Justierprobleme ?

  • Randbemerkung:


    nach allgemeingültiger Formel hängt die Auflösung nur vom Durchmesser des opt. Systems ab.
    Die handliche Formel für 550 nm wave lautet demnach:
    138.40 / Duchmesser des Objektivs in BogenSekunden
    Für das Meade 102 wären das dann 1.35 arcsec


    . . . mehr iss nicht!

  • Hallo Wolfgang,


    also es fällt mir, ehrlich gesagt, schwer Dir zu widersprechen, ... weil ich absolut keine Ahnung habe.
    Aber meine persönliche visuelle Erfahrung von gestern abend, sowie Dein Satz im letzten Beitrag, der wie folgt lautet (Hervorhebung von mir):


    "... nach allgemeingültiger Formel hängt die Auflösung nur vom Durchmesser des opt. Systems ab."


    hat mich dazu verleitet im Internet zu suchen:



    Dabei bin ich auf Folgendes gestoßen:


    http://www.vision-doctor.de/op…sungsvermoegen-optik.html


    Ich zitiere daraus (Hervorhebungen von mir):


    "Die Beugung des Lichts am Spalt kann nicht durch keinerlei Korrektionsmaßnahmen reduziert werden und ist nur von der Spaltbreite (Blende) * und der Wellenlänge des Lichts abhängig. Eine Optik mit idealer Qualität weist keinerlei Abbildungsfehler auf, so dass die Bildschärfe nur von der Beugung bestimmt wird (beugungsbegrenzte Optik).


    In der Praxis (!) zeigt sich jedoch, dass ein Abblenden des Objektivs um etwa 2 Blendenstufen die Qualität der optischen Abbildung merklich erhöht. Bildfehler wie Koma, Astigmatismus (!), sphärischer Längsfehler etc. werden durch das Abblenden reduziert, so dass der qualitative Gewinn dieses Effekts größer ist als die Reduktion der Auflösung durch den Effekt der Beugung am Spalt. ... ".


    * d.h. dem Objektiv-/Spiegeldurchmesser


    ... ... ?( ... ...


    Ja und, was nu ?


    (Also ich beharre keinefalls auf dem anderen Standpunkt; wie gesagt, ich habe keine Ahnung, meine Erinnerung kann mich natürlich täuschen und meine Augen sind - im Verhältnis zu der Zeit, als ich mit dem 76/700 Newton beobachtete, ... lang, lang ist's her - auch nicht jünger geworden. Ich wollte nur auf etwas hinweisen, was mir, wie ein - möglicher - Widerspruch erschien).

    Rudi
    ----
    "andropos zoon politicon" = "jeder Mensch ist ein Politiker"

    (Aristoteles)

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  • Im Internet steht viel . . . Unsinn !


    http://astro-foren.de/index.ph…oretische-Aufl%C3%B6sung/


    Bereits vor 10 Jahren hatte ich dazu hier einen kleinen Bericht und u.a. auf diese Quelle verwiesen:
    Quelle "Tipps & Tricks für Sternfreunde" 2. durchgesehehe Auflage, SuW-Verlang, Seite 14-18ff,
    Autoren Thomas Baader, Wolfgang Paech
    Ich gehe mal davon aus, daß aus dem SuW-Verlang kein Mist veröffentlicht wird.


    Dein Meade Apochromatischer Refraktor AP 102/700 ED hätte einen Durchmesser von 102 mm bei 700 Brennweite.

    Das wäre zunächst eine Blendenzahl von 7. Würde man Zit. "etwa 2 Blendenstufen (die Qualität der optischen Abbildung merklich erhöht.)"
    den Durchmesser reduzieren auf eine Blendenzahl von 9 , dann wären wir bei einem Durchmesser von ca. 77 mm und einer Auflösung von 1.797 arcsec.
    Vorher waren es noch 1.356 arcsec. Bei 70-facher Vergrößerung und 102 Durchmesser wäre die AustrittsPupille 1.457 mm
    bei 77 mm Durchmesser nur noch 1.1 mm . Das Bild wird in jedem Fall dunkler und nur an hellen Objekten wäre das
    überhaupt sinnvoll.


    Es gibt aber eine einfache Möglichkeit, am Nacht-Himmel den Wahrheitsbeweis zu erbringen: Man wählt sich einen engen Doppelstern:
    http://www.waa.at/bericht/2004/06/20040614wvo22.html
    Dazu wären auch die Epsilon Lyrae Doppelsterne geeignet: Es müßte ja durch das Abblenden von zwei Blendenstufen die
    engen Doppelsterne besser zu trennen sein.


