18" Newton - Astrograph und visueller Newton zugleich

  • Hallo liebe Sternfreunde,


    mit bedauern habe ich die Diskussion um die Existenz um das Forum und die Kontroverse rund um das Thema Administration gelesen.
    Mir wäre lieb, wenn dieses Forum erhalten bliebe. Mir wäre ebenso recht, wenn jeder der Kontrahenten (allen voran auch Wolfgang Rohr), sich
    im Disput mit Respekt dem anderen Gegenüber verhalten könnte. Man kann auch ohne Streit eine Meinungsverschiedenheit da stehen lassen,
    anstatt ihn dann mit persönlichen Anmerkungen von der Sache her auszudünnen. Vielleicht geht da jeder mal in Sich.


    Anbei möchte ich Euch ein Beispiel von meinem Selbstbaunewton bringen. Fragt Euch, was ihr in der Zeit tun könntet, anstatt sich hier die virtuelle Rübe zu zerfledern.
    Man ließt viel zu wenig über Selbstbauten. Und gerade dieses Forum war mal eine gute Möglichkeit für solche Themen.


    In der Hoffnung, daß sich die Sache wieder dahin entwickelt, stelle ich Euch mal mein Projekt vor.


    Irgendwann in 2008 habe ich mir vorgenommen, bis 2013 ein größeres Teleskop anzuschaffen und eine entsprechende Montierung dazu.
    Eine Knopfmontierung oder weitere Hightech-Produkte kommen für mich finanziell nicht in Frage. Ursprünglich sollte es ein RC werden.
    Auf dem Weg zu diesen Dingen hatte ich in 2010 dann die Gelegenheit eine Sideres 85 Montierung mit 20 Jahren auf den Buckel zu erstehen.
    Diese richtete ich zunächst her und sie soll vorerst die Grundlage für mein Teleskop sein. Damals habe ich noch über 16 Zoll Öffnung nachgedacht.
    Wie gesagt ein RC. Bis mir in 2012 ein TS Wynne Corrector vorgelegt wurde. Ich war von dem Teil so begeistert, dass ich mir dann einen Newton
    bauen wollte. Irgendwann in 2012 wurde dann auch von Zambuto ein 18" F/4 Spiegel bestellt. Die ersten Zeichnungen hatte ich schon gemacht.
    Die erste Design-Studie in Form eines 10" Astrographen wurde dann in der praktischen Umsetzung auch fertig. Doch das war nur ein Test. Dann ging es
    zum eigentlichen Projekt über. Im Anhang seht ihr den Prototypen in einer 3D-CAD-Darstellung und dann auch das fast fertige Gerät.


    Der Newton sollte ursprünglich für den fotographischen Nutzen ausgelegt sein. Da ich aber auch gerne mal ohne Computer und Kamera im Feld bin und
    einfach nur den Sternenhimmel durch das Okular genieße, kam mir die Idee einen Hybriden zu bauen.
    Ihr seht, daß daher das Gerät mit 2 Okularauszügen ausgestattet wird. Einem 3" OAZ und einem niedrigbauenden 2" OAZ. Die Wahl fiel hier auf den
    Lacerta, der für den Preis eine wirklich ausgezeichnete Qualität bietet (verglichen mit dem JMI, Baader STeeltrack und Feathertouch).


    Es werden wahlweise ein großer Fangspiegel zur Ausleuchtung des Vollformats 45 mm Bildkreis und ein kleiner Fangspiegel <=20% Obstruktion für den visuellen
    Anwendungsbereich eingesetzt. Die Halterungen dafür seht ihr im Anhang.


    Dort seht ihr auch den unteren Ring mit der Hauptspiegelzelle. Diese verfügt über eine Whiffle-Tree-Lagerung. Diese ist bei der äquatorialen Nutzung erforderlich,
    damit der Spiegel auch in Position bleibt, wenn der Meridianflip erfolgt. Langfristig landet zwar der Newton in einer Gabel. Aktuell aber eben auf der Sideres.


