Alle Jahre wieder bei Tchibo...

  • ..gab es ein kleines Newton-Teleskop. In letzter Zeit sah ich es nicht mehr. Eigentlich Schade.


    Der Durchmesser des Hauptspiegels beträgt 76mm, die Brennweite 700mm. Das beigelegte Zubehör schwankt. War anfangs noch ein winziger optischer Sucher mit Fadenkreuz dabei, so gab es in späteren Jahren einen Leuchtpunktsucher. 3 einfache Okulare mit 4, 12 und 20mm Brennweite und eine 2x Barlow-Linse rundeten das Paket ab. Anfangs waren es Okulare mit 0,96" Steckdurchmesser, später mit 1,25". Ich hatte mal eins in einem Hartschalenkoffer, aber das muss wohl eins der letzten Modelle gewesen sein, denn ein Freund von mir hatte seins ein paar Jahre zuvor in einem Karton erworben. Seins war glaube ich schwarz, meins war silberfarben. Allen Modellen gemeinsam ist eine Gabelmontierung auf einem Dreibein-Stativ, mit Lochplatte in der Mitte als Ablage für die Okulare. Natürlich gibt es auch andere Verkäufer, und auch bei "richtigen" Astro-Händlern finden sich entsprechende Modelle für zweistellige Eurobeträge im Sortiment.


    Der Gebrauchtmarkt ist dermaßen gesättigt mit diesen Teleskopen das man den Eindruck bekommt in jeder Familie bekommt jedes Kind früher oder später so ein Teleskop geschenkt, nur um es einige Jahre später "fast neuwertig" weit unter Neupreis wieder zu verkaufen. Warum wird es gekauft, und warum wird es nicht lange benutzt?

    Die erste Frage erklärt sich über den Preis. Zwischen 50 und 100 Euro, das ist die ideale Preislage für Geschenke, die man nicht einfach so kauft sondern sich was dazu überlegt hat.

    Die zweite Frage hängt weniger mit dem Teleskop selbst als vielmehr mit der Mechanik drumherum zusammen. Selbst wenn alle Stativschrauben gut angezogen sind, so hat die Buchse in der die Gabelmontierung läuft einiges an Spiel, und die Höhe des Blicks in den Himmel wird über eine Spindelschraube eingestellt die durch drehen länger oder kürzer werden kann. Leider knickt auch die ein klein wenig ein, was dazu führt dass man das Gesuchte im Visier hat, es aber nach dem loslassen des Tubus aus dem Blick verschwindet. Es braucht eine Eselsgeduld bis man sich mit diesem System angefreundet hat und mit spitzen Fingern das Teleskop führen kann. Wer nicht mit mehreren klaren Nächten am Stück gesegnet ist und so Stück für Stück den Umgang damit erlernt, für den ist sehr wahrscheinlich die erste Beobachtungsnacht auch gleichzeitig die letzte.


    Wenn die Optik nicht das Problem ist, dann könnte man doch hier und da...


    Ja, genau das kann gemacht werden. Stabilere Schrauben, bessere Beilagscheiben, hier und da was stabilisieren. Je nach Ausgangssituation wird die Wackelei deutlich weniger.

    Trotzdem bleibt diese seltsame Bedienung mit der Spindel, an deren "Wacklizität" wenig geändert werden kann weil es einfach um das Gewindespiel dieses Bauteils geht. Sie muß leichtgägig sein sonst drückt man mit dem Finger das Teleskop weg, und gleichzeitig soll sie wenig Spiel haben. Das geht eigentlich nur mit einem präzisen Feingewinde. Weil sie seitlich herausragt gehört sie zu den Teleskopteilen die bei einem Sturz am meisten leiden und auch oft kaputt gehen. Der silberne Glanz der massiv erscheinenden Befestigung am Tubus entpuppt sich bei neuen Modellen oft als metallisierter Kunststoff der den Versuch alles mal richtig fest zu ziehen mit seiner Auflösung in Kunststoffbrösel belohnt. Ohne Spindelarretierung ist das Teleskop praktisch unbrauchbar geworden und wird verstaubt und leicht verbeult schon für einstellige Euro-Beträge angeboten, als "Ersatzteilspender".



    Gibt es keine andere Möglichkeit, es noch weniger wackeln zu lassen, und vielleicht diese seltsame Spindel ganz loszuwerden?


    Doch! Und sie wurde schon vielfach erfolgreich umgesetzt: Der Umbau zu einem Dobson-Teleskop!


    Heiko von "Heiko schaut ins All" hat auf seiner Homepage einen schönen Bericht dazu geschrieben und den Bau zusammen mit seiner Tochter mit Fotos ergänzt. Ich bin in einer ähnlichen Situation und wollte dem Tchibo-Teleskop meiner Tochter (9) einen besseren Unterbau geben. Zu zweit sollte das doch gut gehen. Für den Sohn ihrer Patentante soll das gesamte Kunststück ein zweites mal gelingen. Wegen fehlender Erfahrung in der Familie und auch wegen der durch Corona bedingten Abstandgebote werde ich leider nicht mit ihm zusammen basteln können sondern ihm einen Bausatz vorbereiten der "nur noch" mit dem Akkuschrauber vollendet werden muß. Aber das ist noch nicht geschehen. Erst mal eins fertigstellen, testen und dann das zweite nach diesem Vorbild bauen.


    Als ersten Erfolg kann das neue Stativ und die seitlich am Teleskop angebrachten Höhenräder präsentiert werden. Den Weg dorthin beschreibe ich in den nächsten Tagen, nach dem Geburtstag meiner Tochter.


    Fotos werden hier zu sehen sein


    (Bis ich meine Alben entrümpelt habe liegen die Fotos hier)

    https://1drv.ms/u/s!Ap9_x3_I6sC6jFhl3fLfPM4tnS9B?e=DlKFJD


    Bis dahin schöne Grüße an alle Mütter, Väter und Kinder unter dem Sternenhimmel. Bleibt gesund und passt auf euch auf!


    Detlev

    "Das Universum ist nicht dazu verpflichtet für dich irgendeinen Sinn zu ergeben!" (N. D. Tyson)


    Bresser 10x50 | 150/750 Dobson | 70/700 Skylux Refraktor | 200/1200 Dobson
    Im Bastelkeller: 8"f/6 Spiegel | 76/700 "Tchiboskop"-Newton (2x)


    https://astronomiefreunde-kn.de/

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