Was ist das für eine Glassorte

  • Hallo zusammen,

    ich hoffe euch allen geht es gut und ihr habt Zeit und Muße euch unserem Hobby zu widmen, soweit das momentan möglich ist.


    Durch eine Schenkung bin ich in den Besitz eines Glasrohlings gekommen, und frage mich jetzt was das für Glas ist. Der ehemalige Besitzer ist verstorben, ich habe es von seinem Sohn bekommen als er jetzt Zeit hatte auch die letzten Ecken des Kellers zu entrümpeln. Es ist sicher 30 Jahre alt. Der Besitzer hat selber Linsen geschliffen und daraus Teleskope gebaut.


    Die Abmessungen: ca 170mm Durchmesser, 20mm Dicke.

    Gewicht laut elektronischer Küchenwaage 1250 Gramm.

    Damit komme ich auf eine Dichte von ca 2,75

    Ganz schön viel


    Das Glas ist ziemlich klar, nur wenn man quer durchschaut sieht es ein wenig grünlich aus.

    Die eine Seite des Rohlings ist matt und nicht plan sondern ein bisschen gewölbt,

    die andere Seite ist glänzend und sieht leicht wellig aus, so wie gefrorenes Eis auf einem Teich.

    Der Rohling ist herausgebohrt worden, man sieht rundherum die Spuren.

    Auf der glatten Seite ist eine kleine Fase in die Außenkante geschliffen, dafür ist an der anderen

    einiges ausgemuschelt. Anscheinend ist das die Seite an der das ausgebohrte Glasstück vom Rest abbrach.


    Hat jemand eine Idee?


    Passt auf euch auf

    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 200/1000 Zollstock-Dobson
    Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel | 76/700 "Tchiboskop"-Newton


    https://astronomiefreunde-kn.de/

  • Hallo Detlev,


    sieht aus, als hättest Du gröβeres vor !


    Ich habe keine Ahnung und auch intensiv im Netz gesucht, um alte Glaskataloge zu finden. Hatte lange einen Katalog in Papierform aus den 70er Jahren von Spindler & Hoyer und auch noch einen anderen (ziemlich sicher Schott), aber irgendwann habe ich die weggeworfen. ...Ich habe leider nichts gefunden, sorry. ... ... Aber (die Frage ist ein ein biβchen naïv, ich weiβ) : das Grün, deutet das nicht eigentlich auf Fensterglas ?


    Während meiner Recherche bin ich auβerdem auf folgende Frage gestoβen und habe keine befriedigende Antwort gefunden: Bei Teleskopspiegeln erfolgt die "Versilberung" = Aluminierung ja (im Gegensatz zum Badezimmerspiegel, der sehr oft geputzt wird) auf der Vorderseite. Er muβ als nicht transparent sein (im Gegensatz zu Linsen). Ja warum verwendet man denn dann überhaupt Glas für Parabol-Teleskopspiegel, und nicht Metall z.B. (https://www.spiegel.de/wissens…ffe-gluehen-a-381367.html) oder Stein ? (Das man kein Holz verwendet, verstehe ich noch, weil das ja arbeitet).


    Jedenfalls wünsche ich Dir viel Spaβ, wenn es denn ein Projekt wird !

  • Ich und ihr wisst das ich blutiger Anfänger bin. Hoffe aber das ich die Frage richtig verstanden hab.


    Auch Metall arbeitet.

    Merk ich jeden Sommer.

    Da stimmen die Maße unserer Handling Geräte auch nicht mehr. Morgens ist alles gut und ab der Mittagszeit müssen wir Maße korrigieren. Meistens im Zehntelbereich, manchmal sogar einen ganzen Millimeter.

    Ich denke das ein Verzug im Zehntelbereich eines Parabolspiegels katastrophal wäre.


    Gruß Schreddl

  • Hallo zusammen,

    ich bin zu dem Glas Rohling gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Mein Kollege hat seinen Keller entrümpelt und dabei noch Sachen gefunden die sein Vater dort vor langer Zeit eingelagert hat. Mittlerweile glaube ich dieses Stück Glas ist kein Rohling mehr sondern war Werkzeug (engl "Tool") zur Bearbeitung eines anderen Glasstückes. Das würde die matte, gewölbte Seite erklären. Oder es ist eine unvollendete Arbeit. Die Grundidee beim Optik schleifen ist ja dass man mit 2 Stücken glatten, planen Glas anfängt und sich durch übereinander schieben und die Schleifmittel eins ins andere "gräbt". Durch gezielten wechsel von Rohling und Tool, also mal das eine oben und mal das andere kann gesteuert werden was wo mehr Abtrag erfährt. Bei YouTube gibt es ein schönes Video von Mr Dobson himself.

    Als Tool dürfte die nicht geschliffene Seite noch nutzbar sein, als Spiegel eher nicht als 1.Wahl, ich müsste erst mühsam die Wölbung nach außen abtragen bevor ich da bin wo andere Spiegelschleifer anfangen. Die andere Seite schleifen ginge sicher irgendwie, aber dann hätte ich nach Monaten Arbeit einen SPIEGEL mit gewölbten Boden, der in kaum eine Halterung passt. Konkrete Pläne habe ich nicht, aber wer weiss was noch kommt.