    Zu den Daten: 18" F/4. Einsatzmodi: Fotographisch: Vollformat. Visuell mit 20% Obstruktion. Brennweiten F/3.8 , F3 (ASA Reducer) , F/6,4 (Highspeed Deepsky Imaging) und drüber für die Aufnahme
    von Planeten. Es gibt heute einiges für den guten alten Newton. Ein SCT kann vieles , aber nichts richtig. Aber ein guter Newton kann einiges und vieles besser.


    In der Hoffnung, daß ich beim nächsten Besuch wieder mehr über optische Tests, sachlich kontroverse aber friedliche Diskussionen rund um das Thema optische Tests.
    Spannende Themen wie das Optik-Design oder ggf. auch Open-Source-Steuerungen lese, bleib ich erstmal als Mitlesen hier im Forum.


    Es wäre auch sehr schön, wenn mehr Beobachter dieses Forum wieder ansiedeln würden.


    Am besten wäre es allerdings, wenn uralte Streitigkeiten endlich mal der Vernunft zum Opfer fallen.


    LG
    Gerrit

  • Hallo Gerrit.


    Ein tolles Projekt, ich ziehe den Hut!!


    Ich möchte mir langfristig auch ein Selbstbauteleskop erstellen.
    Kannst Du vielleicht ein paar kritische Punkte mitsamt Deinen Lösungen erläutern?
    Besonders interessiert mich die Wahl der Stangenpositonen.
    Wenn man die einfach mal so drauflos konstruiert bekommt man nur schlecht ein befriedigendes Ergebniss.
    Auch die Gründe für Deine ganz persönliche Materialwahl interessiert mich sehr!


    Gruß.
    Mark

    Teleskoppark :) :
    Revue? ______60/910mm Refraktor
    Firstscope ___76/300mm Newton
    Heritage ____130/650mm Newton
    Eigenbau____76/700mm Newton 2" OAZ, In Arbeit
    Bresser _____114/900mm Newton

  • Solange, lieber Gerrit, dieses Forum für sachliche Berichte genutzt wird, ist mir das sehr recht, weil es dann lebendig wird.
    Es kann also jeder einen bebilderten und informativen Bericht einstellen, so wie ich das über 8 Jahre hier gemacht habe:
    Jetzt könnten sich auch andere hervortun, ich hätte ja meine Schuldigkeit getan.
    Auseinandersetzungen fallen meist nicht vom Himmel, sondern haben einen Grund. In meinem Fall war das so. Das muß
    aber die Aktivität der anderen nicht bremsen. Je mehr nämlich andere User mit fachlichen Berichten brillieren, umso
    weniger würden Mißtöne auffallen bzw. sich dagegen zur Wehr zu setzen. Ich schlage deshalb vor, solche Sachen zu vergessen
    und dem Forum durch sachliche vielfältige Berichte ein neues bzw. altes Image wieder zurückzugeben.


    Dann wäre allen, also auch mir gedient.


    Es ist nämlich die alte Frage, was macht ein Forum interessant. Es könnte also so aussehen, unten die Kommentar-Beiträge:
    http://r2.astro-foren.com/inde…altet-es-seine-schoenheit

  • Hallo Wolfgang,


    der kleine Aufruf meines Postings war eigentlich so gemeint, dass man sich mal zur Sache äußern könnte.


    Du bist mit Sicherheit ein sehr kompetenter Optikprüfer. Alleine mit diesem Posting dengelst Du abermals mit Seitenhieben auf "Andere"
    Pfade weiter aus, die dieses Forum in den Abgrund führen. Das muß man Dir in aller Deutlichkeit sagen.
    Ein Mann mit Deiner Reife und Erfahrung würde doch meine Anmerkungen zur Kenntnis nehmen und zur Sache übergehen.
    Aber die langjährige Routine macht es einem nicht immer einfach. Aber Du stehst da nicht alleine da. Ob das allerdings ein Trost ist, wage ich
    aus der Sicht der verbliebenen Porenteilnehmer zu bezweifeln.


