Unser erstes Teleskop?

  • Ein Hallo an alle :S

    ich habe schon fleißig gestöbert, recherchiert, verglichen und bräuchte dennoch eure Hilfe und Beratung. Und zwar sind mein Partner, Sohn (4,5 Jahre) und ich noch absolute Anfänger und unerfahren, jedoch begeistert und stark interessiert an der Welt da draußen. Da Weihnachten bald vor der Tür steht habe ich überlegt uns unser erstes Teleskop zu kaufen/schenken.

    Zu unserem Hintergrund:

    - Wir wohnen in der Stadt (nicht direkt Innenstadt, aber sehr nah dran)

    - Beobachtungsort wäre zunächst der Balkon und im Frühjahr der Garten etwas außerhalb

    - Budget liegt bei max. 300€

    - so richtig viel Zeit haben wir nicht, da beide berufstätig

    - zu Beginn Planeten- und erste Deep Sky Beobachtungen

    - bei Gefallen und noch mehr Begeisterung werden wir uns sicherlich in ein paar Jahren dann ein hochwertiges (Spiegel-)Teleskop zulegen (müssen) :)


    Zu Beginn und aufgrund der Gegebenheiten dachte ich an einen Refraktor und bin auf diese beiden hier gestoßen:

    - National Geographic 90/900 EQ3

    - Bresser Refraktor 90/500 EQ3


    Könntet ihr mir bei meiner Entscheidung behilflich sein, mich eventuell beraten oder andere Teleskope vorschlagen und mir erklären wieso für Einsteiger häufig Spiegelteleskope (Newton/Dobson) empfohlen werden? Wie gesagt ich bin absolut unerfahren und freue mich auf Erfahrungen :saint:


    Liebe Grüße und ein großes Danke im Voraus :thumbsup:

  • Moin und herzlich willkommem,


    wäre ein Dobson nicht eine Überlegung wert? da gibts mehr Öffnung fürs gleiche Geld und eine Montierung dazu kann man später immer noch nachkaufen, wenn einem das ganze gefällt.

    Vorteilhaft fürs schnelle spechteln der Berufstätigen. :)


    CS

    Chris

  • Danke für deine Aufnahme und Antwort :)

    Ich habe mir jetzt mal den Bresser 6" Dobson angeschaut und bin (mal wieder) begeistert :D ach man, ganz schön schwer eine Entscheidung zu treffen. Wie ist es denn mit der Lichtverschmutzung und der Tatsache, dass wir vorerst vorwiegend auf dem Balkon schauen werden? Werden wir damit daran Freude haben? Gewöhnt man sich schnell an das seitliche Hineinschauen?

    Liebe Grüße

    Svenja

  • Hallo Svenja,


    ich wäre auch für den 150er Dobson / Newton. Der Einblick von der Seite ist ein bißchen gewöhnungsbedürftig und viele Anfänger meinen das gut alte "Fernrohr" ist doch irgendwie besser. Aber der gute alte Herr Newton wußte schon was er machte. Keine unschönen Farbabweichungen an den Sternen und am Mond, weil das Licht nur gespiegelt wird (abgelenkt) und nicht "durch" die Linse muß ("Brechung" mit "Regenbogeneffekt"). Man braucht natürlich, wegen des "um die Ecke"-Schauens einen Sucher, aber eine gute lange Pappröhre (vom Alupapier aus der Küche) geht sehr gut (wenn keiner dabei ist). Es geht ja nur um's "Anvisieren", nacher kannst Du den Rest des Aufsuchens mit einem langen Okular (z.B. 25 mm) im Gesichtsfeld des Newtons machen. ...


    Und vorallem 150 mm sind wirklich der Einstieg in "Deep-Sky". Die langjährigen Astronomen (außer wenn sie keine große Teleskope mehr tragen können) schauen am meisten auf den Durchmesser des Teleskops (Lichtsammelleistung" --> "Lichteimer"). Da sehen Kugelsternhaufen, usw. schon wirklich nach was aus ! Schau mal hier (unten am Ende sind noch mehr Links): http://www.binoviewer.at/beoba…skopvergleich_deepsky.htm


    Auf den Balkon passt er noch sehr gut * und schlechtes "Seeing" / Lichtverschmutzung verträgt er auch gut. Außerdem ist er viel, viel billiger (und leichter) als ein gleichgroßer Refraktor.


    * wahrscheinlich brauchts Du einen guten Camping-Tisch, sonst kommst Du nicht über die Brüstung.


    Liebe Grüße und gute Entscheidung

  • Wow, sowas habe ich gebraucht :thumbup: Jetzt habe ich ein "klares Bild" vor Augen. Vielen Dank, das hilft mir enorm bei meiner Entscheidung und kann es kaum abwarten endlich selbst loslegen zu können 8)

