Sinn und Zweck eines Meßokulares bei der astronomischen Beobachtung ?

  • Hallo Ihr,


    Weil das Wetter so bescheiden ist und mir sonst nichts einfiel, wollte ich Euch mal meine neueste Errungenschaft im Detail vorstellen: ein Meßokular für 27 Euro.



    Es handelt sich um ein russisches (Lomo) Okular, Typ Kellner, aus einem Restposten von BW-Optik: https://www.bw-optik.de/restpo…/263/messokular-8x/f-30-6


    [Ich war immer schon von den alten russischen Okularen überzeugt, deshalb habe ich mir es zugelegt. (Hatte unter anderen auch mal einen Tal-Sucher mit einem sensationellen Okular, den habe ich aber zusammen mit meinem Celestron 8 hergegeben)].


    Das Okular besteht aus einem Achromaten als Augenlinse und einer Feldlinse (also aus 3-Linsen); siehe die Zeichnung = 2. Bild im BW-Optik Link.


    Es hat 30,6 mm Brennweite (Herstellerangabe; die Faustformel zum Umrechnen von Angaben auf Mikroskop-Okularen lautet 250/x, also 250 / 8(x) = 31,25 mm).


    Mit eingebauter Feldblende hat es ein typisches Kellner Gesichtsfeld von 41° (Herstellerangabe). Ohne die - abschraubbare - Feldblende kommen noch ein paar Grad hinzu.


    [Es ist mir nicht klar, was die Angabe "23" auf dem Okular bedeutet. ... Da Mikroskop-Okulare ja normalerweise einen Durchmesser von 23,2 mm haben, könnte ich mir vorstellen, daß es früher mal als Mikroskop-Okular verkauft wurde, und später auf 31.25 mm "umgebaut" wurde].


    Das Okular ist ganz aus Metall und sehr professionnel gemacht.


    Die Vergütung ist noch die alte violette; siehe schon 1. Bild und hier die Feldlinse (ohne Feldblende):




    Man kann den Abstand zwischen Augenlinse und Feldblende verändern (siehe Gewinde); dies hat den Sinn, daß man das "Meßlineal" getrennt vom (und sozusagen "vor" dem zu beobachteten) Objekt, welches ja über den OAZ scharfgestellt wird, ultra-scharf stellen kann.




    Das Meßkreuz besteht aus einer geätzten Strichplatte mit Zahlenangaben von - 9 bis + 9 in waagrechter Richtung; der senkrechte Teil des Kreuzes besteht nur aus einem Strich. Die geätzte Glasplatte wird gut verpackt und getrennt in einem beigen "Pillendöschen" geliefert (siehe Bild) und kann in die - abschraubbare - Feldblende des Okulars einbaut werden. Die "Feldblende" entpuppt sich nämlich letztendlich als - aufschraubbare und in zwei Teile zerlegbare - "Filterhalterung" (siehe Bild rechts). [Es ist mir leider nicht gelungen, die Strichmarkierung mit dem Handy scharf abzubilden].



    [Habe noch nicht probiert, ob man die Glasplatte auch in normale Filter (mit dem üblichen 1.25 Filtergewinde) einbauen kann, die "Feldblende" des Meßokulars hat eine anderes Gewinde. Aber das würde nur Sinn machen an "klassischen" Okularen, an denen die Feldblende ganz weit vorne liegt, wie z.B. an alten Plössls oder Orthos oder so (und nicht - wegen der eingebauten Barlow - "innen" hinter der Barlow) , ... wenn man denn überhaupt "nahe genug" an die Feldblende herankommt, um die Strichplatte scharf zu bekommen].


    Da die Glas-Meßplatte - weil ja auf der Ebene der Feldblende - genau im Fokus sitzt, muß man sie natürlich sehr sauber halten, weil man auf dem Glas jedes Stäubchen sieht. Ich helfe mir mit einem Komputer-Luftspray zur Reinigung; ein Blasebalg aus der Apotheke geht natürlich auch.


    ***


    Ja, aber was kann man nun mit so einem Okular machen ?


    Meine ursprüngliche Idee war es, die sphärische Abberation an meinem Refraktor zu messen, aber dazu bin ich wegen des schlechten Wetters noch nicht gekommen. ... Das ist aber schon eine sehr komplexe - von Suiter vorgeschlagene - Anwendung, siehe dazu die Diskussion auf CloudyNights: https://www.cloudynights.com/t…s-distance-for-star-test/


    • Edit: zum "Nachvollziehen" der theoretischen Grundlagen des Suiter-Tests zur sphärischen Aberration braucht man - zusätzlich zu obigem Link - noch diesen zweiten CloudyNights-Link (33% künstliche Obstruktion) : https://www.cloudynights.com/t…tant-are-the-inner-rings/ (Warum die Obstruktion überhaupt und warum gerade 33% habe ich noch nicht verstanden; die 10 λ aus dem ersten Cloudy Nights-Link beziehen sich auf die Verstellung des OAZ. Es ist der Durchmesser der künstlichen Obstruktion, der mit dem Meß-Okular gemessen werden muß! Die sphärische Aberration ist perfekt, wenn bei 10 λ Verstellung des OAZ (vom Fokus aus, entsprechend der Formel aus dem ersten CloudyNights Link in mm umgerechnet), der Obstruktions-"Schatten" in der Mitte des Sternscheibchens, sowohl intra-, als auch extrafokal, genau 33% des Sternscheibchens ausmacht)


    Es gibt aber auch schon viel einfachere Anwendungen, wie z.B. den Durchmesser von Mondkratern zu messen (habe ich schon als 17-Jähriger auf einem International Astronomical Youth Camp in Zwolle /NL gelernt) oder die Abstände von Doppelsternen, die sich ja ständig ändern.


    Dazu muß das Meßokular aber geeicht werden ! Es wird zwar keine Bedienungsanleitung mitgeliefert, aber ich habe im Netz eine deutsche Anleitung zu einem anderen Okular gefunden, die ich für sehr gut halte: https://nimax-img.de/Produktdo…de-Messokular-12mm-DE.pdf.


    ***


    Alles in allem ein im Preis-Leistungsverhältnis unschlagbares, präzises Meß-Instrument für wissenschaftliche Spielereien. (Und - ohne Feldblende - auch als Übersichtokular zu nutzen).


    Gruß

  • Hallo Rudi,


    da hast du aber was vor! Erst eichen, und dann noch mal das Teleskop gegen das geeichte Okular testen. Ich hoffe die Beobachtungsbedingungen spielen dir in die Karten und die Ergebnisse sind so eindeutig, dass du am Ende mehr über dein Teleskop heruasgefunden hast als du vorher schon wusstest.


    Aber ich glaube dir geht es vor allem um den Erkenntnisgewinn, wie man so etwas macht, und warum so und nicht anders. Ob du am Ende ein Super-Teleskop oder Mittelklasse gekauft hast, der Weg zu diesem Ergebnis wird dich bereichert haben.

    Ich hab hier 2 Stück 8"/F6 Spiegel(Sky Watcher und Meade) und 2 46mm Sekundärspiegel, und wüsste zu gerne welche Kombi die bessere ist. Mangels Zeit nutze ich momentan gar kein Teleskop, aber ein Ende ist in Sicht, juhuuu!.


    Ich wünsch dir ganz viel Freude bei deiner Forschungsreise

    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 200/1200 Dobson
    Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel | 76/700 "Tchiboskop"-Newton (2x)


    https://astronomiefreunde-kn.de/

  • Hallo Detlev,


    schön von Dir zu hören; ... und daß Du bald fertig bist :thumbsup:.


    Den Hauptspiegel (bzw. das Gesamtsystem, bestehend aus Haupt und Fangspiegel) kann man mit einem Rochi-Okular (unbedingt 10-Linien !) am Stern sehr gut testen:
    http://www.blackskynet.de/ronchitest.html


    (Wenn Du willst bringe ich Dir, wenn ich das nächste mal in den Schwarzwald fahre, mein Ronchi-Okular vorbei und hole auf dem Rückweg wieder ab ).


    Aber ich denke, Deine beiden Hauptspiegel geben sich nicht viel und das Risko, daß Du mit den Hauptspiegeln unter 80% Strehl fällst (beugungsbegrenzt) *,scheint mir - dank Fortschritten bei der Ausgangskontrolle bei den Chinesen - heutzutage ziemlich gering.


