Trennung von Doppelsternen

  • Ich (Anfänger) bin im Besitz eines OMNI XLT 120/1000 (Okular 25mm/40x) und versuche den in der Bedienungsanleitungvorgeschlagenen Test: "Wie gut ist mein Teleskop" durchzuführen. Es gelingt mir nicht z.B. Doppelsterne mit 5 Bogensekunden zu trennen! - Kann es am Alter liegen (ich bin 68 Jahre)? Ich habe mittels eines Tests versucht meine Eintrittspupille festzustellen (normal = 5 mm - bei mir sind es nur 2mm).

  • Hallo Dieter,


    willkommen hier !


    Meiner Meinung nach reicht die Vergrößerung nicht. 40x (25 mm Okular) ist bei 4 1/2 Zoll und 5 " Abstand (was aber durchaus zu machen sein sollte) wenig, besonders wenn die Luft-/Licht-Bedingungen nicht ideal sind (z.B. Stadt). Bei Doppelsternen sollte man höher bis höchst vergrößern, je enger der Abstad ist. Besteht ein großer Größenklassenunterschied zwischen den beiden Sternen (z.B. Polarstern), ist das ganze nochmals schwieriger.


    Also such Dir zum Testen zu Anfang einen Doppelstern, wo die beiden Komponenten möglichst gleichhell sind und kauf Dir noch ein, zwei Okulare (z.B. 12 mm und 6 mm, die sog. "Goldkanten" (66° Gesichtsfeld ist schon sehr schön) sind gut und günstig und besonders für Anfänger geeignet (--> googeln; Tests hier, auf das kleine Kreuz links vor "Eigenimporte" klicken: http://www.astro-okulare.de/) oder auch die TSWA ( https://www.teleskop-express.d…----60--Gesichtsfeld.html ). Bei letzteren gibt es zwar kein 6 mm, aber die 8 mm sind auch ok. ... ... Oder Du nimmst von jeder Sorte eins (zumal es, glaube ich, auch kein 12 mm "Goldkante" gibt).


    Wenn Du eine Barlow Linse hast (war keine dabei ?), kannst Du auch die zunächst mal ausprobieren (verdoppelt die Vergrößerung, ... um den Preis weiterer Linsen im Strahlengang, die das Bild verdunkeln. Kaufen würde ich nur eine sehr gute Barlow, die aber teuer ist.


    Viel Spaß


    Rudi

  • Hallo Dieter

    auch von mir ein "Willkommen im Forum"!

    Zu den optischen Randbedingungen hat Rudi (auch ein "Hallo" an dich!) ja schon was geschrieben, der ist da bewanderter als ich mit meiner Gelegenheits-Astronomie ;-)

    Ich habe auch mal versucht Doppelsterne zu trennen und kam auch nicht auf die errechneten Werte für ein 4,5" Spiegelteleskop sondern auf 50% - 100% höhere Werte. Ich habe es aber auch nicht das ganze Jahr über versucht. Vielleicht ist bei uns im Rheingraben einfach zuviel Wasser und Staub in der Luft.

    Und mein "Mückenschwarm" der in den Glaskörpern meiner Augen seine Runden dreht hilft auch nicht gerade dabei. Zum Glück fliegen sie nicht in die optische Achse hinein sondern "nur" knapp daneben.

    "Ein einzelner Test ist noch kein Beweis". Jetzt beginnt die Zeit der hellen Nächte und der hohen Luftfeuchtigkeit. Ob die Bedingungen vor Ort dir gewogen sind das weiß man erst im Vergleich mit anderen Nächten in denen man mehr (oder auch weniger) sieht. Über sein eigenes Teleskop lernt man wenn man mal bei anderen durch deren Röhren durchschauen kann. Über den eigenen Beoachtungsstandort lernt man was wenn man woanders beobachtet. Erst wenn einige zig mal die Beobachtung gleichermaßen daneben lag kann es am Teleskop liegen. Es gibt sogenannte Prüftafeln die man in einiger Entfernung tagsüber aufstellen kann und die helfen können sollen die Optik einzuschätzen. Sowas wie Doppelsterne sind auch drauf. Man muß sie in der richtigen Größe ausdrucken und im richtigen Abstand aufstellen. Leider sind die meisten Teleskope Optiken gar nicht dafür gemacht gerechnet so nahe Objekte (<100m) auch nur einigermaßen gut darzustellen, so daß diese Testergebnisse nur mit entsprechender Vorsicht zu interpretieren sind. Bei mir waren die Ergebnisse für einen 150/750 Newton grottenschlecht, am echten Sternenhimmel bin ich zufrieden mit dem was ich sehe.