  • Hallo zusammen,

    ich stand vor einigen Jahren vor ähnlichen Entscheidungen. Nach einer totalen Enttäuschung mit einem Teleskop das 60mm Durchmesser hatte und auf 50mm abgeblendet wurde, dafür aber total wackelig war, habe ich mich an die "alten Hasen" hier im Forum gewendet, und für meine Zwecke (halbwegs transportabel, knappes Budget) wurde es ein gebrauchtes, parallaktisch montiertes Newton-Teleskop mit 114mm Durchmesser und 900mm Brennweite. Ich habe damit an Mond und Planeten einiges gesehen, vor allem nachdem ich für 100 Euro einen Motor nachgerüstet hatte. Aber in Sachen "Objekte außerhab des Sonnensystems" ging dem Teleskop einfach das Licht aus. Schon ein Newton-Teleskop welches nur ein wenig größer war zeigte mir mehr: 150mm Durchmesser, 750mm Brennweite. Bis das Geld dafür zusammen war, musste ein Newton (vom Sperrmüll) mit 76mm Durchmesser und 700mm Brennweite als "Notration" reichen. Meine Meinung: 76 und 114 mm nehmen sich nicht viel, das ist die gleiche Liga. Bei der Gelegenheit habe ich die Dobson-Montierung kennen und schätzen gelernt. Ich habe sie selbst gebaut, was nicht sehr schwer ist wenn man die Werkzeuge hat. Hier mal ein paar Bilder zum 150/750. Meine neueste Erwerbung ist eins mit 200mm Duchmesser und 1200 mm Brennweite. Unhandlicher, aber es fängt mehr Licht ein.


    Ich würde jedem Anfänger dazu raten, ein Teleskop mit Dobson-Montierung zu kaufen und die Montierung ggf. selbst zu bauen. Falls es Zweifel gibt ob auf dem Balkon genug Platz ist, kann man aus einem Stück Pappe ja mal ein 1:1 Model (flach) basteln. Ich helfe da gerne mit dem Zollstock aus und messe meine Exemplare. Da der Einblick seitlich ist, kann es ja nicht über die Brüstung ragen, das Balkongeländer darf aber auch nicht im (Licht)Weg sein. Es muß in voller Lebensgröße auf den Balkon passen. Überlegt vorher, was vom Balkon aus zu sehen sein wird. Ermittelt mal mit einem Kompass (App) die Himmelsrichtung, die Breite und die Höhe des "Himmelsausschnitts" den ihr seht. Leider gibt es nicht in alle Richtungen gleich viel zu sehen. Dazu braucht ihr keinen Winkelmesser, das kann man auch schätzen.


    Die Händler erkennen immer mehr dass eine Dobson-Montierung ein guter Start ist und bieten immer mehr Teleskope, auch kleinere, als (Einarm-)Dobson an.

    Eine parallaktische Montierung ist kein Teufelswerk, aber der Rotstift wird bei Einsteigerteleskopen zuerst am Zubehör angesetzt, und so ist die mitgelieferte parallaktische Montierung eines Einsteigerteleskops meist von Anfang an zu schwach. Sie schwingt lange nach, biegt sich durch und/oder knackt verdächtig wenn mal schweres Zubehör zum Einsatz kommt. Wer einmal erlebt hat wie wenig (bis gar nicht) ein Dobson nachschwingt, der will nicht mehr zurück.


    Oft gedacht aber vor dem Kauf nie zur Sprache gebracht: "Aber mit parallaktischen Mntierungen sind Langzeitbelichtungen möglich, mit Dobsons nicht...."

    Wer als Fotografie-Fan Angst um seine Foto-Ambitionen hat, dem sage ich: Mach doch erst mal Fotos nur mit der Kamera, ohne Teleskop, ohne Nachführung.

    Wenn dir das so gut gelingt dass es dich langweilt, dann wende dich an die Astrofotografen und frag die aus. Rechne aber damit dass du überhaupt nichts von dem was dir bei visueller Beobachtung gute Dienst leistete weiterverwenden kannst, noch nicht einmal das Teleskop.


    Zum dem von Rudi verlinkten Teleskopvergleich: Das sind generierte Bilder aus dem Computer. Die Realität sieht, wegen Lichtverschmutzung, Wetter, Standort, Optikfehlern und eigener Seherfahrung viel bescheidener aus. Nicht umsonst wird Astrourlaub im Busch von Tansania mit High-End-Teleskopen vor Ort angeboten und auch angenommen.


    Peter hat noch den Telrad angesprochen. Das wäre auch meine Empfehlung. Ein "Zielfernrohr" ohne Linsen, das rote Ringe auf eine kleine Glasscheibe projiziert. Ich benutze den "Rigel Quickfinder", den kleinen, handlicheren Bruder des Telrad. Mein starkes Auge ist das linke Auge. Da ich meinen Hals nicht gut nach rechts drehen kann peile ich daher nicht mit dem Auge dass dem Teleskop am nächsten ist, sondern mit dem anderen. Deshalb bin ich gar nicht traurig dass der Rigel wie ein Turm gebaut ist. Es gibt Sternkarten in denen diese Ringe abgedruckt sind ("Deepsky Reiseatlas"), so dass man abschätzen kann wie viele Ringbreiten man von einem markanten Stern in welche Richtung "springen" muß um etwas zu finden. Der Telrad malt einen Ring mehr als der Quickfinder, also muß ich beim aufsuchen den äußersten abgedruckten Ring ignorieren.


    Klare Sicht allen alten und neuen Teleskopbesitzern, und nicht nur denen eine schöne Adventszeit

    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 200/1200 Dobson
    Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel | 76/700 "Tchiboskop"-Newton (2x)


    https://astronomiefreunde-kn.de/

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  • Hallo Detlef, vielen Dank für deinen ausführlichen und informativen Beitrag! Ihr habt mich alle überzeugt, weshalb ich mich tatsächlich für einen 6" Dobson entschieden habe und freue mich nun sehr auf Weihnachten und die erste klare Nacht :)

    Auch dir eine schöne Adventszeit :saint: