• Hey Leute,

    Ich selber interessiere mich schon einer ganze Zeit für das Thema Astro.

    Bin aber was das beobachten des Himmels angeht ein absoluter Neuling.

    Mein 8 Jähriger Sohn ist nun seid einiger Zeit ebenfalls auf das Thema gestoßen. Und da wollte ich mich auf einige Fragen vorbereiteten die wohl demnächst auf mich zukommen.

    Zum Geburtstag hat er ein kleines Teleskop ( nichts tolles. Wollten mal gucken wie ernst es ihm ist) geschenkt bekommen.

    Unser erstes Vorhaben war es den Mond im letzten Viertel zu beobachten. Doch leider kamen uns nur Wolken vor die Linse. :(


    Jetzt warten wir das der Himmel über dem schönen Köln mal wieder einen Blick auf die Sterne oder den Mond ermöglicht...

  • Hallo lieber Astropapa und Sohnemann,


    herzlich willkommen ihr beiden.


    Wenn man noch nicht so richtig weiß, wie es weitergeht mit der Astronomie (Kinder sind ja da sprunghaft), empfehle ich immer das hier:

    https://www.amazon.de/Kosmos-B…ernbild-ist/dp/3440117138


    Mit 4.95 € kann man da nichts falsch machen. Das Mini-Buch passt in jede Jackentasche, es enthält - außer anderen Informationen - für jeden Monat (zu möglichst kinderfreundlichen Uhrzeiten, ... obwohl im Hochsommer wird es spät)  5 Karten mit dem Anblick des Himmels (Sternbilder) in den 4 Himmelsrichtungen Ost, Süd, West, Nord, sowie Zenit. Daneben lernt man also gleichzeitig die Himmelsrichtungen, sozusagen mit dem Rücken gegen die eigenen 4 (Haus-) Wände.


    Ansonsten würde ich eine Himmelstour (im Sommer) auf dem Rücken im Gras liegend (oder Liegestuhl) mit Opa's Feldstecher empfehlen.

    Und Besuch einer Sterwarte / Planetarium.


    Viel Freude wünscht

    Rudi
    ----
    "andropos zoon politicon" = "jeder Mensch ist ein Politiker"

    (Aristoteles)

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  • Danke für die Empfehlung. Habe das Buch direkt mal bestellt.

    Was denn Besuch in der Sternwarte angeht, da sind wir am 29.06.2018 in der Kölner Sternwarte zum Thema Mars. Er soll das erste mal seit 2 Jahren wieder über dem kölner Himmel zu sehen sein.

  • Hallo Fischkralle und Fischkralle Junior


    willkommen im Forum!

    Ich bin selber Papa, meine Tochter ist gerade 8 geworden. Wir haben letzten Herbst ein Teleskop (70/450 Astromedia-Bausatz) aus Pappe gebaut und sind mit dem Teleskop unterm Arm nachts raus. Leider war die Luft so feucht daß wir nichts gesehen haben und die Pappe vom Teleskop sich irreparabel verzogen hat. Ein Neubau oder ein neues Teleskop muß demnächst mal her (Hab schon was zum (ver)basteln im Keller, das gehen wir zusammen demnächst mal an).


    Was kann man sonst so machen wenn der Himmel bedeckt ist?

    Mit unserem Astronomieverein waren wir letztes Jahr im Planetarium in einer Kindervorführung. Das hat ihr gut gefallen. Die "normale" Vorstellung war zwar auch ok, aber sie ist immer wieder über Fachbegriffe gestolpert.

    Basteln?

    Von Leonardo (WDR5) gab es mal eine drehbare Sternenkarte zum selber ausdrucken. Die Sternfreunde Münster bieten sie auf ihrer Seite zum Downlad an.

    Die habe ich ihr mal gebastelt. Sie zeigt nur die mit freiem Auge gut sichtbaren Sterne, was die Orientierung in städtischen Gebieten deutlich erleichtert.

