex an der Wand beobachten. Allerdings ist der Russen MAK am Vorderteil nicht genau rund. Ist ein geschweißtes Blechteil mit eingesetztem Ring. Der eiert etwas, wenn man das berücksichtigt, gelingt die Einstellung aber doch einigermaßen.



    Nun kann man den Laserpunkt auf die vordere Blendrohrkante richten und beim Drehen beurteilen, ob dieses korrekt läuft, ebenso die Tubusvorderkante (Meniskuslagerung).



    Nach dem Einsetzen des Meniskus kann man mit einigem Geschick drei Laserreflexe beobachten. Der Laser ist hierzu auf eine andere Stelle des Hauptspiegels zu richten. Dann sieht man den Hauptspiegel- und die beiden Meniskusflächen-Reflexe.
    Diese sollten bei Rotation des Gerätes auf der Stelle stehen und sich vor allem untereinander nicht verschieben (Spiegel- zu Meniskus-Reflex).



    Den Rest, den Fangspiegel habe ich am realen Stern eigestellt. Danach hatte ich Intra- und Extrafokal kreisrunde Ringe mit dem bekannten Punkt in der Mitte.



    Der Hauptspiegel wird nur am Blendrohr gehalten. Damit ist also keine weitere äußere Einspannung oder Auflage wie z.B. beim Newton vorhanden. Eine Verspannung vermute ich deshalb dort eher nicht und lasse das erstmal unberührt. Außerdem wollte ich auch seine gute Zentrierung zum Blendrohr nicht zerstören.



    Deshalb zuerst mein Versuch, die Fassung des Sekundärspiegels etwas zu lockern. Wenn sich damit die Abbildung bei Hochvergrößerung nicht bessert, dann ists eben so daß der Fehler doch "eingebaut" ist. Trotz dem ist es auch jetzt schon ein tolles Gerät! Ich hätt aber gern die letzten 5% auch noch rausgeholt. 8)



    Gruß und schönes verlängertes Wochenende
    Porsti

  • Hallo,



    mittlerweile gibt es eine Fortsetzung zur Lösung meines Problems. Ich denke, dass könnte euch interessieren. Die Lagerung des Spiegels war die blanke Katastrophe.



    Ich habe nochmals versucht die Fassung des Sekundärspiegels zu öffnen. Diesmal gelang es mir ohne Mühe. Offenbar löste das Azeton, welches ich in das Gewinde träufelte, den Sicherungslack im Laufe der Zeit.



    Was ich danach vorfand, lässt mich an der Professionalität der Montage im Werk zweifeln. Irgendwie haben hier wohl Praktikanten ohne Aufsicht gewerkelt.



    Der Spiegel sitzt in einem Alu-Topf, der von dem Blendrohr verschlossen wird. Im Blendrohr ist noch ein Druckring integriert. Nach dem abdrehen des Blendrohrs war festzustellen, dass der Spiegel und der Druckring voll mit Farbe verkleistert waren. Die Farbe war in alle Spalten eingedrungen und hatte den Spiegel und den Druckring radial zugekleistert und festgesetzt. Hier half nur Lösungsmittel und Wattestäbchen. Nachdem nun die Farbe von Spiegel/Gehäuse und Blendrohr/Druckring entfernt war, ließen sich der Spiegel und der Druckring lösen. Vorher gab es dazu keine Chance.



    Im Spiegelgehäuse sind unten drei Lagerpunkte aus bedruckter Pappe eingeklebt. Diese wurden wieder aus irgendeinem Verpackungskarton ausgeschnitten. Der Spiegel hat radial drei Klebestreifen am Außenradius. Der Druckring von oben, drei Papierumwicklungen als Lagerpunkte.



    Das heißt, der Spiegel hat pro Lagerpunkt, Stützen die an drei verschiedenen Teilen angebracht sind, im Spiegelgehäuse, am Spiegel selbst und am Druckring. Funktionieren könnte das Ganze nur, wenn alle Lagerpunkte übereinander liegen. Eingebaut war das Ganze aber per Zufall. Zum Schluss der Montage hat man offenbar noch den Druckring und das Gewinde im Blendrohr ordentlich mit Farbe eingestrichen und einfach zugeschraubt. Die Oberseite drückte an der falschen Stelle auf den Spiegel und die Spalte waren zugekleistert.



    Damit hat sich meine Vermutung bestätigt, dass der Sekundärspiegel die Abbildung bei hoher Vergrößerung durch Verspannung zu Nichte macht. Ich habe den Spiegel erstmal entspannt und muß nun noch eine endgültige Lagerung finden.



    Bisher konnte ich wegen sehr starkem Pollenflug keine Beobachtung machen. Gestern aber, nach Regen war durch einige Wolkenlücken etwas möglich. Der Sterntest zeigt jedenfalls keine "Mercedes Sterne" mehr. Es war nur ein kurzer Test zur Einstellung. Was ich jedoch bei höheren Vergrößerungen intra- und extrafokal sah, hat mir weitaus besser gefallen als vorher. Genaues kann ich sicher erst nach einigen Beobachtungsnächten sagen. Das kann bei mir möglicherweise ein halbes Jahr dauern.



    Vielleicht hätte noch jemand praktikable Tips, die Spiegellagerung so zu verändern, daß die Lagerpunkte beim zuschrauben der Fassung wirklich übereinander zu liegen kommen. Ich muß betonen, daß alle Unterlagen, die in eine Richtung wirken untereinander gleich Dick sind, also die Unter dem Spiegel sind gleich dick, die radialen sind gleich dick und die auf den Spiegel drücken sind ebenso gleich dick. Der Spiegel ist also symmetrisch eingebaut.



    Außerdem ist mir nicht klar, in wie weit die Fassung bei Kälte und zu straffem Einbau das Problem wieder aufkommen läßt (Ausdehnung/Schrumpfung Glas-Alu). Also eher straff oder locker oder wie einbauen?



    Besten Dank und
    Viele Grüße
    Porsti