    Ich neige prinzipiell dazu, eine Behauptung erst einmal über die Wirklichkeit zu überprüfen.
    Siehe auch hier: http://r2.astro-foren.com/index.php/de/schwerpunkt#F041 Hier läßt sich die Auflösung fotografisch sogar rechnen.


    Im Übrigen hat Dein Link oben was mit Mikroskopie bzw. Repro-Optik zu tun, nicht mit Astronomie: http://www.vision-doctor.de/optik.html

  • Ok,


    vielen Dank Wolfgang. Ich gebe mich geschlagen, weil ich sehe, daß ich noch viel lesen und testen muß.


    (Aber ich habe einen f/9 Refraktor (=102/920 mm), der ein ganz normaler Achromat und kein Apochromat ist. ... Allerdings hat sich, durch das Verändern der Abstandsplättchen, auch die Brennweite verändert; siehe am Ende im Beitrag Nr. 14 weiter oben: Lidl"-Refraktor Skylux 70/700 (dort Beitrag Nr. 5 am Ende). Ich muß irgendwie mal messen, wieviel das ist).



    Lieben Gruß

  • Rudi schrieb:

    Allerdings hat sich, durch das Verändern der Abstandsplättchen, auch die Brennweite verändert;

    Die Brennweite ganz bestimmt nicht, aber die Farbsituation. Im Normalfall sollte der höchste Strehlwert bei
    Grün liegen und Rot unterkorrigiert und Blau überkorrigiert sein. Durch Änderung der Abstandsplättchen
    verschiebt sich die sphärische Aberration entweder in Richtung Rot bei Verkürzung des Abstandes und in
    Richtung Blau bei Vergrößerung des Abstandes.
    Ganz anders bei einem Cassegrain oder SC-System. Da ändert sich die Fokuslänge bei Änderung des Spiegelabstandes.


    Übrigens noch zu Beitrag #24:
    Warum bauen die Berufs-Astronomen immer größere Spiegeldurchmesser ?

  • Hi Wolfgang,


    ja Du hast recht. Hab gerade mal nachgemessen (Sonne auf dickes Papier scharf gestellt): Die Brennweite ist immer noch 920 mm - hatte also nur das Gefühl der Fokus läge weiter innen.


    Die Farbabfolge, die man an dem/den Newtonring(en) klar sehen kann, ist jetzt gelb, rot, blau, grün, von innen nach außen am zweiten Ring (weil dort am besten zu sehen). Heißt das, daß bei mir das (Strehl-)Optimum, bzw. die beste Sphärenkorrektur, jetzt bei rot und blau (die der Achromat ja zusammenlegt) liegt (weil die beiden Farben am zweiten Newtonring innen liegen) ? Und weiter, daß ich also jetzt also - anstatt auf grün - auf blaurot fokussiere, während gelb innen (intrafokal) und grün außen (extrafokal) liegt ? ...


    Das Sternscheibchen beim Sterntest hatte intrafokal "ganz außen" einen blauen (blauvioletten) Ring. Dies müßte also bedeuten, daß blau, von intrafokal kommend, zuletzt in den Fokus kommt (weil ich bei intrafokal ja den Fokussierer zum Fokussieren nach außen drehe). Extrafokal hatte das Sternscheibchen "ganz innen" eine roten (rotvioletten) Punkt, also müßte das die Farbe sein, die, von extrafokal kommend, zuerst in den Fokus kommt.


    Also liegen blau und rot zusammen im Fokus, nee ???


    (War jetzt ein bißchen verwirrt, weil ich gar nicht mehr wußte, warum ich das Ganze (= Linsenabstand verändern) überhaupt gemacht habe; ... aber es war, weil mein Refraktor unterkorrigiert war, ... am Sterntest extrafokal war "nur Mist" zu sehen und keine Ringe; siehe oben bzgl. des Beitrags von Herrn Noetzel).


    Lieben Gruß

    Rudi
    ----
    "andropos zoon politicon" = "jeder Mensch ist ein Politiker"

    (Aristoteles)

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  • Rudi schrieb:

    Die Brennweite ist immer noch 920 mm - hatte also nur das Gefühl der Fokus läge weiter innen.