    Die Referenz ist daher immer noch die Abbildung eines echten Sterns unter gutem Himmel.

    Hast du mal versucht ob du einen einzelnen Stern punktförmig abgebildet bekommst?

    Mein 70/700 Linsenteleskop ist sehr temperaturempfindlich. Wenn es zu kalt ist wird die Optik von ihrer Halterung in die Zange genommen und verformt.

    Dann gibt es keine runden Sterne mehr.


    Klare Sicht

    Detlev

  • Hallo Dieter,


    Die technischen Daten deines OMNI ALT 120 1000 auf der Seite von Teleskop Service besagt, dass dein Teleskop eine Auflösung von 0.97 bogensekunde hätte. 5 bogensekunde müsste deshalb das Teil bei jeder Vergrösserung schaffen. Beide Sterne sollten aber möglichst gleichhell sein. Vielleicht gibt es in deiner Nähe noch andere Amateure, die man mal fragen kann.

  • Hallo Dieter,

    das kommt davon wenn man auf kleinem Display in einem wackeligen Bus liest. Ich war bis gerade fest davon überzeugt es geht um 0,5 (engl ".5") Bogensekunden.

    5 Bogensekunden das sind 1/6 Vollmonddurchmesser. Auch bei der Pupillengröße hab ich die 2 für eine 8 gehalten. Hast du die Pupillengröße bei Tag oder bei Nacht bestimmt? Tagsüber ist "die Blende" zu, das ist klar.


    Eine 2mm Pupille passt nicht so ganz zu dem Okular, denn bei 120mm Optikdurchmesser geteilt durch 40-facher Vergrößerung ergibt 3mm Austrittspupille hinter dem Okular. Das äußere Drittel des Lichtskegels aus dem Okular dürfte also nicht in deinem Auge ankommen.

    Aber bei über 100 Bogenminuten Gesichtsfeld sollten die 5 Bogenminutensekunden zwischen den beiden Sternen locker in die inneren 2/3 davon passen, auch wenn sie mal nicht genau in der Mitte sind.

    Eine höhere Vergrößerung würde hier helfen, Rudi hat es ja schon erwähnt. Die Austrittspupille hinter dem Okular würde kleiner werden und die beiden Sterne im Okular weiter auseinander. Ganz nebenbei wird der Hintergrund dunkler, was die Trennung zusätzlich erleichtert.

    Vielleicht gibt es Teleksopbesitzer in deiner Nähe mit denen du mal beobachten kannst und ihr probiert mal ein paar Okulare durch?


    Wo beobachtest du denn und was siehst du wenn du versuchst Doppelsterne zu trennen?


    Klare Sicht und warme Füße

    Detlev


    Nachtrag: Die Prüftafel, wie gesagt mit Vorsicht zu interpretieren :

    http://www.coonsoft.de/produkte/volkmann/volkmann.html

    "Wir sind aus Sternenstaub gemacht." - Carl Sagan


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 70/350 Meade ETX-70
    Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel | 76/700 "Tchiboskop"-Newton (2x)

    https://astronomiefreunde-kn.de/

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Kaffee () aus folgendem Grund: Nachtrag

  • Hallo Dieter,

    wenn ich eines bei diesem Hobby gelernt habe dann ist es daß es keine Eile verträgt.

    Von daher machst du das genau richtig!