    Den Test zu den Komakorrektoren finde ich da schon wieder interessant und zur Sache. Entbehrt aber für meinen Geschmack einer
    gewissen Realitätsnähe. Warum? Weil man einen GPU, einer der besten Komakorrektoren auf dem Markt, für den visuellen Einsatz und auch fotographischen
    Einsatz nicht bis kaum bei 444x bei einem Gesichtsfeld von 0,5° oder mehr einsetzt. Da kämen dann komakompensierenden Barlows zum
    Einsatz. Der GPU hat seine Grenzen im Bereich von APS-C. Für Vollformat arbeitet er für meine Ansprüche nicht mehr zufriedenstellend.


    Die Kollimation des F/4 Systems oder schneller ist klar eine Herausforderung. Folgende Kriterien würde ich etwas aufweichen


    01. Ist zuallererst der F4 Newton perfekt justiert, damit keine Achs-Koma die Abbildung stört?
    Das ist die Eingangsvoraussetzung. Das reicht aber leider nicht aus. Ich würde sogar darauf achten, daß die Koma im Off-Axis-Bereich gleichmäßig ist. Das geht aber schlecht im praktischen Feld, daher würde ich immer die Kollimation im Feld unter dem Einsatz des Komakorrektors bevorzugen. Durch die Rotation der Kamera mit Korrektor wird schnell klar, auf welcher Seite des Korrektors eine Dejustage vorliegt.

    02. Ist der Fangspiegel frei von störendem Astigmatismus ? - ein ganz eigenes Kapitel, bei dem der Hersteller "entlarvt" wird

    Sehr wichtig!
    03. Ist der OffSet-Punkt beim Newton-System richtig eingestellt ? Wobei das optisch zunächst sekundär ist.

    Ich würde sagen, visuell eher sekundär.
    04. Ist zuletzt auch der Newton selbst exakt vor dem Planspiegel zentriert ? Auch das erzeugt Koma-Figuren.
    Er muß nicht exakt vor dem Planspiegel zentriert sein. Eine Kollimation mit einem Cheshire ist der beste Einstieg in einer sehr gute Kollimation am
    Himmel. Nicht jeder hat einen optischen Prüfstand unter Idealbedingungen. Ich für meinen Teil nehme die Kollimation auf der Achse bei äq. 1000x vor.
    Dabei wird das Seeing eliminiert. Koma weit über dem visuell nutzbaren Bereich herauskollimiert.

    CS
    Gerrit

  • Hallo Mark,


    einer der wesentlich kritische Punkte sind praktische Erfahrungen, die Geduld mit sich selbst und dem Willen aus Fehlern zu lernen.
    Man sollte auf jedenfalls das Teleskop erstmal berechnen, dann konstruieren. Und wenn man kaum einen hat, der einem das Design prüft,
    sollte man sich Zeit lassen. Betriebsblindheit ist der der größte Fehler bei solchen Projekten. Schnell hat man ein Detail übersehen.
    Ich zeichne 2..3 Tage. Lasse es bewußt dann thematisch aus dem Fokus. Kümmer mich um andere Dinge.Dann verifiziere ich meine Zeichnung nochmals.
    Ich zeichne Einzelteile. Baue sie virtuell zusammen, prüfe, ob alles passt.
    Nur habe ich mal Autocad gelernt, habe langjährige Erfahrungen im Maschinenbau gesammelt, habe Wissen aus dem Bereich der Konstruktion mit in die Wiege gelegt bekommen.
    Bin auch Bereit komplexe Herausforderungen anzunehmen. Und auch mal über Jahre (8) bei der Sache zu bleiben.
    Um mich herum gab es Leute, die drängten nach der Fertigstellung. Das ist ziemlich lehrreich. Es sagt mir Wie wenig Geduld diese Leute mit sich selbst haben.