    Das Problem liegt eher bei den Fangspiegeln:


    - die sind, erstens, oft schlecht (Asti): http://astro-foren.com/index.p…ualitaet-bei-einem-newton


    - und da gibt es, zweitens und vorallem, keinen einfachen Test. Man kann Fangspiegel ("Flats") eigentlich nur bei einem Optiktester prüfen lassen (Interferometrie).


    Es gibt zwar den "Wasser-Test" nach Raleigh, aber vorallem der Testaufbau ist (obwohl von "Bastlern" durchaus zu bewältigen) ziemlich komplex (ich habe ihn nicht gemacht, weil ich meinem Händler/Hersteller vertraue, aber man muß, wie in den folgenden Videos erkennbar, schon ziemlich exakt arbeiten: alles muß exakt "im Lot" stehen, die Plattform sollte "nivellierbar sein", das Wasser darf den Fangspiegel nur ca. 1 mm bedecken, man braucht noch eine (einfache) Linse / Lupe mit einem Durchmesser größer als der Fanspiegel und die Lichtquelle sollte offenbar auch eine bestimmte Wellenlänge haben (idealerweise monochromatisch, die neuen Energiespar-Birnen funktionnieren aber anscheinend).


    In den folgenden Youtube-Videos wird gezeigt, daß der Wasser-Test einem Ronchi Test ähnelt (es sollten - durch Abstandsänderung der Lichtquelle erreichbar- möglichst wenig Linien gezeigt werden, sagen wir so 3-5) :


    (1) (nur) Testaufbau:



    (2) Ein (nicht so tolles) Ergebnis an einem großem runden Flachspiegel (Spiegel für intererometrische Test im "Doppelpass"):



    (3) Und ein (ebenfalls offenbar nicht so toller) Fangspiegel:



    (4) Die Linien sollten idealerweise ganz gerade sein: https://www.advancedoptics.com/optical-flat-tech-info.html


    ***


    Aber vielleicht kannst Du ja einfach die Fangspiegel mal austauschen ? Nichts geht über das unbestechliche Auge als Tester !


    Lieben Gruß


    ---

    * siehe auch noch hier (den sehr guten Beitrag Nr. 7 von Spatz1): beugungsbegrenzt = max. λ/4 Abweichung von der Idealglätte der Spiegeloberfläche = 80% Strehl ist eigentlich nur 80% von 84% = 67,2% weil ein obstruktionsfreies System nur max. 84% eines Lichtpunktes ins zentrale Beugungsscheibchen bringen kann; der Rest ist in den Ringen = sog. PSF (Punkt-Spreiz-Funktion). Für den (100%) Strehl wird also 84% sozusagen auf 100% (Licht im zentralen Beugungsscheibchen) "hochgerechnet".

  • Hallo Rudi,

    an den Flat-Test in der Pfütze erinnere ich mich aus einem anderen alten Thread, sehr Interessant. Vielen Dank für die vielen Infos. Aber ich werde es einfach durch probieren ermitteln. Wenn das momentan verbaute Spiegelpärchen (primär und sekundär) mir was zeigt, dann ist es OK. Für 8-Zöller gibt es gewisse Erfahrungswerte was sie zeigen. Da spielt natürlich die Erfahrung rein, und der eigene Himmel. Es scheint mir mehr zu zeigen als mein 6-Zöller, so sieht es zumindest aus.

    Aber jetzt mal zu deinem "Projekt"... Wie sieht denn da deine zeitliche Planung aus? Ganz entspannt "nebenbei" oder "ich will das bis Weihnachten wissen"? Ich frag nur aus Neugier.

    viele Grüße

    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 200/1200 Dobson
    Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel | 76/700 "Tchiboskop"-Newton (2x)


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  • Hallo Detlev,


    ja mein "kleines Projekt" ist schon für demnächst geplant. Habe mir schon ein Meßlineal an meinen OAZ geklebt und werde den Polarstern benutzen.

    Aber das "Seeing" sollte schon sehr gut sein und das ist im Moment nicht wirklich gegeben.