    Klare Sicht und schön punktförmige Sterne wünscht

    Detlev

  • Hallo Rudi, Detlev und Stefan,

    hier mein erster Zwischenbericht bzw. Ergänzung zu meiner Bitte um Hilfe.

    Bei dem Test zur Feststellung wie groß das Auflösungsvermögen meines Teleskops ist, wurde u.a. vorgeschlagen den Doppelstern Epsilon Bootis (Abstand 2,8" - Helligkeit 2,5/4,9) zu benutzen.

    Der Himmel schien mir relativ hell zu sein. denn im Sucherfernrohr war dieser Stern nur schlecht sehen (24:00 Uhr MESZ - kein Mond).

    Ich habe das beim Kauf beiliegende Okular (25mm - 53° Gesichtsfeld) dazu benutzt (eine Barlow-Linse lag nicht bei).

    Ergänzung: Ich habe noch zwei weitere Okulare im Besitz (Omegon LE Planetenokulare 9mm und 6mm - 55° - gekauft am 12.5.18.

    Auch mit diesen Okularen war eine Trennung nicht möglich.

    Liegt es am zu großen Helligkeitsunterschied (2,5/4,9) oder habe ich falsche Okulare gekauft. Soll ich noch (wie ihr empfohlen habt) ein Goldkanten Okular (z.B. TS-Optics Ultraweitwinkel - 9mm mit 66° Gesichtsfeld kaufen?

    Nebenbei bemerkt: Mich plagen die "fliegenden Mücken (Mouches Vollantes)" ebenfalss.

    Amateurastronomen in meiner Nähe sind mir nicht bekannt.

    Die "Sternenfreunde Eichsfeld" sind etwa 1 Stunde Fahrzeit entfernt (Vielleicht sollte ich trotzdem mal den Kontakt aufnehmen).

    Bei nächster Gelegenheit werde ich es mal mit p Herkules (4,5/5,5 - 3,9") versuchen.

    Ergebnis des Tests mit der Vollkmannschen-Prüftafel: Entfernung 60 Meter, Bildgröße 24x18 cm, schwülwarm, Mittagszeit, Schatten, Punktegruppe mit vier Punkten

    Okular 25 mm - 10" u. 8" sehr gut - 6" schlecht - 4 u. 2" nicht trennbar

    Okular 9 mm - bis 6" sehr gut - 4" noch gut - 2" nicht trennbar

    Okular 6 mm - bis 4" sehr gut - 2" nicht trennbar.

    Ich werde diesen Test noch bei anderen Wetter- und Sichtbedingungen wiederholen.

    Die Abbildung der Sterne ist nicht unbedingt punktförmig (sie blitzen und blinken etwas) - rund erschienen sie jedenfalls nicht.

    Detlev schrieb: 5" das sind 1/6 des Vollmondurchmessers - das scheint mir nicht zu stimmen (Mond 30´ zu 5" ist wesentlich weniger als 1/6)

    Meine Pupillengröße habe ich bei Nacht mittels Metallbohrern von 1 bis 4 mm Durchmesser (Intervall 0,5 mm) bestimmt.

    Bohrer quer halten - beliebigen Stern mit Bohrer verdecken

    - Ist der Stern durchweg sichtbar ist der Bohrer zu klein

    - Wird der Stern verdeckt ist der Bohrer zu groß

    Ich habe dann solange probiert, bis ich den Bohrerdurchmesser gefunden hatte bei dem die Verdeckung gerade beginnt (bei mir waren das 2 mm) - mit oder ohne Brille gleich.

    Die Aussage von Detlev "100 Bogenminuten Gesichtsfeld" verstehe ich nicht.

    Mein hauptsächlicher Beobachtungsort in den Sommermonaten (April bis Anfang Oktober) liegt auf einer Wiese in 300 Meter Meereshöhe

    (von Wald umgeben).

    Puh, das soll es erst einmal sein.

    Grüße aus dem schönen Wanfried im Werratal

    Dieter

  • Hallo Dieter,


    "Wanfried im Werratal", das ist ein Ortsname der so malerisch klingt als müsste man da mal Urlaub machen...