    Das sind die wichtigsten Punkte, die ich Dir mitgeben kann. Was die Materialien anbelangt, hängt das von Deinem Projekt ab.
    CS
    Gerrit

  • Hallo Gerrit,


    wolltest Du nicht mit gutem Beispiel vorangehen? Du tust genau das, was du verurteilst. Nicht sehr überzeugend.


    Quote from Gerrit

    Da kämen dann komakompensierenden Barlows zum
    Einsatz.

    Da macht man dann aus einem F4-Newton + KomaKorrektor ein F8-Systerm, und die Vorteile eines "schnellen" Systems sind dann weg.
    In diesem Zusammenhang sind alle Newton-Systeme + Komakorrektor nicht überzeugend, weil bereits das Grundsystem nicht funktioniert,
    wie ich in meinem Bericht schrieb. Ich habe hier ja jede Menge APO+Reducer/Flattner zur Untersuchung gehabt. In der Regel sind die
    gut korrigiert im Feld bei einem großen Bildfeld. Ein F4 Newton-System krankt bereits an der exakten Zentrierung des Grundsystems.
    Und dann hat man ein relativ kleines Bildfeld. Eine gute Lösung ist das nicht.

  • Hallo Wolfgang,


    eben Wolfgang, daß ist es was ich meine: Du nimmst jedes Stöcken für eine Retour. Und deswegen wird es auch der letze Beitrag hier sein.


    da gehen die Erfahrungen auseinander. Ich denke, es macht durchaus Sinn, den Zweck der Geräte in den Vordergrund zu stellen.
    Es macht wenig Sinn, Teleskope nur wegen ihres Designs zu bauen. Ebenso werden Teleskope nicht zum Testen gebaut.


    In erster Linie wollen wir damit beobachten. Das Design orientiert sich an den Anforderungen, die man mit dem Beobachtungszweck stellt.
    Der optische Test prüft, ob ein praktische Umsetzung des Designs diese Anforderungen erfüllt.
    Dabei sind sinnvolle Prüfszenerien hilfreich, die sich auf die spätere Beobachtungspraxis übertragen lassen.


    Daher hier mal eine Frage an Dich:

    In welchem Bereich der Beobachtung würde Dein Testszenario Anwendung finden?


    "Ein F4 Newton-System krankt bereits an der exakten Zentrierung des Grundsystems."


    Wolfgang, was ist dann das Grundsystem? Das F4 Newton System?


    Ich möchte Dich als erfahrenen Tester und Beobachter mal etwas fragen. Aufgrund Deiner Erfahrung erwarte ich eine kurze plausible Antwort.


    Welche Toleranzen sind die Basis für eine derart pauschale Darstellung?


    CS,
    Gerrit

  • Hallo Gerrit


    Ich stimme Dir in allen Punkten uneingeschränkt zu.
    Gerade auch ein Projekt in das man sich gerade geistig verkrallt ein paar Tage ruhen zu lassen.
    Zu große Verbissenheit lässt einen blind für gute Lösungen werden!


    Was mich sehr interessieren würde sind Deine Gründe für die konkrete Wahl einer Lösung.
    Aus alle diesen Lösungen entwickelt sich ja der Charakter des eigenen Projektes.
    Jede Lösung hat ja ihre vor und Nachteile, die man auch nicht ausdiskutieren kann.
    Aber jeder trifft diese Entscheidungen irgendwann.
    Der Profi sieht auf den Ersten Blick viele dieser kritischen Stellen und weiß im großen und ganzen warum welche Lösung gewählt wurde.


    Unsereins, also der interessierte Anfänger, kann das noch nicht erkennen. Ich sehe die Verschiedenen Bauarten um die Optik eines Teleskopes herum, verstehe aber in vielen Fällen noch nicht warum der eine so und der andere so konstruiert.