    Allzu kalt (also später im Jahr) sollte es aber auch nicht sein, denn ich will ja auch das Ergebnis fotografieren und das ist ein ganz schönes "Gerödel" mit meinem Handy auf der Halterung. Wovor ich allerdings ein bißchen Befürchtungen habe ist, daß das Meß-Okular nicht stark genug vergrößert, denn 10 λ Abstand vom Fokus scheint mir nicht viel und das Sternscheibchen ist da wohl noch ziemlich klein. Und eine Barlow habe ich nicht. Aber ich denke wenn die Fotos scharf sind, kann ich ja nachvergrößern und dann am Bildschirm die 33% ausmessen.


    Bei den 33% (siehe "Edit" im ersten Beitrag dieses Fadens) ist mir auch (noch ?) nicht klar, ob ich den Durchmesser oder die Fläche nehmen soll. Das liegt daran, daß ich die Begründung für die 33% künstliche Obstruktion nicht so richtig verstehe; die Begründung für die 10 λ steht im ersten CloudyNights-Link im (Beitrag Nr. 4 von TOMDEY). Wolfgang hat bei der Messung des Farblängsfehlers (nicht der sphärischen Aberration !) immer gesagt, daß man allgemein bei 0,7 des Radius messen sollte, weil das die Hälfte der Fläche ist. Vielleicht hat es damit zu tun ? 66% ist aber nicht 0,7 <X ?


    Edit: Ah doch, Eddgie (Beitrag Nr.4 im zweiten CoudyNights-Link) schreibt, daß es 33% vom Durchmesser sein müssen ! ... Aber die Begründung habe ich immer noch nicht.


    Und er schreibt auch noch: "And don't cheat about the 10 waves (10 λ)". Das ist auch noch so eine Sache. Denn die Formel zur Umrechnung des Abstandes von λ in mm auf dem OAZ (aus dem ersten CloudyNights-Link, Beitrag Nr. 8 von MKV) : d = ((8 * λ * (f/D)^2) / n) * 10 enhält auch den Term "n". Und "n" ist der gemeinsame Brechungsindex der beiden Gläser des Objektivs. ... Aber den kenne ich nicht. Allerdings ist der Unterschied bei verschiedenen Gläser bei Achromaten nicht besonders groß; er liegt irgendwie bei/um 1,50 bis 1,55 (Abbe-Zahl 9); siehe:





    Quelle: Wikipedia, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Abbe-diagram_2.svg (Bob Mellish / Eric Bajart)


    ***

    P.S.: Ich habe eine .zip Datei mit der Berechnungsformel in Excel zur Simulation mit verschiedenen Öffnungen / Teleskopen angehängt (bei einem Spiegel ist "n" = 1 = Luft)

    ***


    On verra !

  • Weitere Vorbereitungen.


    Leider ist, trotz guter Aussichten, das Wetter wieder nichts geworden. Deshalb hier enfach nur ein paar Bilder über meine weiteren Vorbereitungs-Schritte:



    Lineal auf den Okularauszug geklebt (zum Messen von (10) λ) ,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,Karton ausgeschnitten (volle Objektivgröße); da hat gerade die Sonne gescheint

     



    ........Der Karton mit dem vollen Durchmesser hilft dabei, die innere Kartonschablone mit 33,33% zentrisch zu plazieren.


                                                




    Die Meßskala im Okular habe ich auch noch - im abgedunkelten Keller - auf Sichtbarkeit getestet. ... Also wenn die Helligkeit des Himmelshintergrundes hier im lothringischen Ruhrgebeit nicht hilft, werde ich wohl - zusätzlich zum Polarstern - noch mit einer roten LED von vorne ins Objektiv leuchten müssen. Das Hineinkleben eines selbstleuchtenden Klebebandes (hatte da noch was von früher übrig) in's Okular hat nichts gebracht. Vor dem Mond ist die Skala gut sichtbar, ... aber vor dem Polarstern ? Ich habe da meine Zweifel.


    Mal sehen !


    Clear Skies

  • Der zweite Cloudynights-Thread weiter oben enthält übrigens noch einen Link zu einer Superseite mit klaren und sauberen, echten Sterntest-Bildern von rund 40 verschiedenen Telskopen, die aus 2002 datiert und unter Mitwirkung von Markus Ludes zustandegekommen ist.