    Bei deinem hochwertigen Teleskop (im Vergleich zu meinen) bin davon ausgegangen daß mindestens Okulare vom Typ Plössl beiligen. Die haben 52° scheinbares Gesichtsfeld. Bei deinem Teleskop und 25mm Okularbrennweite ergeben sich am Himmel damit 52° / 40-fache Vergrößerung = 1,3° Blickfeld, und da hast du Recht, das sind keine 60+33 ~ 100 Minuten, sondern nur 60+18=78 Minuten. Kopfrechnen: schwach! Asche auf mein Haupt ;-)


    Die Pupillenmessung per Bohrerbreite kannte ich noch gar nicht, eine interessante Idee. Das werde ich beim nächsten klaren Himmel auch mal versuchen.


    Der Mond erscheint ein halbes Grad breit, also 30 Minuten. 1/6 davon wären 5 Bogenminuten. Wie ich darauf komme daß deine Sterne 5 Minuten auseinander liegen und nicht 5 Sekunden, das kann ich dir auch nicht sagen. Wahrscheinlich brauch ich mehr und regelmäßigen Schlaf. Bitte entschuldige diese Verwirrung. Ich hoffe das hat dich nicht zu lange beschäftigt.


    Mit den Okularen bis du glaube ich ganz gut versorgt. Ich hatte selber mal ein HR Planetary 6mm und war begeistert an meinem 114/900er Teleskop, es war mein "bestes Pferd im Stall" neben einigen Plössl-Okularen. Mit einem Öffnungsverhältnis von F5 (750 Brennweite / 150 mm Spiegeldurchmesser) war ich mit dem Bild nicht (mehr) zufrieden. Dein Teleskop hat 1000/120 = F8,3 und das ist noch etwas entspannter als mein 900/114 = F7,9. Je größer dieses Verhältnis desto weniger kritisch ist der Okularkauf. Unter F5 wird's langsam aber sicher richtig teuer...


    Deine Beobachtungsreihe zeigt ja eindeutig daß mit steigender Vergrößerung eine bessere Trennung gelingt. Das war auch so zu erwarten.

    Die technische Grenze ist laut Hersteller 0,97 Sekunden, aufgerundet 1 Sekunde. Da bist du mit 2 Sekunden "nur" 100% entfernt, genau wie ich damals. (Nachtrag:Ich gehe davon aus daß dir die Trennung vonn Sternen bei passenden Bedingungen besser gelingen wird als auf den Tafeln)

    Im Winter ist viel weniger Wasser in der Luft, die "Transparenz" steigt und erleichtert die Trennung von Doppelsternen. Also kein Grund an den eigenen Augen zu zweifeln. Warte auf andere Beobachtungsbedingungen und nimm die Marsopposition im Juli mit.

    Die maximale Vergrößerung wäre rein rechnerisch 2x120 = 240-fach. 120mm geteilt durch 240-fache Vergrößerung ergibt 0,5mm Austrittspupille. Das ist ein Wert den viele als gerade noch brauchbar ansehen. Sozusagen die untere Grenze des sinnvollen Bereichs. Das passende Okular dafür hätte rund 4mm.

    In der Praxis kann es aber sein daß du die 240-fache Vergrößerung nicht nutzen kannst weil die Linsen oder der Himmel nicht mitspielen. Dann vielleicht 5mm = 200-fache Vergrößerung? Aber ob dir der Unterschied zu 6mm = 167-fach überhaupt auffallen wird?


    Kaufen könntest du so ein 4mm Okular sicherlich, aber kannst du es auch sinnvoll benutzen? Der Himmel, das Teleskop und deine Augen müssen mitspielen.

    Zusätzlich muß die Mechanik gut nachführbar sein denn die Sterne werden immer wieder aus dem Bild verschwinden wenn dein Teleskop nicht nachgeführt wird. Per Hand nachführen erzeugt Erschütterung, es dauert einen Moment bis sich alles beruhigt hat. Wie lange, das hängt davon ab wie gut die Mechanik ist.