    Das war ein guter Einstieg, denn die meiste Zeit ist man doch eher in bewohnten Gebieten ohne Teleskop unterwegs. Ein paar Sternbilder erkennt sie jetzt wenn sie sie sieht, und wenn wir mal spät nach Hause kommen wird auf dem Weg ins Haus oder vom Fenster noch schnell Orion oder seine Kollegen gesucht.


    Ein schönes Buch das mir hier empfohlen wurde ist "welcher Stern ist das" von Joachim Herrmann. Gibt's gebraucht für ganz kleines Geld und es liegt immer bereit in meinem Zubehörkoffer. Braucht kein Teleskop, es geht um das große Ganze.

    Eine detaillierte Mondkarte wäre auch eine Idee, denn gerade der Mond zeigt schon in den kleinen Teleskopen Details die dem Auge verborgen bleiben und erscheint deutlich öfter als die Planeten. Da muß man auch nicht zwingend raus in die Pampa, das geht schon vom Balkon oder Garten wenn man nicht gerade die allerkleinsten Details sucht und die Blickrichtung frei ist.

    Im blauen Dierke Weltatlas war glaube ich zu meiner Schulzeit eine Mondkarte von Vorder- und Rückseite drin. Vor einigen Jahren stieg ich mit einem unbrauchbaren Teleskop ein. Da war ein A4-Poster dabei mit der sichtbaren Mondseite und vielen Kraternamen. Schon mal das Zubehör gesichtet?

    Eine erste Anlaufstelle könnte eine Leihbücherei sein. Ich habe auf dem Flohmarkt mal ein Buch mit Fotos von den Apollo-Astronauten gekauft, das hat sie auch zum Staunen gebracht.


    Schöne Grüße in die Domstadt


    Detlev

  • Hallo zusamen!


    Noch ein Nachtrag:


    Mit geeignetem Filter kann man auch die Sonne beobachten, und den Filter kann man selber bauen mit Pappe, Kleber, Schere und Spezialfolie.

    Ich hab mir einen passenden Ring aus Styrodur geschnitten weil es gerade zur Hand war. Früher gab es Glasscheibchen mit Schraubgewinde, die ans andere Ende, also ins Okular geschraubt wurden. Das funktionierte schon bei den vor 40 Jahren üblichen 50mm Einstiegsfernrohren nur für kurze Zeit. Bei längerer Beobachtung erwärmte sich das Glas und konnte platzen.

    Bei den heutigen 60mm Einstiegsfernrohren hätte ich zusätzlich noch Angst um die Blenden (schwarze Scheiben mit Loch, die "falsches" Licht abhalten sollen.)

    Bei größeren Durchmessern kommt noch mehr Energie rein, es wird noch schlimmer!


    Daher gilt heute allgemein der Hinweis: Wenn du so einen Filter in Händen hältst - Schmeiß ihn weg!


    Heute gibt es Alternativen die sicherer sind, auch bei großen Teleskopen. Im Astronomie-Versand gibt es spezielle Folien die auf den ersten Blick aussehen wie ein Stück Rettungsdecke aus dem Erste-Hilfe-Kasten. Aber es ist etwas völlig anderes. Zur Sonnenfinsternis 1999 gab es Brillen zu kaufen mit denen man in direkt in die Sonne schauen konnte. Genau diese Folie gibt es in verschiedenen Größen zu kaufen (je nach Teleskopdurchmesser), und in verschiedenen Qualitäten. Zum einen für fotografischen Einsatz und zum anderen für die Beobachtung mit eigenen Augen, also "visuell". Die Folie für visuelle Beobachtung ist die richtige für euch, die fotografische Version lässt zu viel Licht durch. Die Belichtungszeit für Fotos soll möglichst kurz sein weil es einiger Aufwand ist die Kamera der Sonne hinterher zu bewegen. Deshalb dieser Unterschied.