    Was man da sieht, entspricht wirklich dem, was man beim Sterntest sieht. Das ist viel, viel besser als die einfarbigen, grau-schwarzen Bilder, die man sonst so sieht oder die von Aberrator 3.0 !


    http://aberrator.astronomy.net/scopetest/index.html


    Bei der Lektüre dieses Tests (100 mm, Refraktor Nr. 1) : http://aberrator.astronomy.net…/html/refractor100_1.html


    habe ich übrigens noch was gelernt. Markus Ludes oder Cor Berrevoets schreibt da:


    "... counting the rings ... is ... a clear guess of the amount of defocus".



    ==> Das bedeutet also: 10 (helle) Ringe = 10 λ Defokus !



    Das ist ja wunderbar: ist wie bei den Bäumen, wo man durch Zählen der Ringe am Schnitt das Alter ermitteln kann :):).

    So macht "Amateur-Wissenschaft" Spaß !



  • Hallo,


    erster Versuch heute abend. ... Leider sah man nur das Sommerdreieck, bestehend aus Wega, Deneb und Altair durch den Nebel an der Mosel. Der Polarstern mit 2 mag war nicht zu sehen. ... Aber man hörte die Wildgänse auf dem Weg nach Süden (schon seit Tagen, ... wir liegen genau auf der Vogelfluglinie und hier sind außer der Mosel noch ein paar "Zwischenlandeplätze" in Form von Bagger- und natürlichen Seen und Überlaufbecken).


    Erste Testresultate:


    - negativ: der Obstruktionsschatten war leider nicht zentrisch. Ich muß noch bei Tage testen, ob ich die 33% Karton-Obstruktion nicht zentrisch aufgeklebt habe oder ob Objektiv / Okularauszug noch mal nachjustiert werden muß. Ich glaube eher das ersteres der Fall ist.


    - positiv: die Meßskala im Okular war - ohne Zusatzbeleuchtung - vor der Wega klar und deutlich zu sehen. Es ist also einfach, mit dem Meßokular die Größe der Obstruktion im Verhältnis zum Durchmesser des Gesamtsternscheibchens zu messen: ... bei einem Abstand von 10 λ = 2.28 mm (gilt nur für meinen 100mm f/9 Achromaten) vor und hinter dem Fokus.


    Es sah gefühlsmäßig sehr gut aus (Größe vor und hinter dem Fokus identisch), ich habe aber nicht genau gemessen und vorallem nicht fotographiert, weil die Obstruktion nicht zentrisch war und Wega sich - im Gegensatz zum Polarstern - bewegt.


    Aber die paar "Macken" beim Testaufbau kriegen wir auch noch weggebügelt: "Mit Geduld und Spucke, fängt man eine Mucke".


    Gruß

  • Zweiter Versuch:


    am künstlichen Stern in einer Ecke des Gartens. Trotz guter Vorbereitung, war das nichts !


    1. Das mit dem nicht zentrischen Karton lag daran, daß ich den Tesafimstreifen nur einfach geknickt hatte; die Karton-Obstruktion stand auf der gegenüberliegenden Seite ab und warf einen schiefen Schatten. Man muß also den Tesastreifen zweimal knicken.


    2. Zum künstlicher Stern: Veloursfolie ist lichtdurchlässig ! Wußtet ihr das ? Vorne auf meine Taschenlampe geklebt (um einen künstlichen Stern herzustellen), sieht das so aus:



    Schön, aber nicht effizient !


    3. Aus weißem Klebeband Dreiecke ausgeschnitten (inklusive Ersatz, falls was im Dunkeln runterfällt), um den Fokus zu markieren.




    ... ... Aber es nützte alles nichts: ... Die Vergrösserung reichte nicht aus. Ich hatte das schon befürchtet. Bei 30x sieht man in 2.8 mm Abstand vom Fokus die künstliche Obstruktion gleich gar nicht. ... Weiter außen / innen schon, aber man darf ja nicht defokussieren. Eddgie schreibt auf CloudyNights: "Dont' cheat about the 10 waves".


    Also, jetzt bräuchte ich entweder eine Barlow (und zwar eine starke, z.B. 5x), die ich dann aber nie wieder brauchen werde. Das ist mir das Geld nicht wert.