    Viele Grüße

    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


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  • Nachtrag für Rudi:
    In der Anfangszeit waren optische Teleskopspiegel aus Metall. Es war eine Kupfer-Zinn-Legierung mit bescheidenen optischen Werten, nur etwa die Hälfte des Lichts wurde gespiegelt. Nochmal das gleiche am Ablenkspiegel, und du hast 75% Verlust bevor es durch bescheidene Huygensokulare ging. Daher wurden Schiefspiegler bevorzugt, die waren so gesehen um 50% besser. Homogene Glasblöcke herstellen, das war damals nicht so einfach. "Spekulatius" war es nicht, aber so ähnlich klang der Name der Legierung.


    Keine Angst vor Fensterglas. Für einen Teleskopabend an einem selbstgebauten Spiegelteleskop sind sicher ein dutzend Probleme zufriedenstellend zu lösen. Die meisten davon haben mit Stabilität und der Mechanik zu tun, einige auch mit dem Beobachtungsbedingungen. Erst wenn die vollständig gelöst sind macht es einen Unterschied aus was der Spiegel gemacht ist. Solange es wackelt ist es egal ob da ein Teleskop für 5 Euro oder für 5000 Euro wackelt. Aber jeder Selbstbauer ist natürlich davon überzeugt, er/sie hätte das einzig gut funktionierende Teleskop auf dieser Hemisphäre. Da sind wir den 85% die sich selbst als "gute Autofahrer" bezeichnen sehr ähnlich... ;)

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


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  • Grüβ Dich Detlev,


    schön von Dir zu hören. Arbeitest Du zuhause ?


    Jo, aber meine Frage war eiegntlich, warum macht man keine moderne Aluminiumbeschichtung auf andere- womöglich billigere oder leichtere (!) - Materialien, wie eben Metall oder Stein oder Keramik. Das transparente Glas bräuchte man am Spiegel (wegen seiner Transparenz) ja nicht. Irgendwas besonderes (vielleicht Ausdehnungskoeffizient oder so was), muβ am Glas schon noch sein !


    Gruβ und gute Gesundheit.

    (Bin mal gespannt, wenn ich mal wieder über die Grenze in meine Heimat darf ;))

  • Ich antworte mir mal selber, hier stehts: https://de.wikipedia.org/wiki/Ausdehnungskoeffizient

    Quarzglas ist - im Vergleich zu anderen Materialien - offensichtlich unschlagbar, mit einem Ausdehnungskoeffizienten von 0.54 ! (Und Schreddl hatte richtig getippt).

    Ciao

  • Ah ja, der Ausdehnungskoeffizient. Da war was, das gegen Metall spricht. Oje, Kunststoffe sind noch noch schlimmer!

    Wahrscheinlich spielte der damals keine große Rolle bei den Metallspiegeln, denn es gab ja kaum Alternativen. War es Herrschel oder jemand anders, der Achtzehnhundertungerade einen Metallspiegel von fast zwei Metern baute? Das in Glas wäre selbst heute noch eine Herausforderung, vor allem wenn man die 1:5 Daumenregel bedenkt: Glasdurchmesser = 5 x Glasdicke.

    Die modernen Prüfverfahren um einen passend geformten Spiegel zu schleifen sind auch erst spät gefunden worden. Selbst die von Newton persönlich geschliffenen Spiegel waren nicht wirklich gut.

    Man hat eben sein Bestes gegeben, so wie immer. Unsere Enkel werden auch den Kopf darüber schütteln an was wir verzweifelt sind.


    Erste Schritte Glas im 3D-Drucker zu drucken laufen längst. Vielleicht lassen sich Spiegelschleifer demnächst einen federleichten sphärischen Rohling mit Wabenstruktur und dazu passendem Tool drucken und parabolisieren ihn nur noch?


    Ich bin jetzt in der 5. Woche zuhause. Für mich ist heute "Sol 33" wenn man den Wortschatz der NASA verwenden will. Weil meine Frau hustete und immer noch hustet, durfte ich nicht mehr ins Büro. Unser Firma war glücklicherweise sehr gut auf "Home-Office für alle" vorbereitet, unsere Kunden wenig bis gar nicht. Trotzdem sind alle froh dass wir noch für sie arbeiten können, und wir auch.

    Kontakt zu Freunden und Familie läuft über "Skype", ich hab meine Schwiegereltern mit meinem alten Smartphone und zusätzlich noch mit Kopfhörer und Webcam versorgt. Der WLAN-Router war da schon 2 Wochen bei ihnen installiert, zum Glück. Inzwischen freut man sich über jedes Gesicht das man per Webcam einfangen kann, und wenn die Kinder mal mit ins Bild kommen ist das eine willkommene Abwechslung. Meine Tochter(9) hat inzwischen schon mit vielen meiner Kollegen gequatscht udn auch mit deren Kindern. Alle sind froh mal mit jemand reden zu können.


    Alles Gute

    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


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