    Rettungsfolie und ihre Verwandten, auch mehrfach übereinander sind ungeeignet für diesen Zweck. Im besten Falle wirken sie wie eine billige Sonnenbrille, das gefährliche UV-Licht kann dann aber ungehindert durch die geweitete Pupille (ist ja halbwegs dunkel...) ins Auge kommen und das Auge schädigen. Die richtige Folie blockt das UV-Licht ab. Die Folie wird mit einem Pappring stabil VORNE vor dem Teleskop befestigt. Sie hat für den Transport eine Schutzfolie auf beiden Seiten und kann mit UHU, Pattex usw geklebt werden. Bitte nicht straff spannen, das gibt Streifen im Bild. Sie darf ruhig etwas wabbelig liegen, das stört überhaupt nicht.

    Der Sucher muß verhüllt oder abmontiert werden. Ein Blick durch den Sucher in die Sonne könnte das letzte sein was du mit diesem Auge machst!

    Über den immer schmäler werdenden Schatten des Teleskops bekommt man es aber recht einfach auf die Sonne ausgerichtet. Ein Schirm aus Pappe rund ums Teleskop verhindert einen Sonnenbrand im Gesicht. Trotzdem: Mütze, eincremen und was zu trinken nicht vergessen!

    Ich habe mir solche Filter gebaut, meine Folie ist von der Firma Baader Planetarium. Die damit erzeugten Bilder sind neutral grau. Es gibt eine Folie von einer anderen Firma, die liefert sonnengelbe Bilder. Jeder soll nehmen was ihm gefällt. Geprüft sind sie hoffentlich alle.

    Wenn ihr Fotos von meinem selbstgebauten Filter braucht meldet euch, dann mach ich welche.


    Muß das sein mit der Folie?

    Alternative 1: Es gibt solche "Vor dem Teleskop"-Filter auch fertig gefasst aus Glas, zu angemessenen Preisen. Für den Einstieg ein wenig zu hochgeschossen. Ich kenne nur die Folie und bin immer wieder erstaunt was man damit sehen kann. Das Teleskop muß natürlich auch mitspielen. Wenn alles wackelt macht auch die Sonnenbeobachtung keinen Spass.

    Alternative 2:

    Es gibt sogenannte Herschel-Keile. Glasprismen die das Licht aufteilen, den allergrößeten Teil ins Leere laufen lassen und einen winzigen Anteil zum Okular weiterleiten. Klappt aus mechanischen Gründen nicht mit Newton-Teleskopen.

    Preislich auch wieder eher was für die Profis.


    Im Prinzip kann man mit Linsenteleskopen auch "Sonnenprojektion" betreiben, also die Sonne ohne Filter durch das Okular auf eine weiße Fläche projezieren. So kann man mit mehreren Leuten gleichzeitig beobachten. Leider klappt das nur wenn alles aus Metall oder Glas ist und keine Linsen im Einsatz sind die aus zwei Linsen zusammengeklebt sind. Die geklebten Linsen können trüb werden und das Plastik verformt sich. Ich habe hier ein Okular liegen das war wohl Teil einer solchen Sonnenbeobachtung. Auf der augenabgewandten Seite des Okulars ist quer über alles die innere Hälfte der Plastikteile die die Linsen im Okular festhalten oder als Blende arbeiten zu einer glänzenden schwarzen Masse zusammengebacken, keine Chance das jemals ohne Schäden wieder auseinander zu bekommen.


    Was kann man sehen auf der Sonne?

    Sonnenflecken, die sich im Verlauf mehrerer Tage über die Sonne bewegen. Gebilde, so groß wie die Erde, glühend in einem noch stärker glühenden Feuerball.

    Am Nachthimmel würden diese schwarzen Flecken so hell leuchten wie die Venus. Vor dem Hintergrund der Sonnenoberfläche aber erscheinen sie dunkel.

    Mit höherer Vergrößerung erkennt man daß die Flecken einen Kern und einen Randbreich haben.

    Ab und zu fliegt die internationale Raumstation ISS von uns aus gesehen vor der Sonne vorbeit. Das geht aber so schnell daß man genau zur richtigen Zeit das Auge am Okular haben muß. Ich habe das noch nicht versucht.

    Was fliegt sonst so vor der Sonne herum?