    Oder, als Alternative, bleibt noch, die Strichplatte irgendwie (in eine Farbfilterfassung reinlegen ?) so an ein 5 oder 6 mm Okular anzu"docken", daß die Meßskala scharf ist. Ich habe ja noch so ein paar alte Plössls und Orthos, wo das eventuell gehen könnte, weil bei denen die die Feldblende ganz außen (Richtung Objektiv) liegt.


    Also bis bald !

  • Hallo Rudi,

    in meinem Mikroskopzubehör ist eine 10x Barlow! Leider nicht in "unserem" Steckmaß, sondern schmaler.

    Eine 2x Barlow, vielleicht auch eine 3x, ich weiß es gar nicht mehr, hab lange nichts damit gemacht. Kann man Barlows eigentlich sinnvoll kombinieren?

    Wenn du mal damit rumspielen willst schick ich sie dir oder wir treffen uns mal.


    Viele Grüße

    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 200/1200 Dobson
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    https://astronomiefreunde-kn.de/

  • Hallo Detlev,


    danke für Deinen Beitrag und für Dein Angebot (aber Porto nach Frankreich ist teuer, schätze mal so 10 €).


    Deine Ausührungen haben aber bei mir "gezündet" und mich auf eine Idee gebracht: ... ich werde mir eine Barlow selbst bauen. (Da habe ich auch was tun, als Rentner bei dem Wetter ;)).


    Ich habe noch ein altes "no name" 13 mm Okular aus China hier, ich glaube es war eines der ersten LERs ("long eye relief"), noch ganz aus Metall, das mir mal runtergefallen war und daher einen Muschelbruch an einer Linse hat. Ich hatte den zwar geschwärzt, aber da das Okular auch sonst irgendwie nicht so der "Bringer" war, fristet es seitdem ein Dasein in einer Kiste im Keller.


    Das Okular enthält eine schöne große (20 mm Durchmesser), achromatische (!) Barlow, die gänzlich heile geblieben ist.


    Mir ist dann noch eingefallen, daß es in einem alten zerfledderten Buch (brochiert), welches ich noch aus den Anfängen meiner Astronomie-Zeit herübergerettet habe: https://www.amazon.de/Das-Fern…dolf-Brandt/dp/3440038378 eine Formel gibt, in welchem Abstand man die Barlow vor dem Fokus einbauen muß, um welches Vergrößerungsfaktor zu erreichen. Das Buch ist zwar im Schwarzwald, aber ich habe auf dem Internet, bei der Konkurrenz, einen schönen Thread gefunden (mit detaillierten Beiträgen von Peter zur Formel), die mindestens genausogut sind, wie die Beschreibung der Eigenschaften der Barlow in dem Buch von Rudolf Brandt: https://forum.astronomie.de/threads/barlow-linse.115635/ .


    Harrie Rutten erklärt dazu auch noch, daß die Barlow mit der konkaven Seite zum Okular hin eingebaut werden muß, ... und er muß es ja wissen.


    Ich muß also nur noch die Brennweite der Linse bestimmen (wenn die Sonne mal wieder scheint oder mit einer Glühbirne) und eine Hülse finden (gegebenenfalls aus Karton gerollt), die lang genug ist, daß ich die, im Kartonrohr - mit zwei eingeklebten Ringen - fixierte, Linse im OAZ hin und her schieben kann, bis ich den Faktor 5x erreicht habe.


    (... ... Jetzt hoffe ich nur, daß, wenn ich den Abstand so einstelle, daß der Vergrößerungsfaktor 5x ist, der Fokus noch erreichbar ist. Da der OAZ bei meinem alten Meade-Refraktor sehr lang ist, habe ich nämlich, auch weil ich am Refraktor ausschließlich mit Zenitspiegel beobachte, mal einen kürzeren Tubus eingebaut :/).


    Edit: war ganz einfach die negative (!) Brennweite der Barlow zu bestimmen: man muß nur den Punkt suchen, wo das Abbild der Glühbirne am kleinsten / schärfsten ist. Bei mir waren es genau - 30 mm. Den Rest erhält man über die oben verlinkten Formeln. In der Anlage eine Excel-Datei für den benötigten "Backfocus" je nach gewünschtem Vergrößerungsfaktor (gezippt, wil man Excel hier nicht hochladen kann).


    Bis denne

  • Hallo Rudi,

    das klingt, als wärst du in so etwas wie einem "Goldrausch" ;-).