    Es ist ein weites Feld, ich frage daher besser einmal konkret:
    1. Warum ist der Hut aus Blech gefertigt?
    2. Warum ergeben die Dreiecke der Stangen am Hut kein Dreieck sondern enden etwas voneinander entfernt.
    3. Der Abstand der Aufnahmepunkte der Stange zum Optischen Achse des HS ist am Hut kleiner als am Mittelteil. Warum?


    Würdest Du eventuell die CAD Daten veröffentlichen?


    Gruß
    Mark

    Teleskoppark :) :
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  • Hallo Mark,


    zu 1.) Weil ich Holz am Teleskop nicht mag. Reine Geschmacksache. Aber nicht nur. Man kann mit Holz nicht derart präzise arbeiten, wie ich es hier gemacht habe.
    Holz ist aber temperaturstabiler als Aluminium. Das wird aber über die Edelstahlstreben schon kompensiert und zusätzliche "Maßnahmen" die mein "Nähkörbchen" nicht verlassen.


    zu 2.) Weil da noch Okularauszüge hineinpassen müssen. Die Geometrie reich aber statisch aus, daß sich dort nichts verbiegt.
    zu 3.) Wenn ich Deine Frage richtig verstehe? Sinngemäß würde sie lauten? Warum laufen die Stangen im Mittelteil auseinander aber zum Hut zu.
    Es gibt Designs, da ist der Tubus im Mittelteil kompakter, statisch aber - bezogen auf die Baulänge - günstiger. Beispiel CDK Planewave 17"
    Das Gerät ist wesentlich kürzer, also sind hier die Winkel entsprechen steiler. Ich habe mich bei meinen Newtons auf diese hier dargestellte Bauweise konzentriert.
    Je nach Belastung ist es dann noch so, daß es zu einer besseren Abstützung über die Ecken des Mittelteils ermöglicht wird. In dem im Mittelteil die Stangen auf einem größeren Radius sitzen als am Hut erfolgt hier eine weitere Kraftverteilung. Das hat schon Vorteile bei meinen 10" erkennbar gemacht. Dadurch wirkt der Tubus globiger, aber das ist rein optisch so.


    CS,
    Gerrit

  • Hallo Gerrit - Antwort auf Beitrag #08


    Zit: "Du nimmst jedes Stöcken für eine Retour. Und deswegen wird es auch der letze Beitrag hier sein."

    Selbst wenn du das so empfindest, du wirst mir doch nicht vorschreiben wollen, wie ich hier zu schreiben hätte?

    Zit:"Es macht wenig Sinn, Teleskope nur wegen ihres Designs zu bauen. Ebenso werden Teleskope nicht zum Testen gebaut."


    Das habe ich nirgendwo behauptet, aber es ist nicht verboten, mal zu schaun, wie das andere gelöst haben.Zit""


    Zit:"In erster Linie wollen wir damit beobachten. Das Design orientiert sich an den Anforderungen, die man mit dem Beobachtungszweck stellt.
    Der optische Test prüft, ob ein praktische Umsetzung des Designs diese Anforderungen erfüllt.
    Dabei sind sinnvolle Prüfszenerien hilfreich, die sich auf die spätere Beobachtungspraxis übertragen lassen."


    Was möchtest du eigentlich damit ausdrücken?


    Zit:"In welchem Bereich der Beobachtung würde Dein Testszenario Anwendung finden?"

    Was willst du? Beobachten oder Fotografieren? Für jeden Fall baut man einen Newton anders, und prüft ihn vor allem auch anders.
    Die eierlegende Woll-Milch-Sau gibt es nicht, ich neige zur Spezialisierung.

    Zit:""Ein F4 Newton-System krankt bereits an der exakten Zentrierung des Grundsystems.""