    Die Erde dreht sich in dieser Zeit weiter und wenn man Pech hat ist der Stern dann schon wieder am Rand des Gesichtsfeldes. Also wieder nachdrehen, warten, beobachten, nachdrehen, warten, beobachten... Okulare mit großem Gesichtsfeld können den so nutzbaren Zeitraum zum beobachten verlängern, lösen das Kernproblem aber nicht. Das ist der Grund warum es elektrische Nachführungen gibt. Sie bewegen das Teleskop konstant, ohne dauernde Ruckler.


    Die Sternfreunde in deiner Nähe zu besuchen ist eine gute Idee. Die wohnen bestimmt nicht alle übe ihrem Vereinslokal sondern auch etwas weiter weg. Mit etwas Glück wohnt jemand gar nicht so weit weg von dir und ihr könnt euch ohne stundenlange Fahrerei besuchen.


    Grüße aus dem wilden Süden

    Detlev

    "Wir sind aus Sternenstaub gemacht." - Carl Sagan


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 70/350 Meade ETX-70
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  • Hallo Dieter,


    ok, Du hast die 2.9" des ε Boo nicht auf Anhieb getrennt ... ... Das ist aber keine Katastrophe.


    Auch astronomisches Sehen will gelernt sein. Und da gibt es auch noch andere Zusammenhänge, wie z.B. eine Veränderung des Positionswinkels der beiden Komponenten über die Jahre. Mich hat der ζ Boo (auch ein Doppelstern) mal jahrelang genarrt; siehe meine Anekdote in meinen Monats-Beobachtungsvorschlägen zum Monat Februar hier (unter 1. unterhalb der Doppelsterntabelle): Beobachtungsvorschläge Februar


    Epsilon Bootis heißt auch "Izar"; hier ein Auszug aus einer bekannten Internet-Datenbasis, "Stella doppie", der aber zeigt, daß der Abstand von 2.9" aktuell wohl noch so besteht: https://www.stelledoppie.it/in…on=2&azione=show_popolari

    Und hier (links) noch ein Bild, wie die Sterne zueinander stehen; der schwächere steht praktisch genau nördlich: https://en.wikipedia.org/wiki/Epsilon_Bo%C3%B6tis


    Mach Dir also nicht zu viele Gedanken, weil es nicht auf Anhieb geklappt hat !


    Ich würde - gefühlsmäßig und aus Erfahrung (bin auch schon über 60) - das Ganze auf keinen Fall zuerst auf die Augen schieben. Und auf die Okulare auch nicht (jedenfalls nicht zuerst).


    Ich würde folgende Reihenfolge empfehlen:


    (1) Zuerst würde ich mal noch andere Doppelsterne mit weiteren Abständen versuchen und mich an die Doppelsterne herantasten. Vielleicht fehlt Dir einfach die Beobachtungserfahrung. Wie wäre es, wenn Du zuerst mal α CVn ("Cor Caroli") in den Jagdhunden probieren würdest; der steht so rechtwinklig vom Bootes ab (Richtung Westen) und ziemlich einzeln da. Die Daten sind 2.9 mag und 5.5 mag (fast wie bei ε Boo), aber der Abstand ist 19" ! Oder auch noch Mizar (ζ UMa), der oberste Deichselstern des großen Wagens, der zusammen mit Alkor (dem "Reiterlein") den mit bloßem Auge sichtbaren, sogenannten "Augenprüfer"-Doppelstern bildet. Mizar ist selber wieder doppelt (und die Komponenten sind heller als bei ε Βοο / α CVn) : 2.3 mag und 4.0 mag in 14" Abstand.


    Da kriegst Du ein Gefühl für den Abstand und kannst einschätzen wie "nah" 2.9" sein müssen und Du wirst sehen, ob das Trennen von Doppelsternen überhaupt nicht klappt, oder ob es eine Frage der "Feinheiten" ist. Doppelsterne gelten übrigens auch schon als getrennt, wenn man eine 8 sieht (stehend oder liegend, je nach Position des Begleiters), sog. "Rayleigh"-Kriterium.