    Soviel zum Begriff "gefühlte Brennweite"
    Newton-Ringe bei einem Zweilinser sagen erst einmal nur, daß sich die beiden Linsen in der Mitte (fast)
    berühren. Man kann dies zum Zentrieren nehmen, wenn man senkrecht auf die Optik schaut. Die Farbe
    der Ringe hat zunächst etwas mit der Lichtquelle und deren Spektrum zu tun, aber nicht unbedingt mit
    der Farbfolge des Sekundären Spektrums des Achromaten. Das würde man eher intra/extrafokal über
    den Farbrand des Sterntestes sehen können. Ist mir aber zu ungenau. Es ginge am Stern über den farbigen
    Foucault-Test, wenn man enge Interferenzfilter benutzt: Dann könnte man den Fokus der jeweiligen
    Farbe im 0.01 mm Bereich erkennen. Dann müßte Gelb-Grün zuerst kommen, und danach Blau und ganz
    hinten Rot. (Bei vielen Zweilinsern ist das so).

  • Hallo Wolfgang,


    die Frage mit der Farbabfolge bei den Newtonringen hat mich weiter interessiert und ich habe gefunden, daß sie ausschließlich von der Dicke des "Luftspaltes" zwischen den Linsen abhängt. Hier http://encyclopedia2.thefreedictionary.com/Newton+rings steht Folgendes (wobei Im Link selber, weiter oben bei der Formel, erklärt ist, daß m = die Dicke des Luftspaltes ist).



    "... With illumination by polychromatic light, such as white light, Newton’s rings become colored, and the sequence of colors in the rings differs significantly from the sequence in an ordinary rainbow because of the superpositioning of systems of rings corresponding to different m". 


    [Übrigens Wolfgang, Du "benutzt" immer einen anderen Rudi, mit grünem Avatar/Logo, um mich zu zitieren].

  • Hallo,


    In obigem Link steht noch ein anderer Satz, den ich gestern nicht verstanden hatte:


    "Newton’s rings are observed most distinctly when spherical surfaces with small radii of curvature are used, since the thickness of the gap is small at a large distance from the point of contact".


    Genau das isses !


    Hatte den Begriff "small radii of curvature" gestern nicht verstanden. Ich hatte bei meinen Versuchen festgestellt, daß die Linsen meines Achromaten jetzt "saugend" aufeinanderliegen, sodaß das "Trennen" der beiden Linsen einen Kraftaufwand erfordert, weil die Linsen so "perfekt" aufeinanderliegen, daß der geringe "Luftabstand" sozusagen ein "Vakuum" schafft, das die beiden zusammenhält.


    Also an sich wäre der Achromat perfekt, ... ... ... ... ... wenn da nicht der Astigmatismus wäre.


    Muß jetzt erst Mal (zum x-ten Mal) was über "Astigmatismus" lesen !


    [Mein Adapter ist übrigens angekommen, aber es gab ein Gewitter am frühen Abend und die Wolken haben sich noch nicht verzogen].


    Schönen Abend

  • http://feinoptik-hilfe.beepworld.de/probeglas.htm


    A) saugende Flächen: die beiden Innenradien sind fast gleich, aber so, daß die Mitte sich nicht berührt.
    da ändert man die Außentemperatur einer der Linsen: Die "verbiegt" sich dann und die Flächen lassen sich lösen.
    Hat man beim Schleifen/Polieren von Kugelspiegeln.


    B) Legt man zwei polierte Glasflächen aufeinander so entstehen Interferenzlinien oder Newton-Ringe (bei Kugelflächen)
    Mit Anzahl und Farbe dieser Newton-Ringe kann man die Differenz der Kugelradien bestimmen, besonders dann, wenn
    eine der Flächen eine genau bekannte Referenz-Fläche ist.
    Ich weiß davon, habe aber selbst nie damit gearbeit. Die Feinoptiker wissen das.

  • Ein Nachtrag zu Beitrag #23:


    Bei astronomischen Teleskopen hängt die Auflösung N U R vom Durchmesser der verwendeten Optik ab, was dazu führt, daß man möglichst
    große Teleskop-Spiegel baut und diese auch noch "vernetzt".
    Aber auch im Kleinen kann man die Abhängigkeit der Auflösung vom Durchmesser eindeutig zeigen:
    Beim Testaufbau eines ellipt. Planspiegel kleine Achse 40 mm gegen einen Kugelspiegel wird ein
    Lichtkegel benutzt von D = 40 und F = 611. Es entsteht eine Abbildung des Artificial Sky Testes, wie
    unten zu sehen und die Auflösung in arcsec läßt sich aus dem Abstand der Dreiergruppe ermitteln.
    Es entsprechen sich also die Auflösung der Formel mit der des Fotos.


