Schiefspiegler Yolo

  • Die Bildebene ist bei meinem Yolo Schiefspiegler (155mm 1:11) sagittal um +0.5 Grad und tangential um -2.9 Grad gekippt. Gibt es dadurch Aberrationen, wenn wenige cm vor der Bildebene ein Strahlteiler (z.B. Binokular oder Strahlteiler für Autokollimation) eingeführt wird? Muss man das in Analogie zu einer gekippten planparallelen Platte berechnen?

    Das Teleskop ist interferometrisch gemessen optisch perfekt, d.h. Strehl um 0,97. Ich kann es sehr genau justieren mit einem Strahlteilerwürfel von 15mm Kantenlänge in Autokollimation. Ich beobachte dann aber am Stern wenig Astigmatismus. Ich berücksichtige die nötige Zeit zum Temperaturausgleich. Den Sekundäspiegel habe ich astigmatisch geschliffen, ich verwende kein "warping harness". Ich habe die Steifigkeit des Tubus, der Spiegelzellen optimiert. Es hat sich nichts geändert. Dazu kommt, dass nach Justieren am Stern (wie üblich mit einem Okular allein) ich im Bino dann auch Asti beobachte.

    Danke für die Aufnahme als neues Mitglied und danke für einen hilfreichen Kommentar! bku

  • (1) ".... Das Teleskop ist interferometrisch gemessen optisch perfekt, d.h. Strehl um 0,97" . ... ... "Gibt es dadurch Aberrationen, wenn wenige cm vor der Bildebene ein Strahlteiler (z.B. Binokular oder Strahlteiler für Autokollimation) eingeführt wird? "

    (2) "Danke für die Aufnahme als neues Mitglied und danke für einen hilfreichen Kommentar! bku"

    Hallo ,


    (ad 1) Inwiefern ist das IRGENDwie (in irgendeiner Form) wichtig ?

    (ad2) Danke für Deinen Beitrag !


    Freundlichen Gruß

    Rudi
    ----
    "good, fast, cheap, ... choose any two"

    (mit "fast" meine ich das Öffnungsverhältnis)

  • Hallo Rudi


    Danke für die sinnige Frage!


    Es ist einfach, präzise und Zeit-sparend, den Schiefspiegler in Autokollimation zu justieren. Ich setze unmittelbar vor dem Beobachten dem Teleskop einen Planspiegel "vor die Nase" und verwende dann eben einen Strahlteilerwürfel oder ein Bino, um den künstlichen Stern (Laserdiode) und das Okular für die AK anzubringen. Das dejustierte Yolo Teleskop zeigt Astigmatismus, was sehr gut mit den Stellschauben des Primärspiegels korrigiert werden kann. So brauche ich mich nicht über die beim Sterntest immer mehr oder weniger vorhandene Luftunruhe zu kümmern.

    Wenn nun aber durch den Glasweg des Teilers (z.B. infolge der gekippten Bildebene) Aberrationen, insbesondere Asti, eingeführt werden, müsste ich dies quantifizieren, damit es berücksichtigt werden kann. Ich müsste berechnen, wie viel Grad Umdrehung dies an den Stellschrauben entspricht und die Korrektur wäre einfach.


    Im übrigen interessiere ich mich für die Theorie der Aberrationen. Das kommt wohl automatisch, wenn man asphärische Spiegel schleift wie sie beim Schiefspiegler benötigt werden.


    Mit Gruss

    Beato bku

  • Hallo Beato,


    mit dieser Problematik beschäftige ich mich auch seit einiger Zeit. Prinzipiell gehts mir aber um die Möglichkeit, ein Teleskop bei Schlechtwetter im Haus kollimieren zu können. Also kein qualitativer Test. Also einfach ein Telskop einstellen zu können. Aberratioen sind da nebensächlich. Aber interessehalber: Wie realisiertst Du den Aufbau mit dem Teilerwürfel?

    Es gibt das Programm Winroddier. Ein Programm zum Auswerten eines intra-extrafokalen Beugungsscheibchens. Hier kannst einstellen, welchen Stern Du benutzt hast. Künstlicher Stern in Autokollimation geht auch.

  • Hallo Christian, Dominique und Rudi


    Danke für Eure freundlichen Antworten, Hinweise und Fragen.

    Der "technisch fundierten Antwort" gehe ich nach.


    Aufbau mit dem Teilerwürfel: Ich weiss nicht genau, was Du, Christian, wissen möchtest und was für ein Teleskop Du hast. Beim Newton hat man meist nicht Platz für den Strahlteiler. Da wüsste ich auch nicht genau, wie man das machen könnte. Hat jemand im Forum eine Idee?


    Nun: Ich habe einen kommerziellen Teilerwürfel mit 15 mm Kantenlänge in ein kleines Gehäuse aus Sperrholz beweglich (wie eine Spiegelzelle) montiert. Drei- seitig 1 1/4 Zoll Anschlüsse. Vorne kommt das Ding in den Okularauszug des Teleskops, seitlich 90 Grad die Laserdiode (die ich in eine alte Filmbüchse eingebaut habe) und das Okular hinten im fortgesetzten geraden Strahlengang.

    Alternativ geht auch ein Bino, wenn wir monochromatisch testen (alle mir bekannten Binos verursachen relativ viel Dispersion). Ich mache den Test bei einem Refraktor aber gerne mit Weisslicht von einer beleuchteten 9 mikron Glasfaser, deshalb mit dem Teilerwürfel, der nur ganz wenig Dispersion verursacht.

    Das Teleskop muss justierbar sein, das geht auch auf einer Montierung.

    Voraussetzung ist ein Planspiegel von mindestens dem Durchmesser des Hauptspiegels; muss nicht unbedingt aluminisiert sein. Der Schliff ist einfach, nebenbei bemerkt...

    Bei alldem sind die Aberrationen das Hauptsächliche: Anhand der Koma kollimieren wir z.B. ein SCT, anhand des Astigmatimus einen Schiefspiegler.


    Win Roddier ist in AK ein verlässlicher Test, aber nicht ganz ohne "gewusst wie". Am Stern braucht er schon gute Bedingungen. Trotz diesen Einschränkungen finde ich ihn enorm hilfreich. Wir haben ein einfaches Tool zur Quantifizierung der sphärischen Aberration, was für den Spiegelschliff besonders wichtig ist. Wenn z.B. bei der Yolo Optik die SA gut korrigiert ist kommt man bis an die 0.99 Strehl heran und dies für alle Farben!


    Herzlichen Gruss, Beato