    Ich hab schon halb geschlafen als ich das geschrieben habe. Was ich sagen wollte ist, dass ich 2 2x Barlows besitze, und glaubte noch eine 3x Barlow zu besitzen.

    Aber die 3x barlow hab ich ja mit dem ETX70 verkauft.


    Für den umgekehrten Fall, dass man die Brennweite verkürzen will (="Reducer") eignet sich die Frontlinse eines 8x30 Fernglases, die passt ganz gut zu 1,25".

    Aber wenn das verkippt sieht es grottig aus.


    Ich wünsch dir viel Erfolg und neue Erkenntnisse!


    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


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  • Hallo,


    kleiner Fortschrittsbericht Barlowlinse.


    (1) Da die Barlow für eine 5x Vergrößerung 24 mm vor dem alten Fokus zu liegen kommen muß, hätte ich, wenn ich den Zenitspiegel "am Platz" gelassen hätte (“Backfocus”), die Barlow in den Zenitspiegel einbauen müssen (Zur Berechnung siehe Excel-Datei im Anhang zum vorletzten Beitrag in diesem Thread).



    (2) Da ich aber nicht genügend Backfocus (96 mm) hatte, habe ich es anders gemacht.


    Weil ich nicht "geradsichtig" beobachten wollte, bei dem Wetter (= auf den Boden knien), um den Polarstern zu sehen, habe ich die Verlängerung vor dem Zenitspiegel eingeplant (was einiges “Rumgerechne” bedeutete; siehe rechte Seite des Excel-Abbildes oben). Ich mußte erst einmal den “Lichtweg” des Zenitspiegels messen (bei Lacerta steht da nichts dazu) und dann einiges abziehen und wieder hinzurechen.


    (3) Aber dann hat mich das “Goldgräber”-Glück (“Detlev”) erneut nicht verlassen. Ich habe im Bastelkeller ein Stück PVC Rohr aus dem Baumarkt gefunden, welches einen Umfang von 12,8 cm hat (keine Ahnung, wo das her stammt und ob das ein Standard ist). Das ergibt (geteilt durch π) einen Außendurchmesser 40,75 mm und einen Innendurchmesser von 1.5 Zoll.


    (4) Nach Abschrauben des 2” - Adapters vom OAZ [den hat mir Eike Runschke gemacht : http://www.jd-astronomie.de/ (nochmals Danke nach den schon einigen Jährchen !) und zwar nach einer Idee von Sven Wienstein : http://www.svenwienstein.de/HTML/explorer_395.html ],



    stellte sich nämlich heraus, daß das PVC-Rohr “wie mit dem Schuhlöffel” (da wackelt absolut nichts) in den OAZ passte,



    und der Anschluß des Zenitspiegels auf der anderen Seite nur mit wenigen Wicklungen Klebeband (1.25 Zoll auf 1.5 Zoll) umwickelt werden muß, um satt in das PVC-Rohr zu passen.


    (Ich habe das Rohr aber erstmal “auf Gehrung” auf die richtige Länge abgesägt und die beiden Seiten glattgeschliffen).



    (5) Doch damit nicht genug : Das seiner Gummiteile beraubte Oberteil des alten 13 mm LER-Okulars passte genauso “wie mit dem Schuhlöffel” (oder wie die “Faust auf’s Auge” ?, bei soviel Glück) in das PVC Rohr. Auch da brauchte ich nichts dazwischen zu legen, weil nichts dazwischen ging.



    (6) Das hat den Riesenvorteil, daß ich die Barlowlinse aus dem Okular wieder in seine ursprüngliche Fassung einsetzten kann und daß ich keine Linsenhalterung basteln muß.



    (Einziger kleiner Nachteil : das Ding passt so knapp rein, daß ich keine Veloursfolie mehr in’s Rohr kleben kann, bzw. erst dann wenn ich die Position der Barlow mitsamt dem Okularoberteil fixiert habe. Dann kann ich aber den Vergrößerungsfaktor nicht mehr - durch Hin- und herschieben - verändern. Und schwarze Farbe (Spray) hält nicht auf PVC. ... Naja, aber ich will nicht meckern !)



    Fortsetzung folgt


    Liebe Grüße