    Anders die Situation, wenn man den ganzen Durchmessers des Kugelspiegels mit 150 mm benutzt.
    Jetzt ist die Auflösung der Formel besser und auch das Foto zeigt bei gleichem Fokus eine viel
    bessere Auflösung, die nur auf dem Durchmesser selbst beruht und damit die Formel bestätigt.


    [IMG:http://rohr.aiax.de/Aufloesung.png]

  • Hallo Wolfgang,


    vielen Dank für den Link in Beitrag Nr. 31. Die Optik hat mich schon im Gymnasium sehr faziniert (beginned damit, daß sich unserer Lehrer damals eine Zigarette im Klassenzimmer angezündet hatte - damals war die Zeit der 68er ;) -, um uns im verdunkelten Raum die farbigen Lichtstrahlen eines Prismas zu zeigen, ... bevor sie auf dem Schirm auftrafen).


    Zum Glück habe ich dann aber nicht Astronomie / Physik studiert, denn ich habe mir dadurch, daß es ein Hobby blieb, meine Fazination erhalten. (Hatte damals einen - behinderten - Schulfreund, der mich zur Astronomie gebracht hat; der hat dann Astrophysik studiert, ist aber damit nicht glücklich geworden: immer nur Mathe und Komputer, nix mit "Sternenhimmel" und farbigen Lichtstrahlen).


    Gruß

  • Hallo Wolfgang,


    kann ich Dich noch was fragen ?


    Gibt es Erfahrungswerte, welchen Abstand die Linsen von der (einer Guß-)Linsenfassung haben dürfen / müssen ?


    Es ist wegen des Astigmatismus. Also wenn ich die Linsen aus der Fassung raushole (und besonders wenn ich sie wieder reinschiebe), habe ich immer eine große Angst, daß die untere der beiden Linsen (die konkave) des Achromaten "verkantet", die geht nämlich nur ganz knapp rein und nur dann wenn man sie genau waagrecht hineinbringt Die Engstelle ist aber nur "weiter oben" in der Fassung, d.h. dort wo eigentlich die andere, bikonvexe Linse sitzt. Letztere scheint im Durchmesser etwas kleiner zu sein (im Millimeter - oder Sub-Millimeter ? - Bereich). Aber wenn die Linse (jetzt wieder die konkave ! ) mal über diesen kleinen Widerstand hinweg ist und "ganz unten" aufliegt, dann läßt sie sich drehen (aber kaum hin- und herbewegen).


    Die Fassung scheint also von ganz innen=unten nach außen=oben etwas konisch zuzulaufen.


    Da Astigmatismus auch von einer zu engen Linsenfassung kommen kann, wollte ich da etwas aufweiten, aber nur ganz unten an der Linsenfassung, weil sonst wahrscheinlich die obere bikonvexe Linse zuviel hin- und herrutschen könnte.


    Ich trau mich da aber nicht so richtig ran, weil ich fürchte zuviel abzutragen. Deshalb die Frage nach den Erfahrungswerten für den Abstand zur Fassung.


    Liebe Grüße

  • Bei der Lagerung eines Doublets oder Triplets geht es in 1. Linie um eine spannungsfreie Lagerung,
    egal aus welchem Material die Objektiv-Fassung ist. Optimal ist in jedem Fall eine Dreipunkt-Lagerung,
    was bedeutet, daß bereits in der Fassung der 1. Druckpunkt sein muß. Deshalb ist z.B. bei Zeiss-Fassungen
    dieser Punkt in einem Winkel von 120° um ca. 0.5 mm freigefräst. Dort müssen nun übereinander auch
    die Abstandsplättchen liegen. Darüber ist dann der bekannte Federring, dessen Druckpunkte an der
    gleichen Stelle liegen müssen. Es ist eine Art Klammer-Lagerung, die keinen Astigmatismus einführen
    kann. (Die Chinesen haben das auch nicht so richtig begriffen, dabei muß man nur einmal ein Zeiss AS
    Objektiv zerlegen.) Irgendwo hatte ich unlängst auch ein Bild. Der seitliche Versatz der Linsen sollte
    möglichst klein sein. Das hatte Lichtenknecker gut gelöst, wenn er zartfühlend von einem der Punkte
    seitlich gegen die beiden anderen Punkte drückt.


    Den obersten Haltering darf man keinesfalls "anknallen"!


    [IMG:http://rohr.aiax.de/LinsLag_01.jpg]


    [IMG:http://rohr.aiax.de/LinsLag_02.jpg]


    [IMG:http://rohr.aiax.de/LinsLag_04.jpg]