    (2) Danach würde ich auf die Justierung des Fernrohrs tippen. Ich habe verstanden, daß Du einen Refraktor hast (ein Omni XLT gibt es auch als Newton: https://www.astroshop.de/teles…0-750-omni-xlt-150/p,7881 ). Der Refraktor geht nicht so einfach zu justieren, wie ein Newton. (Gegebenenfalls müßtest Du da die Reklamationfrist beim Händler im Auge behalten). Aber: man kann die Justierung am Stern testen !

    Suche Dir einen möglichst hellen Stern (z.B. Aldebaran Arcturus = α Boo) und die Maximalvergrößerung (das 6 mm Okular, was Du hast) und dann stelle ihn leicht unscharf (nur wenig), bis Du klar ein Scheibchen siehst. Und dann achte auf die hellen und dunklen Ringe im Sternscheibchen. Sind die zentrisch und möglichst gleich hell oder dunkel ? Hier ist ein Beispiel von Binoviewer in seinem Artikel "Teleskop Tuning", wie das Ganze ungefähr aussehen sollte (oder besser nicht): http://www.binoviewer.at/teleskoptuning/lidltuning2.htm (runterscrollen, 3. Bild). Weil Du einen Refraktor hast, wirst Du zusätzlich noch Farben sehen. Aber die ignorieren wir erst mal. Es geht nur um die hellen und dunklen Ringe.


    Das ganze machst Du einmal intrafokal (Okularauszug - vom Brennpunkt / Schärfepunkt - nach innen gedreht) und einmal extrafokal (OAZ - möglichst gleichweit wie nach innen, = z.B. halbe oder 3/4 Drehung des Rades am Zahntrieb - nach außen gedreht). Es kommt vorallem darauf an, daß intra- und extrafokales Bild möglichst gleich aussehen. Ganz gleich sehen die Ringe aber auch bei den besten Refraktoren nicht aus.


    Dann sehen wir weiter.


    Mach's gut


    Rudi

    Rudi
    ----
    "andropos zoon politicon" = "jeder Mensch ist ein Politiker"

    (Aristoteles)

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  • Hallo Dieter,


    als Anfänger sich an die theoretischen Grenzen eines Teleskopes zu wagen ist mehr als sportlich. Hier bitte nicht den Mut verlieren, ob des vielleicht zu engagierten Zieles.

    Ich bin auch erst im letzten Jahr wieder eingestiegen und habe mich wie ein Schneekönig gefreut, als ich zum ersten mal die Komponenten E und F des Orion Trapezes sah. E ist 4,6" von A entfernt. F ist 4,5" von C entfernt. Die Trennung konnte ich ab ca. 100 fach feststellen (bei guter Luftruhe). Die Helligkeitsunterschiede sind eher stark (AE 6,5/11, CF 5,1/11,5). Dafür stand mir aber ein 16 Zöller zur Verfügung. Ich finde 4" schon sehr eng!

    Halte Dich an die vorstehenden Ratschläge von Rudi und Detlev und probiere erstmal einige großzügigere Abstände, damit Du ein Gefühl für die Distanzen/ Überstrahlungen/ Vergrößerungen etc. bekommst.


    Viele Grüße und die Hoffnung auf baldigen klaren Nachthimmel


    Thomas

  • Hallo, habe mir soeben alles was ihr mir geschrieben habt ausgedruckt.

    Bin ganz überwältigt von eurer Mitteilungsfreude.

    Ich werde erst mal alles in Ruhe durchlesen bzw. ausprobieren.

    Bin nicht jeden Tag am PC (daheim).
    Meine Frau und ich haben ein sog. Sommerhaus (bei uns in Wanfried Berghütte genannt).

    Dort halte ich mich ca. 1/2 Jahr lang auf (bin aber immer wieder mal daheim - zum Duschen und Wasser holen).