    Nicht ohne Grund habe ich auf meinen Bericht verwiesen, bei dem es um das fotografische System F4 Newton+Koma-Korrektor geht.
    Und da kann man in der Einleitung nachlesen, daß man bei einem Newton immer erst nachschaun muß, ob er er auch exakt zentriert ist,
    sonst brauchst du keinen Koma-Korrektor. Bei einem guten APO hast du diese "Schmerzen" nämlich nicht. Kost natürlich auch ein paar

    Kilo-Euro mehr, funzt aber dann auch. Hinsichtlich der Lösung F4 Newton+Koma-Korrektor hab ich mich regelrecht gequält.


    Zit"Welche Toleranzen sind die Basis für eine derart pauschale Darstellung?"


    Wenn ich nur wüßte, was genau du meinst!? Die einzig sinnvolle Toleranz für ein fotografisches System wäre die Auflösung eines Kamera-Chips.
    das hat zu diesem Bericht geführt: http://r2.astro-foren.com/inde…bel-sterntest-und-rohbild

  • Hallo Sternfreunde,


    ein F/4 System zu kollimieren ist garnicht so schwer. Ein gutes Cheshire und eine CCD-Kamera reichen aus.


    Hier am Beispiel eines 10" F/4 Systems.


    Verwendet wurde der TS Wynne Corrector. Die Pixelgröße beträgt 9 mikron.
    1.) Der Fangspiegel wurde mit Offset geklebt. Das kann man sehr genau hinbekommen, in dem an den Offset auf transparente Tintenstrahlerfolie druckt. Die Aussparungen für die Plops werden mit einer Schere ausgeschnitten. Nach der Aushärtung des Silikons zieht man die Folie einfach unter dem Fangspiegel weg.



    2. Die eigentliche Kollimation am Stern kann selbst am Himmel bei äq. 1000x vorgenommen werden. Die Software Metaguide erlaubt es, daß Seeing fast, aber leider nur fast auszuschalten.
    Ein Komaspot (rotes Rechteckig) wandert im kollimierten Zustand im Zentrum des Sternes. Es bleibt nie stehen, da ein Rest des Seeing nie ganz heraus gefilltert werden kann.
    Es wandert aber kollimierten Zustand gleichmäßig um die optische Achse. Der leichte Verzug in die Länge ist kein Asti, sondern einfach nur ein Artefakt aus der Nachführung.
    Setzt man nach diesem Kollimationsschritt die rein visuelle Beobachtung fort, staunt man, zu was ein Newton fähig ist.



    3. Es gibt sehr gute Komakorrektoren. Der GPU ist ein exzellentes Produkt. Der Televue Universal Paracorr erlaubt sogar das Vollformat. Das ein ebenes Bildfeld nicht so schwer zu erreichen ist, wie hier darstellt soll die folgende Aufnahme zeigen. Hier werden Ausschnitte aus einem Bildkreis von mehr als 40 mm dargestellt. Besser geht es kaum an einem Apo.



    Viele Grüße,
    Gerrit

  • Eine Anmerkung zum 10" F/4 Newton. Als Grundlage dafür wurde ein 10" F/4 Imaging Newton verwendet. Der Fangspiegel hat das Kunststoffgehäuse schon längst verlassen. Die Aufnahmen wurden dann ohne diese Kunststofffassung gemacht. Durch diese Maßnahme wird verhindert, daß sich ein Asti ins System einschleicht.
    LG

  • Hallo Gerrit,


    dem Fangspiegel wird in der Regel zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt:
    - entweder er wird in der Fassung gedrückt und reagiert dann mit Astigmatismus,
    - oder er ist bereits optisch nicht OK, dann reagiert er auch astigmatisch
    - oder er kann auch ganzflächig auf ALU aufgeklebt sein, auch das gefällt ihm nicht.