    Merkur und Venus kreuzen die Sonne auch ab und zu. Der nächste Merkurtransit ist nächstes Jahr zur Sessionseröffnung bzw Martinstag (11.11.2019) zu sehen, aber die Sonne geht im November sehr früh unter, und der November ist nicht gerade ein Garant für gutes Wetter. Ob man da was sehen wird...?

    Wenn der Mond sich vor die Sonne schiebt ist das eine Sonnenfinsternis. Die nächste totale Sonnenfinsternis in unseren Breiten...2081. Da wäre ich über 100 ;-)


    Viel Erfolg bei weiteren Aktivitäten.

    Detlev

  • Danke für die ausführliche Erklärung der Sonnenbeobachtung.

    Bis her hatten wir da noch gar nicht dran gedacht einen Blick in die Sonne zu wagen.

    Das Teleskop das wir uns jetzt für den Beginn angeschafft haben ist für solche Zwecke nicht gerade optimal. Daher wird es zu Beginn wohl ausschließlich für den Nachthimmel eingesetzt.

    Sollte das Interesse bleiben werden wir wohl in Zukunft (nicht die nähere) uns auch mal die Sonne anschauen.

    Wir bleiben zwar dran, lassen es aber langsam angehen.

    Ich hoffe mit immer wieder kleinen Steigerungen hält sich das Hobby...

  • Bitte bitte, immer gerne. Wenn einer dem anderen hilft ist alles halb so wild.

    Du kannst ja mal schreiben was für ein Teleskop es ist. Gerade bei den Einsteigerteleskopen wird der Rotstift der Konstrukteure schnell sichtbar.

    Weniger bei der Optik als vielmehr beim Rest. Dünne Beinchen, laberige Scharniere, zu kleine Schrauben, fehlende Unterlegscheiben, glänzende Teile im Teleskop... sowas in der Richtung. Mit ein paar neuen Schrauben, einem Edding zum schwärzen und selbstklebendem D-C-Fix Velours kann man so manche vermeintliche "Teleskop-Gurke" in einen Zustand bringen mit dem das Beobachten deutlich mehr Spass macht. Ganz großes Frustpotential haben die Sucher. Am besten tagsüber ausrichten an einem Strommast oder Kirchturm in weiter Entfernung. Da läuft nichts weg um und man kann in aller Ruhe justieren. Ich hab das anfangs nachts am Stern gemacht und bin fast verrückt geworden^^. Die ganz einfachen werden mit zwei Rändelschräubchen am Teleskop befestigt. Sowas verrutscht gerne, allerdings deutlich weniger wenn da ein Stück rauhes Klebeband ("Malerkrepp") zwischen sitzt. Der Beobachtungsort ist auch wichtig, und das Teleskop sollte Zeit zum auskühlen bekommen. Die kleinen brauchen vielleicht eine halbe Stunde, die großen deutlich mehr. Die eigenen Augen brauchen auch so ein halbes Stündchen bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, das passt also ganz gut.

    Tagsüber die Sterne sehen so wie sie abends am Himmel stehen? Naja, virtuell geht das! Ich sage nur Stellarium 


    Aber jetzt fangt erst mal ganz entspannt an. Der Himmel läuft nicht weg, er dreht sich nur.


    Detlev

    "Wir sind aus Sternenstaub gemacht." - Carl Sagan


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 70/350 Meade ETX-70
    Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel | 76/700 "Tchiboskop"-Newton (2x)

    https://astronomiefreunde-kn.de/

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  • Noch ein Tipp unter Vätern:

    Den astronomischen Teil nicht in den Vordergrund setzen, das erzeugt eine Erwartungshaltung die kaum erfüllt werden kann. Unser Ausflug mit unserem Papp-Teleskop war Teil einer kleinen nächtlichen Wanderung mit ihrer neuen Stirnlampe. Das hat den Vorteil daß die Enttäuschung wenn irgendwas mit dem Teleskop ist oder der Himmel nicht mitspielt nicht so groß ist.


    Viel Erfolg mit dem Teleskop

    Detlev