    In der Hütte haben wir weder Strom noch Wasser usw.

    melde mich bald

    Euch allen vielen Dank

    Dieter

    PS schaut euch mal den Image-Film von Wanfried an - http://www.wanfried.de

  • Hallo,

    habe meinen ersten Doppelstern getrennt (bzw. den zweiten - aber Mizar/Alkor zähle ich jetzt mal nicht).

    Da ich auf meiner "Bergwiese " umgeben von Wald bin, habe ich nur einen begrenzten Vektor des Himmels beobachten kann hatte ich mir

    "p Herkules" ausgesucht.

    Er steht um Mitternacht hoch am Himmel und das Sucherfernrohr konnte ich nur liegend (aufgestützt) benutzen - schön wäre es, wenn es

    auch hier so etwas wie einen Zenitspiegel gäbe.

    Wahrscheinlich geht das Aufsuchen über Rektaszension bzw. Deklination besser.

    Aber meine Versuche damit waren bisher nicht so berauschend.

    Würde eine Ausrüstung mit einem Nachführmotor für die Rektaszension helfen?

    Als ich dann recht mühsam "p Her" gefunden hatte, habe ich zuerst das 25 mm Okular (V 40x) versucht - keine Trennung möglich (enttäuscht)

    Und , oh Freude mit dem 9 mm Okular (V 111x) sehe ich ganz deutlich beide Sterne (klar getrennt)!!

    Mit dem 6 mm Okular umso besser.

    Das Seeing war trotz des ziemlich hellen Sommerhimmels noch als gut zu bezeichnen.

    Ich habe nun einen Doppelstern mit 3,9 " getrennt und werde jetzt einen aussuchen dessen Komponenten ca. 2,6" bzw. 2,3" (Epsilon 1 bzw. 2 im Sternbild Leier) auseinander Stehen (Ich weiß, dass ich wieder auf dem Rücken liegen werde).

    Durch dieses Ergebnis bin ich nun wieder voll motiviert, weiterhin Objekte des Nachthimmels zu beobachten.

    Ich hatte mich nämlich eratzweise der Sonnenfleckenbeobachtung zugewandt und werde auch weiterhin Sonnenbeobachter bleiben.

    Inzwischen habe ich auch die Justierung des Teleskops untersucht und werde gesondert darüber berichten.

    Kann ich diesen Bericht weiterhin unter dem Thema "Trennung von Doppelsternen schreiben"?


    Liebe Grüße von Dieter

  • Hallo Dieter,


    Glückwunsch zum Erfolg !


    Ja, es ist schwierig mit dem Refraktor im Zenit zu beobachten.

    Von einem Winkelsucher bin ich auch nicht soo überzeugt, weil da muß man beim suchen "um die Ecke schauen", was mir fast unmöglich erscheint.

    über Rektaszension und Deklination, bzw den Stundenwinkel geht es sicher, siehe hier: http://www.die-talianer.de/html/teilkreise.html , aber da musst Du das Teleskop vorher immer möglichst genau einnorden, was den Spass an der Beobachtung verderben kann.

    Eine andere Möglichkeit ist sich in der Mitte des Stativs eine leicht bewegliche Stange anzubringen, die Du möglichst leicht rauf (Zenitbeobachtungen) und runter (Horizontbeobachtungen) bewegen kannst, ... wie bei einem Photostativ. ... Aber das ist bei einer alt-/azimutalen Montierung einfacher als bei einer parallaktischen.


    Eine 1000ige Lösung scheint es da nicht zu geben.


    Ich freue mich aber riesig, dass Du Dir trotz der Anfangsschwierigkeien, die Freude am Nachthimmel bewahrt hast.


    Also Du kannst natürlich unter diesem Thema weiterberichten. Es ist aber genauso richtig, einen neuen Beitrag aufzumachen. Die Leute schauen auf den Titel und "Justierung" interessiert andere Leute als "Doppelsterne".


    Liebe Grüsse


    Rudi