    Bei dem oberen Bild wüßte ich gerne ob das der ganze Durchmesser von 40 mm ist,
    oder nur ein Ausschnitt davon. Je nach PIxelgröße liegt die Auflösung bei 3x3 Pixel.
    In diesem Quadrat verschwinden eine Reihe von Fehlern, nur die Rest-Koma nicht,
    wenn die Zerrstreuungs-Figur zu groß wäre. Dem Vehrenberg vor 40 Jahren haben
    ca. 30x30 Mikron Auflösung zu seinem Sternatlas gereicht.

  • Hallo Wolfgang,


    die Bilder vom 10" F/4 dürften Dich besonders interessieren. Die Optik hattest Du mit dem TS Wynne Corrector vor mir auf der Bank.
    MAn hatte uns einen GSO Newton zum Testen verfügbar gemacht, über dessen Qualität wir sehr erbaut waren (Tubus, Fangspiegelspinne usw.).


    Das der Fangspiegel aus dieser Fassung mußte, stand mit auf dem Plan. Wurde aber zum Schluß umgesetzt. Ich wollte erstmal wissen, ob mein
    Konstruktionsansatz auch funktioniert. Zwischen dem GSO Imaging NEwton und diesem Tubus liegen Welten. Preislich lags aber im RAhmen.
    Das bißchen Aluminium und Carbon lag noch unterhalb eines Tubus Upgrades.


    Die Sternfeldaufnahme wurde mit einer Atik 11000 CCD aufgenommen.
    - Bildkreis 45 mm
    - Pixel 9x9 Mikro²
    - F/3.8
    - Öffnung 254 mm
    - Airy Disk Diameter ca. 5 Mikron


    http://www.calctool.org/CALC/phys/optics/f_NA
    Der Fokus lag bei kleinsten Sternen bei ca. FWHM<1,5 Pixel (soviel zur Metrik). Also klar undersampled.


    Wenn man sich die schon mehr gesättigten Sterne in den Ecken anschaut, dann sieht man das diese schon symmetrisch sind.
    Das macht es auch schwierig, zu entscheiden ob ein Asti oder sonst etwas in den Ecken erscheint. Unsere lieben Sterne lassen sich nicht in jedes Raster einspannen.
    Man sieht aber schon, daß beim Oversampling keine vergleichbaren Deformationen zu sehen sind, wie sie Wolfgang bei anderen Produkten feststellen konnte.
    Ähnliches gitl für den Televue Universal Paracorr. Dieser verlängert das F/4 System auf F/4.4 was mir aber beim 24 mm ES mit ca. 80° sehr dankbar entgegen kam.
    Beim GPU mußte man schon fast ins Okular hineinkriechen. Beim GPU gibts dann außerhab APS-C fotographisch entsprechende Fehler.
    Aber weit außerhalb des beworbenen Bildfeldes. Das muß man ausdrücklich sagen.
    Verglichen mit sogenannten Referenzkomakorrektoren ist der GPU um längen besser. Liefert mehr ausgeleuchtetes Feld für weitwinkel Okulare. Da bringts wieder richtig was.
    Visuell würde ich den GPU ab F/5 empfehlen. Televue geht schon gut an schnelleren Geräten, verlängert aber die Brennweite.
    Leider fehlt dem GPU ein entsprechender Adapter zur Feinfokussierung. Etwa wie beim Paracorr oder beim ES Komakorrektor.


    Die Aufnahme von der Kollimation wurde mit einer ASI120MM aufgenommen
    - Pixel 3,75x3,75 mikron²


    Viele Grüße,
    Gerrit

  • Hallo Sternfreunde,


    die letzten Bauabschnitte habe ich hier nicht mehr präsentiert.
    Aber das fast fertige Ergebnis (ohne Lackierung und üblichem Schnick-Schnack) möchte ich Euch hier zeigen.


    Die Fangspiegel sind nicht runtergefallen. Keine Bange. Mittlerweile habe ich das Firstlight mit stundenlangen Einblicken
    sehr genossen. Und kann noch sagen: Es hat sich gelohnt!


    LG
    Gerrit